13.09.2018, 19.51 Uhr

Tödlicher Streit in Köthen: Stadt stehen neue Demos rechtsgerichteter Bündnisse bevor

In Köthen geraten zwei Männergruppen in einen Streit. Ein 22-Jähriger stirbt.

In Köthen geraten zwei Männergruppen in einen Streit. Ein 22-Jähriger stirbt. Bild: dpa

Nach einem Streit zwischen zwei Männergruppen in Köthen ist ein 22-Jähriger gestorben. Zwei Afghanen wurden in der Nacht zum Sonntag wegen des Anfangsverdachts eines Tötungsdelikts festgenommen, wie Polizei und Staatsanwaltschaft in Sachsen-Anhalt gemeinsam mitteilten.

+++ 13.09.2018:Köthen bereitet sich auf neue Demo rechtsgerichteter Bündnisse vor +++

Die Kleinstadt Köthen stellt sich am Wochenende auf weitere Demonstrationen ein. Eine Woche nach dem Tod eines Mannes bei einem nächtlichen Streit will ein Bündnis rechtsgerichteter Gruppierungen am Sonntagnachmittag in der Innenstadt protestieren, wie eine Polizeisprecherin am Donnerstag bestätigt. Zu erwarteten Teilnehmerzahlen wollte sie sich nicht äußern. Mehrere Bündnisse gegen Rechts kündigten Gegenprotest an.

Offiziell mobilisiert der rechtsgerichtete Verein "Zukunft Heimat" unter anderem gemeinsam mit dem fremdenfeindlichen Dresdner Pegida-Bündnis. Der AfD-Kreischef von Anhalt-Bitterfeld, Daniel Roi, rief dazu auf, das Bündnis zu unterstützen.

+++ 12.09.2018: Ermittler: Opfer von Köthen wollte wohl Streit schlichten +++

Der junge Mann, der nach einem Streit in Köthen gestorben ist, hatte nach bisherigen Erkenntnissen der Ermittler wohl schlichten wollen. "Der später Gestorbene soll schlichtend eingegriffen haben", sagte der Leiter der Staatsanwaltschaft Dessau-Roßlau, Horst Nopens, am Mittwoch in Halle. Es habe nach jetzigem Kenntnisstand im Vorfeld eine Auseinandersetzung zwischen drei Afghanen gegeben. Dann seien zwei Deutsche hinzugekommen. Bei dem Versuch zu schlichten, habe der 22-Jährige einen Faustschlag ins Gesicht bekommen und sei dann zu Boden gegangen. Er starb an einem Herzinfarkt. Er habe von Geburt an eine schwere Herzerkrankung gehabt, die Ermittler sprachen von einem "versagensbereiten Herz".

Zuletzt zweifelte der AfD-Abgeordnete Hannes Loth die offiziellen Angaben zur Todesursache öffentlich an und warf der Landesregierung Vertuschung vor. "Wenn die Landesregierung versucht, der Öffentlichkeit weiszumachen, der Tod des jungen Mannes sei nicht infolge dieser brutalen Attacke erfolgt und sein Herz habe allein aufgrund einer Vorerkrankung versagt, hält sie unsere Bürger offenbar für dumm." Mit der Einschätzung «brutale Attacke» bezieht er sich auf eine im Internet kursierende Audiodatei, in der eine mutmaßliche Augenzeugin ihre Beobachtungen schildert.

Darin erzählt sie, dass drei Männer den 22-Jährigen festgehalten und geschlagen haben sollen. Als er umgefallen sei, "haben sie ausgeholt wie so beim Fußballspielen, (..) haben ihn dann halt alle an den Kopf getreten und im Bauch noch mal rein". Die Frau, die in der Aufnahme zu hören ist, sei inzwischen ermittelt und befragt worden, sagte Nopens. Und ergänzte: "In ihrer Aussage bei den Ermittlern hat sie ihre Aussage massiv relativiert."

