15.10.2018, 09.35 Uhr

Markus Söder ganz privat: Schliddert der einstige CSU-Kronprinz in den Größenwahn ab?

Markus Söder versteht es, sich medial in Szene zu setzen, wie hier auf dem Oktoberfest.

Markus Söder versteht es, sich medial in Szene zu setzen, wie hier auf dem Oktoberfest. Bild: pa picture alliance

Von news.de-Volontärin Jessica Sobanski

Markus Söder ist Mitglied der CSU und der amtierende bayerische Ministerpräsident. In der letzten Landtagswahl vom 14. Oktober 2018 wurde er in seinem Amt bestätigt, auch wenn die Partei herbe Verluste einstecken musste.

Markus Söder: Ist seine Tochter ihm gleichgültig?

Markus Söder wurde am 5. Januar 1967 in Nürnberg geboren und evangelisch getauft. Gemeinsam mit seiner Schwester wuchs er in einer konservativen Familie in Nürnberg-Schweinau auf.Auch aktuell lebt der CSU-Politiker mit seiner Ehefrau Karin Baumüller-Söder und den drei gemeinsamen Kindern in Nürnberg.

Außerdem hat Söder eine uneheliche Tochter aus einer früheren Beziehung. Gloria, seine erste Tochter, kam 1998 zur Welt. Aber weder mit ihr noch deren Mutter möchte der konservative Politiker viel Zeit verbringen. Als Markus Söders uneheliche Tochter geboren wurde, kannte er seine jetzige Ehefrau Karin Baumüller (seit der Heirat Karin Baumüller-Söder) bereits. 1999, nicht einmal ein Jahr nach der Geburt seiner ersten Tochter, heiratete Markus Söder Karin Baumüller.

Markus Söder geheimes Privatleben

Sein Privatleben versucht Söder weitestgehend aus der Öffentlichkeit herauszuhalten. Über seine Kinder ist nicht viel bekannt. Doch mit seiner Ehefrau Karin Baumüller-Söder präsentiert sich der derzeitige Ministerpräsident Bayerns oft und gern der Öffentlichkeit, wie bei der Eröffnung der Bayreuther Festspiele 2018 und auch auf der Wiesn tritt das Paar selbstverständlich gemeinsam auf.

Die Karriere des heute 51-Jährigen begann schon früh. 1983, nur einen Tag nach seinem 16. Geburtstag, trat der karrierebewusste Bayer der Jungen Union (JU), der Jugendorganisation von CDU und CSU, bei. 1995 wurde er der Vorsitzender der Jungen Union Bayern. Dies blieb er bis zum Erreichen der Altersgrenze und wechselte dann 2003 in die CSU. Bereits seit 1994 ist Söder Mitglied des bayerischen Landtages.

Markus Söder ganz privat: Franz Josef Strauß statt Madonna

Während bei seinen Altersgenossen Poster von Rockbands und Filmstars an den Wänden hingen, zeigte der junge Markus Söder stolz auf das Franz-Joseph-Strauß-Poster über seinem Bett.Denn Franz Josef Strauß ist Söders großes politisches Vorbild, wie er immer wieder betont. "Er war der Begründer des Mythos Bayern und der CSU. Wegen ihm bin ich in die CSU eingetreten", postete Söder zum dreißigsten Todestag des Politikers auf Twitter.

Seit dem Beginn seiner politischen Karriere hat Markus Söder verschiedene politische Ämter inne. Aber die Wahl zum Ministerpräsidenten am 16. März 2018, die Söder mit 99 Ja-Stimmen von insgesamt 169 (64 Nein-Stimmen, vier Enthaltungen, zwei ungültige Stimmzettel) gewann, sollte der bisherige Höhepunkt seiner Karriere sein. Endlich konnte sich der ewige Kronprinz von Horst Seehofer emanzipieren, nachdem dieser ins Bundesinnenministerium nach Berlin wechselte.

CSU im freien Fall nach Landtagswahl 2018 in Bayern

Doch schon bald wandelte sich die Freude über den gewonnenen Machtkampf in Ernüchterung. Zum Zeitpunkt der Wahl Söders zum Ministerpräsidenten hatte die CSU mit 101 von 180 Abgeordnetensitzen im bayerischen Landtag noch die absolute Mehrheit inne. Diese war der CSU in Bayern über Jahrzehnte so sicher wie das Amen in der Kirche. Seit der Wahl Söders zum Ministerpräsidenten befinden sich die Umfragewerte jedoch im Sinkflug. Laut aktuellen Umfragen kommt die CSU gerade mal noch auf 33 Prozent. Ein historischer Tiefstand. Derlei schlechte Werte hatte die CSU seit über 60 Jahren nicht.

