15.05.2019, 16.04 Uhr

Missbrauch in Lügde (NRW) im News-Ticker: Anklage erhoben! Sexueller Kindesmissbrauch durch Minderjährige enthüllt

Auf einem Campingplatz in Lüdge (NRW) wurden mindestens 34 Kinder jahrelang missbraucht.

Auf einem Campingplatz in Lüdge (NRW) wurden mindestens 34 Kinder jahrelang missbraucht. Bild: Friso Gentsch/dpa

Es waren nicht nur die vermüllte Behausung auf dem Campingplatz und der große Altersunterschied: Trotz mehrfacher Hinweise auf Pädophilie hat das Jugendamt von Hameln (Niedersachsen) einen heute 56-Jährigen als Pflegevater für ein kleines Mädchen eingesetzt. Der Mann gilt als Hauptverdächtiger im Fall von tausendfachem Kindesmissbrauch mit mindestens 34 Opfern in Lügde (Nordrhein-Westfalen).

Vergewaltigung auf Campingplatz in Lügde NRW News-Ticker aktuell

  • mindestens 34 Kinder über Jahre hinweg missbraucht
  • Minderjährige zum Missbrauch von Kindern gezwungen
  • Jugendamt erhielt früh Hinweise auf Pädophilie
  • Polizei lässt Kinderpornografie verschwinden

+++ 15.05.2019:Lügde-Beschuldigter informierte Schule selber über Ermittlungen +++

 

Im Fall des massenhaften Kindesmissbrauchs von Lügde hat der beschuldigte Dauercamper die Schule seines Pflegekindes selbst über die Ermittlungen gegen ihn informiert. Aus einem am Mittwoch veröffentlichten Bericht des nordrhein-westfälischen Schulministeriums an den NRW-Landtag geht hervor, dass der Mann die Klassenlehrerin des Kindes im November 2018 angerufen hat. Er habe sie darüber informiert, dass das Mädchen in einer anderen Familie sei und dass gegen ihn ermittelt werde.

Gerüchte über den Umzug des Mädchens waren der Grundschulleitung demnach schon Tage zuvor zu Ohren gekommen. "Aus datenschutzrechtlichen Gründen konnte die Schulleitung durch das Kreisjugendamt darüber keine offizielle Bestätigung erhalten."

Auf dem Campingplatz in Lügde im Kreis Lippe soll der 56-jährige arbeitslose Dauercamper mit einem Komplizen über Jahre hinweg mehr als 40 Kinder missbraucht und dabei gefilmt haben. Der 56-Jährige soll sein Pflegekind eingesetzt haben, um andere Kinder anzulocken. Das Mädchen war seit Mitte 2016 in seiner Behausung untergebracht. 2017 war ihm die Pflegschaft übertragen worden - trotz mehrfacher Hinweise auf Pädophilie. Im November 2018 wurde das Mädchen vom Jugendamt Lippe in Obhut genommen.

Mitte Dezember 2018 habe das NRW-Schulministerium eine Krisenmeldung der Bezirksregierung erhalten, hieß es weiter. Darin habe die zuständige Dezernentin über schulische Krisenmaßnahmen vor Ort berichtet - etwa die Schaffung von Anlaufstellen für betroffene Kinder und Eltern. Der Fall habe sich bis Paderborn ausgeweitet. Ende Februar seien dort Ermittlungsbeamte in einer Schule erschienen, um einen Schüler zur Vernehmung abzuholen. Mit Unterstützung einer Schulpsychologin und der Polizei sei am 1. Februar ein gemeinsamer Elternbrief an allen öffentlichen Schulen in Lügde verteilt worden. Eine Telefonhotline sei geschaltet und ein Beratungsangebot vor Ort eingerichtet worden.

+++ 14.05.2019: Aufarbeitung von Lügde kommt voran - Erste Anklagen vorgelegt +++

Nach monatelangen Ermittlungen kommt die Aufarbeitung des massenhaften Kindesmissbrauchs in Lügde in Nordrhein-Westfalen voran. Gegen zwei der drei Beschuldigten, einen 56 Jahre alten Dauercamper und einen 49-Jährigen Mann, hat die Staatsanwaltschaft Detmold die Anklageschriften vorgelegt. Das bestätigte das Landgericht Detmold am Dienstag. Die Anklage gegen den dritten Beschuldigten, einen 34 Jahre alten Mann, werde "in Kürze" folgen, sagte ein Sprecher der Anklagebehörde.

