16.07.2018, 15.06 Uhr

Gebühr für Notaufnahme: Kommt jetzt die Praxis-Gebühr für die Notaufnahme?

Müssen Patienten den Besuch der Notaufnahme bald bezahlen? (Symbolbild).

Müssen Patienten den Besuch der Notaufnahme bald bezahlen? (Symbolbild). Bild: Marius Becker/dpa

Um überflüssige Besuche in der Notaufnahme von Krankenhäusern zu verhindern, will der Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Gassen, notfalls eine Gebühr von den Patienten verlangen. "Eine finanzielle Steuerung wäre genau der Hebel, der helfen würde. In vielen anderen Ländern Europas ist so etwas längst üblich", sagte Gassen dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND, Montag). "Wenn sich bestimmte Patienten dem Angebot der niedergelassenen Ärzte dauerhaft entziehen und das System nach Gusto nutzen, wie es ihnen gerade einfällt, muss das finanzielle Sanktionen nach sich ziehen."

Chef der Kassenärzte fordert Gebühr für Notaufnahme

Gassens Ansicht nach gehört der Großteil der Patienten, der in die Notaufnahme kommt, nicht dorthin. "Ziel muss sein, dass wir nur noch diejenigen in den Notaufnahmen haben, die später auch stationär behandelt werden müssen", betonte Gassen. Alle anderen müssten ambulant versorgt werden. Dafür sei eine bundesweite Lösung erforderlich.

Heftige Kritik an Gebühr für Notaufnahme

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz kritisiert die Vorschläge. "Mit einem Trommelfeuer versuchen die Kassenärzte, von ihrem eigenen Versagen abzulenken", sagte der Vorstand der Stiftung, Eugen Brysch, der Deutschen Presse-Agentur. Tatsächlich würden Hausbesuche immer mehr runtergefahren und Öffnungszeiten der Praxen eigenmächtig gekürzt, während das Milliarden-Budget dafür von Jahr zu Jahr steige. "Konsequent wäre es, die Kassenärztlichen Vereinigungen für die Patienten in den Notaufnahmen zahlen zu lassen", betonte Brysch.

GKV sieht Ansatz als verfehlt

Die gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) sprachen am Sonntagabend von einer "merkwürdigen Idee". "Erst kümmern sich die Kassenärztlichen Vereinigungen jahrelang nicht ordentlich um den Bereitschaftsdienst in der Nacht, an den Abenden und den Wochenenden und jetzt, wo die kranken Menschen die Kliniken aufsuchen, will der Chef des Kassenärzte sie dafür mit Zusatzkosten bestrafen", sagte ein Sprecher. Die Versorgung müsse dort organisiert werden, wo die Menschen sie bräuchten.

Notaufnahme-Gebühr nur als letzte Möglichkeit

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) ist dem Eindruck entgegengetreten, dass der Besuch einer Notaufnahme im Krankenhaus bald gebührenpflichtig werden könnte. "Wir wollen Notfallpatienten nicht zur Kasse bitten", versicherte eine KBV-Sprecherin am Montag in Berlin. Bei Patienten, die zur Notaufnahme kommen, obwohl sie auch eine reguläre Arztpraxis aufsuchen könnten, wäre eine Gebühr als letzte Möglichkeit denkbar, räumte die Sprecherin, betonte aber auch: "So weit sind wir noch gar nicht."

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jat/news.de/dpa
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