11.09.2019, 17.24 Uhr

Missbrauch in Lügde im News-Ticker: Keine Revision im Lügde-Prozess

Auf einem Campingplatz in Lüdge (NRW) wurden mindestens 34 Kinder jahrelang missbraucht.

Auf einem Campingplatz in Lüdge (NRW) wurden mindestens 34 Kinder jahrelang missbraucht. Bild: Friso Gentsch/dpa

Es waren nicht nur die vermüllte Behausung auf dem Campingplatz und der große Altersunterschied: Trotz mehrfacher Hinweise auf Pädophilie hat das Jugendamt von Hameln (Niedersachsen) einen heute 56-Jährigen als Pflegevater für ein kleines Mädchen eingesetzt. Der Mann gilt als Hauptverdächtiger im Fall von tausendfachem Kindesmissbrauch mit mindestens 34 Opfern in Lügde (Nordrhein-Westfalen).

Vergewaltigung auf Campingplatz in Lügde NRW News-Ticker aktuell

+++ 05.09.2019: Urteil im Fall Lügde: Prozess-Beteiligte planen keine Revision +++

Im Fall des Urteils im Missbrauchsfall Lügde plant die Staatsanwaltschaft Detmold, das Urteil zu akzeptieren. "Wir planen, keine Revision einzulegen", sagte Oberstaatsanwalt Ralf Vetter am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur. Das "Westfalen-Blatt" hatte zuvor berichtet.

Der Zeitung zufolge will auch Andreas V. das Urteil akzeptieren. Nach Angaben seines Anwaltes Johannes Salmen gegenüber dem "Westfalen-Blatt" habe er dies am Mittwoch in der Haftanstalt erklärt. Bereits kurz nach der Urteilsverkündung am Donnerstag hatte der Anwalt des zweiten Verurteilten einen Revisionsverzicht angekündigt.

Die Frist für das Einlegen einer Revision läuft allerdings erst am Donnerstag um 23.59 Uhr ab. Bis dahin haben alle Prozessbeteiligten noch Zeit, sich endgültig festzulegen. Bei einer Revision würde der Bundesgerichtshof in Karlsruhe das Urteil auf Rechtsfehler überprüfen. Würde er fündig, müsste das Verfahren neu aufgerollt werden.

Das Landgericht Detmold verhängte am Donnerstag eine Freiheitsstrafe von 13 Jahren gegen den 56-jährigen Andreas V. Der 34-jährige Mario S. erhielt 12 Jahre. Das Gericht ordnete außerdem die anschließende Sicherungsverwahrung für die beiden Deutschen an.

+++ 05.09.2019: Missbrauchsbeauftragter über Lügde-Urteil: "Wichtiges Signal" +++

 Das Urteil im Lügde-Prozess mit hohen Haftstrafen und Sicherungsverwahrung für die Angeklagten ist vom Bundesbeauftragten für Missbrauch, Johannes-Wilhelm Rörig, ausdrücklich begrüßt worden. "Das Landgericht Detmold hat das mögliche Strafmaß weitgehend ausgeschöpft und damit auch das wichtige Signal gesendet, dass der Rechtsstaat diese schweren Verbrechen an Kindern hart bestraft", erklärte Rörig am Donnerstag. Nun müsse auch die Gesetzgebung schnell handeln und Strafen für den Besitz und das Weiterleiten von Kinderpornografie verschärfen. Bisher kämen "pädokriminelle Täter" teils mit 90 Tagessätzen Geldstrafe davon. Hier sei eine "Neubewertung" nötig, forderte Rörig.

Insgesamt würden Kindesmissbrauch und seine Folgen in den Bundesländern vielfach unterschätzt. "Offensichtlich hat auch Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul erst im Verlauf des Skandals von Lügde die wahre Dimension dieses Themas erkannt", kritisierte Rörig. Dabei habe es allein in NRW im vergangenen Jahr fast 2500 Ermittlungs- und Strafverfahren wegen Kindesmissbrauch gegeben. Nötig sei auch eine "viel bessere Kooperation zwischen Jugendämtern, Polizei, Justiz, Kitas, Schulen und der Gesundheitsversorgung" sowie eine Stärkung der zuständigen staatlichen Stellen.

+++ 05.09.2019: Hohe Haftstrafen und Sicherungsverwahrung im Lügde-Prozess +++

Im Lügde-Missbrauchsprozess sind die beiden Angeklagten zu hohen Haftstrafen verurteilt worden. Das Landgericht Detmold verhängte am Donnerstag eine Freiheitsstrafe von 13 Jahren gegen den 56-jährigen Andreas V. wegen schweren sexuellen Kindesmissbrauchs in mehr als 200 Fällen. Der 34-jährige Mario S. erhielt 12 Jahre. Das Gericht ordnete außerdem die anschließende Sicherungsverwahrung für die beiden Deutschen an.

Auf einem Campingplatz im ostwestfälischen Lügde sollen die beiden jahrelang in mehreren Hundert Fällen insgesamt 34 Kinder schwer sexuell missbraucht haben. Der Ältere soll dabei laut Anklage in mehr als 200 Fällen in die Körper von Kindern eingedrungen sein, der jüngere in fast 50 Fällen. Einige Opfer sollen zur Tatzeit noch im Kindergartenalter gewesen sein. Die meisten Taten sollen die Männer in der heruntergekommenen Unterkunft von Andreas V. auf dem Campingplatz an der Grenze zu Niedersachsen begangen haben.

Zu den Opfern des Dauercampers zählte laut Anklage auch ein Mädchen, das als Pflegetochter bei ihm einzog und als Lockvogel diente, um an weitere Opfer zu kommen. Eine Psychiaterin hatte Andreas V. im Prozess als manipulativ, narzisstisch und antisozial beschrieben, mit einer tief verwurzelten Neigung für Kindesmissbrauch.

Der Prozess hatte vor zehn Wochen Ende Juni begonnen. Aus Opferschutzgründen fand er in weiten Teilen unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Am Rande des Prozesses hatten Nebenklägervertreter von schweren Traumata ihrer Mandanten berichtet.

Andreas V. wurden rund 290 Missbrauchstaten zur Last gelegt. Mario S. hatte sich laut Anklage in rund 160 Fällen an Mädchen und Jungen vergangen - seit 1999 war er dazu immer wieder zu Gast auf dem Campingplatz, aber auch seine Wohnung in Steinheim bei Höxter soll Tatort gewesen sein. Beide Männer filmten ihre Taten, bei beiden stellte die Polizei insgesamt Tausende Bild- und Videodateien sicher, die sexuelle Gewalt gegen Kinder- und Jugendliche zeigen.

In dem Fall stehen auch Polizei und Jugendämter in der Kritik, weil sie Hinweisen auf den Hauptverdächtigen zunächst nicht nachgegangen sein sollen. Auch bei den Ermittlungen gab es Pannen, unter anderem verschwanden Beweismittel. Der nordrhein-westfälische Landtag hat deshalb einen parlamentarischen Untersuchungsausschuss eingesetzt. Er soll die drei Themenbereiche Polizei und Staatsanwaltschaft, Jugendämter sowie den Umgang der Landesregierung mit dem Fall genauer beleuchten. Die nächste Sitzung ist für den 13. September geplant.

Nach Bekanntwerden des Falls hatte NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) das Thema zur Chefsache erklärt. Mittlerweile stuft das nordrhein-westfälische Innenministerium Kindesmissbrauch und Kinderpornografie als "kriminalpolitischen Schwerpunkt" aller NRW-Polizeibehörden ein. In den Kreispolizeibehörden sei das Personal für die Bearbeitung solcher Fälle "deutlich aufgestockt" worden, hieß es aus dem Ministerium.

