02.01.2019, 14.38 Uhr

Amokfahrt in Bottrop und Essen: Bundesregierung verurteilt Attacken auf Ausländer

Die Ermittler vermuten hinter der Amok-Fahrt von Bottrop einen gezielten fremdenfeindlichen Anschlag.

Die Ermittler vermuten hinter der Amok-Fahrt von Bottrop einen gezielten fremdenfeindlichen Anschlag. Bild: dpa

Aus Fremdenhass ist ein Autofahrer in der Silvesternacht im Ruhrgebiet mehrmals gezielt in Menschengruppen gefahren und hat acht Personen verletzt. "Es gab die klare Absicht von diesem Mann, Ausländer zu töten", sagte NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) nach den ersten Vernehmungen. Der später Festgenommene habe das Auto in Bottrop und Essen bewusst in Menschengruppen gesteuert, die überwiegend aus Ausländern bestanden. Unter den Verletzten sind Syrer und Afghanen. Staatsanwaltschaft und Polizei sprachen von einem "gezielten Anschlag".

Fremdenfeindlicher Angriff in Bottrop: Mann (50) rast in Personengruppe

Die schlimmsten Folgen hatte die Tat in Bottrop, wo der 50-Jährige kurz nach Mitternacht auf dem zentralen Berliner Platz in die Menge fuhr, die gerade mit Böllern und Raketen das neue Jahr begrüßte. Vier Menschen wurden dort verletzt, darunter ein Kind. Eine 46-Jährige schwebte zeitweise in Lebensgefahr. Einen weiteren Verletzten gab es später in Essen. Zwei andere Versuche des Mannes, in Bottrop und Essen Passanten anzufahren, schlugen fehl. Hier kamen die Menschen mit dem Schrecken davon.

Der mutmaßliche Täter stamme aus Essen und sei bei der Polizei bislang nicht in Erscheinung getreten, hieß es. Die Ermittler haben nach eigenen Angaben "erste Informationen über eine psychische Erkrankung des Fahrers".

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+++ 02.01.2019, 13.02 Uhr:Bundesregierung verurteilt Attacken in Amberg und Bottrop +++

 

Die Bundesregierung hat die Prügelangriffe von Asylsuchenden in Amberg sowie die Auto-Attacken eines Deutschen aus Fremdenhass im Ruhrgebiet scharf verurteilt. Die Bundesregierung habe beide Taten "mit Bestürzung zur Kenntnis genommen", sagte die stellvertretende Regierungssprecherin Martina Fietz am Mittwoch in Berlin. Es gebe in Deutschland keinen Platz für Extremismus und Intoleranz, egal von welcher Seite ein solches Verhalten komme.

Fietz argumentierte angesichts einer Diskussion darüber, wie diese Vorgänge zu bewerten seien, es sei "wenig sinnvoll", auf Begrifflichkeiten einzugehen und semantische Debatten zu führen. Jede Art der Gewalt sei zu verurteilen, sagte Fietz. Auf einen Vergleich mit den Vorgängen in Chemnitz wollte sie sich nicht einlassen.

Nach Darstellung eines Sprechers des Innenministeriums will Ressortchef Horst Seehofer (CSU) die von ihm angekündigten Gesetzesänderungen unter anderem zur Verbesserung der Abschiebung von straffälligen Asylbewerbern in den nächsten Wochen vorlegen. Ob die Attacken eines Deutschen in Bottrop gesetzliche Änderungen erforderlich machten, sei nicht abzusehen.

Der Sprecher wollte die Tat in Bottrop nicht als Terrorakt bezeichnen. Es handle sich um die kriminelle Tat eines Einzelnen, deren Hintergrund die Ermittlungsbehörden noch weiter aufklären müssten.

