14.09.2018, 14.27 Uhr

Zeitumstellung Abschaffung 2018: Tschüß Sommer- und Winterzeit! DIESE Promis sagen klar ihre Meinung

Die EU-Bürger haben entschieden und fordern eine Abschaffung der Zeitumstellung.

Die EU-Bürger haben entschieden und fordern eine Abschaffung der Zeitumstellung. Bild: Fotolia/ Thomas Reimer

Die EU-Kommission will nach Angaben ihres Präsidenten Jean-Claude Juncker beschließen, die halbjährliche Zeitumstellung abzuschaffen. "Die Menschen wollen das, wir machen das" sagte Juncker im ZDF-"Morgenmagazin".

4,6 Millionen Menschen für die Abschaffung der Zeitumstellung

Bei einer EU-weiten Online-Umfrage hatte sich die überwältigende Mehrheit der 4,6 Millionen Teilnehmer dafür ausgesprochen, die Zeitumstellung aufzugeben. Die Ergebnisse waren im Laufe der Woche bereits durchgesickert. Juncker betonte nun, einen Gesetzesvorschlag zur Abschaffung der Zeitumstellung vorlegen zu wollen: "Das werden wir so beschließen." Es ergebe keinen Sinn, die Menschen erst zu fragen, was sie denken, und dann so zu tun, "als ob die nichts zu Protokoll gegeben hätten". Bislang hatte die EU-Kommission stets betont, die Umfrage sei weder bindend noch repräsentativ.

Merkel befürwortet Abschaffung der Zeitumstellung

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) befürwortet eine Abschaffung der halbjährlichen Zeitumstellung in der Europäischen Union (EU). "Ich persönlich hätte jedenfalls dafür eine sehr hohe Priorität", sagte Merkel am Freitag zum Abschluss ihrer dreitägigen Westafrikareise.

Es hätten sich in Europa noch nie so viele Menschen an einer Online-Abstimmung beteiligt, begründete Merkel ihre Haltung. Dabei habe die überwältigende Mehrheit dafür plädiert, die Sommerzeit zu behalten. Wenn es ein solches Umfrageergebnis gebe, "sollte vielleicht auch etwas daraus folgen", sagte die Kanzlerin und ergänzte: "Ich freue mich, wenn die Kommission dieses Votum ernst nimmt."

Ab wann würden Sommerzeit bzw. Winterzeit abgeschafft werden?

Wahrscheinlich schon, aber noch nicht sofort. Die EU-Kommission hat zunächst einmal nur ein Vorschlagsrecht. Das Europaparlament und die EU-Staaten müssen noch zustimmen. Wenn das noch vor Ende der Legislaturperiode im Mai 2019 passieren soll, müssen sie sich beeilen. Die Befürworter der Abschaffung sind sich sicher, dass es im EU-Parlament eine Mehrheit dafür gibt. Im Rat der Mitgliedsländer ist die Lage unübersichtlicher. Auch Deutschland hat sich bisher nicht positioniert. Bis zur tatsächlichen Abschaffung der Winter- bzw. Sommerzeit könnte es also noch dauern.

Sommerzeit beenden! Deutsche begrüßen Abschaffung der Zeitumstellung

Die Online-Befragung war in Deutschland auf besonderes Interesse gestoßen. Von den 4,6 Millionen Teilnehmern kamen rund drei Millionen aus der Bundesrepublik. Den Auftrag zur Prüfung der Sommerzeit hatte das Europaparlament im Frühjahr erteilt.

EU-Staaten entscheiden selbst über Sommerzeit und Winterzeit

Ein weiteres Hindernis auf dem Weg in eine Sommerzeit- bzw. Winterzeit-freie Zukunft ist, dass die EU-Mitgliedsstaaten selbst entscheiden dürfen, ob letztendlich die Sommerzeit oder doch die Winterzeit gilt. Damit droht ganz Europa ein furchtbares Zeit-Chaos.

Führt die Abschaffung der Zeitumstellung zu einem Flickenteppich der Zeit in der EU?

Gut möglich, dass es noch mehr zeitliche Unterschiede geben würde. Spanien etwa würde wohl kaum die Sommerzeit beibehalten - denn dann würde die Sonne in Madrid im Winter erst gegen 9.30 Uhr aufgehen. In der von Deutschland dominierten Online-Umfrage wollte hingegen eine Mehrheit die dauerhafte Sommerzeit.

