31.05.2015, 08.00 Uhr

Deutschland streikt: Stillstand im Land der fleißigen Arbeiter

Von news.de-Volontärin Lisa Volkmann

Lehrerstreik.

Lehrerstreik. Bild: Picture Alliance/dpa

Die Deutschen sind bekannt für ihre Pünktlichkeit, ihren Fleiß und die tüchtige Verrichtung ihrer Arbeit. Doch in den letzten Monaten passiert genau das nicht mehr. Deutschland streikt, immer häufiger, immer länger.

Lesen Sie hier: Deutschland im Dauer-Streik! Arbeiter fordern faire Löhne.

Unzufriedenheit mit dem Beruf hat jeder schon einmal erlebt. Aber manche Berufsgruppen wollen nicht mehr damit leben und treten in Streik. Kürzere Arbeitszeiten, bessere Arbeitsbedingungen, Gleichberechtigung, mehr Gehalt - das sind die Hauptforderungen der Arbeitsverweigerer.

Behinderungen im Bahnverkehr wegen des GDL-Streiks.

Behinderungen im Bahnverkehr wegen des GDL-Streiks. Bild: Picture Alliance/dpa

Bahnstreik 2015: ein (fast) endloser Arbeitskampf

Erst vor einigen Tagen hat der Streik der Lokführer für Aufsehen gesorgt, da sie über das bei Reisenden beliebte Pfingstwochenende streiken wollten. Doch es kam zur unvorhergesehenen Einigung und das Verkehrschaos konnte abgewendet werden. Zwischen der Deutschen Bahn und der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) ist es zu einer Einigung gekommen. Die Kernforderung des GDL-Streiks seien sechs Prozent mehr Geld und 150 Euro als "soziale Komponente" sowie eine begrenzte Laufzeit, so EVG-Chef Alexander Kirchner. Nun scheinen diese drei Punkte geklärt zu sein. Nach einem fast einjährigem Ringen im Tarifkonflikt habe man sich auf eine Lohnerhöhung von 3,6 Prozent ab Juli (mindestens jedoch 80 Euro), sowie weitere 1,6 Prozent ab Mai 2016 geeinigt. Die Laufzeit des Tarifvertrages endet am 30. September 2016.

Damit kehrt Deutschland nach fünf Jahren zum Prinzip "Ein Betrieb - ein Tarifvertrag" zurück. Union und SPD stimmten mit großer Mehrheit und gegen den Widerstand der Opposition für das Gesetz zur Tarifeinheit, wie die "Saarbrücker Zeitung" berichtet. Mit dem Gesetz soll die Macht kleiner Spartengewerkschaften eingedämmt werden. Bei zwei Gewerkschaften in einem Betrieb gilt demnach künftig nur der Tarifvertrag der Gewerkschaft mit den meisten Mitgliedern in jenem Betrieb.

Gegner des Gesetzes wollen nun Klage einreichen: Es zerstöre den Betriebsfrieden, sagte Klaus Dauderstädt, Chef vom Beamtenbund Tarifunion (dbb). Linke-Fraktionsvize Klaus Ernst kritisierte: "Das Gesetz ist eine Einschränkung des Streikrechts kleiner Gewerkschaften."

Streiks bei der Post und Amazon: Verzögerungen in der Paketzustellung für mehr Gehalt

Doch nicht nur die Lokführer machen ihrem Arbeitsunmut Luft. Erst am vergangenen Mittwoch wurde das Lager des Onlinehändlers Amazon in Leipzig erneut bestreikt. Die Gewerkschaft Verdi will für die Amazon-Mitarbeiter in Deutschland eine Bezahlung nach dem Einzelhandelstarif erreichen.

Post-Streik in Deutschland.

Post-Streik in Deutschland. Bild: Picture Alliance/dpa

Neben einer Arbeitszeitverkürzung um 2,5 Stunden mit vollem Lohnausgleich fordert die Gewerkschaft auch eine Anhebung der Gehälter von Postbeamten um 5,5 Prozent. Das lehnt die Post als unfinanzierbar ab, wie die dpa berichtet. Daher kommt es auch hier in letzter Zeit häufiger zum Streik - und damit zu unvollständigen bis ausfallenden Zustellungen. Im Tarifkonflikt bei der Deutschen Post zeichnet sich nach mehreren Wochen Warnstreiks und fünf erfolglosen Verhandlungsrunden noch immer keine Lösung ab. Zwar seien in der sechsten Tarifrunde am 1. und 2. Juni alle Optionen offen, sagte ein Verdi-Sprecher. Anzeichen für eine schnelle Lösung gebe es aber nicht. Scheitern die Gespräche, sind bundesweite unbefristete Streiks nicht mehr ausgeschlossen.

Gut zu wissen: Hier kommt es zu Verzögerungen bei Briefsendungen.

Kitastreik in Deutschland seit 8. Mai: Ist eine Einigung in Sicht?

Seit nunmehr drei Wochen sind zudem die deutschen Kitas dicht, streikende Erzieher gehen zu Tausenden auf die Straße. Bei Demonstrationen in Frankfurt und Hamburg forderten über 30.000 Erzieherinnen mehr Lohn und Anerkennung für ihren Beruf. Auch die Eltern zieht es auf die Straße, mitsamt ihrem Nachwuchs. Sie sind es leid, Opfer des Kitastreiks zu sein und selbst zu Hause bleiben zu müssen. "Gebt den Kindern ihre Erzieher zurück!", steht da auf den Bannern.

Eltern und Kinder demonstrieren gegen den Kita-Streik.

Eltern und Kinder demonstrieren gegen den Kita-Streik. Bild: Picture Alliance/dpa

Nun gibt es Bewegung: Im festgefahrenen Streit um mehr Geld für Erzieher und Sozialarbeiter soll es neue Gespräche von Arbeitgebern und Gewerkschaften geben. Der genaue Termin steht noch nicht fest. Auch ob es eine neue Verhandlungsrunde geben wird, ist noch unklar. Verdi-Chef Frank Bsirske teilte mit, die Spitze der Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände Montag zu einem Gespräch in Berlin eingeladen zu haben. Der Streik werde aber nicht ausgesetzt.

Eine Stufe höher im Bildungssystem sieht es nicht rosiger aus. Die letzten Lehrerstreiks liegen zwei Monate zurück. Mehr als 27.000 Lehrer aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen zog es für mehr Lohn und die Beibehaltung ihrer Altersvorsorge auf die Straßen.

Regelungen des Streikrechts in Deutschland

In Deutschland wird das Streikrecht aus der Koalitions- und Vereinigungsfreiheit (Grundgesetzartikel Art. 9 Abs. 3) abgeleitet, ein eigenes Gesetz gibt es nicht. Ein Streik kann nach Scheitern der Tarifverhandlungen und, falls vorher vereinbart, des Schlichtungsverfahrens durch die Gewerkschaften eingeleitet werden.

Ebenso wie der Warnstreik ist Streik ein rechtmäßiges Mittel zur Durchsetzung der Tarifforderungen von Arbeitnehmern. Dabei darf sich jeder Arbeitnehmer an einem (Warn-)Streik beteiligen und die Teilnahme stellt keine Verletzung des Arbeitsvertrags dar.

Streiks in Deutschland
Die längsten Streiks der Bundesrepublik
zurück Weiter

1 von 13

Seiten: 12
Fotostrecke

Warten auf das Streikende? Nicht mit uns!

Steuerpflicht für Senioren in DeutschlandSchwarzbuch 2019/20Übergriff in Gelsenkirchen-Ückendorf Neue Nachrichten auf der Startseite