16.08.2019, 15.20 Uhr

Fliegerbomben: SO gefährlich sind "Versager"

Etwa 100.000 unentdeckte Fliegerbomben gibt es in Deutschland noch.

Etwa 100.000 unentdeckte Fliegerbomben gibt es in Deutschland noch. Bild: picture alliance/Uwe Zucchi/dpa

Frankfurt, Berlin-Mitte, Nürnberg und jetzt Köln: Deutschland wurde auf einem Blindgänger-Friedhof von Fliegerbomben wiederaufgebaut. Experten vermuten bundesweit noch rund 100.000 bislang unentdeckte sog. "Versager" zwischen Flensburg und Berchtesgaden. Die meisten von ihnen an Verkehrsknotenpunkten, im Umfeld ehemaliger bzw. noch bestehender Rüstungsbetriebe oder in Großstädten. So flogen vornehmlich US-amerikanische und britische Formationen etwa auf Frankfurt 75 Angriffe, auf München 74 und gar 310 auf Berlin. Tausende Menschen starben durch die Detonationen und Feuersbrünste.

Blindgänger - gefährliche Kriegsrelikte

Normalerweise bringt der Aufprallzünder die Bombe bei Bodenkontakt zur Explosion. Aufgrund eines technischen Defektes, einem unvollständigen Schärfvorgang oder einer gezielten Manipulation allerdings geschah dies nicht immer. Schätzungen gehen von 10-20 Prozent an Nieten aus. Daneben verwendeten die Alliierten auch chemisch-mechanische Langzeitzünder. Dabei wird durch den Aufprall eine Glasampulle zerstört, die Aceton freigibt. Dieser verursacht nach wenigen Minuten die Zündung. Derartige Bomben sind bei den Kriegsmittelräumdiensten sehr gefürchtet, da sie zumeist über einen Ausbauschutz verfügen.

Bombenentschärfer - ein explosiver Job

Eine Bombe, die bei Baggerarbeiten entdeckt wird, sollte in den meisten Fällen vor Ort entschärft werden. Der Spezialist entfernt den Zünder, beides wird später getrennt voneinander an speziellen Orten, wie etwa Truppenübungsplätzen, zur Explosion gebracht. Dabei stoßen aber viele der Experten an ihre Grenzen. So starben beispielsweise am 1. Juni 2010 in Göttingen drei Menschen bei Vorarbeiten. Kann eine Entschärfung nicht stattfinden, muss die Bombe gezielt zur Sprengung gebracht werden. Zum Schutz der Umgebung werden hunderte Sandsäcke oder Strohballen verwendet. Dies kann auch als Schuss nach hinten losgehen. So verursachte im August 2012 eine kontrollierte Sprengung in München-Schwabing aufgrund umherfliegender, brennender Strohballen mehrere Fassadenbrände.

Die Zeit drängt

Anhand der alliierten Aufklärungsbilder, die nach einem Angriff geschossen wurden, werden aufgrund der Einschlagkrater Risikokarten erstellt. Vor Baumaßnahmen findet eine Überprüfung des Gebietes anhand dieser Karten auf Blindgänger statt. Doch kommt bei all dem noch eine wesentliche Gefahr hinzu: Niemand kann vorhersagen, wie die inzwischen im Boden vor sich hinrostenden Fliegerbomben künftig reagieren. Im Juni dieses Jahres explodierte in Limburg-Ahlbach eine Bombe mit Langzeitzünder von selbst - nach fast 75 Jahren!

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US/add/news.de
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