09.06.2016, 16.23 Uhr

Wegen Erdogans Tabubruch: Lammert und Schulz schießen gegen Erdogan

Die Türkische Gemeinde Deutschlands und der Türkische Bund Berlin-Brandenburg hätten die Schmähungen gegen Abgeordnete zurecht als abscheulich und inakzeptabel kritisiert, so Lammert.

Die Türkische Gemeinde Deutschlands und der Türkische Bund Berlin-Brandenburg hätten die Schmähungen gegen Abgeordnete zurecht als abscheulich und inakzeptabel kritisiert, so Lammert. Bild: Kay Nietfeld/dpa

Die wüsten Ausfälle des türkischen Präsidenten Erdogan gegenüber türkischstämmigen Abgeordneten treiben den Bundestag um. Parlamentspräsident Lammert (CDU) richtete deutliche Worte an Ankara - und sendete eine Botschaft an türkische Organisationen in Deutschland.

So entscheidend reagiert Bundestagspräsident Lammert

"Dass ein demokratisch gewählter Staatspräsident im 21. Jahrhundert seine Kritik an demokratisch gewählten Abgeordneten des Deutschen Bundestages mit Zweifeln an deren türkischer Abstammung verbindet, ihr Blut als verdorben bezeichnet, hätte ich nicht für möglich gehalten", sagte Lammert im Bundestag.

Nach der Verurteilung der Massaker an den Armeniern vor rund 100 Jahren als Völkermord im Bundestag hatte Erdogan türkischstämmige Abgeordnete wegen ihres Abstimmungsverhaltens als verlängerten Arm der verbotenen kurdischen PKK bezeichnet. Er verlangte auch, sie sollten ihr Blut im Labor testen lassen.

Abgeordnete massiv bedroht

Im Internet wurden die türkischstämmigen Parlamentarier massiv bedroht. "Die Verdächtigung von Mitgliedern dieses Parlamentes als Sprachrohr von Terroristen weise ich in aller Form zurück", so Lammert. Allen Abgeordneten, die im Zusammenhang mit ihrer politischen Tätigkeit bedroht oder unter Druck gesetzt würden, gelte die Solidarität des gesamten Parlaments.

Kanzlerin Angela Merkel hat Lammerts Kritik an Erdogan mit demonstrativem Beifall bedacht.

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