13.09.2018, 20.07 Uhr

Schießerei in Berlin-Neukölln: Riesiger Trauerzug für erschossenes Clan-Mitglied

Zahlreiche Trauergäste kommen zur Beerdigung von Nidal R. auf dem Neuen Zwölf-Apostel-Kirchhof in Schöneberg.

Zahlreiche Trauergäste kommen zur Beerdigung von Nidal R. auf dem Neuen Zwölf-Apostel-Kirchhof in Schöneberg. Bild: Paul Zinken / dpa

Im Fall des getöteten 36-jährigen Mannes in Berlin-Neukölln hat die Polizei noch keine heiße Spur zum Täter. Die kurz nach der Tat zunächst getwitterte Information, es sei ein Verdächtiger festgenommen worden, sei falsch gewesen, sagte ein Polizeisprecher am Montag. Bei einem Kapitalverbrechen könne in den ersten Stunden alles drunter und drüber gehen, da könne es viele Gründe geben, so der Sprecher. Die Information sei aber sofort korrigiert worden.

36-Jähriger bei Schüssen in Berlin-Neukölln getötet

Der 36-Jährige war am frühen Sonntagabend am Rande des Tempelhofer Feldes angeschossen worden. Nach Medienberichten soll er von drei Schüssen getroffen worden sein, wozu sich die Polizei nicht äußerte. Nach der Tat seien mehrere Personen mit einem Auto geflüchtet, so die Polizei. Das Opfer erlag später im Krankenhaus seinen schweren Verletzungen. Es soll sich laut "Berliner Zeitung" um das Clan-Mitglied Nidal R. handeln. Die grausame Tat ereignete sich mutmaßlich vor den Augen seiner Kinder. Nidal R. wurde durch zwei Schüsse in den Arm und einem Schuss in die Brust getroffen.

Wer schoss auf den 36-Jährigen in Berlin-Neukölln?

Viele Medien berichten, es handle sich um einen polizeibekannten Intensivtäter eines arabisch-stämmigen Clans. Auch dazu äußerte sich die Polizei nicht. "Wir bestätigen keine Personalien", sagte der Sprecher. Der Mann sei im Libanon geboren, seine Staatsangehörigkeit seijedoch ungeklärt. Laut der "Bild" soll Nidal R. erst vor wenigen Monaten aus der Strafhaft entlassen worden sein.

Menschenmenge versammelt sich vor Krankenhaus in Berlin

Vor dem Krankenhaus, in das der angeschossenen Mann gebracht worden war, versammelte sich am Abend eine aufgebrachte Menge. Mit einem Großaufgebot bewachte die Polizei das Gebäude - rund 150 Menschen hatten sich davor versammelt. Es seien dort jedoch keine Steine in Fenster geworfen worden, sagte der Polizeisprecher und reagierte damit auf einen Medienbericht. Es sei keine Sachbeschädigung an dem Krankenhaus registriert worden.

Berliner Polizei befürchtet Racheakte

Nach den tödlichen Schüssen auf einen Intensivtäter aus einer arabischstämmigen Großfamilie will die Berliner Polizei Racheakte verhindern. Man habe "exzellente Szenekenntnisse", doch Gewaltexzesse ließen sich nicht immer verhindern, sagte der Leiter der Abteilung Organisierte Kriminalität im Landeskriminalamt, Sebastian Laudan, am Montag im Innenausschuss des Abgeordnetenhauses.

In dem konkreten Fall stünden die Ermittlungen erst am Anfang. "Wir müssen Licht ins Dunkel bringen." Das Tatmotiv war noch unklar - zu hören waren aber Spekulationen über Rivalitäten konkurrierender Familien und persönliche Rache. Die Ermittler befürchten jetzt, dass die Brüder oder Freunde den Verstorbenen rächen wollen.