+++ 02.01.2019, 11.09 Uhr: Klöckner warnt nach Gewalttaten vor pauschalen Verurteilungen +++

 

Nach den Gewalttaten von Amberg und Bottrop hat CDU-Bundesvize Julia Klöckner zu Besonnenheit aufgerufen und vor pauschalen Verurteilungen gewarnt. "Das eine sind Aggressionen gegen Ausländer, das andere sind Aggressionen von Asylbewerbern", sagte die rheinland-pfälzische CDU-Landeschefin am Mittwoch dem Radioprogramm SWR Aktuell. "Man muss, glaube ich, Acht geben, dass man selbst nicht in eine Pauschal-Verurteilung kommt, sondern immer wieder differenziert vorgeht." Jeder müsse zur Rechenschaft gezogen werden - gleich, woher er komme und warum er das tue.

Im bayerischen Amberg hatten am Samstagabend vier alkoholisierte Teenager wahllos Passanten geschlagen. Zwölf Menschen wurden verletzt, die meisten leicht. Bei den Tatverdächtigen handelt es sich nach Polizeiangaben um Asylsuchende aus Afghanistan, Syrien und dem Iran. In Bottrop und Essen im Ruhrgebiet hatte ein 50-Jähriger in der Silvesternacht sein Auto in Menschengruppen gesteuert und acht Menschen verletzt. In dem Fall gehen die Ermittler davon aus, dass der Mann aus Fremdenhass handelte.

Im Umgang damit müsse man aufpassen, "dass man nicht sofort mit einer Keule kommt", sagte Klöckner. Man dürfe nicht jedem gleich vorwerfen, Stimmung gegen Ausländer, Inländer oder sonst jemanden zu machen. "Man muss die Tat als solche begutachten und auch beurteilen."

+++ 02.01.2019, 08.55 Uhr:Nach Anschlag mit Auto: Zahl der Verletzten hat sich erhöht +++

Nach einem Anschlag mit einem Auto im Ruhrgebiet ist Haftbefehl wegen mehrfachen versuchten Mordes gegen einen 50-jährigen Mann aus Essen erlassen worden. Das haben Polizei und Staatsanwaltschaft am Mittwoch mitgeteilt. Zudem habe sich die Zahl der Verletzten auf nun mehr acht erhöht.

 

Die Sicherheitsbehörden haben derzeit keine Hinweise darauf, dass der Autofahrer Kontakte in die rechtsextreme Szene hat. Bislang habe die Polizei keinen Ansatzpunkt gefunden, «dass dieser Mann irgendwelche Verbindungen hat oder dass er selber in irgendwelchen rechtsradikalen Kreisen sich bewegt», sagte Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul (CDU) am Mittwoch dem Sender WDR5. Es scheine, dass der mutmaßliche Täter «aus einer persönlichen Betroffenheit und Unmut heraus dann Hass auf Fremde entwickelt hat». Allerdings bräuchten die polizeilichen Ermittlungen noch Zeit.

+++ 02.01.2019:"Es gab die klare Absicht von diesem Mann, Ausländer zu töten"+++

Im Internet kursieren zahlreiche Videos der Amokfahrt. Die Echtheit der Videos ist jedoch unklar. Das für die Einsatzführung zuständige Polizeipräsidium in Münster bat am Dienstag-Abend via Twitter darum, Bilder und Videos von den Ereignissen nicht im Internet zu verbreiten. Alle Aufnahmen sollten stattdessen auf ein spezielles Portal vom Bundeskriminalamt hochgeladen werden. Außerdem wurden Zeugen gebeten, sich unter der Hotline 0800/3040303 zu melden. Die Ermittler halten sich zum Tatablauf bislang bedeckt, dieser müsse erst mit Hilfe von Zeugenaussagen rekonstruiert werden.

NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) sagte nach den ersten Vernehmungen des Festgenommenen: "Es gab die klare Absicht von diesem Mann, Ausländer zu töten." Der Mann habe das Auto in Bottrop und Essen bewusst in Menschengruppen gesteuert, die überwiegend aus Ausländern bestanden. Unter den Verletzten sind Syrer und Afghanen. Staatsanwaltschaft und Polizei sprachen von einem "gezielten Anschlag".

