08.11.2019, 13.10 Uhr

Totschlag in Detmold: Bruder mit 28 Messerstichen getötet! 15-Jährige habe Erinnerungslücken

In Detmold soll eine 15-Jährige ihren Bruder erstochen haben.

In Detmold soll eine 15-Jährige ihren Bruder erstochen haben. Bild: dpa

Am Tatort erinnern Blumen und eine Kerze an den kleinen Jungen: Eine 15-Jährige soll in Detmold bei Bielefeld ihren drei Jahre alten Halbbruder getötet haben. Eine Nacht lang war die Jugendliche nach Angaben der Ermittler dann noch auf der Flucht, bevor sie am Donnerstagvormittag im benachbarten Lemgo festgenommen wurde. Der Junge wurde im Schlaf in der heimischen Wohnung mit 28 Messerstichen getötet.

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In der Vernehmung hat die 15-Jährige die Tat nicht bestritten, sich zugleich aber auf Erinnerungslücken berufen. Sie halte sich selbst für die Täterin, teilten Polizei und Staatsanwaltschaft am Freitag mit. "Als Motiv für die Tat ist davon auszugehen, dass die Beschuldigte in einem schwierigen familiären Umfeld lebte und eine tiefe Abneigung gegen den Halbbruder entwickelt hat", hieß es. Auf Antrag der Staatsanwaltschaft erließ das Amtsgericht Detmold Haftbefehl wegen Mordes.Auch der Ex-Freund der Mutter meldete sich zum möglichen Tatmotiv zu Wort.

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Angehörige hätten die Leiche des dreijährigen Jungen am Mittwoch gegen 21.00 Uhr in der Wohnung gefunden und die Polizei alarmiert. Von seiner großen Halbschwester fehlte jede Spur. Die Behörden leiteten daraufhin eine Fahndung ein. Streifenbeamte, Diensthunde und ein Hubschrauber waren im Einsatz. Bei der Kripo wurde eine 15-köpfige Mordkommission eingerichtet.

Doch erst am Donnerstagmorgen, nachdem die Behörden ein Foto der jungen Frau veröffentlicht und um Hinweise aus der Bevölkerung gebeten hatten, gab ein Zeuge im benachbarten Lemgo den entscheidenden Tipp. Als ein Beamter die 15-Jährige festnahm, habe sie keinen Widerstand geleistet. Sie sei in "ruhiger Verfassung" gewesen, sagte der Sprecher der Detmolder Staatsanwaltschaft, Christopher Imig. Wo die Verdächtige die Nacht verbracht hatte und wie sie nach Lemgo gekommen war, blieb zunächst unklar. Die Familie, die aus Polen stamme, werde betreut.

Zehn Jahre Haft für Totschlag nach Jugendstrafrecht möglich

Nach ihrer Festnahme habe sich die 15-Jährige im Beisein eines Verteidigers zu dem Tatvorwurf geäußert - doch zum Inhalt ihrer Aussage machten die Ermittler keine Angaben. "Sie ist 15. Und für Jugendliche im Strafverfahren - egal was sie gemacht haben - gilt ein besonderer Schutz."

Die 15-jährige Tatverdächtige ist zwar strafmündig. Bei einer Anklage würde ein Prozess aber unter Ausschluss der Öffentlichkeit geführt. Ein Gutachter müsste prüfen, ob sie schuldfähig ist und wie er ihre geistige Entwicklung einschätzt. Das Jugendgerichtsgesetz (JGG) sieht eine Höchststrafe für Jugendliche von fünf Jahren vor. Geht es um Verbrechen, für die das Erwachsenenstrafrecht eine Höchststrafe von mehr als zehn Jahren Gefängnis vorsieht, ist das Höchstmaß für Jugendliche zehn Jahre Haft. Bei Totschlag würde dies zutreffen.

Die Stadt Detmold wollte sich auf Anfrage nicht dazu äußern, ob die Familie in der Vergangenheit vom Jugendamt betreut wurde. "Aus Datenschutzgründen sagen wir dazu nichts", sagte eine Sprecherin. Sie verwies aber darauf, dass es für das Jugendamt keine "Anhaltspunkte dafür gab, dass das Kindeswohl" des Kleinkindes gefährdet war.

Wenn Kinder und Jugendliche zu Mördern werden

Vergleichbare Fälle, bei denen Kinder oder Jugendliche ihre Geschwister getötet haben, sind in Deutschland extrem selten. Vor über zehn Jahren soll im April 2009 ein 16-Jähriger in der Nähe von Darmstadt seinen sechsjährigen Bruder umgebracht haben. Als Motiv gab er Hass auf seinen jüngeren Bruder an.

Im August 2015 tötete eine Sechsjährige im Ilmkreis in Thüringen wohl ihre erst zehn Tage alte Schwester. Im Landkreis Demmin (Mecklenburg-Vorpommern) erschoss ein 14-Jähriger im September 2001 im Wohnhaus der Familie seine Mutter und die siebenjährige Halbschwester - er wurde zu acht Jahren Haft verurteilt.

Ermittlungen gegen Kinder und Jugendliche wegen Tötungsdelikten gibt es hingegen immer wieder. Für das Jahr 2018 weist die polizeiliche Kriminalstatistik allein in Nordrhein-Westfalen 35 Tatverdächtige zwischen 14 und 17 Jahren aus, gegen die wegen Mordes oder Totschlags ermittelt wurde. Drei Tatverdächtige waren sogar noch unter 14 Jahre alt. Die Zahlen schwanken von Jahr zu Jahr relativ stark, ohne dass sich im Zehn-Jahres-Vergleich ein klarer Trend ablesen ließe.

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sba/news.de/dpa
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