08.03.2019, 21.18 Uhr

Internationaler Frauentag 2019 : Neuer gesetzlicher Feiertag! Wer hat heute frei in Deutschland?

Am 8. März begeht die Welt den Internationalen Frauentag. Berlin machte ihn sogar zum gesetzlichen Feiertag.

Am 8. März begeht die Welt den Internationalen Frauentag. Berlin machte ihn sogar zum gesetzlichen Feiertag. Bild: Jens Wolf/ZB/dpa

Vor 100 Jahren war er ein Kampftag für das Frauenwahlrecht, in der DDR dann ein Jubeltag, an dem die Männer in den Betrieben ihre Kolleginnen mit Blumen, Speis und Trank verwöhnten. Der inzwischen weitgehend vergessene Internationale Frauentag erlebt jetzt in Berlin Wiederauferstehung: Erstmals in einem Bundesland wird er gesetzlicher Feiertag. Doch worum geht es an dem Tag eigentlich? Wie wird er in anderen Ländern gefeiert und ist der neue Feiertag in Berlin vielleicht sogar ein verkaufsoffener Feiertag? Wir haben die wichtigsten Fakten und Wissen zum Angeben für Sie aufbereitet.

Internationaler Frauentag in Berlin am 08.03.2019 erstmals gesetzlicher Feiertag

Als erstes und bislang einziges Bundesland hat Berlin den Internationalen Frauentag am 8. März zum gesetzlichen Feiertag erklärt. Das Berliner Abgeordnetenhaus beschloss im Januar 2019 mehrheitlich eine entsprechende Gesetzesnovelle. Der Frauentag wird bereits in diesem Jahr zum ersten Mal als Feiertag begangen werden. Bislang hatten Berliner neun arbeitsfreie Feiertage pro Jahr - so wenige wie kein anderes Bundesland. Zum Vergleich: In Bayern ruht die Arbeit an 13, in Baden-Württemberg an 12 Feiertagen.

Die Entscheidung sei "ein ganz großes Zeichen dafür, dass wir auf dem Weg der Gleichstellung von Frau und Mann weiterkommen", erklärte die gleichstellungspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, Derya Caglar. Linke und Grüne äußerten sich ähnlich. CDU, FDP und AfD kritisierten die Entscheidung. Über das richtige Datum hatte es längere Debatten gegeben, außerdem eine Vielzahl weiterer Vorschläge.

Der neue Feiertag bedeute für die Wirtschaft des Landes ein Minus von 0,3 Prozent, kritisierte die Industrie- und Handelskammer (IHK) in Berlin. Probleme bereitet Unternehmen laut IHK auch die kurze Frist zwischen Gesetzesbeschluss und Feiertag, weil Firmen ad hoc Lieferketten, Arbeitsprozesse und Dienstpläne ändern und anpassen müssen. Für bis zu 180.000 Berliner, die nach Brandenburg pendeln und am 8. März - einemFreitag - nicht frei haben, könnte der "Inseltermin" schwierig werden: Sie müssen wegen geschlossener Kitas und Schulen etwa eine Kinderbetreuung organisieren.

Ist der neue Feiertag in Berlin ein verkaufsoffener Feiertag?

Für die Hauptstadt ist am 08. März 2019 kein verkaufsoffener Feiertag vorgesehen. Doch Berliner, die dennoch Lust auf Shopping am neugeschaffenen Feiertag haben, haben natürlich die Möglichkeit, in Brandenburg nach Herzenslust zu bummeln. In dem die Hauptstadt umschließenden Bundesland ist der Internationale Frauentag ein ganz normaler Arbeitstag.

Mehrheit der Deutschen für Frauentag als gesetzlichen Feiertag

Mehr als die Hälfte der Bundesbürger ist dafür, den Internationalen Frauentag am 8. März nach dem Vorbild Berlins zum gesetzlichen Feiertag zu erklären. Das ergab eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstitutes YouGov im Auftrag des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND/Freitag). Danach würden 54 Prozent der Befragten gern dem Beispiel Berlins folgen, 34 Prozent sprachen sich dagegen aus.