Schon jetzt gibt es drei Zeitzonen in der EU. In Deutschland und 16 weiteren Staaten herrscht die gleiche Uhrzeit: die Mitteleuropäische Zeit, genannt MEZ. Darunter sind die Niederlande, Belgien, Österreich, Dänemark, Frankreich, Italien, Kroatien, Polen und Spanien. Acht Länder - Bulgarien, Estland, Finnland, Griechenland, Lettland, Litauen, Rumänien und Zypern - sind eine Stunde voraus: dort gilt die Osteuropäische Zeit oder OEZ. Drei Staaten sind eine Stunde zurück, nämlich Irland, Portugal und Großbritannien, wo die Westeuropäische Zeit gilt, die WEZ.

Seit wann gibt es in Deutschland Sommerzeit und Winterzeit?

In Deutschland gibt es die Sommerzeit seit 1980. Seit 1996 stellen die Menschen in allen EU-Ländern die Uhren am letzten Sonntag im März eine Stunde vor und am letzten Oktober-Sonntag wieder eine Stunde zurück. Eigentlich soll das Tageslicht besser genutzt und dadurch Energie gespart werden. Der tatsächliche Nutzen ist umstritten.

Warum wollen Kritiker der Zeitumstellung keine Sommerzeit bzw. Winterzeit mehr?

Sie argumentieren, dass tatsächlich keine Energie gespart wird. Laut Umweltbundesamt schalten die Deutschen im Sommer zwar wegen der Zeitumstellung abends seltener das Licht an - im Frühjahr und Herbst wird morgens allerdings mehr geheizt.

Mediziner sehen zudem Risiken für die Gesundheit. In einer repräsentativen Studie des Forsa-Instituts im Auftrag der DAK-Gesundheit gab im Frühjahr rund ein Viertel der Befragten an, schon einmal gesundheitliche Probleme gehabt wegen der Zeitumstellung zu haben. Als Beschwerden wurden vor allem Müdigkeit, Schwierigkeiten beim Einschlafen und Konzentrationsprobleme genannt.

Drohen schlimme Auswirken durch die "ewige Sommerzeit"?

Obwohl Wissenschaftler das Hin und Her bei der Zeit ebenfalls für Unsinn halten,da der künstliche Wechsel der Biologie widerspricht, warnen sie zugleich: Gelte die sogenannte Sommerzeit künftig dauerhaft, könne das schlimme Auswirkungen haben. Laut Till Roenneberg vom Institut für Medizinische Psychologie der Universität München werde es "riesige Probleme geben", so warnt er vor dem "Cloxit". "Man erhöht die Wahrscheinlichkeit für Diabetes, Depressionen, Schlaf- und Lernprobleme - das heißt, wir Europäer werden dicker, dümmer und grantiger."Russland habe schon einmal versucht, dauerhaft die Sommerzeit einzuführen - und sei damit gescheitert, sagt Roenneberg.

Mehr noch: Bei dauerhafter Sommerzeit müsse man an deutlich mehr Tagen im Dunklen aufstehen, sagt Roenneberg: "Je nach Wohnort haben sie sechs Wochen mehr dunkle Schulwege morgens." Er kritisiert, dass die Online-Befragung weitgehend ohne Aufklärung geschehen sei. "Wenn EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker gesagt hätte, dass wir künftig alle ganzjährig eine Stunde früher arbeiten müssen, wären die Leute auf der Straße gewesen. Es ist aber nichts anderes." Auch Ingo Fietze von der Berliner Charité sagt: "Da denkt im Moment keiner dran, weil es Sommer ist und so hell draußen. Wenn die Umfrage im Winter gewesen wäre, hätten wahrscheinlich viele für die Winterzeit plädiert."

Wissenschaftler befürworten Winterzeit als Normalzeit

Die Forscher und die Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM) sprechen sich für eine dauerhafte "Normalzeit" aus. "Die bisherige Winterzeit entspricht den Verhältnissen, die unter Berücksichtigung der natürlichen Lichteinflüsse für unseren Schlaf-Wach-Rhythmus am günstigsten ist", sagt der DGSM-Vorsitzende Alfred Wiater. "Wenn wir im Winter am Morgen länger der Dunkelheit ausgesetzt sind, werden wir schlechter wach", sagt Wiater. Das könne Konzentration und Aufmerksamkeit beeinträchtigen und zu mehr Fehlern in der Schule und im Job führen sowie Unfälle begünstigen.

