20.06.2017, 08.23 Uhr

Nach 17 Monaten Haft: Folter in Nordkorea? Otto Warmbier ist tot

Der US-Bürger Otto Warmbier war zu 15 Jahren Straflager verurteilt worden.

Der US-Bürger Otto Warmbier war zu 15 Jahren Straflager verurteilt worden. Bild: dpa

Der erst kürzlich nach 17-monatiger Haft in Nordkorea heimgekehrte US-Student Otto Warmbier ist tot. Das teilten seine Eltern Fred und Cindy Warmbier am Montag in einer Stellungnahme mit, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. "Im Kreise seiner ihn liebenden Familie ist Otto um 14.20 Uhr gestorben", heißt es darin.

US-Student Otto Warmbier nach Rückkehr aus Nordkorea gestorben

Der 22-Jährige hatte nach Darstellung von Ärzten schwere Hirnschäden erlitten und war im Wachkoma liegend in die USAzurückgebracht worden. Er konnte zwar die Augen öffnen und blinzeln, es gab aber keine Anzeichen, dass er auf Sprache oder non-verbale Aufforderungen reagieren konnte. "Wir konnten seine Stimme nicht mehr hören", heißt es in der Stellungnahme der Eltern. Jedoch hätten sich seine Gesichtszüge am Tag nach der Heimkehr deutlich entspannt.

Botulismus? Sauerstoffentzug? Woran starb Otto Warmbier?

Woher die gesundheitlichen Schäden rührten, ist bisher nicht abschließend geklärt. Die Führung in Pjöngjang hatte US-Diplomaten gegenüber angegeben, Warmbier sei in der Haft in Nordkorea an Botulismus erkrankt - einer schweren Nahrungsmittelvergiftung. Er habe eine Schlaftablette eingenommen und sei nicht mehr aufgewacht.

Die US-Seite zweifelt diese Darstellung an. Nach Meinung von Medizinern könnten die Schädigungen im Hirn von einem Sauerstoffentzug stammen. Hinweise auf ein Trauma, etwa durch Schläge auf den Kopf, hätten sich zunächst nicht gefunden.

Eltern sicher: Otto Warmbier starb an Misshandlungen

Die Eltern weisen die Schuld am Tod ihres Sohnes direkt Nordkorea zu. "Leider ließen die furchtbaren, qualvollen Misshandlungen unseres Sohnes durch die Nordkoreaner keinen anderen Ausgang zu als den traurigen, der sich heute ereignet hat", heißt es in der Stellungnahme.

Auch US-Präsident Donald Trump macht Nordkorea verantwortlich. "Die Vereinigten Staaten verurteilen aufs Neue die Brutalität des nordkoreanischen Regimes, während wir dessen jüngstes Opfer betrauern", heißt es in einer Mitteilung des WeißenHauses. Den Eltern sprach Trump sein Mitgefühl aus.

Zwei Jahre mussten sie in nordkoreanischer Gefangenschaft verbringen. Am Samstag waren sie endlich zurück in ihrer Heimat. Am Abend trafen die Amerikaner Kenneth Bae und Todd Miller auf der Washington State Military Base ein.

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