Ein schlechteres Ergebnis als am Sonntag fuhr die CSU bei einer Landtagswahl nur 1950 ein. Damals büßte die Partei fast die Hälfte ihrer Stimmen ein - und kam auf 27,4 Prozent. Der jetzige Stimmenverlust ist der dritthöchste in der Geschichte der Christsozialen. Als sie zuletzt ihre Alleinregierung 2008 verloren, ging es um 17,3 Punkte auf 43,4 Prozent nach unten.

Kritik an Markus Söder auch aus den eigenen Reihen

Markus Söders monatelanger Machtkampf mit Horst Seehofer schien zwar im März gewonnen, als Söder dessen Amt des Ministerpräsidenten übernahm. Doch nun gehen die internen Auseinandersetzungen weiter, zum Leidwesen der Partei, die sich wohl einen Koalitionspartner suchen muss, wenn sie Bayern weiterhin regieren möchte, so wohl nicht allein.

Markus Söder stößt auf viel Kritik, auch in den eigenen Reihen. Einige werfen dem CSU-Politiker Populismus vor. Er versuche durch populistische Äußerungen unter anderem Wähler der AfD abzufischen, so der Vorwurf unter anderem aus der SPD. Doch Populismus scheint bei den konservativen Bayern nicht so gut anzukommen, was die historisch tiefen Umfragewerte zu bestätigen scheinen.

Wer trägt schuld am Wahl-Debakel?

Als ehemaliger Journalist versteht es Söder, sich medial (mal mehr mal weniger) gekonnt zu präsentieren. Sehr intensiv nutzt er soziale Plattformen wie Twitter, Instagram und Facebook, um sich in Szene zu setzen. Die schlechten Umfragewerte versucht er durch bewährte Motive wie Selfies mit Kätzchen oder niedlichen Hundewelpen zu verbessern - mit bislang mäßigem Erfolg.

2003 erreichte die CSU bei der Landtagswahl noch 60,7 Prozent und auch in den Jahren zuvor nie Werte unter 50 Prozent. Die absolute Mehrheit der CSU in Bayern war über Jahrzehnte so sicher wie das Amen in der Kirche. Doch mit der Landtagswahl vom 14. Oktober 2018 hat die Partei und mit ihr ihr erfolgsverwöhnter Spitzenkandidat Markus Söder einen ordentlichen Dämpfer erhalten. Söder bescherte der CSU das schlechteste Wahlergebnis seit knapp 70 Jahren! Doch statt der nun dringend notwendigen Fehleranalyse zeigt sich der CSU-Politiker kaum selbstkritisch. Stattdessen schieben sich Parteichef Horst Seehofer und Ministerpräsident Markus Söder gegenseitig den schwarzen Peter zu.

Ist Markus Söder größenwahnsinnig?

Nun stellt der CSU-Politiker sogar ein bayerisches Raumfahrtprogramm vor. "Bavaria One" solle "aus dem All Lösungen für Probleme der Menschen" finden. Hierfür möchte er 700 Millionen Euro investieren, einen bayerischen Satelliten ins All schießen und in München die größte Raumfahrt-Fakultät Europas gründen. Das Logo von "Bavaria One" trägt das Konterfei des selbstverliebten Bayern. Klingt nach Größenwahn? Oder einfach ganz nach Markus Söder und der CSU eigenen Heimatliebe? Dieses Vorhaben verdeutlicht einmal mehr Söders Überzeugung, dass Bayern ein großartiges und starkes Land sei, das faktisch (natürlich unter der Führung der CSU) an der Spitze der Bundesrepublik stehe.

Markus Söders politische Laufbahn – ein kurzer Überblick

  • 1987-1991 Studium der Rechtswissenschaften in Erlangen, jur. Staatsexamen
  • 1992-1993 Volontariat beim Bayerischen Rundfunk, anschließend Redakteur beim BR
  • 1998 Promotion und Erhalt des Titels Dr. jur.
  • Seit 1983 Mitglied Junge Union, Bayern, von 1995-2003 deren Landesvorsitzender
  • 2003 Übergang von der JU in die CSU
  • Seit 1994 Mitglied des bayerischen Landtags
  • 1997-2008 Kreisvorsitzender der CSU Nürnberg-West
  • 2000-2011 Vorsitzender der CSU-Medienkommission
  • 2003-2007 CSU Generalsekretär
  • 2007-2008 Staatsminister für Bundes- und Europaangelegenheiten in der Bayerischen Staatskanzlei
  • Seit Juni 2008 Vorsitzender des CSU-Bezirksverbands Nürnberg-Fürth-Schwabach
  • 2008-2011 Bayerischer Staatsminister für Umwelt und Gesundheit
  • 2011-2013 Bayerischer Staatsminister der Finanzen
  • 2013-2018 Bayerischer Staatsminister der Finanzen, für Landesentwicklung und Heimat
  • Seit 16. März 2018 Bayerischer Ministerpräsident
  • 14.10.2018 Bayerische Landtagswahl und Bestätigung als Ministerpräsident

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soj/loc/news.de
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