+++ 12.09.2018: Prügel-Opfer ist vermutlich Vater des ungeborenen Kindes das Streit auslöste +++

Zum ersten Mal meldet sich das erste Opfer der Prügelei zu Wort. Der 18-Jährige Afghane sprach im Interview mit der "Bild" darüber, wie der Streit entbrannte. Er befand sich mit der schwangeren 18-Jährigen auf einem Spielplatz, als sie von den betrunkenen Afghanen angesprochen wurden. Die Brüder seien mit dem Ex-Partner der jungen Frau befreundet und schlugen auf ihren derzeitigen Freund ein nachdem sie erfuhren, dass er der vermutliche Vater des ungeborenen Kindes sei."Dann kamen die Schwester meiner Freundin und ihr Freund zur Hilfe, sodass ich mit Kristina in ihre Wohnung flüchten konnte," bestätigt das Opfer bereits bekannte Berichte. Er bekam also nichts von dem tödlichen Streit um Markus B. mit und sagte dazu:"Dass dort ein Mensch zu Tode gekommen ist, das tut mir wahnsinnig leid."

+++ 11.09.2018: Nach "Trauermarsch" in Köthen zwölf Strafverfahren eingeleitet +++

Nach dem sogenannten Trauermarsch in Köthen hat die Polizei zwölf Strafverfahren eingeleitet. Der polizeiliche Staatsschutz ermittle unter anderem wegen des Verdachts der Volksverhetzung, hieß es am Dienstag. Nach der von der AfD angemeldeten Demonstration am Montagabend seien zudem vier Strafanzeigen gestellt worden.Am Montagabend hatten sich bis zu 550 Menschen an dem "Trauermarsch" beteiligt.

Am Dienstagabend sollte ein Trauergottesdienst stattfinden. Die rechte Szene hatte ihre Anhänger nach den Vorfällen in Chemnitz und Köthen auch für eine Demonstration in Halle mobilisiert. Dort wurde am Montagabend aus dem Protestzug heraus mehrfach der Hitler-Gruß gezeigt und von einigen der rund 450 Teilnehmer "Sieg Heil" gerufen, wie die Polizeidirektion Sachsen-Anhalt Süd mitteilte. Manche Demonstranten seien stark alkoholisiert gewesen und hätten Polizisten bespuckt. "Bisher wurden Ermittlungen wegen insgesamt 14 Strafanzeigen eingeleitet", teilte eine Polizeisprecherin mit.

+++ 11.09.2018: Verdächtige laut "Bild" bereits zuvor in Streits verwickelt +++

Die "Bild" befragte Zeugen des Streits, den Markus B. eigentlich schlichten wollte. Der 18-jährige Verdächtige aus Afghanistan soll dem Blatt selbst gesagt haben: "Mein Bruder rief mich in der Tatnacht an und sagte, es habe Stress mit Deutschen gegeben. Er sagte, er sei verletzt und blute aus dem Mund." Kurz darauf wurde sein 20-jähriger Bruder festgenommen.

"Wir waren an dem Abend noch zusammen", so zitiert die Bild dessen Freundin (17). "Er ging dann kurz weg, um was zu essen. Drei Stunden später rief er aus dem Krankenhaus an, ich solle ihm seinen Ausweis bringen. Den nahm dann ein Polizist entgegen." Das Mädchen sei fassungslos: "Wir sind seit einem Jahr zusammen, ich habe ihn nie gewalttätig erlebt." Die "Bild" berichtet aber, andere Flüchtlinge aus Köthen wären bereits mit den Verdächtigen in einem Streit um ein Mädchen aneinander geraten.

+++ 11.09.2018: Bilanz der zweiten Demonstration am Montag +++

Dem Augenschein nach beteiligten sich am Montagabend vor allem Menschen aus Köthen und der Region an der AfD-Kundgebung. Laut Polizei gab es zunächst keine Strafanzeigen. Im Zusammenhang mit der Demonstration am Vortag hatte die Polizei zunächst zehn Anzeigen registriert. Innenminister Stahlknecht zog ein positives Fazit. "Wir haben die Versammlungsfreiheit garantiert und einen starken Staat demonstriert", sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Er dankte allen Polizisten.

Der Linken-Bundestagsabgeordnete Jan Korte aus dem Wahlkreis Anhalt äußerte sich besorgt zu den Vorfällen in Köthen. "Rechtsextremismus ist ein gesamtgesellschaftliches Problem. Da macht man sich einen schlanken Fuß zu sagen, das ist nur ein ostdeutsches Problem", betonte er im Interview mit der "Oldenburger Nordwest-Zeitung". (Dienstag). "Wichtig ist die Analyse, was passiert in unserem Land eigentlich? Das hat mit Alltagsrassismus zu tun, aber auch mit ökonomischen und sozialen Fragen."

