04.01.2018, 15.43 Uhr

Noah Becker als "Halbneger" beschimpft: Nach Hass-Tweet: AfD-Mann Maier soll zurücktreten

Jens Maier, Mitglied der AfD Bundestagsfraktion, hat mit einem rassistischen Tweet über Noah Becker für Schlagzeilen gesorgt. Der Bundestag fordert nun eine Entschuldigung des Politikers.

Jens Maier, Mitglied der AfD Bundestagsfraktion, hat mit einem rassistischen Tweet über Noah Becker für Schlagzeilen gesorgt. Der Bundestag fordert nun eine Entschuldigung des Politikers. Bild: dpa

Der AfD-Bundestagsabgeordnete Jens Maier ist mit einem rassistischen Kommentar über Noah Becker, den Sohn der Tennis-Legende Boris Becker, aufgefallen. Der bereits am Dienstag im Kurznachrichtendienst Twitter gepostete Satz "Dem kleinen Halbneger scheint einfach zu wenig Beachtung geschenkt worden zu sein, anders lässt sich sein Verhalten nicht erklären." wurde später gelöscht.

Noah Becker von AfD-Mann Jens Maier als "Halbneger" beschimpft

Becker, der unter anderem als DJ arbeitet, hatte in einem Interview erklärt, Berlin sei im Vergleich zu London oder Paris eine "weiße Stadt". Er sagte, er selbst sei "wegen meiner braunen Hautfarbe attackiert worden".

AfD-Chef Gauland sauer: Maier-Mitarbeiter soll Tweet abgesetzt haben

Der AfD-Vorsitzende Alexander Gauland zeigte sich am Mittwoch verärgert über Maiers Kommentar. Er sagte: "Das ist nicht mein Stil." Aus Parteikreisen hieß es, Maier habe den Tweet nicht selbst abgesetzt. Der Autor der Zeilen sei ein Mitarbeiter. Der Dresdner Abgeordnete habe sich diesen inzwischen "zur Brust genommen". Maier selbst erklärte intern, dieser Kommentar sei auch nicht sein Stil. Er bedauere diese "Panne" und wolle sich "bei Herrn Becker dafür entschuldigen". Dem twitternden Mitarbeiter habe er eine Abmahnung erteilt. Ferner seien "die organisatorischen Konsequenzen gezogen" worden, damit so etwas nicht mehr vorkommt.

Familie Becker erstattet Anzeige gegen AfD-Mann

Wie "Bild" berichtete, will Noah Becker in Absprache mit seinem Vater juristisch gegen den AfD-Abgeordneten vorgehen. Rechtsanwalt Christian-Oliver Moser sagte der Zeitung: "Ich bin jetzt beauftragt, unverzüglich die erforderlichen straf- und zivilrechtlichen Schritte gegen Herrn Jens Maier, MdB, wegen dieser eindeutig rassistischen Twitter-Nachricht zu ergreifen."

Der AfD-Bundestagsabgeordnete Harald Weyel sagte, "die Sache mit dem N-Wort" sei für ihn persönlich kein großes Problem. In seiner Kindheit sei "Neger" nicht generell herabwürdigend gemeint gewesen, sagte der AfD-Politiker aus Nordrhein-Westfalen, der selbst dunkelhäutig ist. Wenn der Begriff jedoch so wie in diesem Kommentar verwendet werde, "dann kann man eine pejorative Absicht unterstellen, was dann vor allem auf denjenigen, der sich so äußert, zurückweist".

Jens Maier sorgt nicht zum ersten Mal für Negativ-Schlagzeilen

Maier arbeitete vor seinem Einzug in den Bundestag als Zivilrichter. Das Landgericht Dresden hatte ihm im August einen Verweis erteilt, weil er mit seinen rechten Parolen gegen das Mäßigungsgebot für Richter verstoßen habe. Zuvor war ihm schon die Zuständigkeit für Medien- und Presserecht entzogen worden. In dieser Funktion hatte er 2016 für Schlagzeilen gesorgt, als er dem Dresdner Politologen Steffen Kailitz auf Antrag der NPD kritische Aussagen über die rechtsradikale Partei zunächst verbot.

