01.08.2018, 09.59 Uhr

"Masterplan Migration": Ankerzentren in Bayern trotz Kritik gestartet

Trotz Kritik haben die Ankerzentren in Bayern ihren Betrieb aufgenommen.

Trotz Kritik haben die Ankerzentren in Bayern ihren Betrieb aufgenommen. Bild: Stefan Puchner/dpa

Als erstes Bundesland startet Bayern am Mittwoch mit den umstrittenen Asyl- und Abschiebezentren. Nach dem "Masterplan Migration" von Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) sollen die sogenannten Ankerzentren die Asylverfahren beschleunigen - und damit auch eine Abschiebung oder Rückführung derjenigen, die kein Bleiberecht haben.

"Masterplan Migration": Ankerzentren in Bayern gestartet

Während die meisten anderen Bundesländer vorerst nicht mitmachen wollen, setzt Bayern den Plan um. In allen sieben Regierungsbezirken werden dazu Transitzentren oder Erstaufnahmeeinrichtungen umgewandelt: in Donauwörth, Zirndorf, Regensburg, Deggendorf, Schweinfurt, Bamberg und Manching. Etwa 1.000 bis 1.500 Flüchtlinge sollen jeweils zentral untergebracht sein.

Das steckt hinter den Ankerzentren

Das Wort "Anker" steht für An(kunft), k(ommunale Verteilung), E(ntscheidung) und R(ückführung). Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf), die Bundesagentur für Arbeit, Jugendämter, Justiz- und Ausländerbehörden sollen dort vertreten sein. Kurze Wege sollen die Verfahren beschleunigen.

Kritiker warnen vor Ghettobildung

Flüchtlingshelfer und die Opposition warnen vor einer Ghettoisierung und kritisieren die Zentren als "Abschiebelager". "Es ist eine Schande, dass die CSU-geführte Staatsregierung in dieser menschenfeindlichen Weise Wahlkampf auf dem Rücken von Flüchtlingen macht", sagte Alexander Thal vom Bayerischen Flüchtlingsrat. Die Landtags-Grünen forderten "Integrationsmaßnahmen statt Kasernierung".

Kinderrechtsorganisation: Ankerzentren gefährden das Kindeswohl

Die Kinderrechtsorganisation Save the Children erklärte, die Zentren seien kein Ort für Kinder und Familien. "Ankerzentren behindern ein kindgerechtes Aufwachsen. Sie sorgen für Spannungen und Aggressionen", sagte Geschäftsführerin Susanna Krüger. Auch die Caritas erklärte, wenn Hunderte Flüchtlinge ohne Perspektive und ohne Beschäftigung auf engem Raum lebten, führe das zu Konflikten.

Besonders in großen Unterkünften gab es in der Vergangenheit immer wieder Polizeieinsätze. Oft entzündete sich der Streit an Nichtigkeiten wie der Entfernung von Kühlschränken oder der Reihenfolge bei der Taschengeldausgabe.

Erfahren Sie mehr: DAS steht in Seehofers "Masterplan Migration".

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