28.05.2018, 13.43 Uhr

Studie zu Kita-Beiträgen: Ungerecht! SO VIEL Geld wandert von der Familienkasse an die Kita

Arme Familien zahlen prozentual gesehen mehr von ihrem Einkommen für Kita-Beiträge als besserverdienende Familien. (Symbolbild)

Arme Familien zahlen prozentual gesehen mehr von ihrem Einkommen für Kita-Beiträge als besserverdienende Familien. (Symbolbild) Bild: Julian Stratenschulte / dpa

Einkommensarme Familien sind einer Studie zufolge bei Kita-Beiträgen überproportional stark belastet. Zwar sind die Gebühren vielerorts nach Einkommen gestaffelt - Haushalte unterhalb der Armutsrisikogrenze müssen aber dennoch durchschnittlich einen nahezu doppelt so hohen Anteil ihres Einkommens für die Kita aufwenden wie finanziell besser gestellte.

Das geht aus der am Montag von der Bertelsmann-Stiftung in Gütersloh veröffentlichten Erhebung "ElternZoom 2018" hervor. Außerdem fallen die Gebühren für die Kindertageseinrichtungen je nach Bundesland stark unterschiedlich aus. Die finanzielle Belastung der Familien variiere je nach Wohnort, kritisierte Stiftungsvorstand Jörg Dräger.

Arme Familien zahlen im Vergleich zu besserverdienenden doppelt so hohen Anteil ihres Einkommens für die Kita

Armutsgefährdete Eltern, die über weniger als 60 Prozent des durchschnittlichen Einkommens verfügen, geben monatlich fast 10 Prozent ihres gesamten Haushaltsnettoeinkommens - im Mittelwert 118 Euro - für die Kita aus. Bei Familien oberhalb der Armutsgrenze sind es "nur" 5 Prozent - 178 Euro. Hinzu kommen laut Studie Zusatzgebühren etwa für Mittagessen, Hygieneartikel oder Ausflüge - rund 45 Euro im Schnitt.

Die Ergebnisse beruhen laut Bertelsmann auf zwei bundesweit teilweise in Kooperation mit Infratest-dimap erhobenen separaten Befragungen von insgesamt rund 10.490 Eltern.

Bundesfamilienministerin bekräftigt Ziel einer Kita-Beitragsfreiheit

Die finanzielle Belastung sei ungerecht verteilt, bemängelte die Stiftung - und forderte Kita-Beitragsfreiheit für armutsgefährdete Familien. Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) bekräftigte in Berlin das Ziel einer Kita-Beitragsfreiheit. Hohe Elternbeiträge könnten eine Hürde sein, sagte sie laut Mitteilung. "Das Einkommen der Eltern darf aber nicht darüber entscheiden, ob und wann Kinder in eine Kindertageseinrichtung gehen. Eine zentrale Säule unseres Gute-Kita-Gesetzes ist deshalb der Einstieg in die Beitragsfreiheit." In dieser Wahlperiode fließen der Ministerin zufolge 3,5 Milliarden Euro in die Kindertagesbetreuung.

Beitragsfreiheit für einkommensschwache Familien gefordert

Der Paritätische Wohlfahrtsverband forderte Beitragsfreiheit für einkommensschwache Familien. Eine Reform der Kita-Finanzierung sei notwendig, um regionale Ungleichheiten zu beenden. Die Arbeiterwohlfahrt (AWO) mahnte: "Gebührenfreiheit, zumindest aber Gebührengerechtigkeit, sind das Gebot der Stunde." Die 3,5 Milliarden Euro bis 2021 reichten bei weitem nicht aus, kritisierten AWO und Arbeiter-Samariter-Bund. Der Deutsche Städtetag wertete die Mittel als positiven Schritt, befand sie aber für viel zu knapp. Die Städte rechneten mit einer Mehrbelastung von über 10 Milliarden Euro jährlich, wenn man Empfehlungen einer Bund-Länder-Kommission zu Qualitätsverbesserungen umsetzen wolle.

Höchste Kita-Gebühren in Schleswig Holstein, Mecklenburg Vorpommern und Niedersachsen

Je nach Bundesland schlagen die Kita-Gebühren laut Studie unterschiedlich stark zu Buche:Am meisten geben Eltern in Schleswig-Holstein mit 8,9 Prozent ihres Nettoeinkommens für die Kita aus, gefolgt von Mecklenburg-Vorpommern (7,8), Niedersachsen (7,3)und dem Saarland (7,2).

Besonders wenig zahlen Familien in Berlin (2,0), Rheinland-Pfalz (4,0) und Hamburg (4,3). Das bevölkerungsreichste Bundesland Nordrhein-Westfalenliegt - wie Bremen - mit 6,6 Prozent leicht über dem Bundesschnitt. Ähnlich sieht es in Hessen (6,7), Baden-Württemberg (6,5), Brandenburg (6,2), Thüringen (6,1) und Bayern (5,9) aus.

Qualität ist den Eltern wichtig:Eine bundesweite Mehrheit von 53 Prozent der einkommensschwachen und 59 Prozent der finanzkräftigeren Eltern würde für mehr Personal und bessere Ausstattung nach eigenen Angaben auch höhere Beiträge akzeptieren.

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