+++ 04.09.2019: Urteil im Missbrauchsprozess Lügde erwartet +++

 

Im Prozess um den jahrelangen sexuellen Missbrauch von Kindern auf einem Campingplatz im ostwestfälischen Lügde wird am Donnerstag (09.00 Uhr) das Urteil erwartet. Vor dem Landgericht Detmold sind zwei 56 und 34 Jahre alte deutsche Männer angeklagt. Sie sollen jahrelang in mehreren hundert Fällen insgesamt 34 Kinder schwer sexuell missbraucht haben. Der Ältere soll dabei laut Anklage in mehr als 200 Fällen in die Körper von Kindern eingedrungen sein. Einige Opfer sollen zur Tatzeit noch im Kindergartenalter gewesen sein. Die meisten Taten sollen die Männer in der Unterkunft von Andreas V. auf dem Campingplatz an der Grenze zu Niedersachsen begangen haben.

Die Staatsanwaltschaft hat für den 56-Jährigen Andreas V. 14 Jahre, für den 34-jährigen Mario S. zwölfeinhalb Jahre Freiheitsstrafe gefordert sowie für beide die anschließende Sicherungsverwahrung. Der Verteidiger von Andreas V. hat auf zwölf Jahre plädiert, der Verteidiger von Mario S. ein "möglichst großes vertretbares Entgegenkommen" für seinen Mandanten erbeten. Auch er rechnet mit einem Urteil "im zweistelligen Bereich". Beide verwiesen am letzten Verhandlungstag auf die frühen Geständnisse ihrer Mandanten.

Der Prozess hatte Ende Juni - vor zehn Wochen - begonnen. Aus Opferschutzgründen fand er in weiten Teilen unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Am Rande des Prozesses berichteten Nebenklägervertreter von schweren Traumata ihrer Mandanten.

+++ 01.09.2019: Vor Urteil im Lügde-Prozess: Lange Haftstrafen gefordert +++

Im Prozess um den jahrelangen sexuellen Missbrauch von Kindern auf einem Campingplatz in Lügde steht nun das Urteil an. Am Donnerstag (5. September) will das Landgericht Detmold nach nur gut zwei Monaten Verhandlung das Strafmaß gegen die beiden Angeklagten verkünden. Für den 56-jährigen Dauercamper Andreas V. und den 34-jährigen Mario S. könnte es lange Haftstrafen mit anschließender Sicherungsverwahrung geben. Eine Gutachterin bescheinigte ihnen volle Schuldfähigkeit. Strafmildernd könnten sich die Geständnisse der beiden Männer auswirken.

Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft wurden 34 Mädchen und Jungen immer wieder Opfer schwerer sexueller Gewalt. Einige sollen zur Tatzeit noch im Kindergartenalter gewesen sein. Angeklagt sind hunderte Einzeltaten - auch Vergewaltigungen. Am Rande des Prozesses, der aus Opferschutzgründen in weiten Teilen unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfand, hatten Nebenklägervertreter von schweren Traumata ihrer Mandanten gesprochen. Von zerstörten Kindheiten und unsagbarem Leid.

Andreas V. werden fast 300 Missbrauchstaten zur Last gelegt. Der Tatort soll meist die heruntergekommene Unterkunft auf dem Campingplatz "Eichwald" in Lüdge nahe der niedersächsischen Grenze gewesen sein. Zu den Opfern des Dauercampers zählte laut Anklage auch ein Mädchen, das als Pflegetochter bei ihm einzog und als Lockvogel diente, um an weitere Opfer zu kommen. Eine Psychiaterin hatte Andreas V. im Prozess als manipulativ, narzisstisch und antisozial beschrieben, mit einer tief verwurzelten Neigung für Kindesmissbrauch.

Mario S. soll sich laut Vorwurf der Anklage in 162 Fällen an Mädchen und Jungen vergangen haben - seit 1999 war er dazu immer wieder zu Gast auf dem Campingplatz, aber auch seine Wohnung in Steinheim soll Tatort gewesen sein. Beide Männer filmten ihre Taten, bei beiden stellte die Polizei insgesamt Tausende Bild- und Videodateien sicher, die sexuelle Gewalt gegen Kinder- und Jugendliche zeigen.

Das Strafverfahren gegen einen dritten Mitangeklagten war frühzeitig abgetrennt worden, weil die vorgeworfenen Taten deutlich weniger schwer wogen: Ein 49-jähriger aus Stade in Niedersachsen war bereits am 17. Juli zu einer zweijährigen Bewährungsstrafe verurteilt worden, weil er wiederholt an Webcam-Übertragungen teilgenommen hatte, bei denen ein Kind auf dem Campingplatz sexuell missbraucht wurde. Die Staatsanwaltschaft hatte eine Freiheitsstrafe gefordert und hat Revision eingelegt.

Andreas V. und Mario S. müssen damit rechnen, auch nach langen Haftstrafen nicht freizukommen. Die Staatsanwaltschaft hatte für den 56-Jährigen Andreas V. für eine Freiheitsstrafe von 14 Jahren, für den 34-jährigen Mario S. von zwölf Jahren und sechs Monaten plädiert - danach für beide Sicherungsverwahrung. Einige Vertreter der Nebenkläger forderten noch höhere Strafen.

Auch die Verteidigung hatte dem wenig entgegenzusetzen. In ihren Plädoyers beantragte der Verteidiger von Andreas V. zwölf Jahre Freiheitsstrafe, der Verteidiger von Mario S. ein «möglichst großes vertretbares Entgegenkommen» für seinen Mandanten. Beide verwiesen dabei am letzten Verhandlungstag auf die frühen Geständnisse ihrer Mandanten. Den Opfern sei damit in dem Verfahren Vieles erspart geblieben.

+++ 30.08.2019: Lügde-Prozess: Verteidiger will zwölf Jahre Haft für Andreas V. +++

 

Im Lügde-Missbrauchsprozess hat der Verteidiger des angeklagten Dauercampers Andreas V. eine Freiheitsstrafe von zwölf Jahren beantragt. Zum Thema Sicherungsverwahrung habe er sich nicht geäußert, sagte Johannes Salmen vor Journalisten am Freitag nach Abschluss seines Plädoyers unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Der Vertreter des zweiten Angeklagten, Mario S., stellte keinen konkreten Strafantrag vor dem Landgericht Detmold. Er habe angesichts des Geständnisses seines Mandanten um ein "möglichst großes vertretbares Entgegenkommen" gebeten, berichtete Jürgen Bogner. Der Verteidiger rechnet mit einem Urteil, "bei dem wir uns im zweistelligen Bereich bewegen werden."

Andreas V. (56) und Mario S. (34) hatten beide bereits am ersten Verhandlungstag Ende Juni gestanden. Ihnen wird vorgeworfen, über viele Jahre hinweg vor allem auf einem Campingplatz im nordrhein-westfälischen Lügde an der Grenze zu Niedersachsen in mehreren hundert Fällen Jungen und Mädchen sexuell missbraucht zu haben. Verteidiger Salmen sagte, er halte eine Gesamtfreiheitsstrafe von zwölf Jahren für angemessen, da sein Mandant mit seinem frühen Geständnis Opfern erspart habe, vor Gericht als Zeugen auszusagen.

"Das Geständnis zeigt auch, dass er sich mit den Taten auseinandergesetzt hat", betonte Salmen. Andreas V. habe sich dem Prozess auch trotz seiner zwischenzeitlichen Gürtelrose-Erkrankung weiter gestellt. Er habe seinem Mandanten deutlich gemacht, dass Sicherungsverwahrung für ihn "im Raum steht". Verteidiger Bogner sagte, er gehe davon aus, dass beide Angeklagte im Anschluss an ihre Haftstrafen in Sicherungsverwahrung kommen werden. Das heißt, dass sie zunächst unbegrenzt in Haft bleiben - bis sie irgendwann gegebenenfalls nicht mehr als Gefahr für die Öffentlichkeit gelten.

