02.08.2017, 12.43 Uhr

Türkische Zeitung "Yeni Söz": "Erdogan kann Europa in drei Tagen erobern"

Eine türkische Zeitung, die der Regierung von Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan nahesteht, hat bizarre Eroberungsphantasien veröffentlicht.

Eine türkische Zeitung, die der Regierung von Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan nahesteht, hat bizarre Eroberungsphantasien veröffentlicht. Bild: Tolga Adanali / Depo Photos via Zuma Wire / picture alliance / dpa

Dass der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan auf Europa nicht allzu gut zu sprechen ist, liegt auf der Hand. Das Staatsoberhaupt lässt bekanntlich keine Gelegenheit aus, um über das europäische Staatenbündnis zu wettern. Nun stimmen auch türkische Medien, die der Erdogan-Regierung nahestehen, in die Anti-Europa-Hetze ein. Eine Publikation in der Zeitung "Yeni Söz", über die der "Focus" berichtet, offenbart bizarre Theorien zu Erdogans politischer Macht.

Bizarre These: Erdogan kann Europa in wenigen Tagen erobern

Die Tageszeitung stellte jüngst die These auf, die Türkei unter der Führung Erdogans sei ohne weiteres in der Lage, Europa innerhalb weniger Tage zu erobern, schreibt der "Focus". Unter Berufung auf George Friedman, einen US-amerikanischen Politikwissenschaftler, zeichnet sich die Zeitung ein Bild der Türkei als militärisch überlegen. Während Friedman noch formulierte, er traue der Türkei zu, Länder wie Deutschland und Frankreich binnen weniger Stunden militärisch überwältigen zu können, spitzt "Yeni Söz" diese Ansichten noch weiter zu und schreibt, dass sich die Europäer eher kampflos ergeben würden als sich dem türkischen Angriff entgegenzustellen.

Feige Europäer? Pro-Erdogan-Blatt argumentiert mit 2 Jahre alter Umfrage

Um diese These zu belegen, führt das regierungsnahe Blatt eine Umfrage ins Feld, die das Forschungsinstitut Gallup bereits von Jahren veröffentlichte. In der Meinungserhebung wurden Menschen verschiedener Nationalitäten befragt, ob sie für ihr Heimatland kämpfen würden. Offenbar deutete es die Zeitung "Yeni Söz" als Feigheitsbekenntnis, dass sich in der Umfrage lediglich 18 Prozent der befragten Deutschen als willens einschätzten, für ihr Land zu kämpfen. Für die Pro-Erdogan-Zeitung heißt das anders formuliert: "Wenn wir an einem Morgen beginnen, können wir unser Abendgebet im Schloss Bellevue haben".

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Scharfe Angriffe gegen US-Beauftragten in türkischen Medien

Ähnlich hetzerische Veröffentlichungen in türkischen Medien finden sich immer wieder. Erst kürzlich hatte eine führende regierungsnahe türkische Tageszeitung den US-Sonderbeauftragten für die Anti-IS-Koalition, Brett McGurk, für den Tod von Zivilisten in Syrien und im Irak verantwortlich gemacht. Die Tageszeitung "Yeni Safak" bezeichnete McGurk am Dienstag als "Mörder von 46.000 Zivilisten".

Die türkische Regierung lehnt McGurks Zusammenarbeit mit der syrischen Kurdenmiliz YPG ab und hatte bereits in der Vergangenheit seine Ablösung gefordert. Ankara sieht in der Miliz einen Ableger der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK und bekämpft sie deshalb. Für die US-Regierung hingegen ist die YPG ein strategisch wichtiger Partner am Boden im Kampf gegen die Terrormiliz IS. Die YPG hatte erst kürzlich eine US-Waffenlieferung erhalten.

Die Stimmung zwischen den beiden NATO-Staaten hatte sich am Wochenende nach Kritik McGurks weiter verschlechtert. Der Sonderbeauftragte hatte die Türkei für das Erstarken von mit der Terrororganisation Al-Kaida verbündeten Gruppen im nordsyrischen Ildib nahe der Grenze zur Türkei mitverantwortlich gemacht. Ein Sprecher des türkischen Staatschefs Recep Tayyip Erdogan wies dies am Montag scharf zurück.

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loc/jat/news.de/dpa
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