30.01.2017, 10.25 Uhr

Martin Schulz bei "Anne Will": So will der deutsche Obama Kanzlerin Merkel schlagen

Martin Schulz, designierter Kanzlerkandidat der SPD, im Gespräch mit Anne Will.

Martin Schulz, designierter Kanzlerkandidat der SPD, im Gespräch mit Anne Will. Bild: Karlheinz Schindler/dpa

Von news.de-Volontär Dominik Liebsch

Unabhängig davon, ob er es im September auch wird: Martin Schulz (61) kann Kanzler. Das bewies der noch ganz frische Kandidat der SPD am Sonntagabend in der Talkshow von Anne Will (50) zum Thema "Können Sie Kanzler, Herr Schulz?" zu genüge.

Dabei musste sich die Moderatorin nicht nur einmal von Schulz in ihre Schranken verweisen lassen: "Keine Unterbrechung bitte, wenn ich hier eine Wählerin überzeugen will. Wenn mir hier jemand nach jedem dritten Wort ins Wort fällt, dann geht das gar nicht", so Schulz selbstbewusst, als er gerade dabei war, auf eine Publikumsfrage einzugehen.

Martin Schulz: "Alles, was die Bürgerinnen und Bürger bewegt, landet im Rathaus"

Überhaupt schien der 61-Jährige jeglichen Eindruck einer etwaigen Volksferne beim Publikum bereits im Keim ersticken zu wollen: "Alles, was die Bürgerinnen und Bürger bewegt, das landet sowieso im Rathaus", betonte der ehemalige Bürgermeister der nordrhein-westfälischen Stadt Würselen und spielte damit auf seine langjährige Erfahrung als Lokalpolitiker an.

Die SPD ist für den ehemaligen Präsidenten des Europäischen Parlaments die einzige Partei, die in der Lage ist, das Land zu einem besseren zu machen, die Sorgen der Menschen ernst zu nehmen: Vor Arbeitslosigkeit, vor einem Abrutschen unter die Armutsgrenze, vor explodierenden Mieten in den Großstädten, aber auch vor sogenannten "Steuerflüchtlingen".

Kann die SPD mit Martin Schulz als Kanzlerkandidat das Agenda-2010-Trauma abschütteln?

Seine Partei habe die "Gesellschaft reformiert vom Mindestlohn bis zur Wohnungsbauförderung. Wir können das alles besser machen, wenn wir die stärkste Kraft im Lande sind." Die Tatsache, dass diese Partei auch die gleiche ist, die mit den Hartz-Reformen einen Mammut-Anteil ihrer Wähler verloren hat, stand dabei allerdings den gesamten Abend über im Raum und hing wie ein Damoklesschwert über den zwei Gesprächspartnern.

Doch auch Anne Will, so blass sie auch wirkte am Sonntagabend, versteht ihren Job als Kritikerin: Wie er ohne Regierungserfahrung denn bereits das Kanzleramt beanspruchen könne, fragte die Moderatorin. Ganz selbstbewusst verwies Schulz hier auf den ehemaligen US-Präsidenten Barack Obama: Der habe ebenfalls keine Regierungserfahrung gehabt, als er ins Weiße Haus eingezogen sei.

Martin Schulz bei "Anne Will": "Nicht nur gefühlt, auch faktisch der bessere Kandidat"

Er, Schulz, sei nicht nur gefühlt, sondern auch faktisch der bessere Kandidat für das Kanzleramt. Wenn das derzeitige Umfrageplus für ihn und die SPD nun jede Woche so weitergehe, mache er sich keine Sorgen um einen Wahlsieg am 24. September. Er sei schließlich eine "Kämpfernatur".

Sich einerseits mit Personen wie Barack Obama vergleichen und andererseits als gestandener Europapolitiker ganz nah dran am Volk sein: Kann das gut gehen? Werden die Menschen ihm das abkaufen? Martin Schulz hat gestern Abend zumindest bewiesen, dass er es mit Angela Merkel aufnehmen kann. Die selbst gezogene Parallele zu Barack Obama zumindest wurde vom Publikum schon einmal frenetisch beklatscht. Der Wahlkampf 2017 wird spannend. Er ist es jetzt schon.

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lid/bua/news.de
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