Nidal R. soll bereits im Alter von zehn Jahren erste Straftaten verübt haben, war damals aber noch strafunmündig. Seit seinem 15. Lebensjahr stand er immer wieder vor Gericht. Anklagen lauteten auf Körperverletzung, Raub, Bedrohung, Nötigung, Drogendelikte sowie Fahren ohne Führerschein, Gefährdung des Straßenverkehrs und Unfallflucht. Eine Abschiebung in den Libanon scheiterte 2004 wegen ungeklärter Staatsbürgerschaft. Wie die "Bild" berichtet, wurde schon vor acht Jahren auf Nidal R. geschossen, der jedoch mit einem Streifschuss davon kam.

Neue Details zeigen: Nidal R starb an inneren Blutungen

Die Generalstaatsanwaltschaft Berlin veröffentlichte, dass acht Schüsse abgegeben wurden. Die inneren Organe des Opfers wurden von vier dieser Schüsse verletzt, was innere Blutungen auslöste und schließlich zum Tod von Nidal R. führte. Die "Bild" berichtet außerdem, dass eine Verbindung zu Schüssen auf ein Berliner Café vom 5. August jetzt von der Polizei überprüft werden soll. Ein 25-jähriger Verdächtiger soll am Tatort festgenommen und eine Schusswaffe konfisziert worden sein, die aber nicht die Tatwaffe sei.

Des weiteren berichtet das Blatt, Nidal R. habe in der vergangenen Woche auf einer kurdischen Hochzeit zwei Schüsse in die Luft gefeuert. Danach scheint es eine Verfolgungsjagd gegeben zu haben, bei der einer der beiden benutzten Porsche in einen geparkten Lkw fuhr. Ein Beifahrer wurde dabei schwer verletzt, flüchtete jedoch aus dem Krankenhaus. Ob hier ein Zusammenhang zum Tod von Nidal R. besteht, wird ebenfalls ermittelt.

+++ Update 12.09.2018: Berliner Polizei sucht drei Verdächtige im Fall Nidal R. +++

Die Ermittler gehen inzwischen von drei Tätern aus. Nachdem achtmal auf den 36-Jährigen Nidal R. gefeuert worden sei, seien am Sonntagabend drei Männer geflüchtet und in ein Auto gestiegen, das davonraste, teilten Polizei und Staatsanwaltschaft am Mittwoch mit. Der Fluchtwagen wurde demnach in der Nacht zum Dienstag von Unbekannten angezündet.

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) teilte mit, Auseinandersetzungen würden gewalttätig und ohne Skrupel auf Berlins Straßen ausgetragen. Das sei die Folge davon, dass diese Kriminellen jahrzehntelang keinen durchsetzungsstarken Rechtsstaat gespürt hätten.

Die Leiche des 36-Jährigen wurde am Dienstag nach der Obduktion freigegeben. Nidal R. soll am Donnerstag beigesetzt werden. Die Polizei rechnet mit zahlreichen Trauergästen und will präsent sein.

+++ Update 13.09.2018: Riesiger Trauerzug für erschossenen Berliner Kriminellen +++

Bis zu 2000 Trauergäste strömen am Donnerstag zu der Bestattung des 36-jährigen Nidal R. auf den Schöneberger Friedhof. Bewacht von 150 Polizisten. Es ist viel Aufmerksamkeit für Nidal R., Mitglied eines arabischstämmigen Clans. Vor allem Männer kommen zur Trauerfeier. So viele Menschen bei einer Beisetzung seien eher ungewöhnlich, sagt Bertram von Boxberg von der Zwölf Apostel Kirchgemeinde. Ein Sicherheitsdienst wurde zusätzlich bestellt, die Männer tragen Schutzwesten.

Alles ohne Störungen, meldet die Polizei dann gegen Mittag erleichtert. Nach islamischem Ritus liegt der Leichnam schließlich in Tücher gehüllt in der Erde, wie ein Kirchenmitarbeiter berichtet. Beim Verabschieden vor dem Friedhof demonstrieren viele Männer, darunter Clan-Größen nicht nur aus Berlin, Verbundenheit.

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fka/jat/news.de/dpa
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