+++ 10.09.2018: Mehrere hundert Menschen bei Kundgebung in Köthen +++

In Köthen haben sich heute Abend mehrere Hundert Menschen an einem weiteren sogenannten Trauermarsch beteiligt. Nach einer Schweigeminute und einer kurzen Kundgebung auf dem Markt zogen die Teilnehmer durch die Innenstadt zu dem Spielplatz, wo sich der Streit ereignet hatte. Dort wurde ein Kranz der AfD Sachsen-Anhalt im Gedenken an einen 22 Jahre alten Deutschen niedergelegt. Die Polizei war mit einem Großaufgebot vor Ort.

Der AfD-Abgeordnete Hannes Loth hatte die Demonstration am Montag unter dem Titel "Wir trauern" angemeldet. Er betonte, man wolle gemeinsam trauern, und sprach sich gegen Gewalt aus. Zu den Demo-Teilnehmern gehörten AfD-Landtagsfraktionschef Oliver Kirchner und Ex-Landeschef André Poggenburg. Nach knapp einer Stunde erklärte Loth die Veranstaltung für beendet und die Menschen verließen den Versammlungsort.

+++ 10.09.2018: Starke Polizeipräsenz in Köthen vor weiterer Kundgebung +++

Nach dem Streit zwischen zwei Männergruppen und dem Tod eines Deutschen im sachsen-anhaltischen Köthen bereitet sich die Stadt auf eine weitere Kundgebung vor. Eine Reiterstaffel der Polizei ritt am Montagabend durch die Innenstadt. Die Polizei zeigte deutliche Präsenz, auch ein Wasserwerfer war vor Ort. Nach Angaben von Landesinnenminister Holger Stahlknecht (CDU) sollten mehrere Hundert Beamte in der Stadt mit gut 26 000 Einwohnern sein. Für den Abend (19.00 Uhr) hat ein AfD-Landtagsabgeordneter eine Demonstration unter dem Motto "Wir trauern" angemeldet, es wurde mit rund 300 Teilnehmern gerechnet.

+++ 10.09.2018: Pressekonferenz mit Innenminister Holger Stahlknecht und Justizministerin Anne-Marie Keding +++

Der Innenminister Stahlknecht bittet zu Beginn der Pressekonferenz um Besonnenheit bei den Bürgern, spricht jedoch sein Verständnis für die anhaltende Betroffenheit aus. Am heutigen Abend soll eine Kranzniederlegung für den Verstorbenen in Köthen geplant sein, bei der Sicherheitskräfte "im hohen dreistelligen Bereich" eingesetzt werden. Auch berittene Polizisten und ein Wasserwerfer stehen zur Verfügung "damit deutlich wird, dass der Staat reagieren und agieren kann," so Stahlknecht.

Die beiden Beschuldigten kamen lautJustizministerin Anne-Marie Keding als unbegleitete Minderjährige nach Deutschland; mittlerweile sind sie volljährig.Der ältere Tatverdächtige sollte demnächst abgeschoben werden.Im April stellte die Ausländerbehörde den ersten Antrag zu seiner Abschiebung, der wegen laufender Verfahren jedoch nicht bestätigt wurde. Nach einem zweiten Antrag wurde das dazu nötige Einvernehmen am 6. September von der Staatsanwaltschaft erteilt. Um den Strafverfolgungsanspruch nach dem Vorfall in Köthen durchzusetzen, wird der Abschiebung jetzt jedoch nicht zugestimmt.

Dass der 22-Jährige Deutsche an "akutem Herzversagen" starb und an einer Herzvorerkrankung litt, bestätigte Keding. Unter Vorbehalt des telefonisch übermittelten Obduktionsbericht konnten keine Verletzungen gefunden werden, die "Tritte gegen den Schädel oder Körperverletzungen belegen könnten," die zu seinem Tod geführt hätten. Einzelheiten zum Geschehensablauf können noch nicht bekannt gegeben werden. 