Am 5. September will die Vorsitzende Richterin Anke Grudda das Urteil verkünden. Die Staatsanwaltschaft hatte für Andreas V. 14 Jahre Haft und für Mario S. zwölf Jahre und sechs Monate gefordert - und im Anschluss Sicherungsverwahrung für beide Männer. Dabei wurden die Geständnisse strafmildernd berücksichtigt und ebenso die Tatsache, dass die beiden Angeklagten nicht vorbestraft sind.

Am letzten Verhandlungstag ließen beide Angeklagten die Gelegenheit zu einem letzten Wort ungenutzt, blieben stumm. Nebenklage-Vertreter beantragen in ihren Schlussworten zum Teil Strafen, die über die Forderungen der Staatsanwaltschaft hinausgingen.

+++ 30.08.2019: Lügde-Prozess um Kindesmissbrauch vor dem Ende - Plädoyers +++

 

Mit den Plädoyers der Verteidiger geht der Prozess um den hundertfachen Missbrauch von Kindern auf einem Campingplatz in Lügde seinem Ende entgegen. Zunächst äußerten sich am Freitag Nebenklage-Vertreter vor dem Landgericht Detmold zu dem nach ihrer Auffassung angemessenen Strafmaß für die beiden Angeklagten. Um die Opfer zu schützen, wurde die Öffentlichkeit ausgeschlossen. Den beiden geständigen Angeklagten Andreas V. (56) und Mario S. (34) wird vorgeworfen, über viele Jahre hinweg in mehreren hundert Fällen Jungen und Mädchen sexuell missbraucht und dabei zum Teil gefilmt zu haben. Auch ihre Verteidiger wollten noch ihre Plädoyers halten.

Die Staatsanwaltschaft hatte für Andreas V. 14 Jahre Haft und für Mario S. zwölf Jahre und sechs Monate gefordert - und im Anschluss Sicherungsverwahrung für beide Männer. Am 5. September soll das Urteil verkündet werden.

+++ 19.08.2019: Urteil im Lügde-Prozess soll am 5. September verkündet werden +++

 

Im Prozess um den hundertfachen Kindesmissbrauch auf einem Campingplatz in Lügde will das Landgericht Detmold am 5. September sein Urteil verkünden. Wie das Gericht am Montag weiter mitteilte, sollen zuvor am 30. August die verbleibenden Plädoyers gehört werden. An diesem Freitag der kommenden Woche haben noch weitere Nebenklagevertreter die Möglichkeit für ihr Schlusswort. Auch die Verteidiger der beiden Angeklagten müssen dann noch plädieren. Wie ein Gerichtssprecher sagte, sollen die Schlussworte unter Ausschluss der Öffentlichkeit gesprochen werden. Für die Urteilsverkündung seien dann wieder Zuschauer und Pressevertreter im Saal zugelassen.

Andreas V. (56) aus Lügde und Mario S. aus Steinheim (34) sollen über viele Jahre hinweg auf dem Campingplatz in Nordrhein-Westfalen an der Grenze zu Niedersachsen Minderjährige schwer sexuell missbraucht und dabei gefilmt haben. In ihren bereits am vergangenen Freitag unter Ausschluss der Öffentlichkeit gehaltenen Plädoyers hatte die Staatsanwaltschaft für den 56-Jährigen V. eine Freiheitsstrafe von 14 Jahren, für den 34-jährigen Mario S. zwölf Jahre und sechs Monaten gefordert. Für beide Männer verlangte die Anklage zudem im Anschluss eine Sicherungsverwahrung.

+++ 16.08.2019: Gutachterin im Lügde-Prozess: Angeklagter Andreas V. voll schuldfähig +++

 

Im Prozess um den hundertfachen Kindesmissbrauch auf einem Campingplatz in Lügde hat eine Gutachterin auch den Angeklagten Andreas V. als voll schuldfähig eingestuft. Der 56-Jährige habe eine "gut durchschnittliche Intelligenz" mit einem IQ von 110, keine Psychosen, depressive Erkrankungen oder krankhaft seelische Störungen, sagte Psychiaterin Marianne Miller am Freitag vor dem Landgericht Detmold. Es sei sehr wahrscheinlich, dass er auch nach Verbüßung einer Haftstrafe erneut sexuellen Missbrauch an Kindern begehen werde. Eine "tief verwurzelte Neigung, diese Art von Straftaten zu begehen", spreche für eine Sicherungsverwahrung.

Andreas V. sei "narzisstisch, antisozial" und zeige eine "manipulative Tendenz". Er habe eine pädophile Neigung mit einer Präferenz für Mädchen im Grundschulalter bis in die Pubertät. Der 56-Jährige sei nicht in der Lage, eine Beziehung zu einer gleichaltrigen Partnerin einzugehen. "Er scheint die Mädchen als Ersatz gewählt zu haben." Am Donnerstag hatte die Gutachterin schon den zweiten Angeklagten Mario S. als voll schuldfähig eingestuft und sich ebenfalls für eine Sicherungsverwahrung ausgesprochen.

Die beiden geständigen deutschen Angeklagten sollen über viele Jahre auf dem Campingplatz in NRW an der Grenze zu Niedersachsen Kinder schwer sexuell missbraucht und dabei gefilmt haben.

+++ 15.08.2019: Prozess zum Missbrauchsfall Lügde - Opfer schildern ihre Angst +++

 

Im Prozess um vielfachen sexuellen Missbrauch auf einem Campingplatz in Lügde haben mehrere Opfer über ihre große Angst vor den Angeklagten berichtet. In mehreren vor dem Landgericht in Detmold vorgelesenen Erklärungen äußern zwei Kinder die Sorge, dass die Männer aus dem Gefängnis ausbrechen könnten. In den Erklärungen, darunter Schilderungen von Psychologen und Opferbetreuern, ist von Alpträumen, schulischen Problemen und völlig verunsicherten Persönlichkeiten die Rede.

Ein Beamter der Bielefelder Polizei äußerte sich als Zeuge zu den Anfängen der Ermittlungen im Februar. Damals übernahm das Polizeipräsidium Bielefeld nach Pannen bei der Polizei in Lippe. Die Aktenführung der Kollegen sei unzureichend gewesen, alles hätte komplett neu aufgebaut werden müssen. "Die Vernehmung einiger Opfer musste wiederholt werden. Die Befragung zuvor entsprach nicht unseren Standards", sagte der 58 Jahre alte Beamte.

Die beiden deutschen Angeklagten sollen über Jahre hinweg auf einem Campingplatz in Lügde bei Detmold an der Landesgrenze zu Niedersachsen Kinder schwer sexuell missbraucht und dabei gefilmt haben. Verantworten müssen sich ein 56-Jähriger aus Lügde und ein 34 Jahre alter Komplize aus Steinheim. Der Prozess soll am Freitag fortgesetzt werden. Ein Urteil will das Landgericht frühestens im September verkünden.

+++ 14.08.2019: Prozess um Missbrauchsfall Lügde: Landgericht hört Polizisten +++

 

Mit den Aussagen von sieben Zeugen setzt das Landgericht Detmold am Donnerstag (9.00 Uhr) den Prozess um den Missbrauchsfall Lügde fort. Erstmals soll auch ein Polizist vernommen werden. Die beiden Angeklagten sollen über Jahre auf einem Campingplatz in Lügde an der Landesgrenze zu Niedersachsen hundertfach Kinder schwer sexuell missbraucht und dabei gefilmt haben.