Der AfD-Landesverband Sachsen hatte im November ein Parteiausschlussverfahren gegen den Juristen zurückgezogen, das noch unter der inzwischen ausgeschiedenen Parteichefin Frauke Petry in Gang gekommen war. Grund für das Verfahren waren Äußerungen Maiers zu einem angeblichen deutschen "Schuldkult" und der "Herstellung von Mischvölkern" durch Zuwanderung. Maier gilt als Vertreter des rechtsnationalen Parteiflügels um den Thüringer AfD-Landeschef Björn Höcke. Maier hatte sich selbst als "kleiner Höcke" bezeichnet.

Bundestag empört über rassistische AfD-Attacke gegen Noah Becker

Auch der Bundestag reagierte am Dienstagabend geschockt auf den rassistischen Kommentar des AfD-Mannes. "Wer solche Ausdrücke verwendet, braucht sich über den Vorwurf des Rassismus nicht zu wundern.", erklärte etwa der Bundestagsvizepräsident Hans-Peter Friedrich (60, CSU) gegenüber der "Bild"-Zeitung. Der Bundestagsvize, Thomas Oppermann (63, SPD), forderte währenddessen eine Entschuldigung von Maier: "So was macht ein Abgeordneter des Deutschen Bundestages nicht! Wenn der Mann noch einen Rest von Anstand hat, dann entschuldigt er sich umgehend für seinen widerlichen und unerträglichen Ausfall.", zitiert das Blatt den SPD-Politiker.

Nach rassistischem Tweet: Rücktrittsforderung aus AfD gegen Maier

Wegen eines rassistischen Kommentars über Noah Becker sieht sich der AfD-Bundestagsabgeordnete Jens Maier mit Rücktrittsforderungen aus der eigenen Partei konfrontiert. "Es reicht, Leute! Wenn ihr Euch oder Eure Mitarbeiter nicht im Griff habt, geht nach Hause!", twitterte der parlamentarische Geschäftsführer der Berliner AfD-Fraktion, Frank-Christian Hansel. "Die AfD braucht keine Leute, die immer noch das primitive Vokabular und den Duktus der 50er Jahre verwenden." Es könne nicht sein, dass immer wieder AfD-Funktionäre mit Facebook oder Twitter-Posts die Arbeit der gesamten Partei zunichte machten.

Der sächsische Abgeordnete Maier hatte den Sohn des Tennisspielers Boris Becker im Kurznachrichtendienst Twitter als "kleinen Halbneger" bezeichnet, der Tweet wurde später gelöscht. Nach Angaben Maiers hatte nicht er selbst, sondern ein Mitarbeiter die Zeilen verfasst. Sie bezogen sich auf ein Interview, in dem Noah Becker erklärt hatte, Berlin sei im Vergleich zu London oder Paris eine «weiße Stadt». Er selbst sei "wegen meiner braunen Hautfarbe attackiert worden".

Auch der Berliner AfD-Partei- und Fraktionschef Georg Pazderski distanzierte sich von Maier. Dessen Äußerungen entsprächen "nicht dem Geist und der Programmatik der AfD", erklärte er am Donnerstag. Die AfD sei "kein Feigenblatt für extremistische Gesinnungen gleich welcher Couleur", so Pazderski. "Wir gehen davon aus, dass Jens Maier ... das Rückgrat hat, die Verantwortung für die in seinem Namen getätigten Äußerungen zu übernehmen, wie das in einer Demokratie üblich ist." Auf Nachfrage sagte ein Fraktionssprecher, Pazderski fordere damit zunächst einmal eine öffentliche Entschuldigung Maiers. Alles weitere hänge vom Verhalten Maiers ab.

Passend dazu: Kölner Polizei zeigt Beatrix von Storch nach Tweet an.

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sba/kad/news.de/dpa
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