22.03.2017, 16.21 Uhr

Nach Anschlag in London: 5 Tote und 40 Verletzte - Terrorismusforscher zweifelt an IS-Urheberschaft

Das in britischen Farben angestrahlte Brandenburger Tor ist am 23.03.2017 in Berlin zu sehen. Mit dem Anstrahlen des Brandenburger Tores zeigen die Berliner ihre Anteilnahme an den Opfern des Anschlags von London.

Das in britischen Farben angestrahlte Brandenburger Tor ist am 23.03.2017 in Berlin zu sehen. Mit dem Anstrahlen des Brandenburger Tores zeigen die Berliner ihre Anteilnahme an den Opfern des Anschlags von London. Bild: picture alliance / Jörg Carstensen/dpa

Nach dem Anschlag mit mindestens 4 Toten und etwa 40 Verletzten am britischen Parlament in London laufen die Ermittlungen zum Motiv des Attentäters auf Hochtouren. Der Täter hatte zunächst Menschen auf der Westminster-Brücke nahe dem Parlament mit einem Auto umgefahren. Anschließend verletzte er einen Polizisten mit einem Messer tödlich, bevor er selbst erschossen wurde. Alle aktuellen Informationen sowie eine ausführlichen Zusammenfassung finden sie im aktuellen Ticker von news.de.

+++ Update 24.03.2017, 12.54 Uhr: IS-Urheberschaft angezweifelt +++

Der Terrorismusforscher Peter Neumann zweifelt daran, dass die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) unmittelbar hinter dem Anschlag von London steckt. Es gebe einige Hinweise darauf, dass zwischen dem Attentäter und der Terrormiliz keine direkte physische Verbindung bestanden habe, sagte der Leiter des internationalen Zentrums zur Erforschung von Radikalisierung (ICSR) am Londoner King's College am Freitag der Deutschen Presse-Agentur. "Das leitet sich daraus her, dass der Islamische Staat offensichtlich selbst von diesem Anschlag überrascht war."

Neumann sagte, der IS habe zwar den Anschlag für sich reklamiert, aber es gebe IS-Publikationen, die in den vergangenen 24 Stunden veröffentlicht wurden, die die Vorfälle in London noch nicht erwähnen. "Und das bedeutet, dass offensichtlich die Leute in Syrien keine Ahnung hatten, dass er passiert." Die Miliz sei zwar bereit gewesen, den Attentäter als "Soldaten des Kalifats" zu beschreiben, "aber offensichtlich wussten nicht alle oder wussten nur wenige im Islamischen Staat - wenn überhaupt-, dass da etwas im Kommen war".

+++ Update 24.03.2017, 09.58 Uhr: Zwei weitere Festnahmen +++

Nach dem Terroranschlag vor dem britischen Parlament hat die Polizei zwei weitere Personen festgenommen. Die Festnahmen seien in der Region um Birmingham (West Midlands) und im Nordwesten des Landes erfolgt, teilte Scotland Yard am Freitag mit. Die Behörde stufte die Festnahmen als wichtig ein.

Scotland Yard bat die Bevölkerung bei den weiteren Ermittlungen um Mithilfe. Der Geburtsname des mutmaßlichen Täters Khalid Masood lautet Adrian Russell Ajao, wie die Ermittler herausfanden. Bei Razzien in London, Birmingham und anderen Orten waren mehrere Menschen festgenommen worden. Laut BBC befinden sich aktuell neun Personen in Gewahrsam.

+++ Update 24.03.2017, 08.10 Uhr: Zahl der Toten erhöht sich auf Fünf, Scotland Yard ermittelt weiter +++

In der Nähe des Londoner Parlaments sind am Mittwoch Schüsse gefallen. Mehrere Menschen wurden verletzt.

In der Nähe des Londoner Parlaments sind am Mittwoch Schüsse gefallen. Mehrere Menschen wurden verletzt. Bild: dpa

Nach dem Terroranschlag vor dem britischen Parlament hat sich die Zahl der Toten auf insgesamt fünf erhöht. Am späten Donnerstagabend teilte die Polizei in London mit, dass ein 75-Jähriger an seinen schweren Verletzungen gestorben sei. Ein weiteres Opfer des Anschlags schwebte in der Nacht zum Freitag noch in Lebensgefahr, der Zustand von fünf weiteren Opfern galt als kritisch. Unterdessen versammelten sich am Trafalgar Square in London tausende Menschen zum Gedenken an die Opfer des Anschlags.

Bei dem Anschlag am Mittwoch waren fünf Menschen getötet worden, unter ihnen der Attentäter. Ein US-Amerikaner, der mit seiner Frau die Silberhochzeit in London feierte, und eine zweifache britische Mutter starben, als der Attentäter mit einem Auto über die belebte Westminster-Brücke raste und Fußgänger überfuhr. Anschließend drang der in Großbritannien geborene Angreifer auf das Parlamentsgelände vor und verletzte einen Polizisten mit einem Messer tödlich, bevor er von Beamten erschossen wurde. Insgesamt wurden rund 40 Menschen aus elf Ländern verletzt, unter ihnen auch eine Deutsche.

Der Täter wurde als ein vorbestrafter 52-jähriger mit dem Namen Khalid Masood identifiziert. Der in Großbritannien geborene Mann sei der Polizei bereits wegen Gewaltdelikten und unerlaubtem Waffenbesitz aufgefallen, teilte Scotland Yard am Donnerstag mit. Nach Angaben von Premierministerin Theresa May stand er schon vor einigen Jahren im Verdacht, ein gewalttätiger Extremist zu sein. Sie nannte ihn aber eine "Randfigur".

Die Terrormiliz Islamischer Staat beanspruchte den Anschlag für sich. Einer ihrer "Soldaten" habe die Operation ausgeführt, erklärte das IS-Sprachrohr Amak im Internet. Der Angreifer sei Aufrufen gefolgt, Bewohner von Staaten der "internationalen Koalition" anzugreifen. Damit ist die Anti-IS-Koalition unter Führung der USA gemeint, der unter anderem Großbritannien, Frankreich und Deutschland angehören.

Nur einen Tag nach dem Terrorakt ist möglicherweise in der belgischen Stadt Antwerpen ein Anschlag verhindert worden. Nach Angaben eines Polizeisprechers raste ein Mann mit seinem Fahrzeug durch die City. Menschen mussten zur Seite springen. Die Polizei nahm den Mann fest.

Bei Razzien in London, Birmingham und anderen Orten wurden acht Menschen festgenommen. In welcher Beziehung die Personen zum Attentäter von London stehen, teilte Scotland Yard nicht mit.

Beim Terror-Anschlag im Zentrum Londons kamen vier Menschen ums Leben.
Terror-Anschlag in London

Was wir wissen - und was nicht

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