Verantworten müssen sich ein 56-Jähriger aus Lügde und ein 34 Jahre Mitangeklagter aus Steinheim wegen des Missbrauchs. Zuletzt wurde das Verfahren gegen Andreas V. abgetrennt, weil der 56-Jährige wegen einer Krankheit nicht verhandlungsfähig war. Nach Angaben eines Gerichtssprechers hat der Angeklagte das Gefängniskrankenhaus in Fröndenberg wieder verlassen. Die nächsten Verhandlungstermine sind am Freitag (16. August) und am 30. August. Ein Urteil soll frühestens im September fallen.

+++ 02.08.2019: Missbrauchsprozess Lügde - Angeklagter kommt im Krankenwagen +++

 

Das Landgericht Detmold hat am Freitag den Prozess um hundertfachen sexuellen Missbrauch von Kindern gegen Andreas V. aus Lügde fortgesetzt. Da der 56-Jährige krank ist, wurde er per Rettungswagen und in medizinischer Begleitung nach Detmold gebracht. Er liegt derzeit im Justizvollzugskrankenhaus in Fröndenberg.

Entgegen dem Rat seiner Ärzte wollte Andreas V. an dem sogenannten Sprungtermin teilnehmen. Zum Gesundheitszustand seines Mandanten wollte sich sein Verteidiger Johannes Salmen mit Bezug auf die Schweigepflicht nicht äußern. Nach der Strafprozessordnung dürfen zwischen zwei Terminen nicht mehr als drei Wochen liegen - sonst platzt ein Verfahren und muss neu aufgerollt werden.

Da Andreas V. derzeit nicht verhandlungsfähig ist, tagte das Gericht um die Vorsitzende Richterin Anke Grudda nur rund zehn Minuten. In dieser Zeit wurden Ebay-Kleinanzeigen vorgelesen, die auf Disketten im Wohnwagen des 56-Jährigen gefunden wurden. Darin beschreibt er sich als alleinerziehender Vater, der auf der Suche nach Spielkameraden für seine Tochter ist.

Das Gericht verlas am Freitag die Erklärung einer Nebenklägerin. Das Geständnis von Andreas V. habe sie erleichtert. Sie habe zu ihm ein gutes Verhältnis gehabt, sei als Kind gern zu ihm gegangen. Erst mit ihrer eigenen Pubertät habe sie den Missbrauch richtig einordnen können. Die Nebenklägerin hofft auf eine angemessene Bestrafung. Das dürfe keine Bewährungsstrafe sein, ließ die Frau mitteilen.

Sollte es der Gesundheitszustand von Andreas V. zulassen, wird der Prozess am 15. August gemeinsam mit dem zweiten Angeklagten Mario S. (34) aus Steinheim fortgesetzt. Die beiden sollen über Jahre auf einem Campingplatz in Lügde an der Landesgrenze von NRW zu Niedersachsen hundertfach Kinder schwer sexuell missbraucht und dabei gefilmt haben.

+++ 01.08.2019: Landgericht schaut sich Tatvideos an +++

Im Prozess um den hundertfachen Missbrauch auf einem Campingplatz im nordrhein-westfälischen Lügde hat das Landgericht Detmold am Donnerstag Fotos und Videos von den Taten gezeigt. Dabei ging es um Bilder, die der Angeklagte Mario S. gemacht haben soll. Nach Angaben von Nebenklagevertreter Peter Wüller war auf den Videos unter anderem der Missbrauch eines sechsjährigen Opfers durch den heute 34-Jährigen zu sehen. "Alle Prozessbeteiligten waren sehr betroffen, als sie diese Videos anschauen mussten", sagte Wüller in einer Pause. Die Aufnahmen wurden am Richtertisch gezeigt, so dass die Zuschauer im Saal die Videos nicht sehen konnten.

Am sechsten Prozesstag sagten zudem mehrere Zeugen unter Ausschluss der Öffentlichkeit aus. Darunter ein 21-Jähriger mit einer geistigen Behinderung, der von Mario S. missbraucht worden sein soll.

+++ 01.08.2019: Andreas V. fehlt bei Prozess-Fortsetzung +++

Mit den Aussagen weiterer Zeugen setzt das Landgericht Detmold am Donnerstag den Prozess um den sexuellen Missbrauch von Kindern auf einem Campingplatz in Lüdge fort. Der ältere der beiden Angeklagten ist krank und derzeit nicht verhandlungsfähig. Daher fehlt Andreas V. (56) an diesem siebten Prozesstag. Das Verfahren gegen ihn wird abgetrennt.

Die beiden Angeklagten sollen über Jahrzehnte an der Landesgrenze zu Niedersachsen Kinder und Jugendliche hundertfach schwer sexuell missbraucht und dabei gefilmt haben. Verantworten müssen sich der 56-Jährige aus Lügde und ein 34 Jahre alter Komplize aus Steinheim. Beide haben zum Prozessauftakt ein Geständnis abgelegt. Zum Schutz der Opfer dürften die Aussagen der Zeugen weitestgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden.

Das Verfahren gegen einen dritten Mann wurde ebenfalls abgetrennt. Er hatte bei dem Missbrauch vor rund acht Jahren in mehreren Fällen per Webcam zugeschaut. Das Landgericht verurteilte den 49-Jährigen aus Stade in Niedersachsen zu einer zweijährigen Haftstrafe auf Bewährung.

+++ 18.07.2019: Kinderschutzbund kritisiert erstes Urteil zum Missbrauchsfall Lügde +++

Der Deutsche Kinderschutzbund hat das erste Urteil im Missbrauchsfall Lügde kritisiert. NRW-Landesgeschäftsführerin Krista Körbes wollte die Entscheidung des Landgerichts Detmold vom Mittwoch zwar nicht juristisch bewerten, äußerte aber Zweifel: Es stelle "sich die Frage, wie das Urteil auf andere Täterinnen und Täter wirkt, die kinderpornografisches Material besitzen oder zu sexueller Gewalt anstiften. Ich bin nicht sicher, ob dieses Signal wirklich abschreckend genug ist", sagte sie.

Das Landgericht hatte am Mittwoch einen Mann aus Stade in Niedersachsen zu einer zweijährigen Haftstrafe auf Bewährung verurteilt. Der 49-Jährige hatte vor mehr als acht Jahren per Webcam in vier Fällen sexuellen Kindesmissbrauch beobachtet und einen Mitangeklagten angestiftet. Nach mehrmonatiger Untersuchungshaft verließ der Verurteilte das Gericht als freier Mann.

Die Staatsanwaltschaft Detmold hat derweil noch keine Entscheidung getroffen, ob das Urteil vom Mittwoch durch den Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe überprüft werden soll, wie eine Sprecherin auf Anfrage sagte. Die Staatsanwaltschaft hatte eine Haftstrafe von zwei Jahren und neun Monaten beantragt. Die Grenze für eine Bewährungsstrafe liegt bei zwei Jahren. Nach Auskunft des Verteidigers wird für seinen Mandanten keine Revision beantragt.

Das Landgericht Detmold setzt den Prozess gegen die beiden Hauptangeklagten am 1. August fort. Sie sollen über Jahre mehr als 40 Kinder auf dem Campingplatz an der Landesgrenze zu Niedersachsen hundertfach missbraucht haben.

+++ 17.07.2019:Erstes Urteil im Missbrauchsfall Lügde: Bewährungsstrafe +++

Erstes Urteil im Missbrauchsfall Lügde: Wegen Anstiftung und Beihilfe zum sexuellen und schweren Missbrauch von Kindern hat das Landgericht Detmold einen 49-Jährigen am Mittwoch zu einer zweijährigen Haftstrafe auf Bewährung verurteilt. Außerdem muss der Mann aus Niedersachsen sich einer Therapie unterziehen.

Der Mann aus Stade soll von 2010 bis 2011 in mindestens vier Fällen an Webcam-Übertragungen beim Missbrauch von Kindern auf dem Campingplatz an der Landesgrenze zu Niedersachsen teilgenommen haben. Das Gericht wertete das Geständnis des bislang nicht vorbestraften Heiko V. bereits am ersten Prozesstag zugunsten des 49-Jährigen.

