01.04.2014, 09.33 Uhr

Schäuble über Putin: Oh nein! Schon wieder ein Hitler-Vergleich

Von news.de-Redakteurin Isabelle Wiedemeier

Ein junger Adolf Hitler in München, noch vor der Annexion des Sudetenlandes.

Ein junger Adolf Hitler in München, noch vor der Annexion des Sudetenlandes. Bild: dpa

Kindern und Jugendlichen Politik und Geschichte zu erklären, kann leicht gefährlich werden. Denn für junge Menschen versuchen wir, komplexe Zusammenhänge zu vereinfachen, manchmal ein bisschen zu sehr. Da ist ein Putin, der sich die Krim einverleibt, schnell mal mit Adolf Hitler verglichen, der damals 1938 das Sudetenland annektierte.

«Das kennen wir alles aus der Geschichte. Mit solchen Methoden hat schon der Hitler das Sudetenland übernommen - und vieles andere mehr.» Das waren Wolfgang Schäubles Worte. Vermutlich, weil er bei Adolf Hitler sicher sein kann, dass wirklich jeder Schüler schon mal von ihm gehört hat. Doch genau das beweist doch, wie platt und öde diese ewigen Hitler-Vergleiche sind!

Es nervt - Hitler-Putin hatten wir schon!

Zweifelsohne entbehren die beiden Vorgänge nicht einer gewissen Ähnlichkeit, wie sie sich zwischen unzähligen historischen oder aktuellen Handlungen finden lässt. «Stimmt Schäubles Hitler-Putin-Vergleich?», fragt also auch die «Bild»-Zeitung, und diverse Kommentatoren wägen heute in der Presse ab, inwiefern sich der Start von Hitlers Lebensraum-Eroberungskampf im Osten mit Putins Griff nach der Ukraine vergleichen lässt - oder eben nicht.

Aber ganz ehrlich: Es nervt! Hat nicht Hillary Clinton erst vor drei Wochen exakt denselben Vergleich getätigt, musste daraufhin international Prügel einstecken und ruderte dann zurück, nicht ohne trotzdem den warnenden Zeigefinger zu schwenken: «Wir müssen aus der Geschichte lernen!» Nun also auch noch Wolfgang Schäuble, und noch dazu vor Schülern.

Wenn einem nichts mehr einfällt, wird die Diktator-Ikone ausgespielt

Tatsächlich könnte es eine spannende Aufgabenstellung für eine Geschichtsklausur in der Oberstufe sein, das Vorgehen der beiden Herrscher zu vergleichen. Aber dort sollte dieser Vergleich auch bleiben, denn je mehr er bei jeder Gelegenheit ventiliert wird, desto mehr mutiert Adolf Hitler, einer der grausamsten Menschen aller Zeiten, zur allzeit einsetzbaren Diktator-Ikone mit Popstar-Allüren.

Angenehm ist dagegen die Merkelsche Unaufgeregtheit: «Ich betrachte den Fall der Annexion der Krim als einen für sich stehenden Fall. Und da habe ich schon alle Hände voll zu tun, denn es handelt sich ganz eindeutig um einen Verstoß gegen das internationale Recht und das ist das, was heute zählt, und daran halte ich mich.» Ansonsten kümmere sie sich darum, dass es zu einer vernünftigen Entwicklung in der Ukraine komme, «und die Menschen selber entscheiden können, wer ihr nächster Präsident wird».

Das macht Sinn.

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iwi/kru/news.de
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