18.10.2019, 13.39 Uhr

Boris Johnson privat: So lebt Englands Premierminister, der den Brexit schaffen will aktuell

Boris Johnson: Selbstsicher auf dem Weg raus aus der EU.

Boris Johnson: Selbstsicher auf dem Weg raus aus der EU. Bild: Andy Rain/dpa

Er fällt auf, er ist laut und er polarisiert. Auch von der ältesten parlamentarischen Demokratie in Europa schient Brexit-Boris nicht viel zu halten. Queen Elizabeth II. ist bei aller Neutralität keine Befürworterin des polternden Populisten. Für viele Briten scheint Boris Johnson aber genau die richtige Person zu sein, um Großbritannien aus der EU zu führen. Seit dem Referendum 2016 zieht sich der Prozess des britischen EU-Austritts nun hin und belastet die gesamte europäische Gemeinschaft.

Aktuell scheint seine harte Verhandlungsstrategie aufgegangen zu sein. Was niemand mehr für möglich gehalten hat, scheint ihm jetzt zu gelingen, ein Brexit-Deal in letzter Sekunde.Allerdings muss auch Boris Johnson seinen Deal noch durch das Britische Parlament bekommen und dafür signalisieren Labour und DUP schon Ablehnung.

Schon zu dieser Zeit, als Alexander Boris de Pfeffel Johnson, so der vollständige Name des Politikers, noch als Außenminister tätig war, galt er als Hardliner, wenn es um den EU-Austritt des Vereinigten Königreichs ging. Seit dem 23. Juli 2019 steht fest: Boris Johnson ist der neue britische Premierminister und Nachfolger von Theresa May.

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Boris Johnson und die ziemlich auffälligen Eigenheiten eines englischen Spitzenpolitikers

Schon vor der Entscheidung war klar: Boris Johnson weiß sich in Szene zu setzen. Diese Fähigkeit ist jedoch kein angeborenes Talent, denn schon vor seiner politischen Karriere war Boris Johnson als Journalist tätig. So weiß er genau, wie er mit den Fragen, die ihn in Bedrängnis bringen sollen, umgehen muss.

Er kennt darüber hinaus Wirkung Nachrichten auf die Menschen sehr genau. So fällt es Boris Johnson leicht, den Briten seine Ideen näherzubringen und schafft es trotzdem, gefährliche politische Minenfelder unbeschadet zu durchqueren.

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Dieses kuriose Hobby pflegt Boris Johnson

Boris Johnson bastelt nach eigener Aussage zum Abschalten gern Busse aus hölzernen Weinkisten - und erntet damit Spott und Unglauben im Netz. "Ich baue Modellbusse", sagte Johnson dem Sender TalkRadio. "Also, ich nehme mir alte Holzkisten, ja, und dann male ich sie an. Ich nehme an, das ist so eine Kiste, in der mal zwei Weinflaschen drin waren", erzählte Johnson weiter. "Sie hat so ein Trenn-Ding, und dann mache ich einen Bus daraus. (...) Ich male die Insassen, die sich in dem wunderbaren Bus vergnügen."

Er stelle sich vor, die Modellbusse seien umweltfreundlich - wie die echten Busse, die er während seiner Zeit als Bürgermeister von London zwischen 2008 und 2016 auf die Straßen der britischen Hauptstadt gebracht habe, sagte der 55-Jährige.

Prominente und weniger bekannte Internetnutzer kommentierten Johnsons Aussage als "sonderbar" und "bizarr". Der Schauspieler Ross Mullan (52, "Game of Thrones") spottete bei Twitter in Anspielung auf ein Brexit-Versprechen Johnsons: "Ich erfinde gern spontan Sachen. Ich erfinde Busse, die behaupten, der (Gesundheitsdienst) NHS werde 350 Millionen Pfund pro Woche bekommen."

"Das Schlimmste an Boris' Modell-Bus-Geschichte ist, dass sie ein bisschen so klingt, als habe er sich das ausgedacht", twitterte ein Satiriker, der unter dem Namen Otto English bloggt.

Dieser Bus ist viel wichtiger im Zusammenhang mit Boris Johnson

Kritiker des Politikers sehen in den Interview, in dem er über sein Bus-Bastel-Hobby sprach ein weiteres Problem. Denn wenn man davor bei Google "Boris Johnson" und "Bus" eingegeben hat, fand man nicht die Nachricht über sein seltsames Hobby, sondern seine Buslüge: Seine größte politische Schmach. Von dieser wünscht er sich bestimmt, dass die Menschen und das Internet sie vergessen.

Bei der Werbung für den Brexit versprach er mehre Millionen Pfund einzusparen, um diese dann in das britische Gesundheitssystem zu investieren. Diese Aussage stellte sich als glatte Lüge heraus, die er auf einen roten Bus drucken lies. Und damit die Menschen schneller vergessen, versucht er direkt mit selbstgemachten Nachrichten Google von seinen Taten abzulenken und das mit nicht zu verachtendem Erfolg.