Das Landgericht hatte dieses Verfahren am zweiten Tag im Hauptprozess gegen Andreas V. und Mario S. abgetrennt. Im Gegensatz zu diesen beiden Männern war Heiko V. nie auf dem Campingplatz, wo über Jahre mehr als 40 Kinder hundertfach sexuell missbraucht wurden. Das Prozess gegen die Dauercamper wird am 1. August fortgesetzt.

+++ 16.07.2019: Erstes Urteil im Missbrauchsfall Lügde erwartet +++

Im Missbrauchsfall Lügde will das Landgericht Detmold am Mittwoch (17.00 Uhr) ein erstes Urteil sprechen. Angeklagt, unter anderem wegen Anstiftung zum schweren sexuellen Missbrauch und Beihilfe zum sexuellen Missbrauch von Kindern, ist ein heute 49-Jähriger aus Stade in Niedersachsen. Heiko V. soll von 2010 bis 2011 an mindestens vier Webcam-Übertragungen beim Missbrauch von Kindern auf einem Campingplatz bei Lügde in Nordrhein-Westfalen teilgenommen haben.

Das Landgericht Detmold hatte dieses Verfahren am zweiten Tag im Hauptprozess gegen die Angeklagten Andreas V. und Mario S. abgetrennt. Seine Taten sind laut Anklage nicht vergleichbar mit den Vorwürfen gegen die beiden Dauercamper. Im Gegensatz zu diesen beiden Männern war Heiko V. nie auf dem Campingplatz, wo über Jahre mehr als 40 Kinder hundertfach sexuell missbraucht wurden. Da Heiko V. ein Geständnis abgelegt hat und keine Zeugen gehört werden, hat das Landgericht nur einen Prozesstag angesetzt.

+++ 08.07.2019: Fall Lügde: Neuer Beschuldigter seit Februar im Blick der Ermittler +++

Der neue Beschuldigte im Fall des jahrelangen Missbrauchs von Kindern in Lügde ist bereits seit Februar im Fokus der Ermittler gewesen. Das teilte NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) den Mitgliedern des Innenausschusses in einem Schreiben mit, das der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Die "Bild"-Zeitung hatte zuvor berichtet.

Der 57-Jährige sei "von Anfang an" im Blick der Ermittlungskommission "Eichwald" gewesen, so Reul. Unter anderem "aufgrund der gemeinsamen Meldeadresse mit einem der Hauptbeschuldigten und der mit diesem in der Vergangenheit geteilten Parzelle und seiner polizeilichen Vorgeschichte", hieß es in dem Schreiben.

Der 57-Jährige soll nach Informationen von NDR, WDR und "Süddeutscher Zeitung" gut mit Mario S. befreundet gewesen sein, einem der beiden Angeklagten im Missbrauchsprozess. Demnach teilten sich die beiden Männer von 2010 bis 2015 dieselbe Parzelle auf dem Campingplatz. Auch sollen beide unter der gleichen Adresse gemeldet sein. Laut "Spiegel" war im vergangenen Jahr gegen den 57-Jährigen ermittelt worden, nachdem eine 15-Jährige ihn wegen Vergewaltigung angezeigt hatte. Ende Oktober sei das Verfahren aus Mangel an Beweisen eingestellt worden.

Wie Innenminister Reul schrieb, wurde im Februar zwar eine "Spurenakte" zu dem Mann angelegt - einen konkreten Verdacht hätten die Ermittler "trotz dieser Vorerkenntnisse" aber erst jüngst mit der Aussage eines Kindes bekommen. Unmittelbar darauf hätten Durchsuchungen der Parzelle und der Wohnung begonnen. Der Mann ist auf freiem Fuß.

+++ 05.07.2019: Ermittler finden Datenträger auf Campingplatz in Lügde +++

Im Missbrauchsfall von Lügde haben die Ermittler bei ihren Durchsuchungen mehrere Datenträger auf der Campingplatz-Parzelle des neuen Tatverdächtigen gefunden. Bei dem 57-Jährigen seien zahlreiche Gegenstände sichergestellt worden, die als Beweismittel in Frage kommen könnten, teilten die Staatsanwaltschaft Detmold und die Polizei in Bielefeld am Freitag mit. Die Parzelle des neuen Beschuldigten war am Mittwoch und Donnerstag durchsucht worden.

Zugleich ging der Prozess um jahrelangen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen in mehreren hundert Fällen vor dem Landgericht Detmold weiter. Die zwei Angeklagten hatten die Taten am ersten Verhandlungstag vor einer Woche gestanden.

Was nun genau auf dem Campingplatz bei Detmold an der Grenze zu Niedersachsen gefunden wurde, sagten die Ermittler zunächst nicht. Der Ort sei nach Abschluss der Aktion am Donnerstagabend wieder freigegeben, hieß es. Der 57-Jährige aus Steinheim bei Höxter befinde sich nach wie vor auf freiem Fuß, die Ermittlungen gegen ihn wegen schweren sexuellen Missbrauchs dauerten an. Der Mann war durch eine Vernehmung eines minderjährigen Opfers in den Fokus der Ermittler geraten.

Ob er in Beziehung stand zu den beiden Angeklagten aus Lügde und Steinheim, sagte die Staatsanwaltschaft nicht. Auf die Frage, warum der 57-Jährige nicht in Untersuchungshaft genommen sei, hieß es bei der Behörde lediglich, mindestens eine der gesetzlich vorgeschriebenen Voraussetzungen - Haftgrund, dringender Tatverdacht, Verhältnismäßigkeit der U-Haft - liege nicht vor.

Der Bürgermeister von Lügde, Heinz Reker (parteilos), zeigte sich entsetzt über die neuen Durchsuchungen und den weiteren Beschuldigten. "Wieder so ein Fall, das macht mich sprachlos", sagte er der Deutschen Presse-Agentur. "Wir sind hier Tatort, aber nicht Täter." Missbrauch könne überall geschehen. Er befürchte, dass das ganze Ausmaß noch immer nicht absehbar sei. Die Stadt, die Bürger, jede Veranstaltung sei belastet durch den Missbrauchsfall.

Der Prozess ging am Freitag mit der Vernehmung von Opfern und Angehörigen weiter, erneut unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Nach Worten eines Anwaltes ist offen, wie und ob sich die beiden Angeklagten bei ihren Taten abgestimmt haben. "Klar ist, dass die Kinder wechselseitig missbraucht wurden, aber wir haben bislang noch nicht klar und deutlich gehört, inwieweit sie sich abgestimmt haben", sagte Opferanwalt Roman von Alvensleben in einer Verhandlungspause.

Dem 56-Jährigen aus Lügde und dem 34-Jährigen aus Steinheim wirft die Staatsanwaltschaft jahrelangen Missbrauch von Minderjährigen vor. Die jüngste der 34 Opfer soll vier Jahre alt gewesen sein. Das Verfahren gegen einen 49-Jährigen aus dem niedersächsischen Stade war abgetrennt worden. Hier will das Gericht am 17. Juli ein Urteil verkünden. Er soll an Webcam-Übertragungen teilgenommen haben und teilweise zu den Gewalttaten angestiftet haben.

