25.04.2018, 08.51 Uhr

Markus Söder erntet Spott: Kruzifix-Gesetz in Bayern! So lacht das Netz über den "Gottesstaat"

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder verordnet dem Freistaat mehr Kreuze in Landesbehörden.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder verordnet dem Freistaat mehr Kreuze in Landesbehörden. Bild: dpa

In allen bayerischen Landesbehörden werden ab dem 1. Juni 2018 Kreuze im Eingangsbereich hängen. Das Kruzifix soll jedoch kein religiöses Symbol des Christentums sein. Laut Ministerpräsident Markus Söder (CSU) sieht es eher als ein "Bekenntnis zur Identität" und zur "kulturellen Prägung" Bayerns.

Markus Söder: Kreuze in allen bayerischen Landesbehörden

"Das Kreuz ist nicht ein Zeichen einer Religion", sagte er am Dienstag nach einer Kabinettssitzung, in der die Verordnung für die neue Vorschrift beschlossen wurde. Es aufzuhängen sei auch kein Verstoß gegen das Neutralitätsgebot. Das Kreuz, das Söder anschließend in der Eingangshalle der Münchner Staatskanzlei anbrachte, hat aber durchaus einen religiösen Hintergrund: Es hing bis 2008 im Kabinettssaal, war ein Geschenk des früheren Münchner Kardinals Friedrich Wetter und wurde nach Söders Worten auch von diesem geweiht.

Hohn und Spott für Söder: Bayern solle sich lieber auf christliche Werte besinnen

Bei anderen Parteien in und außerhalb Bayerns handelte sich Söder im wesentlichen Kritik ein, im Netz erntete er vielfach Hohn und Spott. "Statt Kruzifixe an Behördenwände zu nageln, würde es der christlichen Verantwortung eher gerecht werden, Barmherzigkeit und Nächstenliebe im politischen Alltag vorzuleben", sagte zum Beispiel Bayerns Grünen-Landesvorsitzende Sigi Hagl.

Ähnlich reagierte der Linke-Bundesvorsitzende Bernd Riexinger: "Statt jeder Behörde ein Kreuz zu verordnen, sollte die CSU sich lieber wieder auf christliche Werte wie Nächstenliebe besinnen. Da haben Söder und Co. massiv Nachholbedarf." Der FDP-Chef Christian Lindner erklärte: "Wie der Markus Söder und die CSU Religionen permanent für die Parteipolitik instrumentalisieren, das erinnert geradezu an (den türkischen Präsidenten Recep Tayyip) Erdogan. Das Grundgesetz hat keine Konfession!"

"Verfassungsfeind", "fundamentalistischer Gottesstaat" und "Gesetz für Heimatgefühle"

Der TV-Satiriker Jan Böhmermann schrieb auf Twitter: "Neues bayrisches Gesetz für noch mehr Heimatgefühle: Ab 1. Juni müssen im Eingangsbereich jedes öffentlichen Gebäudes in Bayern ein Kreuz, ein Bündel Knoblauch und ein Schrumpfkopf hängen." Andere Twitter-Nutzer schrieben "Ich dachte, es gibt eine Trennung von Staat und Kirche" und "Schade, ich hoffte, das Mittelalter hätten wir hinter uns gelassen". Söder wurde als "Verfassungsfeind" bezeichnet, Bayern als "fundamentalistischer Gottesstaat in Deutschland".

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