09.04.2017, 11.11 Uhr

Tanta und Alexandria: Viele Tote bei Anschlägen auf Christen in Ägypten

In Tanta sind bei einem der tödlichsten Anschläge auf die christliche Minderheit Ägyptens in den vergangenen Jahren in einer koptischen Kirche am Sonntag mindestens 25 Menschen getötet worden.

In Tanta sind bei einem der tödlichsten Anschläge auf die christliche Minderheit Ägyptens in den vergangenen Jahren in einer koptischen Kirche am Sonntag mindestens 25 Menschen getötet worden. Bild: Ahmed Hatem/AP/dpa

Bei einem der tödlichsten Anschläge auf die christliche Minderheit Ägyptens in den vergangenen Jahren sind mindestens 25 Menschen getötet worden. 59 Menschen wurden am Palmsonntag (09.04.2017) durch die Explosion in der koptischen Kirche St. Georg in der nordägyptischen Stadt Tanta verletzt, wie das Gesundheitsministerium der Deutschen Presse-Agentur mitteilte. Die staatliche Nachrichtenseite Al-Ahram zitierte Augenzeugen, wonach sich ein Selbstmordattentäter in die Luft gesprengt haben soll.

Ägypten: Regierung spricht nach Anschlag in Kirche von Terror

Die ägyptische Regierung sprach von Terror: "Der Terrorismus trifft Ägypten erneut, dieses Mal an Palmsonntag", sagte der Sprecher des Außenministeriums, Ahmed Abu Seid, auf Twitter. Es sei eine weitere widerwärtige Tat gegen alle Ägypter. Im Internet kursierende und im Fernsehen ausgestrahlte Videos zeigten einen blutverschmierten Boden.

An dem christlichen Feiertag war die Kirche zur Messe gut besucht. St. Georg ist dem Staatsfernsehen zufolge das größte christliche Gotteshaus der Region im Nildelta. Sicherheitskräfte hätten den Tatort weitgehend abgesperrt. Tanta hat mehrere Hunderttausend Einwohner und liegt etwa 80 Kilometer nördlich der Hauptstadt Kairo.

Präsident Abdel Fattah Al-Sisi hat den nationalen Sicherheitsrat einberufen. Dieser solle noch am Sonntag die "Konsequenzen" aus dem Angriff auf das Gotteshaus St. Georg besprechen, berichtete das staatliche ägyptische Fernsehen.

Bundesregierung kondoliert nach Bombenanschlag auf Kirche in Ägypten

Die Bundesregierung hat nach dem Terroranschlag ihr Mitgefühl ausgedrückt: "Wir trauern mit #Kopten + allen Ägyptern um die Opfer des Anschlags an diesem Palmsonntag", twitterte Regierungssprecher Steffen Seibert. Bundeskanzlerin Angela Merkel habe dem ägyptischen Präsidenten Abdel Fattah al-Sisi kondoliert.

Der Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Volker Kauder, verurteilte den blutigen und sinnlosen Terroranschlag auf die Besucher eines Sonntagsgottesdienstes: "Die schreckliche Tat, durch die viele Menschen getötet und verletzt wurden, bringt unsagbares Leid über die Opfer und ihre Familien. Ihnen gilt unser Mitgefühl", erklärte Kauder in Berlin. "Den koptischen Christen drücke ich unsere Anteilnahme und Solidarität aus."

Dass sich die Täter den christlichen Palmsonntag, den Beginn der Karwoche, als Zeitpunkt der Tat ausgesucht haben, steigere den Schock über diese feige Tat noch mehr. "Wir erwarten von der ägyptischen Regierung, dass sie alles tut, um die koptischen Christen zu schützen." Den Attentätern dürfe es nicht gelingen, die ägyptische Gesellschaft zu spalten.

Von CDU bis SPD: Deutsche Politiker zeigen sich entsetzt über den Anschlag in Ägypten

"Dass eine solche Tat Menschen in Ausübung ihrer Religion während des Gottesdienstbesuches am Palmsonntag trifft, empört mich besonders", teilte Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) am Sonntag in Berlin mit. "Mein tiefes Mitgefühl gilt den Opfern und ihren Angehörigen, meine Wut den Tätern." Der Innenminister rief zu einem gemeinsamen Kampf gegen den Terror über die Grenzen von Ländern und Kontinenten hinweg auf.

In einer Mitteilung von Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) hieß es, erneut seien christliche Gläubige Ziel einer Bluttat geworden. Die Hintergründe des Anschlags müssten aufgeklärt und die Täter zur Rechenschaft gezogen werden. "Das Kalkül der Täter, einen Keil in das friedliche Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Glaubensrichtungen zu treiben, darf nicht aufgehen."

Weitere Explosion in Alexandria nach Anschlag auf Kirche in Tanta - Mindestens 6 Tote

Die Explosion bei einer Kirche in der ägyptischen Hafenstadt Alexandria hat dem staatlichen Fernsehen zufolge mindestens sechs Menschen getötet und 33 weitere verletzt. Der Sender bezog sich dabei auf Angaben aus dem Gesundheitsministerium. Die staatliche Zeitung "Al-Ahram" berichtete, die Explosion außerhalb des koptischen Gotteshauses St. Markus sei durch einen Selbstmordattentäter verursacht worden, der zuvor am Einlass in die Kirche gehindert worden sei.

Die Terrormiliz Islamischer Staat hat die Anschläge in Ägypten für sich reklamiert. Die Explosionen in Tanta und Alexandria mit Dutzenden Toten seien von den Dschihadisten verursacht worden, berichtete das IS-Sprachrohr Amak am Sonntag. Die Mitteilung konnte zunächst nicht unabhängig auf Echtheit untersucht werden.

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