16.06.2014, 16.43 Uhr

Politiker im Fußball-Fieber: Keine WM ohne Merkel - und was uns das kostet

Von news.de-Redakteurin Juliane Ziegengeist

Sonst ist Angela Merkel eher die Freundin subtiler Gesten, doch auf der Fußball-Tribüne lässt sie es richtig krachen.

Sonst ist Angela Merkel eher die Freundin subtiler Gesten, doch auf der Fußball-Tribüne lässt sie es richtig krachen. Bild: dpa

Fußball-WM 2014: Kanzlerin Merkel sieht Partei GER-POR live vor Ort

Selten sieht man Angela Merkel so emotional wie beim Fußball-Gucken. Auf der Tribüne ist die Kanzlerin in ihrem Element: Sie reißt die Arme gen Himmel und den Mund auf, wenn ein Tor fällt, zittert bis zur letzten Sekunde mit und stattet den Spielern auch mal gerne einen Besuch in der Kabine ab. Logisch, dass sich Merkel die Fußball-WM 2014 in Brasilien nicht entgehen lässt und die deutsche National-Elf bei ihrem Auftaktspiel gegen Portugal vor Ort anfeuerte.

Unseren Kommentar zum WM-Spiel Deutschland-Portugal lesen Sie hier.

Bereits am Sonntag ist die Kanzlerin nach Brasilien gereist. In der Hauptstadt Brasilia ging es zum Arbeitsessen mit Präsidentin Dilma Rousseff - frei nach dem Motto: Erst die Arbeit, dann das Vergnügen! Danach ging es mit dem Flieger nach Salvador, um das Benediktinerkloster Sao Bento zu besuchen und am Abend schließlich das WM-Spiel Deutschland-Portugal live im Stadion zu verfolgen.

Angela Merkel mit DFB-Elf und Jogi Löw auf Du und Du

Das hat schon Tradition. Bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 war Kanzlerin Merkel bei allen Spielen der deutschen Mannschaft vor Ort. Wie viele sie dieses mal sehen wird, ist noch nicht bekannt. Am Kontakt zu unseren Kickern und der DFB-Spitze sollte es jedenfalls nicht scheitern, denn der ist durchaus eng. Im Interview mit der Bild sagte Trainer Jogi Löw 2013: «Es ist immer sehr informativ und vor allem sehr unterhaltsam, sich mit Frau Merkel zu treffen. Sie ist sehr interessiert am Fußball und hört auch im Ausland viel über die Nationalmannschaft.»

2010 ging Merkels Fußball-Liebe so weit, dass sie sich in die Kabine vorwagte und dort dem halbnackten Mesut Özil die Hand schüttelte - Berührungsängste Fehlanzeige. Das war einigen dann doch etwas zu viel des Guten. Doch beim Thema Fußball taut die Kanzlerin eben so richtig auf. Dabei geht es aber freilich nicht nur um den eigenen Spaß. Längst sind Merkels Stippvisiten im Stadion zum politisch wertvollen Instrument geworden. Stichwort: Imagepflege.

Angela Merkel zu Besuch in Brasilien. Natürlich wird sie die deutsche Elf bei ihrem ersten Gruppenspiel gegen Portugal unterstützen. Doch es gibt auch politische Gründe für ihren Besuch, der nicht einmal 24 Stunden dauert.
Nicht nur Fußball

Angela Merkel in Brasilien

Jubel-Bilder von der WM als wichtiges politisches Instrument

Die Öffentlichkeit sieht, wie eine Kanzlerin mitfiebert, mitjubelt, mitleidet. Das verbindet und zeigt: «Die ist eine von uns!» Zumal die Fußball-Bilder Merkel auch mal von einer ganz anderen, weniger staatsmännischen, weniger spröden Seite zeigen. Politiker-Kollegen wollen es ihr folglich gleichtun und das Nützliche mit dem Angenehmen verbinden. Je ein Abgeordneter aus jeder Bundestagsfraktion darf die Kanzlerin nach Brasilien begleiten. An Freiwilligen mangelt es nicht.

Im Fall des Portugal-Spiels sieht die politische Entourage wie folgt aus: Karl Schiewerling (CDU), Max Straubinger (CSU), Thomas Oppermann (SPD), Dietmar Bartsch (Die Linke). Nur die Grünen sagten ab - aus terminlichen Gründen, wie es offiziell heißt. Doch vielleicht will man auch einfach Steuern sparen. Schätzungen zufolge schlägt eine Flugstunde in Merkels Regierungsairbus mit 12.000 Euro zu Buche - Gebühren für Besatzung, Start und Landung noch nicht inklusive.

Kanzlerin Angela Merkel privat
Wahljahr 2013
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Kritik an zu teuren WM-Reisen und massiver Steuerverschwendung

Nicht alle klatschen der Kanzlerin und ihren Kollegen für ihre Fußball-Leidenschaft deshalb Beifall. So mancher klagt gar über Polit-Tourismus zur WM, schimpft über die zu teuren Reisen ohne politischen Nutzen und die dabei verschwendeten Steuergelder. Daran, dass sie mittlerweile einen ebenso festen Platz in Merkels Terminkalender wie Gipfel-Treffen und Bundestagsreden, wird die Kritik aber so schnell wohl nichts ändern.

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loc/news.de
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