+++ 10.09.2018: Staatsschutz prüft Köthener Demogeschehen auf strafbare Inhalte +++

Nach der von rechten Gruppen organisierten Spontandemonstration im sachsen-anhaltischen Köthen prüft der Staatsschutz die Redebeiträge auf strafbare Inhalte. Das kündigte die zuständige Polizei am Montagvormittag in Dessau-Roßlau an. Es gehe unter anderem um den Vorwurf der Volksverhetzung, sagte eine Sprecherin. Hintergrund seien zahlreiche Meldungen in sozialen Netzwerken sowie Medienberichten, wonach ein Redner unter anderem von einem "Rassenkrieg" gesprochen hatte. Auch der Ostbeauftragte der Bundesregierung, Christian Hirte (CDU), teilte den zugehörigen Videoschnipsel und kommentierte: "Wer sich so äußert, hat den Boden unserer freiheitlich-demokratischen Ordnung verlassen." Die Beamten würden das online verfügbare Videomaterial durchforsten und auswerten, sagte die Polizeisprecherin weiter.

+++ 10.09.2018: Köthens Bürgermeister ruft zu Besonnenheit auf +++

Köthens Oberbürgermeister Bernd Hauschild (SPD) hat sich nach dem tödlichen Streit erschrocken über Gewaltaufrufe bei den anschließenden Protesten gezeigt. Er rief deshalb am Montag abermals zur Besonnenheit auf. Es sei schwer, wenn die Gewalt von außen nach Köthen komme, sagte der Sozialdemokrat im ZDF-"Morgenmagazin". Er selbst habe zwar keine Aktionen gegen Rechts geplant, wenn aber etwas passiere, seien die Köthener vorbereitet. Hauschild hatte vor dem sogenannten Trauermarsch, für den in der rechten Szene mobilisiert worden war, am Sonntag auf Facebook ausdrücklich von einer Teilnahme abgeraten, da sich gewaltbereite Gruppen von außerhalb angekündigt haben sollen.

Im ZDF sagte Hauschild, er sei froh, dass die anheizenden Redner keine Köthener gewesen seien. Er selbst hatte gemeinsam mit Bürgern an einem Gedenkgottesdienst teilgenommen.Grundsätzlich sei das Zusammenleben von Asylbewerbern und Köthenern gut, sagte der Bürgermeister. Streit gebe es überall. Aber vor allem die dezentrale Unterbringung der Geflüchteten trage dazu bei, dass Integration in Köthen besser möglich sei.

+++ 10.09.2018: Nach tödlichem Streit von Köthen weitere Erkenntnisse erwartet +++

Innenminister Holger Stahlknecht und Justizministerin Anne-Marie Keding (beide CDU) haben für den späteren Vormittag zu einer Pressekonferenz in Magdeburg eingeladen. Der 22-Jährige Deutsche starb nach Angaben der Polizei an akutem Herzversagen. Bisher konnte kein Zusammenhang zu erlittenen Verletzungen hergestellt werden; es gibt zunächst auch keine Hinweise für irgendeine Art von schwerster Gewalteinwirkung. Der Mann hatte eine auf das Herz bezogene Vorerkrankung.

Nach Informationen der dpa waren die beiden Afghanen polizeibekannt, einer wegen mehrerer kleinerer Delikte und Körperverletzung. Einer hatte eine Duldung. Der zweite sollte eigentlich abgeschoben werden, was aber wegen laufender Ermittlungen auf Eis lag. Zuvor hatte die "Mitteldeutsche Zeitung" darüber berichtet.

+++ 09.09.2018: Aggressive Stimmung bei Kundgebung in Köthen +++

Bei einer Kundgebung nach dem tödlichen Streit in Köthen ist die Stimmung unter den Teilnehmern nach stillem Beginn zwischenzeitlich aggressiver geworden. "Dies ist ein Tag der Trauer. Aber wir werden die Trauer in Wut verwandeln", sagte ein Redner am Sonntagabend auf dem Spielplatz, auf dem es am Vorabend zu dem Streit zwischen zwei Männergruppen gekommen war. "Widerstand", "Auge um Auge", "Zahn um Zahn" und "Wir sind das Volk" erschallte es aus dem Kreis der rund 500 Menschen, von denen viele Aufrufen rechter Gruppierungen in sozialen Netzwerken gefolgt waren.