In der Hauptstadt ist der Frauentag an diesem Freitag zum ersten Mal Feiertag, als erstes Bundesland überhaupt hat das rot-rot-grün regierte Berlin diesen arbeitsfreien Tag eingeführt. Damit hat auch die Bundesregierung mit ihren Ministerien und anderen Behörden quasi "geschlossen", während der komplette Rest Deutschlands arbeitet. Das hat es so noch nie gegeben.

"Wie kein anderes Datum steht der 8. März für den langen Weg hin zur Gleichstellung der Geschlechter", erklärte Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) dazu. Für Politik und Gesellschaft gelte es, weiter für Gleichstellung und die Rechte der Frauen zu kämpfen. Hier sei viel erreicht worden, aber: "Es bleiben viele brennende Aufgaben." In der Hauptstadt werden am Nachmittag mehrere tausend Menschen zu einer Demonstration zum Frauentag erwartet.

Am Internationalen Frauentag fordern weltweit zahlreiche Organisationen die volle soziale, wirtschaftliche, kulturelle und politische Gleichstellung von Frauen. Sexismus, Lohnunterschiede zwischen Männern und Frauen, seit langer Zeit der geringste Frauenanteil im Bundestag: Der Weg zur Gleichberechtigung ist in vielen Teilen der Gesellschaft auch mehr als 100 Jahre nach dem ersten Frauentag noch weit.

CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer findet den Frauenanteil in ihrer Partei sogar "peinlich". Die CDU werde Wahlen nur gewinnen und als Volkspartei überleben, "wenn wir mit starken Frauen, ihren Ideen und Lebenswirklichkeiten für Ämter, Gremien und Parlamenten antreten", schreibt sie in einem Gastbeitrag für die "Passauer Neuen Presse" (Freitag).

Kramp-Karrenbauer kündigte an, einer ihrer persönlichen Schwerpunkte als Parteivorsitzende werde es sein, "verstärkt Frauen für die Politik zu gewinnen und das Quorum in unserer Partei konsequenter umzusetzen". Der Frauenanteil in den Parlamenten und den Parteien - "gerade auch in der CDU" - sei "für eine repräsentative Demokratie und für uns als Volkspartei peinlich".

Aus Sicht der stellvertretenden CDU-Vorsitzenden Julia Klöckner ist es an der Zeit, dass Deutschland auch ein weibliches Staatsoberhaupt bekommt. "Dass es in all den Jahren noch keine Frau als Bundespräsidentin in Deutschland gegeben hat, finde ich befremdlich. Es wird Zeit für ein Stück Normalität auch im höchsten Amt", sagte die Agrarministerin "Focus online".

Bundesjustizministerin Katarina Barley (SPD) bekräftigte das Ziel der Koalition, mehr Frauen in Spitzenposition zu befördern. "Wir dürfen bei der Gleichberechtigung nicht lockerlassen", sagte sie dem RND (Freitag). Die Einführung einer Frauenquote von 30 Prozent für Aufsichtsräte großer Unternehmen sei ein Meilenstein gewesen. "Diesen Weg gehen wir konsequent weiter", so Barley. "Wir werden besonders diejenigen Unternehmen ins Auge fassen, die sich weiterhin zum Ziel setzen, keine Frauen in Führungspositionen zu berücksichtigen."

Warum gibt es den Weltfrauentag und welche Bedeutung hat er?

Am 8. März feiert die Welt den Internationalen Frauentag. Die Idee zum Internationalen Frauentag stammt von Clara Zetkin (1858 - 1933), einer Ikone der proletarischen Frauenbewegung. Die deutsche Sozialistin schlug auf der Zweiten Sozialistischen Frauenkonferenz am 27. August 1910 in Kopenhagen die Einführung eines solchen Tages vor.