Dem beschuldigten 56-jährigen Dauercamper wird schwerer sexueller Missbrauch vorgeworfen. Das Strafmaß liegt bei zwei bis maximal 15 Jahren. Eine Strafe oberhalb von zehn Jahren Haft sei denkbar, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft. Über die Anklageerhebung hatten NDR, WDR und "Süddeutsche Zeitung" zuerst berichtet.

Das Landgericht Detmold werde den Beschuldigten die Anklagen zuleiten und um Stellungnahme bitten, sagte ein Gerichtssprecher. Danach werde die rund 70-seitige Anklage mit dazugehörigen Haupt- und Fallakten geprüft. Dies werde einige Wochen dauern. Das Material sei umfangreich. Anschließend entscheidet das Gericht, ob die Anklage zur Hauptverhandlung zugelassen wird.

Der 56-Jährige, gegen den jetzt die Anklage vorliegt, gilt laut Staatsanwaltschaft zusammen mit dem 34-Jährigen als Hauptbeschuldigter. Beide sollen über viele Jahre hinweg auf dem Campingplatz an der Grenze zu Niedersachsen mehr als 40 Kinder missbraucht und dabei gefilmt haben. Die beiden Männer und der 49-Jährige sitzen seit Monaten in Untersuchungshaft. Der 49-Jährige aus Stade in Niedersachsen soll Material bestellt und per Videoübertragung den Missbrauch beobachtet haben.

Auf dem Campingplatz sollen minderjährige Opfer auch gezwungen worden sein, an anderen Kindern sexuelle Handlungen vorzunehmen. Das sagte der Bielefelder Opferanwalt Peter Wüller der Deutschen Presse-Agentur. Es sei nach Aussagen vieler Opfer zu Vergewaltigungen gekommen. Kinder hätten zudem an sich selbst und anderen Minderjährigen sexuelle Handlungen vornehmen oder beim Missbrauch zusehen müssen. Das "Westfalen-Blatt" hatte zuvor unter Berufung auf Ermittlungsakten und einen Abschlussbericht der Ermittlungskommission entsprechend berichtet.

Gegen weitere fünf Personen wird wegen des Verdachts des sexuellen Missbrauchs, des Besitzes von kinderpornografischem Material oder des Verdachts der Strafvereitelung im Amt ermittelt. Der Fall Lügde hatte sich auch zu einem Justizskandal ausgeweitet. Unter anderem war bei der Kreispolizei Lippe in Detmold ein Teil des Beweismaterials verschwunden. Einem Mitarbeiter des Jugendamtes im niedersächsischen Landkreis Hameln-Pyrmont wurde vorgeworfen, Akten manipuliert zu haben.

+++ 13.05.2019: Neue Details im Fall "Lügde": Minderjährige wurden zum Missbrauch von Kindern gezwungen +++

Im Fall des massenhaften Missbrauchs in Lügde sollen minderjährige Opfer gezwungen worden sein, an anderen Kindern sexuelle Handlungen vorzunehmen. Das berichtete das "Westfalen-Blatt" unter Berufung auf Ermittlungsakten und einen Abschlussbericht, den die Ermittlungskommission an die Staatsanwaltschaft Detmold übergeben habe. Der in der Zeitung zitierte Bielefelder Opferanwalt Peter Wüller sagte der Deutschen Presse-Agentur (dpa) am Montag, es solle nach Aussagen vieler Opfer zu Vergewaltigungen gekommen sein. Kinder hätten zudem an sich selbst und anderen Minderjährigen sexuelle Handlungen vornehmen oder beim Missbrauch zusehen müssen.

Die ermittelnde Polizei in Bielefeld und die Detmolder Staatsanwaltschaft äußerten sich nicht zum Bericht des "Westfalen-Blatt". Danach wird dem Hauptbeschuldigten - einem 56-jährigen Dauercamper - sexueller Missbrauch von 28 Kindern vorgeworfen, seinem Komplizen (33) der Missbrauch von 18 minderjährigen Opfern. Solange die Ermittlungen andauerten, werde man zu Ergebnissen oder Vorwürfen im Detail keine Angaben machen und Medienberichte weder dementieren noch bestätigen, sagte Oberstaatsanwalt Ralf Vetter der dpa. Auch die Polizei in Bielefeld erteilte keine Auskünfte.

