25.04.2014, 10.37 Uhr

Wikileaks enthüllt RAF-Dokumente: Die geheimen US-Akten zur Roten Armee Fraktion

Hanns-Martin Schleyer wurde von der RAF entführt und ermordet.

Hanns-Martin Schleyer wurde von der RAF entführt und ermordet. Bild: dpa

Heute ist Helmut Schmidt das ewig qualmende Polit-Gewissen der Nation, der auf seiner Nikotinwolke über den Dingen schwebt. Doch 1977 war Schmidt als Bundeskanzler Hauptdarsteller in den härtesten Momenten der Bundesrepublik Deutschland - und wurde von den USA genau beobachtet:

Als die Rote Armee Fraktion, kurz RAF, im April Generalbundesanwalt Siegfried Buback mit seinem Dienstwagen in die Luft jagte. Als Mitglieder der RAF im Juni den Vorstandssprecher der Deutschen Bank, Jürgen Ponto, erschossen. Als die Terroristen der RAF im September Hanns-Martin Schleyer, Präsident des Arbeitgeberverbandes, entführten, um die Freilassung von elf Terroristen zu erreichen - darunter die nach wie vor bekanntesten RAFler, Andras Baader und Gudrun Ensslin.

Die Situation kulminiert im Oktober. Am 13. entführt die RAF die Lufthansa-Maschine Landshut und landet mit dem Flugzeug voller Geiseln in Mogadischu. Tagelange Verhandlungen, bis am 18. Oktober eine GSG9-Sondereinheit die Geiseln gewaltsam befreit. Als Reaktion darauf erschießt die RAF Hanns-Martin Schleyer und in der JVA Stuttgart-Stammheim bringen sich zeitgleich Baader, Ensslin und ihr Mitkämpfer Jan-Carl Raspe um.

«Kanzler Schmidt wirkt gut gelaunt» (US-Botschafter über Schmidt während der RAF-Entführungen)

Doch was hatten die USA, damals immerhin Besatzungsmacht in Deutschland, dazu zu sagen? Die geheimen US-Dokumente, die Wikileaks jetzt laut «Bild»-Zeitung enthüllt, drehen sich vor allem um Kanzler Helmut Schmidt. Ihr Inhalt ist einigermaßen verblüffend:

Wichtige Lebensstationen von Helmut Schmidt
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«Während und nach des Schleyer-Kidnappings und der Landshut-Entführung wirkte Schmidt fokussiert, voller Energie und Entschlossenheit, außerordentlich gelassen und gut gelaunt für jemanden, der sich gewaltigen Entscheidungen und großem Druck gegenüber sah», schrieb der damalige US-Botschafter Walter John Stoessel aus Bonn nach Washington, wie «Bild» zitiert.

«Schmidts Tabak-Konsum stieg erheblich, sonst zeigte er keine Nerven»

Helmut Schmidt stand 1977 unter extremem Druck.

Helmut Schmidt stand 1977 unter extremem Druck. Bild: dpa

Auch der exorbitante Tabak-Konsum des deutschen Kanzlers speziell unter Stress entging dem US-Botschafter nicht: «Sein Konsum an Zigaretten und Schnupftabak stieg während der Krise erheblich, aber sonst zeigte er keine Nerven.»

Der Ton des US-Botschafters Stoessel wirkt gänzlich unpassend. Nach den fast schon amüsierten Sätzen über den Krisenkanzler Schmidt trieft sein weiterer Bericht vor hoffnungsvollem Pathos: «Auf einem wesentlich einfacheren Level hat die Mogadischu-Saga den Menschen in diesem Land, für einen kurzen Moment wenigstens, echte Begeisterung und Stolz gegeben. Die geretteten Gefangenen und das Einsatzkommando wurden wie Helden empfangen, komplett mit der Hymne und Reden von hochrangigen Offiziellen. Nach so vielen Wochen des Frusts wegen der Schleyer-Entführung und den bohrenden Fragen über die Stabilität ihres Landes, können die Westdeutschen jetzt einen Moment genießen, der nur ihnen gehört», zitiert die «Bild».

Ein Hohn auf die Opfer und die heiße politische Lage 1977.

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iwi/news.de
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