+++ 05.07.2019:Opfer-Anwalt: Kinder in Lügde von Tätern abwechselnd missbraucht +++

Opfer des sexuellen Kindesmissbrauchs im Fall Lügde sollen nach Darstellung eines Anwalts abwechselnd von den beiden Hauptangeklagten missbraucht worden sein. "Klar ist, dass die Kinder wechselseitig missbraucht wurden, aber wir haben bislang noch nicht klar und deutlich gehört, inwieweit sie sich abgestimmt haben", sagte Opferanwalt Roman von Alvensleben in einer Verhandlungspause am Landgericht Detmold am Freitag. Zuvor waren unter Ausschluss der Öffentlichkeit mehrere Kinder und auch zum Teil deren Angehörige als Zeugen gehört worden. Nach Darstellung von Alvensleben hat es wohl laut den Aussagen auf dem Campingplatz eine Art Konkurrenzverhältnis der beiden Angeklagten im Umgang mit den Kindern gegeben.

Zuvor hatte das Gericht bei den Aussagen der jungen Zeugen im Alter zwischen 6 und 13 Jahren zum Teil auch die Angeklagten bei der Befragung ausgeschlossen. Die Anwälte der Nebenkläger hatten dies beantragt und mit der großen Angst ihrer Mandanten vor den Angeklagten begründet. Eine Opfer-Mutter wurde bei ihrer Aussage von einer Psychologin begleitet.

Vor Gericht stehen noch zwei Angeklagte, ein 56-Jähriger aus Lügde und ein 34-Jähriger aus Steinheim. Ihnen wirft die Staatsanwaltschaft hundertfachen sexuellen und schweren sexuellen Missbrauch von Kindern vor. Die Deutschen sollen ihre Opfer auf dem Campingplatz an der Landesgrenze von Nordrhein-Westfalen zu Niedersachsen auch wiederholt vergewaltigt haben. Das Verfahren gegen einen 49-Jährigen aus dem niedersächsischen Stade wurde abgetrennt. Hier will das Gericht am 17. Juli ein Urteil verkünden. Er soll an Webcam-Übertragungen teilgenommen haben und teilweise zu den Gewalttaten angestiftet haben.

+++ 05.07.2019:Durchsuchung in Lügde abgeschlossen - Ermittlungen gehen weiter +++

Nach dem Bekanntwerden eines neuen Beschuldigten im Missbrauchsfall Lügde gehen die Ermittlungen von Polizei und Staatsanwaltschaft weiter. Die Durchsuchung der Parzelle des 57-Jährigen auf dem Campingplatz in Lügde an der Grenze von Nordrhein-Westfalen zu Niedersachsen sei am späten Donnerstagabend abgeschlossen worden, sagte ein Sprecher der Polizei am Freitag. Weitere Details gab er zunächst nicht bekannt.

Die Durchsuchung hatten am Mittwoch begonnen. Der 57 Jahre alte Mann aus Steinheim bei Höxter war laut Polizei und Staatsanwaltschaft durch die Vernehmung eines minderjährigen Opfers in den Fokus der Ermittler geraten. Gegen ihn sei aufgrund der Zeugenaussage ein Verfahren wegen schweren sexuellen Missbrauchs eingeleitet worden.

+++ 04.07.2019:Reul: Lügde-Ermittlungen gehen weiter - Weitere Verdächtige möglich +++

Nach der Ermittlung eines neuen Beschuldigten im Fall des massenhaften Missbrauchs von Kindern auf einem Campingplatz in Lügde wird die Suche nach möglichen weiteren Verdächtigen vorangetrieben. Auch nach dem Prozessstart würden die noch erforderlichen Ermittlungen "mit Nachdruck fortgeführt", sagte Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul (CDU) am Donnerstag im Innenausschuss des Landtags in Düsseldorf. Die umfangreiche Auswertung der IT-Beweismittel dauere an.

Reul schloss nicht aus, dass noch mehr Verdächtige auftauchen könnten. Auch weitere, bisher noch nicht befragte Kinder, würden angehört. Das Wichtigste sei zunächst aber gewesen, dass der Prozess habe starten können. Die Ermittlungskommission "Eichwald" wurde nach Angaben Reuls inzwischen von rund 80 auf noch 31 Beamte reduziert.

Am Donnerstag war bekannt geworden, dass es in dem Missbrauchsfall einen neuen Beschuldigten gibt. Es handelt sich um einen 57 Jahre alten Mann aus Steinheim bei Höxter, der laut Reul wie der Hauptverdächtige ebenfalls seit Jahren eine Parzelle auf dem Campingplatz angemietet habe.

Auf die Spur war die Polizei dem Mann durch die Anhörung eines minderjährigen Kindes am Mittwoch gekommen. Dieses war laut Reul bisher noch nicht vernommen worden. "Bisher konnten noch nicht alle Kinder, die wir als Verdachtsfälle führen, angehört werden, weil sie sich noch in einem Stabilisierungsprozess befinden und medizinisch betreut werden."

Das Kind habe eigentlich nur zu Verdachtsmomenten gegen die bereits bekannten Tatverdächtigen gehört werden sollen, sagte Reul. Dann aber habe sich der Verdacht des sexuellen Missbrauchs auch dieses Kindes ergeben, und zwar "innerhalb des eigenen sozialen Umfelds". Das Kind habe Hinweise auf den 57-Jährigen aus seinem "sozialen Nahbereich" gegeben.

Insgesamt gab es nach Angaben des NRW-Innenministeriums zum Stand Mitte Mai 42 Opfer in dem Missbrauchsfall Lügde sowie sieben Verdachtsfälle.

+++ 04.07.2019:Fall Lügde: Polizei stellt bei neuem Verdächtigen Gegenstände sicher +++

Bei der Durchsuchung der Campingplatz-Parzelle eines neuen Verdächtigen im Missbrauchsfall von Lügde hat die Polizei am Donnerstag Gegenstände sichergestellt. Ermittler in weißen Schutzanzügen fotografierten auf der Parzelle und trugen in Kisten Gegenstände von dem Gelände, wie ein dpa-Reporter berichtete. Journalisten durften den Campingplatz nicht betreten. Von außen war auf der Parzelle eine Art Holzbaracke mit mehreren Anbauten zu sehen.

Die Ermittler hatten am Vormittag mitgeteilt, dass ein 57-Jähriger aus Steinheim bei Höxter als weiterer Verdächtiger in dem Verfahren geführt wird. Bereits am Mittwoch hatte die Durchsuchung der Parzelle auf dem Campingplatz in Lügde an der Grenze zu Niedersachsen begonnen. Ziel sei das Auffinden von Beweismitteln.

+++ 04.07.2019: Neuer Verdächtiger im Missbrauchsfall Lügde auf freiem Fuß +++

Der neue Verdächtige im Missbrauchsfall von Lügde ist auf freiem Fuß. Dies teilte die Polizei Bielefeld am Donnerstag auf Anfrage mit. "Er wurde weder vorläufig festgenommen, noch wurde ein Haftbefehl gegen ihn beantragt", hieß es. Die Ermittler hatten am Vormittag mitgeteilt, dass der 57-Jährige aus Steinheim bei Höxter als weiterer Beschuldigter in dem Verfahren geführt wird. Die Ermittler hatten am Mittwoch die Parzelle des Mannes auf dem Campingplatz in Lügde an der Grenze von Nordrhein-Westfalen zu Niedersachsen durchsucht. Die Durchsuchung wurde am Donnerstag fortgesetzt. Dabei werde nach Beweismitteln gesucht.

+++ 04.07.2019: Weiterer Verdächtiger im Missbrauchsfall Lügde +++

Im Missbrauchsfall von Lügde gibt es einen neuen Beschuldigten. Der 57 Jahre alte Mann aus Steinheim bei Höxter sei durch eine Vernehmung eines minderjährigen Opfers in den Fokus der Ermittlungskommission "Eichwald" geraten, teilten Polizei und Staatsanwaltschaft am Donnerstag mit. Gegen ihn sei aufgrund der Zeugenaussage ein Verfahren wegen schweren sexuellen Missbrauchs eingeleitet worden.

