10.07.2019, 16.20 Uhr

Prozess-Urteil nach Mord an Teenager: Lebenslange Haftstrafe für Ali B. - Vergewaltiger "hochgefährlich"

Bereits im März vergangenen Jahres soll der Iraker Ali B. die Mainzer Schülerin Susanna brutal vergewaltigt und ermordet haben.

Bereits im März vergangenen Jahres soll der Iraker Ali B. die Mainzer Schülerin Susanna brutal vergewaltigt und ermordet haben. Bild: BorisRoessler/dpa

Der Mord an der 14-jährigen Susanna aus Mainz sorgte bundesweit für Entsetzen. Nachdem der heute 22-jährige Ali B. bereits im Mai letzten Jahres die Schülerin Susanna vergewaltigte und tötete, wurde heute das Urteil verkündet.

Lebenslänglich! Besondere Schwere der Schuld festgestellt

Der 22 Jahre alte Ali B. muss lebenslänglich ins Gefängnis. Das Gericht stellte die besondere Schwere der Schuld fest. Eine vorzeitige Haftentlassung nach 15 Jahren ist damit für den irakischen Flüchtling so gut wie ausgeschlossen. Der Prozess dauerte rund vier Monate und hatte bundesweit für Schlagzeilen gesorgt.

Das Landgericht sah es als erwiesen, dass der 22-Jährige Susanna vor mehr als einem Jahr in einem Waldgebiet in der Nähe des Wiesbadener Stadtteils Erbenheim vergewaltigt und ermordet hat.

Richter über Ali B.: Weder Reue noch Mitgefühl gezeigt

Der wegen Mordes an der 14-jährigen Susanna aus Mainz zu lebenslanger Haft verurteilte Ali B. hat aus Sicht des Gerichts in seinem Prozess kein ernstzunehmendes Wort des Bedauerns geäußert. Er habe weder Reue noch Mitgefühl gezeigt, hieß es am Mittwoch in der Urteilsbegründung des Wiesbadener Landgerichts. "Eine Verantwortungsübernahme hätte das Geschehene nicht ungeschehen machen können", sagte der Vorsitzende Richter Jürgen Bonk. Sie hätte aber Susannas Mutter die Chance gegeben, einen Neuanfang in einem Leben ohne ihre Tochter zu erreichen. Dazu sei der Angeklagte jedoch nicht bereit, vielleicht auch nicht in der Lage gewesen.

Weder Susannas Mutter noch die Freundinnen des Mädchens müssten sich vorwerfen lassen, irgendetwas falsch gemacht zu haben. Am Ende des Prozesses stehe eines unumstößlich fest, sagt Bonk an Ali B. gewandt: "Allein Sie, niemand anderes, trägt die Schuld am Tod von Susanna". Ausdrücklich würdigte er das Verhalten von Susannas Mutter und ihre Zeugenaussage, die ihm persönlich Respekt abnötige. Damit sei es ihr eindrücklich gelungen, Spekulationen über Susannas Lebenswandel und das Verhältnis zwischen Mutter und Tochter auszuräumen.

Gericht hat keine Zweifel an Vergewaltigung Susannas durch Ali B.

Das Landgericht Wiesbaden hat keinen Zweifel daran, dass der am Mittwoch wegen Mordes an der 14-jährigen Susanna aus Mainz zu lebenslanger Haft verurteilte Ali B. das Mädchen vergewaltigt hat. "Sie wollten dieses Mädchen", sagte der Vorsitzende Richter Jürgen Bonk an den Angeklagten gewandt. Die Behauptung, es habe einvernehmlichen Geschlechtsverkehr gegeben, sei unglaubwürdig. Ali B. habe "mit enormer Beharrlichkeit und tödlicher Konsequenz" sein Interesse an Susanna verfolgt und versucht, die Schülerin in der gemeinsamen Freundesgruppe zu isolieren.

Zeugenaussagen hätten glaubwürdig und einhellig das Verhältnis Susannas zu Ali B. beschrieben, und nichts davon stimme mit Ali B's eigener Schilderung überein. Das habe "nichts mit Vertrauen, nichts mit Zuneigung, nichts mit einem Vertrauensverhältnis zu tun". Die Kammer sei überzeugt, dass Susanna zu keinem Zeitpunkt einvernehmlichen Geschlechtsverkehr mit Ali B. gehabt habe.

