13.03.2018, 11.20 Uhr

Sergej Skripal: Attentat auf Ex-Spion: Cobra-Komitee tagt - Unterstützung aus USA

Laut der britischen Premierministerin Theresa May soll Russland hinter dem Attentat auf Ex-Spion Sergej Skripal stecken.

Laut der britischen Premierministerin Theresa May soll Russland hinter dem Attentat auf Ex-Spion Sergej Skripal stecken. Bild: Stefan Rousseau/dpa

Kurz vor Ablauf des Ultimatums an Russland wegen des Attentats auf den Ex-Doppelagenten Sergej Skripal trifft sich Dienstagmittag der Sicherheitsrat der britischen Regierung. Das sogenannte Cobra-Komitee beschäftigt sich mit den neuesten Entwicklungen und möglichen Konsequenzen in dem mysteriösen Fall. London macht Moskau für den Anschlag auf Skripal (66) und dessen Tochter Yulia (33) verantwortlich. Das Außenministerium in Moskau weist die Vorwürfe zurück und spricht von einer "Zirkusnummer".

Attentat auf Ex-Spion Sergej Skripal vor

Skripal und seine Tochter waren am 4. März bewusstlos auf einer Parkbank in der südenglischen Kleinstadt Salisbury entdeckt worden. Sie befinden sich nach wie vor in einem kritischen Zustand. Bei dem Attentat war das in der früheren Sowjetunion produzierte, extrem gefährliche Nervengift Nowitschok verwendet worden.

Rückendeckung erhielt Großbritannien aus Frankreich, den USA und von der Nato. US-Außenminister Rex Tillerson teilte mit: "Wir haben volles Vertrauen in die Untersuchungen des Vereinigten Königreiches und seine Bewertung." Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg nannte den Einsatz von jeglichem Nervengas "grauenhaft und vollkommen inakzeptabel". Die britische Premierministerin Theresa May sprach mit dem französischen Staatspräsidenten Emmanuel Macron über "das breite Muster aggressiven russischen Verhaltens", auf das laut Downing Street gemeinsam mit den Verbündeten geantwortet werden soll.

May stellt Russland Ultimatum

Russland müsse sich bis Dienstagabend gegenüber der Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) erklären, hatte May am Montag im Parlament gefordert. Andernfalls drohten Konsequenzen. Details nannte die Regierungschefin aber nicht. Die Frist laufe um Mitternacht ab, sagte ein Regierungssprecher der Deutschen Presse-Agentur in London.

Britische Medien wie die "Times" halten eine Cyberattacke auf den Kreml für möglich. Eine andere Maßnahme könnte die Ausweisung von Diplomaten sein. Auch finanzielle Maßnahmen gegen Oligarchen mit Immobilienbesitz in London aus dem Umfeld des russischen Präsidenten Wladimir Putin seien denkbar. May hatte bisher damit gedroht, keine Regierungsvertreter zur Fußball-Weltmeisterschaft zu schicken.

May sieht Russland hinter Mordversuch an Ex-Spion

Ihrer Ansicht nach gibt es nur zwei mögliche Erklärungen für das Attentat: Entweder habe Moskau den Anschlag direkt ausgeführt oder die russische Regierung habe die Kontrolle über das Nervengift verloren und es sei in andere Hände gelangt. Der russische Botschafter in London wurde in das Außenministerium einbestellt. Nowitschok zählt zu den gefährlichsten Nervengiften überhaupt und kommt in etwa 100 Varianten vor. Es ist nur schwer nachzuweisen.

Das russische Außenministerium sprach von einer "Zirkusnummer" im britischen Parlament. "Das Schluss ist klar - es ist eine reguläre informationspolitische Kampagne, basierend auf Provokationen", wurde Außenamtssprecherin Maria Sacharowa von der Agentur Tass zitiert.

Moskau streitet Vorwürfe ab

Ein "absolutes Hirngespinst" nannte Leonid Sluzki, Vorsitzender des Duma-Komitees für internationale Angelegenheiten, die Vorwürfe aus Großbritannien. Möglicherweise wolle London die Präsidentenwahl beeinflussen. Für den Ex-Chef des russischen Geheimdienstes FSB, Sergej Stepaschin, könnte die Fußball-WM im Sommer in Russland ein Grund für die Vorwürfe sein. "Die Briten hassen uns einfach für die Tatsache, dass die Meisterschaft in unserem Land stattfindet."

Skripal soll den britischen Auslandsgeheimdienst MI6 über russische Agenten in Europa informiert haben. 2004 flog der ehemalige Oberst des russischen Militärgeheimdienstes GRU auf und wurde festgenommen. Er wurde zu 13 Jahren Lagerhaft verurteilt. Im Rahmen eines Gefangenenaustauschs kam er 2010 nach Großbritannien.

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jat/news.de/dpa
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