Licht und Dunkelheit bestimmen unsere innere Uhr - wann wir wach und wann wir müde werden. Das Problem ist: Die wenigsten Deutschen können sich nach diesem natürlichen Rhythmus richten. Ihr Tagesablauf wird von der sogenannten sozialen Zeit bestimmt. Der Großteil braucht daher morgens einen Wecker, um pünktlich bei der Arbeit oder in der Schule zu sein. Roenneberg nennt das "sozialen Jetlag".

Wenn es durch die Sommerzeit abends länger hell ist, setzt die Produktion des Schlafbotenstoffs Melatonin erst später ein. Man wird nicht rechtzeitig müde, muss aber morgens trotzdem früh aus dem Bett. "Mit der Zeit droht ein Schlafmangel - wir werden noch mehr zu einer chronisch unausgeschlafenen, übermüdeten Gesellschaft", sagte Schlafforscher Hans-Günter Weeß kürzlich dem "Stern".

Helfen würden daher flexiblere Arbeitszeiten. Feste Zeiten zwischen 9.00 und 17.00 Uhr seien heutzutage nur noch in den wenigsten Branchen nötig, sagt Roenneberg. Eine Änderung hier sei "viel wichtiger als dieser Schnellschuss, ganzjährig die Sommerzeit einzuführen". Wie auch immer: Die nächste Umstellung findet auf jeden Fall noch statt. In der Nacht auf den 28. Oktober werden die Uhren wieder eine Stunde zurückgedreht.

Juncker: "Die Zeitumstellung gehört abgeschafft"

EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker hat sich erneut deutlich für die Abschaffung des Wechsels zwischen Sommer- und Winterzeit in der EU ausgesprochen. "Die Zeitumstellung gehört abgeschafft", sagte Juncker am Mittwoch in Straßburg. Die EU-Staaten sollten selbst entscheiden, ob sie in der Sommer- oder Winterzeit leben wollen. Juncker hatte bereits Ende August angekündigt, dass die EU-Kommission einen entsprechenden Gesetzesvorschlag vorlegen werde.

Sollte der Vorschlag der EU-Kommission angenommen werden, könnten die einzelnen Länder selbst entscheiden, ob sie dauerhaft die Winter- oder die Sommerzeit einführen wollen. Juncker rief die EU-Staaten am Mittwoch dazu auf, so zu entscheiden, dass es für den Handel in der EU keine Probleme geben werde. Die letzte verpflichtende Zeitumstellung könnte dann schon am 31. März 2019 stattfinden, während der Wechsel am 27. Oktober 2019 dann freiwillig wäre.

Prominente Stimmen zur Zeitabschaffung

Die EU-Kommission bekommt von Prominenten Rückendeckung für ihren Vorstoß, schon nächstes Jahr zum letzten Mal die Zeit umzustellen. "Eine Super-Entscheidung! Lasst uns wirklich das Leben vereinfachen!", sagte Unternehmer Frank Thelen ("Die Höhle der Löwen") am Mittwochabend beim "Bild100"-Fest in Berlin der Deutschen Presse-Agentur. Auch der Arzt und Kabarettist Eckart von Hirschhausen begrüßte den Vorstoß: "Das ist der richtige Schritt."

Die frühere Skirennläuferin Maria Höfl-Riesch gab zu, "teilweise auch verwirrt" gewesen zu sein, in welche Richtung an der Zeit gedreht wurde: "Das ist eine Vereinfachung, die in jedem Fall ihre Berechtigung hat", sagte sie über den EU-Vorschlag. Promi-Köchin Sarah Wiener ist "ganz glücklich, wenn das abgeschafft wird". Und Schauspieler Sebastian Koch machte sich für eine dauerhafte Sommerzeit stark, "vor allem, weil der Tag länger ist". Er sagte: "Ich mag es gerne, in den Abend hinzuleben - und das ist natürlich schön, wenn es länger hell ist."

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fka/kns/news.de/dpa
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