09.03.2018, 10.30 Uhr

Gift-Anschlag in Salisbury: Russischer Ex-Spion mit Nervengift angegriffen - 3 Menschen im Koma

Dieses am 07.02.2018 von ITN bereitgestellte Videostandbild einer Überwachungskamera zeigt den früheren russischen Doppelagenten Sergej Skripal, der am Wochenende in der südenglischen Stadt Salisbury mit Vergiftungserscheinungen aufgefunden wurde.

Dieses am 07.02.2018 von ITN bereitgestellte Videostandbild einer Überwachungskamera zeigt den früheren russischen Doppelagenten Sergej Skripal, der am Wochenende in der südenglischen Stadt Salisbury mit Vergiftungserscheinungen aufgefunden wurde. Bild: Uncredited / ITN / AP / picture alliance / dpa

In der südenglischen Stadt Salisbury sind am Wochenende zwei Menschen mit Verdacht auf Vergiftung durch ein Nervengift in ein Krankenhaus eingeliefert worden. Das teilte die Polizei am Montag mit. Bei dem Mann soll es sich der BBC zufolge um einen ehemaligen Spion namens Sergej Skripal aus Russland handeln, der im Auftrag der Briten gearbeitet hat und im Rahmen eines Gefangenenaustauschs 2010 nach Großbritannien kam.

Gift-Anschlag auf Ex-Spion? 3 Menschen im Koma

Nach Polizeiangaben ist der Mann etwa 60 Jahre alt. Bei der zweiten Person handele es sich um seine etwa 30 Jahre alte Begleiterin, die inzwischen als Skripals Tochter Yulia identifiziert wurde. Auch der Polizist, der als erstes am Tatort war, liegt mittlerweile im Koma. Die drei befinden sich der Mitteilung zufolge im Koma. Sie wurden bereits am Sonntag bewusstlos in der Nähe eines Einkaufszentrums von Passanten entdeckt. Insgesamt müssen 21 Menschen medizinisch behandelt werden.

Behörden ermitteln zu Vergiftung von Ex-Spion aus Russland in Salisbury

Die Polizei sprach von einem "schweren Vorfall", eine ganze Reihe von Behörden sei eingeschaltet worden. Noch sei nicht klar, ob eine Straftat vorliege. Auf Fernsehbildern waren Einsatzkräfte in Schutzanzügen zu sehen, die den Fundort der Verletzten reinigten. "Wir wollen den Menschen versichern, dass wir Vorfälle dieser Art extrem ernst nehmen", hieß es in der Mitteilung der Polizei. Trotzdem gehe man nicht davon aus, dass eine Gefahr für die Öffentlichkeit bestehe.

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Nervengift! Russischer Spion und Tochter in Salisbury angegriffen

Der ehemalige russische Doppelagent Sergej Skripal und seine Tochter Yulia sind höchstwahrscheinlich Opfer von Nervengift geworden. Das teilte der Chef der britischen Anti-Terror-Einheit, Mark Rowley, am Mittwoch in London mit. Es werde wegen versuchten Mordes ermittelt, sagte Rowley. Die beiden seien "gezielt angegriffen" worden. Auch ein Polizeibeamter befinde sich inzwischen in einem lebensbedrohlichen Zustand, sagte Rowley.

Skripal und seine Tochter waren am Sonntag mit Vergiftungserscheinungen in der südenglischen Kleinstadt Salisbury bewusstlos aufgefunden worden. Sie kämpfen seitdem in einer Klinik um ihr Leben. Die Erkenntnisse der britischen Polizei dürften Spekulationen weiter anheizen, der Kreml könne seine Hände bei dem mutmaßlichen Giftanschlag im Spiel haben.

Gift-Anschlag in Salisbury: Ließ der Kreml Sergej Skripal und seine Tochter vergiften?

Der Fall hatte zu einem diplomatischen Schlagabtausch zwischen Moskau und London geführt. Der britische Außenminister Boris Johnson hatte am Dienstag eine "angemessene und robuste" Reaktion angekündigt, sollte sich der Verdacht auf eine staatliche Rolle in dem Fall erhärten. Kein Versuch, auf britischem Boden unschuldiges Leben zu nehmen, werde ohne Sanktionen oder ungestraft bleiben, sagte Johnson kaum verhohlen an Moskau gerichtet.

Der Fall hat inzwischen einen diplomatischen Schlagabtausch zwischen Moskau und London ausgelöst. Das Außenministerium in Moskau warf den britischen Behörden eine russlandfeindliche Kampagne vor. Noch vor Klärung der Fakten würden Vorwürfe gegen Russland erhoben, sagte Ministeriumssprecherin Maria Sacharowa am Mittwoch.

Premierministerin Theresa May hatte den Besuch britischer Politiker und Würdenträger bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Russland im Sommer infrage gestellt, sollte sich herausstellen, dass Moskau hinter dem mutmaßlichen Attentat steckt.

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loc/news.de/dpa
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