Nach "Spiegel"-Informationen soll der 50-Jährige in seiner Vernehmung gesagt haben, die vielen Ausländer seien ein Problem für Deutschland, das er lösen wolle. Demnach soll er nach ersten Erkenntnissen der Ermittler eine schizophrene Erkrankung haben. Der Mann sei in der Vergangenheit mindestens einmal in eine geschlossene Einrichtung eingewiesen werden, berichtete das Nachrichtenmagazin.

+++ 01.01.2019: 50-Jähriger steuert Auto in der Silvesternacht in Fußgängergruppe +++

Die Polizei hält sich mit Aussagen zum genauen Tatablauf zunächst zurück. Ein erster Zeuge wurde nach Darstellung der Behörden kurz vor Mitternacht auf einer Zufahrtsstraße zur Bottroper Innenstadt auf den silbernen Wagen des 50-Jährigen aufmerksam. Plötzlich habe das Auto auf den Fußgänger zugehalten. Doch der Passant konnte sich retten.

Der Mann fuhr weiter in Richtung Stadtzentrum. Als er dort ankam, war das Jahr 2019 erst wenige Minuten alt. Die Menschen auf dem Berliner Platz hätten ausgelassen gefeiert, berichtete ein Augenzeuge am Tag danach. Dann zeigt der Mann ein Video: Zu sehen ist das Auto, das in die Menge fährt. Es rollt vergleichsweise langsam, dadurch können sich noch relativ viele Menschen in Sicherheit bringen.

Mindestens 4 Verletzte nach Amok-Fahrt in Bottrop und Essen

Die Ermittler wollen sich zu solchen Details noch nicht äußern und betonen, der genaue Ablauf müsse mithilfe von Zeugenaussagen erst rekonstruiert werden. Doch klar ist: Mindestens vier Menschen wurden verletzt, eine 46-Jährige lebensgefährlich. "Da ist jemand bewusst mit Tötungsabsicht in Menschen reingefahren", sagte Reul.

Anschließend sei der 50-Jährige nach Süden in seine Heimatstadt Essen geflüchtet. Dort habe er noch zweimal versucht, gezielt in Menschengruppen zu fahren. In einem Fall wurde eine Person leicht verletzt. Im anderen Fall passierte wie durch ein Wunder nichts. "Er ist dort so auffällig gefahren, dass offensichtlich die Leute das geahnt haben und sich rechtzeitig in Sicherheit bringen konnten", sagte Innenminister Reul. Kurze Zeit später nahm die Polizei den Mann fest. Schon dabei habe er sich fremdenfeindlich geäußert.

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Amok-Fahrt zu Silvester auch in Tokio: Mann rast in Einkaufszone

Auch in der japanischen Millionenmetropole Tokio rammte ein Autofahrer in der Silvesternacht Medienberichten zufolge Fußgänger in einer belebten Einkaufszone. Mindestens neun Menschen wurden dabei verletzt. Der Fahrer sei festgenommen worden und habe der Polizei gesagt, dass er einen Terroranschlag verüben wollte, meldete die japanische Nachrichtenagentur Kyodo. Nach Angaben von Kyodo hielten die Behörden einige Aussagen und Handlungen des Mannes allerdings für fragwürdig. Sie prüften daher, ob er wegen seines Geisteszustandes schuldfähig ist.

Amok-Fahrt von Bottrop weckt Erinnerungen an Drama von Münster

Der Fall in Bottrop weckt auch Erinnerungen an die Amokfahrt in der Innenstadt von Münster im vergangenen April. Ein Mann raste damals an einem sonnigen Frühlingstag mit einem Kleintransporter auf einen belebten Platz. Es gab vier Tote, mehr als 20 Menschen wurden verletzt. Anschließend erschoss sich der Täter in dem Wagen selbst. Der 48 Jahre alte Amokfahrer war laut Polizei ein psychisch labiler Deutscher, der den Tod suchte. Einen terroristischen Hintergrund gab es den Ermittlungen zufolge in Münster nicht.

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loc/news.de/dpa
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