21.10.2018, 14.08 Uhr

Horst Seehofer: Rücktritt? Wie lange hält sich Seehofer noch?

Horst Seehofer spricht von Rücktritt, sieht sich aber nicht als Alleinschuldigen.

Horst Seehofer spricht von Rücktritt, sieht sich aber nicht als Alleinschuldigen. Bild: dpa

Erstmals nach der CSU-Landtagswahlpleite hat Horst Seehofer einen möglichen Rücktritt als Parteichef angedeutet - wenn ihn seine Partei für den CSU-Absturz allein verantwortlich machen sollte. "Noch mal mache ich einen Watschnbaum nicht. Man kann mich kritisieren, aber das zu reduzieren auf den Horst Seehofer, und der ist für alles verantwortlich, das werde ich persönlich nicht mitmachen", sagte Seehofer am Sonntag im Bayerischen Fernsehen. "Eher stelle ich mein Amt als Parteivorsitzender zur Verfügung - ich glaube, klarer kann man sich nicht ausdrücken."

Wahl-Schlappe bei der CSU: Horst Seehofer spricht von Rücktritt

Seehofer, der seit dem CSU-Absturz bei der Landtagswahl auf nur noch 37,2 Prozent parteiintern massiv unter Druck steht, wies eine Alleinverantwortung energisch zurück. "Das ist halt ein einfaches Geschäft: Wenn man auf einen anderen zeigen kann, muss man sich nicht mit sich selbst beschäftigen." Das sei schon nach der Bundestagswahl 2017 so gewesen: "Obwohl ich gar nicht zur Wahl stand, in keiner Wahlsendung war, auf keinem Wahlplakat, war ich schon nach der Bundestagswahl der Hauptverursacher. Jetzt wieder", klagte er.

Seehofer will Verantwortung übernehmen

Seehofer sagte, er stehe zu seiner Verantwortung - aber die CSU müsse auch strukturelle Fragen beantworten. "Die SPD hat immer die Köpfe ausgewechselt in den letzten Jahren, und es ist immer noch schlechter geworden, weil sie die Strukturen bei sich nicht verändert hat."

Warum schnitt die CSU bei den Wahlen so schlecht ab?

Er fügte hinzu:"Was mich ärgert, ist die oberflächliche Wahlanalyse, die viele anstellen." Der Einbruch der CSU habe aber tiefere Gründe, die längere Zeit zurückreichten. Er nannte die Etablierung der Freien Wähler im Landtag seit 2008, das Erstarken der AfD und zunehmende Veränderungen in der Gesellschaft.

Rücktritt? Wie lange hält sich Seehofer noch?

Doch so einfach ist die Sache nicht. Seehofer ist bis Ende 2019 gewählt, und formal-juristisch gibt es offenbar keine Möglichkeit, ihn abzuwählen. Doch die Partei hofft, dass es nicht zum Äußersten kommt, dass Seehofer vorher ein Einsehen hat. Die große Hoffnung ist, dass der 69-Jährige nach Söders Wahl im Landtag seinen Rücktritt erklärt. "Ich hoffe es - für ihn", meint ein CSU-Vorstandsmitglied.

Doch einfach so gibt Seehofer nicht auf, das macht er auch am Sonntag im Bayerischen Fernsehen deutlich. Und natürlich sind auch mehrere Seitenhiebe auf Söder dabei. Wenn Seehofer darauf verweist, dass er weder den Wahlkampf gemanagt noch strategisch bestimmt habe. Wenn er konstatiert, die CSU schaffe es ja nicht einmal, einen "kleinen dritten Nationalpark" zu beschließen - dieses von ihm angestoßene Projekt hatte Söder wieder einkassiert.

Söders Wiederwahl so gut wie sicher

Doch Söders Wiederwahl im Landtag ist so gut wie sicher. Und nicht nur das. Sollte Seehofer den Weg tatsächlich frei machen, hätte Söder wohl beste Chancen, auch neuer Parteivorsitzender zu werden - wenn er denn will. Landesgruppenchef Alexander Dobrindt gilt als chancenlos. Und so dürfte sich diese Frage zwischen zwei Männern entscheiden: Söder und dem EVP-Fraktionschef im Europaparlament, Manfred Weber, der bekanntlich gerne neuer EU-Kommissionspräsident werden will.

Söder hat in den vergangenen Monaten immer wieder betont, dass für ihn das Ministerpräsidenten-Amt Priorität habe. Ob sich daran etwas ändert, wenn es nach der Hessen-Wahl zu bundespolitischen Eruptionen kommen und die CSU im Bund vor ganz neuen Problemen stehen sollte? Nach Schilderungen aus verschiedenen CSU-Bezirken wäre eine Mehrheit derzeit eher für Söder - beide Spitzenämter gehörten wieder in eine Hand. Andere Gruppen in der Partei argumentieren aber auch, mit Weber als Parteichef könne man nicht nur bei der Europawahl im kommenden Jahr wieder Boden gutmachen, sondern eine Doppelspitze Söder-Weber könne auch die CSU in ihrer größtmöglichen Breite abdecken.

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fka/news.de/dpa
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