Die Ermittler hatten am Mittwoch die Parzelle des Mannes auf dem Campingplatz in Lügde an der Grenze von Nordrhein-Westfalen zu Niedersachsen durchsucht. Die Durchsuchung werde am Donnerstag fortgesetzt, teilten sie mit. Dabei werde nach Beweismitteln gesucht.

Der Strafprozess um den hundertfachen sexuellen Missbrauch von Kindern auf dem Campingplatz ging unterdessen am Donnerstag vor dem Landgericht Detmold weiter. Dabei sollten weitere Opfer und Angehörige vernommen werden. Zum Auftakt in der vergangenen Woche hatten alle Angeklagten Geständnisse abgelegt.

Vor Gericht stehen noch zwei Angeklagte, ein 56-Jähriger aus Lügde und ein 34-Jähriger aus Steinheim. Das Verfahren gegen einen dritten Angeklagten, einen 49-Jährigen aus dem niedersächsischen Stade, war am zweiten Verhandlungstag abgetrennt worden.

Die angeklagten Deutschen sollen ihre Opfer auf dem Campingplatz an der Landesgrenze zu Niedersachsen auch wiederholt vergewaltigt haben. Der 49-Jährige aus Stade soll an Webcam-Übertragungen teilgenommen haben und teilweise zu den Gewalttaten angestiftet haben. Bei den Ermittlungen waren mehr als 40 Opfer identifiziert worden. Angeklagt wurden die Gewalttaten gegen 34 minderjährige Opfer.

+++ 04.07.2019: Neue Durchsuchung auf Campingplatz Lügde +++

Im Missbrauchsfall Lügde hat die Polizei am Mittwoch eine weitere Parzelle auf dem Campingplatz durchsucht, die bisher nicht im Mittelpunkt der Ermittlungen stand. Einen entsprechenden Bericht des "Westfalen-Blattes" bestätigte am Donnerstag ein Sprecher der Polizei Bielefeld. Weitere Angaben machte der Sprecher nicht. Auf dem Platz steht ein älterer Wohnwagen. Möglicherweise gebe es in dem Missbrauchsfall Hinweise auf einen weiteren Tatort oder einen weiteren Tatverdächtigen, vermutet die Zeitung.

Im Strafprozess um den hundertfachen sexuellen Missbrauch von Kindern auf dem Campingplatz sollten am Donnerstag vor dem Landgericht Detmold (09.00 Uhr) weitere Opfer und Angehörige vernommen werden. Zum Auftakt in der vergangenen Woche hatten alle Angeklagten Geständnisse abgelegt. Vor Gericht stehen noch zwei Angeklagte, ein 56-Jähriger aus Lügde und ein 34-Jähriger aus Steinheim. Das Verfahren gegen einen dritten Angeklagten war abgetrennt worden.

+++ 28.06.2019: Verfahren gegen einen Angeklagten im Lügde-Prozess wird abgetrennt +++

Im Prozess um den hundertfachen sexuellen Missbrauch von Kindern auf einem Campingplatz im nordrhein-westfälischen Lügde wird das Verfahren gegen einen der drei Angeklagten abgetrennt. Das entschied die Vorsitzende Richterin Anke Grudda am Freitag, dem zweiten Tag der Verhandlung vor dem Landgericht Detmold.

Dort hatte das Verfahren gegen drei Angeklagte am Donnerstag mit Geständnissen begonnen. Abgetrennt wird nun das Strafverfahren gegen den 49-jährigen Heiko V. aus Stade in Niedersachsen. Er soll sich in Webcam-Übertragungen angesehen haben, wie Minderjährigen schwere Gewalt angetan wurde, teilweise soll er dazu angestiftet haben.

Der Prozess wird damit gegen die beiden 56-jährigen Andreas V. und den 34-jährigen Mario S. fortgesetzt. Die Anklage wirft ihnen hundertfachen sexuellen und schweren sexuellen Missbrauch von Kindern auf dem Campingplatz an der Landesgrenze zu Niedersachsen und in einem Haus in Steinheim vor.

+++ 28.06.2019: Erstes Missbrauchsopfer sagt als Zeugin im Lügde-Prozess aus +++

Im Prozess um den hundertfachen sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen in Lügde bei Detmold ist ein mutmaßliches Opfer als erste Zeugin angehört worden. Auf Antrag der Anwältin, die die junge Frau vertritt, wurde die Öffentlichkeit dafür am Freitag vorübergehend ausgeschlossen.

Auf ausdrücklichen Wunsch der Zeugin sollten die drei Angeklagten, die am Donnerstag allesamt gestanden hatten, während ihrer Befragung im Saal des Detmolder Landgerichts bleiben. Der Verteidiger des Hauptangeklagten Andreas V. (56) beantragte, sein Mandant wolle während der Aussagen nicht im Raum sein. "Das soll er sich ruhig anhören", sagte die Vorsitzende Richterin Anke Grudda. Andreas V. und Mario S. (34) wird jahrelanger sexueller Missbrauch von 34 minderjährigen Opfern vorgeworfen.

Am Freitag waren vier Zeugen geladen - darunter die junge Erwachsene, die laut Gerichtssprecherin zum Zeitpunkt der Übergriffe im Jugendlichenalter gewesen sein soll, sowie eine heute Zehnjährige, die ihrem Anwalt zufolge von Andreas V. im Alter von neun Jahren missbraucht worden sei.

Grundsätzlich sollen die Betroffenen dem Gericht zufolge möglichst nicht mehr mit den Taten konfrontiert werden. Es gehe vor allem darum, sich ein Bild zu verschaffen, wie es ihnen heute geht. Am zweiten Verhandlungstag sollten zudem die Mutter des zehnjährigen Opfers und eine Bekannte der zuerst befragten Betroffenen als Zeuginnen gehört werden.

+++ 27.06.2019: Missbrauchsprozess Lügde: Erste Opfer sollen aussagen+++

Im Prozess um den hundertfachen sexuellen Missbrauch von Kindern auf einem Campingplatz bei Lügde sollen am Freitag (12.00 Uhr) Kinder als Zeugen aussagen. Nachdem am Donnerstag zum Auftakt vor dem Landgericht in Detmold alle Angeklagten Geständnisse abgelegt hatten, sollen die Opfer nach Aussage ihrer Anwälte aber nicht zu den Taten befragt werden. Es gehe mehr darum, dass das Gericht sich ein Bild machen wolle, wie es ihnen heute gehe.

Vor Gericht stehen zwei Hauptangeklagte, ein 56-Jähriger aus Lügde und ein 34-Jähriger aus Steinheim. Ihnen wirft die Staatsanwaltschaft hundertfachen sexuellen und schweren sexuellen Missbrauch von Kindern vor. Die Deutschen sollen ihre Opfer auf dem Campingplatz an der Landesgrenze zu Niedersachsen auch wiederholt vergewaltigt haben. Ein 49-Jähriger aus dem niedersächsischen Stade soll an Webcam-Übertragungen teilgenommen haben und teilweise zu den Gewalttaten angestiftet haben.

Der unabhängige Beauftragte für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs, Johannes-Wilhelm Rörig, sagte der Deutschen Presse-Agentur: "Die Kinder und ihre Familien haben Schreckliches durchgemacht. Sie brauchen unser Mitgefühl und unseren Schutz." Und: "Ich hoffe sehr, dass es für die vielen betroffenen Familien vor Ort genug Unterstützungsangebote durch Fachberatungsstellen und spezialisierte Therapeuten gibt." Leider fehle es außerhalb der Großstädte an einer ausreichenden Versorgung. "Hier ist in den letzten Jahren zugunsten der schwarzen Null an falscher Stelle gespart worden."