Wüller schilderte, er habe die umfangreiche Hauptakte gelesen sowie die Fallakten, die die vier Opfer betreffen, die er vertrete. Daraus gehe hervor, dass die jüngsten Opfer im Kindergartenalter gewesen seien. Den Mädchen und Jungen sei unfassbares Leid zugefügt worden. Es soll zu brutalen Vergewaltigungen gekommen sein, sagte Wüller. Bei so vielen Opfern und mutmaßlichen Taten in derart gewaltigem Umfang sei mit hohen Freiheitsstrafen zu rechnen. Nach ursprünglicher Planung soll ein Prozess im Juni beginnen.

Laut einem Bericht vom Montagabend wurde gegen den 56 Jahre alten Dauercamper und einen 49-Jährigen aus Niedersachsen inzwischen Anklage am Landgericht Detmold erhoben. Das habe das Gericht bestätigt, berichteten NDR, WDR und "Süddeutsche Zeitung". Das Gericht und die Staatsanwaltschaft Detmold waren dazu am Abend nicht zu erreichen.

Den 56 und 33 Jahre alten Beschuldigten wird vorgeworfen, über viele Jahre hinweg auf einem Campingplatz in Lügde (Nordrhein-Westfalen) mehr als 40 Kinder missbraucht und dabei gefilmt zu haben. Die beiden Männer und der 49-Jährige sitzen seit Monaten in Untersuchungshaft. Gegen weitere fünf Personen wird ermittelt wegen des Verdachts des sexuellen Missbrauchs, des Besitzes von kinderpornografischem Material oder Strafvereitelung im Amt.

+++ 13.05.2019: Bericht: Anklage gegen zwei Beschuldigte im Fall Lügde erhoben +++

Im Fall des massenhaften Kindesmissbrauchs im nordrhein-westfälischen Lügde ist einem Bericht zufolge Anklage gegen zwei Beschuldigte erhoben worden. Das habe das Landgericht Detmold bestätigt, berichteten NDR, WDR und "Süddeutsche Zeitung". Das Landgericht und die Staatsanwaltschaft Detmold waren dazu am Abend zunächst nicht zu erreichen.

Das Gericht werde den Beschuldigten, einem 56 Jahre alten Dauercamper und einem 49-Jährigen, die Anklagen nun zuleiten und um Stellungnahme bitten, hieß es unter Berufung auf einen Gerichtssprecher. Danach werde entschieden, ob die Anklage zur Hauptverhandlung zugelassen wird.

Im Fall Lügde werden ein 56-Jähriger und ein 33-Jähriger beschuldigt, über viele Jahre hinweg auf einem Campingplatz in Lügde an der Grenze zu Niedersachsen mehr als 40 Kinder missbraucht und dabei gefilmt zu haben. Der 56-Jährige, der 33-Jährige sowie der 49-Jährige sitzen seit Monaten in Untersuchungshaft. Gegen weitere fünf Personen wird wegen des Verdachts des sexuellen Missbrauchs, des Besitzes von kinderpornografischem Material oder Strafvereitelung im Amt ermittelt.

+++ 10.05.2019: Fall Lügde: Hauptbeschuldigter macht erstmals Angaben +++

Im Fall des massenhaften sexuellen Missbrauchs von Kindern auf einem Campingplatz in Lügde hat der Hauptverdächtige erstmals Angaben gegenüber den Ermittlern gemacht. Der Verteidiger des Hauptbeschuldigten habe "eine Einlassung eingereicht", die allerdings "nicht die eigene Tatbeteiligung betrifft", teilten die Polizei Bielefeld und die Staatsanwaltschaft Detmold auf dpa-Anfrage am Freitag mit. Darüber hinaus habe der 56-Jährige "keine Angaben zur Sache gemacht". Mit Blick auf die laufenden Ermittlungen gaben die Behörden keine konkreteren Auskünfte.

Die "Neue Westfälische" zitierte den Verteidiger des 56-Jährigen, sein Mandant sei bereit, "die Taten schnell aufzuklären". Von ihm sei auch der Hinweis auf den 21-Jährigen gekommen, gegen den seit Kurzem wegen des Verdachts des sexuellen Missbrauchs ebenfalls Ermittlungen aufgenommen wurden. Gegenüber der Deutschen Presse-Agentur wollte sich der Verteidiger nicht äußern.

Dem 56-jährigen Dauercamper und einem Komplizen (33) wird vorgeworfen, mehr als 40 Kinder über Jahre hinweg missbraucht und dabei gefilmt zu haben. Die beiden Männer und ein inzwischen 49-Jähriger aus Stade (Niedersachsen) sitzen in Untersuchungshaft. Zudem wird gegen weitere fünf Beschuldigte wegen des Verdachts des sexuellen Missbrauchs, des Besitzes von kinderpornografischem Material oder Strafvereitelung ermittelt.

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