Zum ersten Mal forderten am 19. März 1911 mehr als eine Million Menschen in Deutschland, Österreich-Ungarn, Dänemark und der Schweiz, dass Frauen Ämter bekleiden und wählen dürfen. Außer in Finnland waren zu diesem Zeitpunkt nirgends in Europa Frauen zur Wahl zugelassen. Seit 1921 wird der Tag am 8. März begangen.

Doch der Weltfrauentag ist heute ein streitbares Thema. Im Jahr 2010 forderte die deutsche Feministin Alice Schwarzer sogar eine komplette Streichung des Tages: "Schaffen wir ihn also endlich ab, diesen gönnerhaften 8. März! Und machen wir aus dem einen Frauentag im Jahr 365 Tage für Menschen, Frauen wie Männer." Der 8. März sei "eine sozialistische Erfindung, die auf einen Streik von tapferen Textilarbeiterinnen zurück geht". Die "Übernahme des sozialistischen Muttertags als 'unser Frauentag' für Feministinnen" sei laut Schwarzer "reinster Hohn".

Was heißt eigentlich Feminismus?

Sucht man im Netz nach einer Begriffserklärung zu Feminismus erhält man folgende Definition: Bei Feminismus handle es sich um "eine Ideologie und gesellschaftliche Bewegung, die die Gleichberechtigung der Frau in allen Lebensbereichen und eine Veränderung der gesellschaftlichen Rolle von Frauen anstrebt".

In den Anfängen der Frauenbewegungen bildeten sich vor allem zwei verschiedene Grundströmungen heraus: der Differenzfeminismus und der Gleichheitsfeminismus. Während ersterer besagt, dass Männer und Frauen verschieden sind und es darum geht, das jeweils andere zu akzeptieren, geht die zweite Strömung davon aus, dass die Geschlechter im Grunde gleich sind, sie aber von der Gesellschaft zu verschiedenen Rollen erzogen werden.

Weitere Strömungen, die sich im Laufe der Geschichte entwickelt haben, sind vielfältig: Radikaler Feminismus, Gynozentrischer Feminismus, Spiritueller Feminismus, Ökofeminismus, Psychoanalytisch orientierter Feminismus, Sozialistischer Feminismus, Anarchistischer Feminismus, Individualfeminismus, Postfeminismus.

Die Geschichte der Frauenbewegung

Historisch betrachtet wird die Frauenbewegung und somit der "Frauenkampf" in drei Wellen unterteilt. Die erste Welle, die Mitte des 19. bis Anfang des 20. Jahrhunderts datiert wird, setzte sich für das Frauenwahlrecht, Erwerbstätigkeit und das Recht auf Bildung für Frauen ein.

Die zweite Welle in den Sechziger Jahren kämpfte unter anderem für sexuelle Selbstbestimmung, das Recht auf Abtreibung sowie Verhütung und gegen feste Frauenbilder.

Die dritte Welle in den Neunziger Jahren steht für ein facettenreicheres Bild von "Weiblichkeit", sexuelle Ausrichtung im Allgemeinen und die neue Rolle des Mannes.

Das Frauenwahlrecht in Deutschland feierte 2018 seinen 100. Geburtstag

Das Wahlrecht für Frauen, das vielen heute selbstverständlich erscheint, ist noch gar nicht so alt. In Deutschland feierte das Frauenwahlrecht im Jahr 2018 seinen 100. Geburtstag. Am 12. November 1918 heißt es in einem "Aufruf an das Deutsche Volk" vom Rat der Volksbeauftragten: "Alle Wahlen zu öffentlichen Körperschaften sind fortan nach dem gleichen, geheimen, direkten, allgemeinen Wahlrecht auf Grund des proportionalen Wahlsystems für alle mindestens 20 Jahre alten männlichen und weiblichen Personen zu vollziehen." Gesetzlich fixiert wurde das Ganze schließlich am 30. November 1918.

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