19.01.2017, 09.55 Uhr

"Auf toten Juden herumspringen": Jüdischer Künstler öffnet uns nach Höcke-Rede die Augen

Yolocaust kritisiert Respektlosigkeit am Holocaust-Mahnmal in Berlin.

Yolocaust kritisiert Respektlosigkeit am Holocaust-Mahnmal in Berlin. Bild: dpa

Das Holocaust-Mahnmal in Berlin ist für den Fraktionsvorsitzenden der AfD im Thüringer Landtag, Björn Höcke (44), ein "Mahmal der Schande". Seit Dienstag hat die Bundesrepublik Deutschland also einen weiteren Beweis für die zum Teil geschichtsrevisionistische und menschenverachtende Einstellung einiger prominenter Mitglieder der umstrittenen Partei Alternative für Deutschland - und streitet in allen erdenklichen Tonlagen.

Yolocaust.de: Shahak Shapira nach Rede von AfD-Mann Björn Höcke mit sehenswertem Fotoprojekt

Nun hat auch ein israelischer Satiriker mit einem Fotoprojekt auf die zum Teil befremdliche und unpassende Erinnerungskultur einiger Menschen reagiert: Auf der Homepage yolocaust.de zeigt der Autor Shahak Shapira einige Fotos, die er in sozialen Netzwerken wie Instagram, Tinder und Grinder fand. Zu sehen sind neben- und untereinander angeordnete Bilder zumeist junger Menschen, die ihren Besuch an eben jenem Denkmal festhielten und ihre Fotos anschließend ins Netz luden.

Dabei überschreiten sie immer wieder (mindestens) die Grenzen guten Geschmacks: Sie schießen Selfies, zeigen ihre gebleachten Zähne. Sie klettern auf die Betonstelen und machen Yoga-Übungen. Oder tanzen auf ihnen mit einem Starbucks-Kaffee in der Hand. Oder posieren mit cooler Miene lässig für die Kamera.

"Auf toten Juden herumspringen": Geschmacklose Bilder in sozialen Netzwerken

Doch den Vogel schießen eindeutig zwei junge Männer ab, die auf ihrem Bild zu sehen sind, wie sie von einem Betonpfeiler zum anderen springen. Ihr Foto haben sie mit dem Kommentar versehen: "Jumping on dead Jews @ Holocaust Memorial". Zu deutsch: "Auf toten Juden herumspringen."

Shapira hat die Bilder nicht nur auf seiner Website gesammelt - er hat diese auch kombiniert mit Originalaufnahmen aus den historischen Konzentrationslagern: Fahren wir mit der Computermaus über die einzelnen Fotos, so verschwindet der ursprüngliche Hintergrund und wir sehen zum Beispiel die zwei besagten jungen Männer, wie sie über die Leichen von zu Tode malträtierten Juden springen. Wer sich dieses Kunstprojekt ansieht, wird - zumindest für einen kurzen Moment - innehalten.

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