28.05.2019, 09.38 Uhr

Artensterben und Artenschutz: Der intelligente Problemwolf ist zurück! Wird er zum Abschuss freigegeben?

Problemwolf zwischen Ausrottung und Artenschutz

Problemwolf zwischen Ausrottung und Artenschutz Bild: picture alliance/Patrick Pleul/ZB/dpa

Laut dem aktuellen UN Bericht sind mehr als eine Million Tierarten vom Aussterben bedroht. Nie waren es so viele in der Menschheitsgeschichte wie heute. Das mag stimmen, angesichts der dokumentierten Zahlen des letzten Jahrhunderts! Die wachsende Wolfspopulation steht hier in einem völligen Kontrast zu dem dramatischen Sterben der Artenvielfalt.

Der intelligente Problemwolf im Schnellrestaurant

Wolfsbefürworter und Gegner reiben sich, oft nicht immer mit sachlichen Argumenten, Ängste werden mit Horrormeldungen geschürt. Hört hier der Artenschutz auf? Weil dieses Tier jetzt die Frechheit besitzt sich öffentlichen Naturraum zurück zu erobern? Noch ist er laut EU nicht zum Abschuss freigegeben. Aber man müsse Regelungen treffen, um Wölfe rechtssicher zu entnehmen, die auffällig sind und Probleme machen, heißt es aus der Politik. Ein Problemwolf ist auffällig, weil er Zäune überwindet und sich an servierfertigen Herden bedient. Hier ist der Wolf doch eher intelligent beziehungsweise ökonomisch. Wir gehen ja auch lieber ins Restaurant und nehmen bequem Nahrung zu uns, als vorher stundenlang dem Essen hinterherzujagen. Stünde vor dem Restaurant allerdings ein Bodyguard, der uns sagt "Du kommst hier net rein!" würden wir unserer Wege gehen. Gibt es für das Restaurant Schafe nicht auch einen Bodyguard?

Herdenschutzhunde - Der Wolf im Hundepelz

Ein Schäfer aus Niedersachsen bringt es auf den Punkt. Er kann nicht für Artenvielfalt stehen, Naturschutz betreiben und gleichzeitig sagen, der Wolf gehört abgeschossen. Er setzt auf Herdenschutzhunde. Diese selbstständigen Tiere (übrigens sind deren Vorfahren domestizierte Wölfe gewesen), leben autark in der Herde und halten die Jäger zuverlässig draußen. Da braucht es nicht Mehrausgaben für Zäune, die dann doch nichts bringen. Besser ist das Geld in Hunde investiert. Es wäre so einfach…

Der Wolf und die 40 Schäfchen

Natürlich bedrohen Wölfe die Schafsherden, auch soll die Gefahr nicht kleingeredet werden, aber vergleichen wir doch einfach nur die Zahlen. Es gab 2018 gerade mal 73 Wolfsrudel und 30 Paare. Das sind heute vielleicht zirka 800 Tiere auf dem gesamten deutschen Territorium. Demgegenüber steht ein Bestand von 1,5 Millionen Schafen, es gäbe also durchaus viel zu tun für die "kleine" Wolfspopulation.

Natürlich ist es für einen Wolf wesentlich bequemer, sich einer Herde Schafe zu widmen, die nicht in der Lage sind wegzulaufen. Es ist selbsterklärend, wenn ein Wolf in einer Nacht 40 Schafe scheinbar sinnlos erlegt. Solange sich etwas bewegt, wird der natürliche Beutefangreflex ausgelöst. Den Reflex kann übrigens auch jeder Hundebesitzer an seinem Tier beobachten. Solange das Bällchen fliegt, wird immer wieder hinterhergerannt. Aber das nur am Rande.

Es ist also ein ganz normaler Reflex, die Schafe können nicht fliehen, sich nicht aus der Sichtweite des Wolfes bewegen und werden deshalb noch erlegt. Alles ganz normal, nicht so aber für den Menschen, der jetzt einen Grund hat, das neue Feindbild, den grausamen Massenmörder aus dem Wald staatlich zu regulieren.

Wildbestandsregulierung durch den Wolf

Jägern ist der Wolf ein regelrechter Dorn im Auge. Warum eigentlich? Pro Jahr werden mehr als 1,1 Millionen Rehe und zirka 500.000 bis 600.000 Wildschweine geschossen. Trotzdem werden die Jäger damit der beauftragten Bestandsregulierung nicht gerecht. Laut einer wissenschaftlichen Studie vermehren sich die Tiere stärker, je intensiver sie bejagt werden. Der Wildbestand wächst jährlich um ein Vielfaches. Warum sind die Jäger nicht froh, dass es wieder ein Raubtier in unseren Wäldern gibt, welches behilflich sein könnte, den Wildbestand zu regulieren?

Nochmal: Der Artenschutzbericht warnt vor dem Aussterben von einer Million Arten, Jäger schießen jährlich mehr als 1,1 Millionen Rehe, werden des Bestands nicht mehr Herr und wir zerbrechen uns den Kopf über die staatliche Regulierung von 800 Wölfen?

Hier wird eindeutig mit Kanonen auf Spatzen, sorry auf Wölfe geschossen.

cp/add/news.de
Themen: Wolf
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