31.07.2015, 14.20 Uhr

Hollande schaltet um auf Grün: Öko statt Atom! Blitz-Energiewende in Frankreich

Von news.de-Volontärin Lisa Volkmann

Atomkraftwerk Cattenom in Frankreich.

Atomkraftwerk Cattenom in Frankreich. Bild: Picture Alliance/dpa

Unser Nachbarland ist bekannt für seine Atomkraft, Kernenergie ist die dominierende Energiequelle. Aufgrund weniger Kohle- und Ölreserven stützt sich Frankreich auf seine 58 Nuklearanlagen. Nun krempelt das Land sein Energiesystem komplett um. Das Ziel: Weniger CO2, weniger Atomkraft, mehr Ökostrom - innerhalb von nur zehn Jahren. Damit bricht Frankreich mit seiner fast schon traditionellen Atomenergiepolitik.

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Frankreich wird öko: Energiewende setzt auf weniger Atom, mehr Wind und Wasser

Wie die Nationalversammlung Mitte Juli beschloss, wird Frankreich seine Energieversorgung künftig auf Ökokurs bringen. Das Gesetz über die nationale Energiewende verfolgt mehrere Ziele. Zunächst soll der Ausstoß von Treibhausgasen deutlich sinken, außerdem soll mehr Strom aus erneuerbaren Quellen produziert werden. Ein Hauptkriterium des Gesetzes ist die Senkung des Anteils an Atomstrom von 75 auf 50 Prozent. Letzteres galt als besonders umstritten in der Regierung, die Opposition bezeichnete das als "nicht realisierbar". Umweltministerin Ségolène Royal hält es wiederum für das "ehrgeizigste Gesetz in Europa". Das Projekt - eines der Wahlversprechen von PräsidentFrançois Hollande - soll wohl auch als politisches Statement vor der Pariser Klimakonferenz Ende des Jahres wirken.

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Offshore-Windparks erzeugen Ökostrom.

Offshore-Windparks erzeugen Ökostrom. Bild: Picture Alliance/dpa

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Kritik: Gesetz zur Energiewende lässt Fragen zu Nuklearanlagen unbeantwortet

Dennoch wird die Energiewende von mehreren Seiten kritisiert. Die Konservativen hatten während des monatelangen Streits vor steigenden Energiepreisen gewarnt, die der französischen Industrie schadeten. Die Atomlobby wies zusätzlich stets darauf hin, dass ohne die CO2-arme Atomkraft die Treibhausgasziele nicht zu erreichen seien. Zudem fehlen dem Gesetz Details bezüglich der Atommeiler. Es lege nicht fest, welche Nuklearanlage wann abgeschaltet werden soll - und ob überhaupt. Der WWF und andere Umweltorganisationen bezeichnen dies als "le grand flou", "die große Unschärfe".

Ehrgeizige Reformen von François Hollande und Ségolène Royal: Wer soll das bezahlen?

Das Reformgesetz ist mehr als ehrgeizig. Bis 2025 müsste Frankreich mehr als 20 Reaktoren vom Netz nehmen. Zum Vergleich: Deutschlands Atomausstieg verlangt bis 2022 nur noch die Stilllegung von 9 Reaktoren. Die Regierung plant, die Gebäudesanierung voranzutreiben sowie Elektroautos zu fördern, für den Umstieg von Diesel auf Elektro erhält der Käufer eine rekordverdächtige Prämie von 10.000 Euro.

Und wer soll das finanzieren? Um die Ziele zu erreichen, will Ségolène Royal einen staatlichen Garantiefonds für Ökokredite einführen. Zudem sollen neue Finanzierungsgesellschaften mit Ökoexpertise gefördert werden. Große Ziele, kleine Pläne zur Umsetzung. Ob diese optimistische Energiewende zum Vorreiter wird oder kläglich scheitert, wird sich zeigen.Folgen Sie News.de schon bei Facebook, Google+ und Twitter? Hier finden Sie brandheiße News, tolle Gewinnspiele und den direkten Draht zur Redaktion.

lvo/Ife/news.de/dpa
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