Boris Johnson als Nachfolger von Theresa May: Nur leere Worte oder Britannien um jeden Preis?

Boris Johnson wurdenach dem Rücktritt Theresa Mays eine neue Chance auf den Posten des Premierministers eingeräumt. Er und Jeremy Hunt, der aktuelle Außenminister Großbritanniens, stritten sich um den Vorsitz ihrer Partei und den damit einhergehenden Posten des Premierministers. Nun ist es an Boris Johnson, England und das vereinigte Königreich sicher durch den Brexit zu führen.

Doch gibt es noch Chancen für einen Brexit ohne wirtschaftlichen Totalschaden für die Briten? Laut Johnson ist das immer noch möglich. In Brüssel erntet er damit aber nur Kopfschütteln. Die Verhandlungspartner sind entnervt und nicht bereit, die Verhandlung über den selbst herbeigeführten Brexit neu zu beginnen oder noch weiteren Aufschub zu gewähren.

Boris Johnson landet mit privaten Skandalen um Freundin Carrie in den Schlagzeilen

Aber nicht nur in der Öffentlichkeit hatte es Boris Johnson zuletzt immer schwerer. Der Mann, der sich gern als aktiver Radfahrer und auch sonst den Menschen nah zeigt, musste im Juni 2019 erklären, warum mitten in der Nacht die Polizei zu seiner Wohnung gerufen wurde. Johnson jedoch wich jeder Frage zu dem Thema aus und führte den Schutz von Freunden und Familie als Grund für sein Schweigen an.

Der Nachbar, der die Polizei gerufen hat, berichtete von einem lauten Streit in der Wohnung von Boris Johnsons Freundin Carrie Symonds, der ihn nicht schlafen ließ. Da auch nach mehrfachem Klopfen die Tür der Nachbarwohnung nicht geöffnet wurde und laute Schreie und Geräusche zu hören gewesen sein sollen, informierte der Besorgte Anwohner die Polizei.

Diese war zwar nur kurz vor Ort und konnte nichts Verdächtiges feststellen, aber die Weigerung Johnsons, auch nur eine kurze Erklärung zu liefern, besorgte einen großen Teil der britischen Öffentlichkeit. Trotzdem zeigt er sich immer wieder vor Kameras, wo er wieder und wieder davon erzählt, wie die EU wieder Verhandlungen aufnehmen wird.

Boris Johnson privat zwischen Hochzeiten, Scheidungen und Kindern

Private Eskapaden gehören zu Boris Johnson einfach dazu: Nach seiner ersten Ehe mit Allegra Mosytn-Owen, die 1993 geschieden wurde, heiratete Boris Johnson noch im gleichen Jahr Marina Wheeler. Mit seiner zweiten Ehefrau, die als Anwältin arbeitet, bekam der Konservative zwei Söhne und zwei Töchter, die auf die Namen Lara Lettice, Cassia Peaches, Theodore Apollo und Milo Arthur getauft wurden. Doch trotz der Kinderschar gaben Marina Wheeler und Boris Johnson im Herbst 2018 bekannt, sich scheiden lassen zu wollen. Inzwischen lebt Boris Johnson mit seiner Freundin Carrie Symonds, die 24 Jahre jünger ist als der Politiker, zusammen.

Boris Johnson an der Spitze der Tory-Partei! Kann er jetzt als Premierminister überzeugen?

Nach dem Rücktritt von Theresa May als Premierministerin und Anführerin der Tory-Partei witterte Boris Johnson seine große Chance, das Ruder zu übernehmen. Denn mit der parteiinternen Wahl zum Parteivorsitzenden geht auch das Amt des Premierministers von Großbritannien an den Sieger. Umso verbissener gestaltete sich der Kampf zwischen Hunt und Johnson um die Stimmen aus der eigenen Partei. Mit seinem Sieg setzte er zeichen aber seine innerparteilichen Gegner machen ihm das Leben schwer. Ob er sich in Neuwahlen durchsetzen kann oder gar vorher schon durch einen Misstrauensantrag gestürzt wird, wird sich noch zeigen.

Seine Vorstellungen klangen einfach. Niemand will einen ungeplanten Brexit, niemand will Spannungen an der inneririschen Grenze und die EU ist nach jahrelangen Verhandlungen ohne nennenswertes Ergebnis gern bereit wieder zu verhandeln. In Brüssel ist der Ton jedoch anders.

Sicher wünschen sich auch die verbleibenden Mitgliedsstaaten einen geordneten Austritt, aber keiner ist bereit sich dafür in britische Geiselhaft nehmen zu lassen. Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende, scheint die Devise in Brüssel zu sein.

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luj/loc/news.de/dpa
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