26.03.2018, 16.17 Uhr

Mangelnde Zusammenarbeit: Keine Papiere! So viele Abschiebungen bleiben unvollstreckt

Wegen fehlender Ersatzpapiere konnten 2017 rund 65.000 Abschiebungen nicht durchgeführt werden.

Wegen fehlender Ersatzpapiere konnten 2017 rund 65.000 Abschiebungen nicht durchgeführt werden. Bild: Sebastian Willnow/dpa

Die Zahl abgelehnter Asylbewerber und Migranten ohne Aufenthaltsrecht, die wegen fehlender Papiere nicht abgeschoben werden können, ist einem Medienbericht zufolge im vergangenen Jahr deutlich gestiegen.

Fehlende Papiere: Fast 65.000 Abschiebungen nicht vollstreckt

Ende 2017 seien insgesamt 64.914 Ausländer in Deutschland geduldet worden, weil keine Reisedokumente oder Passersatzpapiere aus dem Herkunftsland vorlagen, berichten die Zeitungen der Funke Mediengruppe (Montag) unter Berufung auf einen internen Lagebericht des Bundesinnenministeriums. Ende 2016 habe diese Zahl noch bei 38.012 Personen gelegen. Das bedeute einen Anstieg um 71 Prozent innerhalb eines Jahres.

Anzahl geduldeter Asylbewerber steigt

"Tendenziell ist die Anzahl der Ausreisepflichtigen, deren Duldung auf fehlenden Reisedokumenten beruht, im Verlauf des Jahres 2017 kontinuierlich angestiegen", zitieren die Zeitung aus dem Bericht. Ende 2017 seien 5.743 Personen aus Indien aus diesem Grund in Deutschland geduldet, 4.943 aus Pakistan, 3.915 aus Afghanistan und 3.828 aus Russland. Bei fast 3.800 Menschen sei die Staatsangehörigkeit für die deutschen Behörden "ungeklärt".

Mangelnde Zusammenarbeit verhindert Abschiebungen

Der Bericht zeige, dass die Zusammenarbeit zwischen deutschen Behörden und den ausländischen Botschaften in Deutschland bei der Beschaffung von Passersatzpapieren in vielen Fällen schlecht funktioniere. Zu Indien heißt es demnach: "Streckenweise sehr langsame bis keine Bearbeitung der Passersatzanträge" - trotz "regelmäßiger Besuche in der Botschaft".

Türkei hat kein Interesse, Flüchtlinge zurückzunehmen

Zu Pakistan heißt es dem Bericht zufolge: "Passersatzbeschaffung läuft, allerdings verzögert". Und zum Libanon: "Antworten auf Anträge äußerst rar. Kontakt zur Botschaft ist schlecht." Die Zusammenarbeit mit der Türkei läuft laut Lagebericht von Ende 2017 "bundesweit schlecht bis sehr schlecht".

Lesen Sie auch: Bundesinnenministerium legt Zahlen vor – Zahl der Asylsuchenden sinkt 2017 weiter.

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jat/news.de/dpa
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