05.02.2019, 17.04 Uhr

Tragischer Suizid in Berlin: Mobbing-Opfer (11) begeht Selbstmord

Ein elfjähriges Mädchen hat Suizid begangen: Es soll an ihrer Schule zuvor gemobbt worden sein. (Symbolbild)

Ein elfjähriges Mädchen hat Suizid begangen: Es soll an ihrer Schule zuvor gemobbt worden sein. (Symbolbild) Bild: dpa

Es ist wohl das schlimmste, das Eltern passieren kann: Eine Berliner Schülerin (11) hat einen Selbstmordversuch begangen und ist im Krankenhaus verstorben. Das Mädchen soll an ihrer Schule gemobbt worden sein. Dafür gab es zunächst keine offizielle Bestätigung.

Elfjähriges Mädchen begeht Selbstmordversuch nach Mobbing an Berliner Grundschule

Wie "Der Tagesspiegel" berichtet hatte sich das elfjährige Mädchen bereits vor wenigen Tagen versucht das Leben zu nehmen. An der Berliner Schule, an der die Schülerin die fünfte Klasse besuchte, soll es Aussagen von Eltern zufolge bereits seit einem Jahr immer wieder massive Fälle von Mobbing und Gewalt gegeben haben. Das sei von der Schule aber lange Zeit nicht Ernst genommen worden. Die Schulleiterin bestreitet dies. Für den Suizidversuch des Mädchens und den Hintergrund gibt es bislang keine offizielle Bestätigung.

Kriminalpolizei ermittelt - Obduktion der toten Schülerin angeregt

Schüler, Lehrer und Eltern stehen unter Schock. Wie eine Sprecherin Senatsbildungsverwaltung gegenüber dem "Tagespiegel" erklärte, sind Gewalt- und Krisenpsychologen eingeschaltet worden. Die Kriminalpolizei hat derweil Todesermittlungsverfahren eingeleitet, auch um zu klären, ob es einen direkten Zusammenhang zwischen dem Suizidversuch und dem Mobbing gab.

Thomas Karge (SPD), ehemaliger Abgeordnete und Mitglied des Innenausschusses Berlin, weist darauf hin, dass bei Mobbing noch viel zu viel "beschwichtigt, geschwiegen oder sogar das Opfer zum Täter gemacht" werde. Er forderte auch die Politik auf, das Thema Mobbing ernster zu nehmen. Zum Fall der toten Grundschülerin könne die Berliner Polizei laut einem Sprecher nicht vor Montag Näheres sagen. Es sei eine Obduktion angeregt worden, und voraussichtlich werde es im Laufe des Montagvormittags weitere Informationen geben, sagte der Sprecher am Sonntag.

Nach Tod einer Schülerin - Bürgermeister und Polizei eingeschaltet

Am Samstagabend waren nach Medienberichten rund 150 Menschen zu einer Mahnwache vor der Schule zusammengekommen. Zuvor hatte Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) eine umfassende Aufklärung des Falles angekündigt. "Ich bin betroffen vom Tod der Schülerin", sagte Müller dem "Tagesspiegel" (Samstag). Die Schulverwaltung werde das genau prüfen. Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) sagte dem "Tagesspiegel" (Sonntag): "Ich nehme alle Vorwürfe sehr ernst, und wir werden den Fall wie andere Trauerfälle auch umfassend aufarbeiten."

Eine Sprecherin der Senatsbildungsverwaltung bestätigte am Samstag auf Anfrage zwar den Todesfall, äußerte sich aber nicht näher zu den Umständen. Am vergangenen Dienstag seien Schule und Schulaufsicht von den Eltern über den Tod des Kindes informiert worden, sagte die Sprecherin. Daraufhin habe die Schule am Donnerstag einen Elternbrief verschickt und die Senatsbildungsverwaltung die Einrichtung mit Schulpsychologen für solche Notfälle unterstützt. Einen Tag später habe dann die Schulleitung mit den Eltern über Möglichkeiten der Trauer gesprochen. Am Samstagabend sollte es nach Angaben der Sprecherin eine Mahnwache an der Schule geben.

Maßnahmen gegen Mobbing in Berlin

In Fällen von Mobbing erwartet Berlins Senatsbildungsverwaltung nach eigener Darstellung, dass Schulen früh eingreifen und gegebenenfalls die Hilfe von Schulpsychologen in Anspruch nehmen. Dazu gebe es Notfallpläne, wonach sich Eltern, Schüler und Lehrer auch direkt an die Fachleute wenden können. Das neue Schulgesetz verpflichte zur Einrichtung von Krisenteams für Schulen. Aktuell hätten 90 Prozent der Schulen solche Teams.

Seit Neuestem gibt es laut Bildungsverwaltung das Präventions- und Interventionsprojekt "Pro Respekt - gewaltfreie Schulen demokratisch entwickeln". Demnach werden an Schulen mit besonderen Problemen je zwei geschulte Sozialarbeiter eingesetzt. Außerdem ist geplant, die Anti-Diskriminierungsstelle auszubauen, an die sich Betroffene vertraulich wenden können.

Schließlich gibt es im Kampf gegen Mobbing das sogenannte Bonus-Programm für Schulen in schwieriger sozialer Lage, dessen Geld sie eigenständig einsetzen können. Nach Senatsangaben erhalten darüber rund 290 Schulen 18,5 Millionen Euro jährlich.

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kad/news.de/dpa
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