Richter hält Ali B. für weiterhin "hochgefährlich"

Der wegen des Mordes und der Vergewaltigung an der 14-jährigen Schülerin Susanna zu lebenslanger Haft verurteilte Ali B. ist nach Auffassung seiner Richter "hochgefährlich". In ihrem Urteil am Mittwoch sprach sich die Kammer des Landgerichts Wiesbaden mit Vorbehalt für eine Sicherheitsverwahrung des 22 Jahre alten Irakers aus. Aufgrund der relativen Jugend von Ali B. und seines noch nicht sehr langen Aufenthalts in Deutschland gebe es gewisse Unsicherheiten, begründete das Gericht den Vorbehalt.

Wenn die Haftstrafe 15 Jahre oder länger verbüßt worden sei, werde ein Gutachter prüfen, ob noch eine Gefährlichkeit besteht, erläuterte Staatsanwältin Sabine Kolb-Schlotter nach dem Urteil den Vorbehalt der Sicherheitsverwahrung. Allerdings würde ein solcher Täter auch ohne diesen Vorbehalt "keinesfalls aus der Haft spazieren können". Es werde immer eine Gefährdungsanalyse durchgeführt. Eine vorzeitige Freilassung von Ali B. nach 15 Jahren sei "aus Sicht der Kammer unangemessen", so das Gericht bei der Feststellung der besonderen Schwere der Schuld.

Für den Mord an Susanna stellten die Richter das Mordmerkmal der Heimtücke fest, hinzu komme die beabsichtigte Verdeckung der Vergewaltigung als weiteres Mordmerkmal. Eine Gutachterin hatte in dem Prozess von einer schweren Persönlichkeitsstörung mit psychopathischen Zügen bei Ali B. gesprochen. Mit weiteren Taten wäre danach höchstwahrscheinlich zu rechnen, hieß es in der Begründung des Urteils. "Es reicht aus, dass jemand in den Fokus Ihrer eigenen Bedürfnisse gerät", sagte der Vorsitzende Richter Jürgen Bonk.

Suche nach Susanna dauerte ganze zwei Wochen

Laut Anklage vergewaltigte und tötete der irakische Asylbewerber Ali B. am 23. März 2018 die Mainzer Schülerin und verscharrte sie in der Nähe der Bahngleise der Ländchesbahn im Südosten Wiesbadens.Die Flüchtlingsunterkunft von Ali B. liegt laut Berichten der dpa in unmittelbarer Nähe. Obwohl Susannas Mutter die 14-Jährige am selben Tag noch als Vermisst gemeldet hatte, dauerte es bis zum 06. Juni 2018, bis der Leichnamen des Mädchens gefunden und der mutmaßliche Täter ermittel wurde.

Täter flüchtete in den Nordiran

Größere Aufmerksamkeit hatte der Fall zudem gewonnen, da Ali B.nach der Tat mitsamt seiner Familie in den Nordirak ausgereist war. Die dort herrschenden Kurden übergaben ihn der Bundespolizei, die ihn nach Deutschland zurückbrachte.

Gutachten bestätigt: Ali B. leidet an Persönlichkeitsstörung

Aus Sicht der Staatsanwaltschaft tötete er die 14-Jährige, um die Vergewaltigung zu verdecken. Sie fordert für ihn lebenslange Haft. Erkennen die Richter eine besondere Schwere der Schuld, ist eine Haftentlassung nach 15 Jahren so gut wie ausgeschlossen.Eine Gutachterin attestiert dem 22-Jährigen eine Persönlichkeitsstörung, er sei nicht zu Empathie fähig, er könne sich nicht in andere Menschen einfühlen. Ob diese Diagnose am bevorstehenden Strafmaß etwas ändern wird, bleibt abzuwarten.Nach knapp vier Monaten Prozessdauer will das Landgericht Wiesbaden am Mittwoch (10.07.2019) das Urteil verkünden.

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kjf/sba/news.de/dpa
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