26.07.2018, 09.02 Uhr

Nach Özil-Rücktritt: Hass-Kampagnen! Erdogan beschimpft Deutsche als Nazis

Im Mai hatte sich Mesut Özil mit dem Türkei-Präsidenten Erdogan getroffen.

Im Mai hatte sich Mesut Özil mit dem Türkei-Präsidenten Erdogan getroffen. Bild: dpa

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan will offenbar aus der Affäre um Ex-Nationalspieler Mesut Özil Profit schlagen. Bereits am Mittwoch wurde spekuliert, ob der Türkei-Präsident versuchen werde, die Fußball-EM 2024 nun in die Türkei zu holen. Erdogan hatte Özil in den höchsten Tönen gelobt und kräftig gegen Deutschland ausgeteilt. "Man kann diese rassistische Haltung gegenüber diesem jungen Mann nicht hinnehmen, der so viel Schweiß für den Erfolg der deutschen Nationalmannschaft vergossen hat."

Solidarität im Netz mit Mesut Özil

Doch damit nicht genug. In den sozialen Netzwerken laufen aktuell regelrechte Hasskampagnen gegen uns Deutsche. Unter dem Hashtag #WeAreWithÖzil hatten Twitter-Nutzer ihre Solidarität zu Özil bekundet. Beiträge mit diesem Hashtag wurden vielfach geteilt und gelikt.

Erdogan beschimpft Deutsche als Nazis

Vor allem die türkische Regierungspartei AKP, deren Chef Türkei-Präsident Erdogan ist, macht gegen Deutschland mobil. "Wir stehen hinter Mesut Özil, der wegen rassistischen Angriffen nach seinem Treffen mit Staatspräsident Erdoğan seinen Rücktritt aus der deutschen Fußballnationalmannschaft erklärt hat. #WeAreWithÖzil", twitterte die AKP.

"Seit Adolf Hitler hat sich nicht vieles geändert in Deutschland. Rassismus wurde nur zeitgenössisch modernisiert", schrieb Twitter-User Kerem Abadi.

"Wir werden gegenüber der antidemokratischen Haltung Deutschlands nicht schweigen. Deutschland muss Mesut Özil respektieren!", ist auf einem weiteren Twitter-Account zu lesen.

Andere Twitter-User haben sich bereits gegen die Hass-Kampagnen ausgesprochen und zur Vorsicht gemahnt. "Wer immer noch nicht genug hat, sollte mal den Hashtag #WeAreWithÖzil verfolgen. Da postet die gesamte Trollarmee der AKP 'deutschlandfreundliche' Kommentare", schreibt User "RatzFatzFfm".

Özil-Rücktritt gefundenes Fressen für Türkei-Präsident Erdogan

Vural Ünlü, Vorsitzender der Türkischen Gemeinde in Bayern e.V., erklärte im Gespräch mit der "Bild"-Zeitung: "Der türkische Präsident spaltet weiter das zerbrechliche deutsch-türkische Verhältnis und befördert nebenbei populistische Strömungen – unter Deutschen und Türken." Erdogan kämpft mit allen Mitteln um die knapp drei Millionen türkischstämmigen Bürger, die in Deutschland leben. Für ihn sind es "seine" Türken. Dass Deutschland als deren Heimat wahrgenommen wird, scheint für ihn inakzeptabel.

FDP-Politiker Alexander Graf Lambsdorff erklärte der "Bild"-Zeitung: "Die Özil-Story ist für Erdogan wie ein Sommermärchen. Damit kann er von der katastrophalen Wirtschaftslage und neuen Korruptionsvorwürfen ablenken."

Wo steckt Mesut Özil?

Mesut Özil selbst steht nach seinem Rücktritt aus der Nationalelf mit seinem Verein FC Arsenal erstmals wieder bei einem Testspiel auf dem Platz. Bei der Saison-Vorbereitung in Singapur trifft der Club aus London am Donnerstag (13.30 Uhr MESZ) auf Europa-League-Spieger Atlético Madrid. Am Samstag folgt im Rahmen des International Champions Cups noch eine Begegnung gegen Frankreichs Meister Paris Saint-Germain, der jetzt vom ehemaligen Dortmund-Coach Thomas Tuchel trainiert wird.

Nach Angaben eines Arsenal-Sprechers will sich Özil in der Presse zunächst weiterhin nicht äußern. Der Mittelfeldstar hatte seinen Rücktritt am Sonntag über soziale Netzwerke erklärt. Nach 92 Spielen im Nationaltrikot begründete er dies auch mit Rassismus im DFB. Zugleich warf er Präsident Grindel vor, dieser wolle ihn zum "Sündenbock" für das schlechte Abschneiden bei der WM machen.

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fka/kns/news.de/dpa
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