Die NRW-Landesregierung müsse jetzt die richtigen Konsequenzen ziehen, verlangte Rörig. "Der Missbrauchsfall Lügde hat gezeigt, dass das Bekanntwerden von sexuellem Missbrauch für zahlreiche Beteiligte vor allem eine ungeheure Überforderung ist. Bürgermeister, Jugendämter, Polizei, Staatsanwaltschaften und auch Ministerien sind darauf bis heute nicht gut vorbereitet." Der Experte kritisierte: "Missbrauch wird auch im Jahr 2019 von vielen Verantwortlichen noch immer nicht als tägliches Risiko im eigenen Zuständigkeitsbereich realisiert."

Alle Bundesländer seien herausgefordert, Defizite im Kinderschutz zu analysieren und eine bessere Zusammenarbeit aller Akteure zu schaffen. "Damit allen Kindern und Jugendlichen wenigstens künftig überall bester Schutz und beste Hilfe geboten werden." Jede Landesregierung solle einen Missbrauchsbeauftragten einsetzen, in einigen Ländern werde darüber bereits konstruktiv nachgedacht.

+++ 27.06.2019: Im Lügde-Missbrauchsprozess legen alle Angeklagten Geständnisse ab +++

Im Prozess um hundertfachen Missbrauch von Kindern auf einem Campingplatz im nordrhein-westfälischen Lügde haben alle drei Angeklagten am ersten Verhandlungstag überraschend Geständnisse abgelegt. Andreas V. (56) und Mario S. (34) - die beiden Hauptangeklagten - räumten die angeklagten Taten am Donnerstag vor dem Detmolder Landgericht über ihre Verteidiger weitestgehend ein. Bei den Ermittlungen waren mehr als 40 Opfer identifiziert worden, angeklagt sind sexuelle Gewalttaten gegen 34 minderjährige Opfer.

Auch der dritte Angeklagte Heiko V. (49) räumte über seinen Verteidiger die Vorwürfe wenig später ein. Das schilderten Nebenklägeranwälte - die Öffentlichkeit war von der Verlesung der Erklärung ausgeschlossen.

Zu Beginn des Strafverfahrens betonte die Vorsitzende Richterin Anke Grudda: "Die Anschuldigungen lassen niemanden unberührt." Sie fügte hinzu: "Das macht alles fassungslos." Das Gericht werde aber unvoreingenommen und unparteiisch arbeiten.

Bei der Verlesung der zwei Anklageschriften mussten Zuschauer und Medienvertreter am Morgen den Saal verlassen. Grudda begründete das mit dem schutzwürdigen Interessen der Opfer. Deren Namen seien in den Anklagen genannt. Ebenso würden die vorgeworfenen Missbrauchstaten im Detail aufgeführt, die gegen die Kinder und Jugendlichen verübt worden sein sollen.

Am Prozess gegen Andreas V. aus Lügde, Mario S. aus Steinheim (NRW) und Heiko V. aus Stade (Niedersachsen) nahmen auch 18 Anwälte teil, die 28 Opfer als Nebenkläger vertreten. Opferanwalt Christian Thüner sagte kurz vor Behandlungsbeginn, er hoffe auf Geständnisse. So könnten den Opfern Zeugenaussagen wohl erspart bleiben.

Die Taten sollen sich vor allem auf einem Campingplatz in Lügde an der Grenze zu Niedersachsen ereignet haben. Andreas V. werden fast 300 Straftaten vorgeworfen. Er soll im Sommer 1998 und von 2008 bis 2018 insgesamt 23 Mädchen teilweise schwere sexuelle Gewalt angetan haben. Bei ihm fanden sich fast 900 Bild- und Videodateien, die sexuelle Übergriffe auf Minderjährige zeigen.

Der 34-jährige Mario S. ist angeklagt, in rund 160 Fällen acht Mädchen und neun Jungen missbraucht zu haben. Der Mann soll die Gewalttaten über einen Zeitraum von 20 Jahren ab 1999 auf dem Campingplatz und in seiner Wohnung verübt haben. Bei ihm wurden rund 4800 Bild- und Videodateien mit kinder- und jugendpornografischem Material sichergestellt.

Den Vorwürfen zufolge hatten beide Männer manche Gewalttaten gefilmt. Einige Kinder wurden Opfer sowohl von Andreas V. als auch auch von Mario S. Alle Opfer waren minderjährig, die jüngsten sollen erst vier Jahre alt gewesen sein.

Beide Hauptangeklagten sollen auch vergewaltigt haben. Heiko V. soll nicht selbst Gewalt ausgeübt haben, sondern an mehreren Webcam-Übertragungen teilgenommen und teils zu den Taten angestiftet haben.

Die beiden Hauptangeklagten räumten die Vorwürfe aus der Anklage weitestgehend ein, allerdings bestritten sie rund ein Dutzend Fälle. Zum Teil gaben sie an, sich an diese Taten nicht erinnern zu können. Bei anderen Fällen sahen sie Verwechselungen der Opfer mit dem jeweils anderen Angeklagten. In einem Fall gab Mario S. an, als 13-Jähriger zum Tatzeitpunkt nach einem Umzug nicht mehr am vermeintlichen Tatort gewohnt zu haben.

Der Prozess wird am Freitag fortgesetzt. Das Gericht will einige Opfer als Zeugen befragen. Nach Auskunft ihrer Anwälte soll es dabei aber nach den Geständnissen nicht mehr um die konkreten Taten gehen.

+++ 27.06.2019: Anklage Lügde: Landgericht schließt Öffentlichkeit aus +++

Kurz nach dem Prozessbeginn und noch vor Verlesung der Anklage im Missbrauchsfall Lügde hat das Landgericht Detmold die Öffentlichkeit ausgeschlossen. Die Vorsitzende Richterin Anke Grudda sagte, schutzwürdige Interessen der Opfer würden sonst erheblich verletzt. Deren Namen seien in den Anklageschriften genannt. Ebenso seien die vorgeworfenen Missbrauchstaten im Detail aufgeführt, die gegen die Kinder und Jugendlichen über viele Jahre hinweg verübt worden sein sollen. Auch Medienvertreter mussten den Saal verlassen, nachdem die Kammer über den Ausschluss beraten hatte. Diesen hatten alle 18 Opferanwälte beantragt.

Angeklagt sind zwei Männer, die viele Jahre lang Jungen und Mädchen in mehreren hundert Fällen teilweise schwer sexuell missbraucht haben sollen. Ebenfalls angeklagt ist ein Mann, der dabei via Webcam-Übertragung einige Male zugesehen haben soll.

+++ 26.06.2019: Landgericht lässt 28 Opfer als Nebenkläger im Lügde-Prozess zu +++

Kurz vor Prozessbeginn im Missbrauchsfall Lügde hat das Landgericht Detmold ein weiteres Opfer als Nebenkläger zugelassen. Am Donnerstag werden 28 Nebenkläger von 18 Rechtsanwälten vertreten, wie eine Gerichtssprecherin am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur auf Anfrage bestätigte. Auf einem Campingplatz in Lügde an der Landesgrenze zu Niedersachsen sollen über viele Jahre hinweg mehr als 40 Jungen und Mädchen schwer sexuell missbraucht und manche von ihnen dabei gefilmt worden sein. Drei Männer sind vor dem Landgericht angeklagt.

Einem 56-Jährigen wirft die Staatsanwaltschaft vor, 23 Mädchen in 298 Fällen missbraucht zu haben. Der Mann soll sich wegen sexueller Gewalt gegen die Kinder und wegen des Besitzes kinderpornografischer Bilder und Videos verantworten. Einem 34 Jahre alten Beschuldigten werden in der Anklage 162 Missbrauchstaten vorgeworfen. Er soll acht Mädchen und neun Jungen sexuell misshandelt haben, manche von ihnen schwer. Ein dritter Angeklagter (49) soll an Webcam-Übertragungen teilgenommen und teils zum Missbrauch aufgefordert haben.

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