21.04.2017

AfD-Parteitag in Köln: Realpolitik oder Nationalismus? Die AfD-Lager gehen in den Showdown

Marcus Pretzell und Frauke Petry wollen die AfD koalitionsfähig machen.

Marcus Pretzell und Frauke Petry wollen die AfD koalitionsfähig machen. Bild: dpa

Nach der Absage von AfD-Chefin Frauke Petry wollen andere Führungsleute in der Partei keinesfalls gänzlich auf die Aufstellung eines Spitzenteams für den Bundestagswahlkampf verzichten. Die stellvertretende AfD-Vorsitzende Beatrix von Storch plädierte für ihre Vorstandskollegen Alexander Gauland und Alice Weidel als Teil eines Spitzenteams. "Ich kann mir vorstellen, dass der Parteitag die beiden voll unterstützt", sagte sie der "Welt" (Freitag). Auch der AfD-Co-Vorsitzende Jörg Meuthen unterstützt Gauland als Mitglied eines Spitzenteams. "Ich habe immer gesagt, dass Alexander Gauland eine wichtige Rolle spielen muss. An ihm führt kein Weg vorbei", sagte er den "Ruhr Nachrichten" (Freitag).

AfD-Bundesparteitag mit vielen Baustellen und Streitpunkten

Der AfD-Bundesparteitag kommt am Wochenende in Köln zusammen - mit großem Zoff-Potenzial. Das liegt zum einen an den großen Protestkundgebungen mit Zehntausenden Demonstranten, die rund um das Parteitags-Hotel geplant sind. Aber auch im Saal dürften die Fetzen fliegen. Welche Mitglieder der heillos zerstrittenen Parteispitze am Sonntag als Sieger auf dem Podium stehen werden, ist noch völlig offen.

AfD ist zwischen rechtem Flügel und "Realpolitikern" zerrissen

Das erste Wort hat laut Tagesordnung die Parteivorsitzende Petry. Nach ihrer Eröffnungsrede folgt eine Reihe von Formalien. Dann darf Petrys Ehemann Marcus Pretzell zu den 600 Delegierten sprechen. Denn Pretzell ist als Vorsitzender der nordrhein-westfälischen AfD Gastgeber der Veranstaltung. Ob es in Köln zu dem von vielen schon lange erwarteten Bruch zwischen dem rechtsnationalen Flügel und den "Realpolitikern" kommen wird, ist offen.

Gauland wirft Petry Spaltung der AfD vor

Der Brandenburger AfD-Fraktionsvorsitzende Gauland kreidete der Parteichefin Petry erneut an, die AfD in einen realpolitischen und einen fundamentalistischen Teil auseinanderdividieren zu wollen. "Ich habe nie eine Fundamentalopposition gefordert, wie mir das Frauke Petry unterstellt", sagte er der "Stuttgarter Zeitung" und den "Stuttgarter Nachrichten". "Natürlich wollen wir irgendwann auch regieren, sonst wäre ich nicht in der Partei", sagte Gauland der "Rheinischen Post" (Freitag). Die AfD dürfe sich jedoch nicht der Gefahr aussetzen, als kleiner Partner ausgespielt oder aufgesogen zu werden. Gauland empfahl der AfD, dem Beispiel der österreichischen FPÖ zu folgen: "Nicht als Anhängsel, aber auf Augenhöhe, dann kann man Verantwortung übernehmen", unterstrich Gauland.

Pretzell: Petrys Verzicht auf AfD-Spitzenkandidatur ist endgültig

Der nordrhein-westfälische AfD-Landesvorsitzende Marcus Pretzell hat den Verzicht von AfD-Chefin Frauke Petry auf die Spitzenkandidatur ihrer Partei im Bundestagswahlkampf als endgültig bezeichnet. "Die Delegierten auf diesem Parteitag werden Frauke Petry nicht dazu bringen können, ihre mitgeteilte Entscheidung noch einmal zu überdenken", sagte Pretzell, der auch Ehemann Petrys ist, am Freitag im ARD-"Morgenmagazin". "Diese Entscheidung ist endgültig." Wichtiger als Personalien sei die Ausrichtung der Partei, sagte Pretzell.

Petry will künftigen Kurs der AfD erzwingen

Ein zweitägiger AfD-Bundesparteitag beginnt am Samstag in Köln, Tausende Gegendemonstranten werden erwartet. Petry will auf dem Parteitag eine Entscheidung über den künftigen Kurs der AfD erzwingen. Sie strebt eine Abstimmung über einen Antrag an, der festhält, dass die AfD mittelfristig koalitionsfähig werden und keine "Fundamentalopposition" betreiben will. Der Antrag hat für massiven Streit in der Führungsspitze gesorgt. "Man kann die eine wie die andere Strategie am Ende als Partei einschlagen", sagte Pretzell. "Man kann aber nicht auf zwei Pferden gleichzeitig reiten." Die Partei werde sich an dieser Stelle entscheiden müssen, und diese Entscheidung sei überfällig.

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