15.04.2019, 10.39 Uhr

Julian Assange festgenommen:      Julian Assange: Wikileaks, Flucht ins Asyl und Vergewaltigungsvorwürfe

Der bärtige, sichtlich gealterte Assange bei seiner Festnahme.

Der bärtige, sichtlich gealterte Assange bei seiner Festnahme. Bild: Victoria Jones/PA Wire/dpa

Plakate mit dem Konterfei von Julian Assange: Der Wikileaks-Gründer ist in London von Metropolitan Police festgenommen worden.

Plakate mit dem Konterfei von Julian Assange: Der Wikileaks-Gründer ist in London von Metropolitan Police festgenommen worden. Bild: Matt Dunham/AP/dpa

Wikileaks trat zunächst in Erscheinung mit der Veröffentlichung geheimer US-Dateien, die unter anderem Menschenrechtsverletzungen und die Tötung von Zivilisten durch amerikanische Truppen in Afghanistan dokumentierten.

Zuletzt stand Wikileaks aber vor allem im Fokus von US-Ermittlungen, weil die Enthüllungswebsite im Präsidentschaftswahlkampf 2016 gestohlene E-Mails der demokratischen Partei veröffentlichte. US-Behörden gehen davon aus, dass die E-Mails von russischen Hackern heruntergeladen und Wikileaks zugespielt wurden. Diesen Aspekt hat auch FBI-Sonderermittler Robert Mueller in seinem Abschlussbericht über die vermutete russische Einmischung bei der von Donald Trump gewonnenen Präsidentenwahl festgehalten.

Das Interesse der US-Justiz wurde im vergangenen November bekannt, als Assanges Name versehentlich in einem US-Gerichtsdokument auftauchte. Die Passage legte nahe, dass es bereits eine Anklage gibt, sie aber unter Verschluss gehalten wird. Die jetzt veröffentlichte Anklageschrift trägt das Datum 6. März 2018.

Ecuadors Präsident Moreno wirft Assange Einmischung in innere Angelegenheit anderer Staaten vor

Manning hatte Wikileaks im Jahr 2010 - damals noch als Bradley Manning - hunderttausende geheime Militärdokumente zukommen lassen. Sie wurde zu 35 Jahren Freiheitsstrafe verurteilt und von US-Präsident Barack Obama kurz vor Ende seiner Amtszeit begnadigt.

Ecuadors Präsident Moreno dagegen betonte, Asyl zu gewähren oder zu entziehen sei Recht des Staats. Er warf Assange die Einmischung in innere Angelegenheiten anderer Staaten sowie unhöfliches und aggressives Verhalten vor.

Julian Assange verstieß gegen britische Kautionsauflagen

Großbritanniens Regierung begrüßte die Festnahme. "Julian Assange ist kein Held und niemand steht über dem Gesetz", schrieb Außenminister Jeremy Hunt auf Twitter. "Er hat sich jahrelang vor der Wahrheit versteckt." Die zusätzlichen Polizeiwachen vor der Botschaft hatten die britischen Steuerzahlen über die vergangenen Jahre Millionen gekostet.

Assange bezeichnet sich selbst als Journalist und beansprucht deshalb die für Medien üblichen Schutzklauseln, wenn es um die Geheimhaltung von Quellen und die Veröffentlichung vertraulicher Informationen geht. Kritiker werfen ihm vor, er sei ein einen Selbstdarsteller, der Menschenleben gefährdet habe. Seine Anhänger sehen in ihm dagegen einen Aufklärer.

Als Assange in die diplomatische Vertretung flüchtete, lag gegen ihn ein europäischer Haftbefehl wegen Vergewaltigungsvorwürfen in Schweden vor. Er befürchtete, zunächst nach Skandinavien und schließlich an die USA ausgeliefert zu werden. Im Mai 2017 stellte die Staatsanwaltschaft in Schweden jedoch ihre Ermittlungen ein.

Damit war Assange allerdings noch kein freier Mann, denn er hatte mit der Flucht in die Botschaft gegen britische Kautionsauflagen verstoßen. Scotland Yard kündigte an, den Enthüllungsaktivisten festzunehmen, sobald er die Botschaft verlasse. Ein Versuch der Anwälte Assanges, den Haftbefehl von einem Gericht für ungültig erklären zu lassen, scheitert.

Darum verweigerte die Botschaft Ecuadors Julian Assange weiteres Asyl

In den vergangenen Monaten verschlechterte sich Assanges Lage im Botschaftsasyl zusehends; die Spannungen mit Ecuador nahmen zu. Der linksgerichtete ecuadorianische Präsident Rafael Correa hatte Assange einst das Botschaftsasyl aus humanitären Gründen gewährt. Correas Nachfolger Lenin Moreno wollte diesen Zustand jedoch beenden.

Das wohl Schlimmste für Assange: Er verlor zeitweise den Zugang zum Internet, weil er sich - entgegen der Forderung seiner Gastgeber - nicht mit politischen Botschaften zurückhielt. Ecuador mahnte den 47-Jährigen außerdem, er solle seine Unterkunft sauberer halten. Assange warf der Regierung Ecuadors vor, sie habe mit Washington längst seine Auslieferung aus Großbritannien in die USA abgesprochen.

Das Exil soll Assange auch krank gemacht haben. "Sein Körper gibt langsam auf, er hat schon Herzprobleme, eine chronische Lungenentzündung und starke Schulterschmerzen", sagte seine Mutter einmal dem australischen Sender ABC.

kad/news.de/dpa
Seiten: 12
Nach Moschee-Massaker in ChristchurchFriedrich MerzKate Middleton von Prinz William betrogen?Neue Nachrichten auf der Startseite