17.04.2019, 12.43 Uhr

Suchtbericht warnt: Sucht um jeden Preis!? Die tückischen Tricks der Automatenbetreiber

Deutsche trinken eine Badewanne voll Alkoholika pro Kopf und Jahr.

Deutsche trinken eine Badewanne voll Alkoholika pro Kopf und Jahr. Bild: picture alliance/Frank Rumpenhorst/dpa

Deutschland bleibt nach dem neuen Jahrbuch Sucht beim Thema Alkohol ein Hochkonsumland. Nach den jüngsten Berechnungen für 2017 tranken die Bundesbürger pro Kopf der Bevölkerung rund 131 Liter Alkoholika, teilte die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) am Mittwoch in Berlin mit. Das sind 10,6 Liter Reinalkohol und entspricht etwa 425 0,5-Liter-Flaschen Bier oder 26 Literflaschen Gin.

Deutsche trinken eine Badewanne voll Alkoholika pro Kopf und Jahr

Das waren mengenmäßig  rund zwei Prozent weniger als bei der Analyse für das Jahr 2016. Der geringe Rückgang lasse aber keine Entwarnung zu, heißt es im Jahrbuch. 131 Liter entsprechen rund einer Badewanne voller alkoholischer Getränke. Die legalen Drogen Alkohol und Tabak sind nach Einschätzung der Hauptstelle nach wie vor für den größten Teil der Suchtproblematik in Deutschland verantwortlich. Auch der Zigarettenkonsum sei 2018 nur um knapp zwei Prozent gesunken. Dafür griffen aber mehr Raucher als früher zu Zigarren, Zigarillos und Pfeife. Im Jahr 2013 starben rund 121.000 Menschen an den Folgen des Rauchens. Das waren 13,5 Prozent aller Todesfälle, wobei zum Beispiel auch falsche Ernährung eine wichtige Todesursache ist.

Alkohol- und Zigarettenkonsum stabil auf gefährlich hohem Niveau

Die DHS befasst sich in ihrem jährlichen Bericht aber nicht nur mit den klassischen Süchten wie Alkohol und Zigaretten, sondern auch mit unkonventionelleren wie der Spielsucht. Was das Glückspiel an Automaten angeht, wirft die DHS der Automatenindustrie gesetzeswidrige Tricksereien vor, um die Suchtentwicklung bei den Spielern zusätzlich zu fördern.

Automatenindustrie trickst und fördert gezielt Spielsucht!

So lockten die Geräte weiterhin mit potenziellen Gewinnen, die einen erheblichen
Vermögenswert darstellten. Genau das sollte allerdings durch die Novellierung der entsprechenden Verordnungen verhindert werden. Laut DHS halten sich die Betreiber nicht an die neuen Vorgaben. Der Spielanreiz sei daher nach wie vor zu hoch, das Glücksspiel an den Automaten mit einer unmittelbar stimulierenden Wirkung verbunden. Dies fördere das Abtauchen aus der Alltagsrealität beim Spielen und die Jagd nach einem Verlustausgleich. Entsprechend hoch sei das Suchtpotenzial.

Automaten zu gefährlich! Gesetzliche Vorgaben würden ignoriert, warnen Experten

"Die ehemals harmlosen 'Groschengräber' konnten sich zu einem Glücksspiel mit einem ausgeprägten Sucht- und Gefährdungspotenzial entwickeln", warnt der Bremer Suchtforscher Prof. Dr. Gerhard Meyer anlässlich der Vorstellung des DHS Jahrbuchs Sucht 2019. "Die Umgehungen der Spielverordnung sind derart offensichtlich, dass keine Zeit zu verlieren
ist. Es besteht ein dringender Handlungsbedarf für den Gesetzgeber".

sit/sba/news.de/dpa
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