Andere skandierten "Lügenpresse". Als ein Beobachter die Szenerie mit einem Handy filmte, wurde er geschubst, die Polizei griff schnell ein. Mehrere Teilnehmer betonten, dass sich nicht nur Rechte zu dem Marsch versammelt hätten. Eine junge Frau sagte, sie dachte, Chemnitz sei weit weg - "aber Pustekuchen". Anschließend endete die Kundgebung am Spielplatz, die Teilnehmer machten sich auf den Rückweg.

+++ 09.09.2018: Nach rechtem Aufruf: Rund 500 Menschen bei Trauermarsch in Köthen +++

Nach dem tödlichen Streit in Köthen haben sich nach Schätzungen rund 500 Menschen am Sonntagabend an einem sogenannten Trauermarsch beteiligt. Rechte Gruppierungen hatten in sozialen Netzwerken zur Teilnahme an der Aktion in der Stadt in Sachsen-Anhalt aufgerufen. Die Teilnehmer zogen nach Augenzeugenberichten schweigend und ohne Transparente oder Spruchbänder durch die Straße in Richtung eines Spielplatzes, wo sich der Streit ereignet hatte. Dort legten Teilnehmer Blumen nieder.

Zuvor hatten rund 50 Menschen gegen rechte Hetze demonstriert. Sie waren dem Aufruf der Linken-Politikerin Henriette Quade gefolgt und hatten sich am Bahnhof der Stadt versammelt. "Wo sich der Mob formiert, funken wir dazwischen", war auf Spruchbändern zu lesen.

+++ 09.09.2018: Polizei: 22-Jähriger in Köthen starb an akutem Herzversagen +++

Der in Köthen in Sachsen-Anhalt nach einem Streit ums Leben gekommene 22-Jährige ist nach Angaben der Polizei an akuten Herzversagen gestorben. Das Herzversagen stehe nicht "im direkten kausalen Zusammenhang mit den erlittenen Verletzungen", teilte die Polizeidirektion Sachsen-Anhalt Ost am Sonntagabend mit Blick auf das vorläufige Obduktionsergebnis mit. Die Polizei gab das Alter der beiden festgenommenen Afghanen mit 18 und 20 Jahren an.

Gegen den 18 Jahre alten Verdächtigen würden die Ermittlungen nun wegen des Verdachts der gefährlichen Körperverletzung geführt. Gegen den 20-Jährigen werde wegen des Anfangsverdachts der Körperverletzung mit Todesfolge ermittelt. Die Staatsanwaltschaft Dessau-Roßlau werde am zuständigen Amtsgericht entsprechende Haftanträge stellen. Nach Informationen der "Mitteldeutschen Zeitung" hatte der 22-Jährige eine kardiologische Vorerkrankung. Eine offizielle Bestätigung dafür gab es zunächst nicht.

+++ 09.09.2018: Haseloff warnt: "Aus Köthen kein zweites Chemnitz machen" +++

Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) hat vor einer Instrumentalisierung des Falls gewarnt. "Bei aller Emotionalität ist jeder Versuch zurückzuweisen, aus Köthen, wie es im Internet heißt, ein zweites Chemnitz machen zu wollen", sagte er am Sonntag der Deutschen Presse-Agentur. Innenminister Holger Stahlknecht (CDU) habe geeignete Schritte eingeleitet, damit es dazu nicht komme.

+++ 09.09.2018: Polizei bereitet sich auf Demonstrationen in Köthen vor +++

Die Polizei bereitet sich auf Proteste in der Stadt in Sachsen-Anhalt vor. Die Linken-Politikerin Henriette Quade meldete für Sonntag eine Demonstration gegen rechte Hetze an, die um 18 Uhr am Bahnhof beginnen sollte. In sozialen Netzwerken riefen außerdem rechte Gruppierungen zur Teilnahme an einem sogenannten Trauermarsch auf. Köthens Bürgermeister Bernd Hauschild (SPD) riet auf seiner Facebookseite von der Teilnahme an dieser Kundgebung ab - "da mir Informationen vorliegen, dass auch gewaltbereite Gruppen von außerhalb Köthens in großer Zahl anreisen werden".

Hauschild war am Mittag mit anderen Politikern zum Tatort, einem Spielplatz, gekommen, um des Opfers zu gedenken. Er habe mit großer Bestürzung vom Tod des 22-Jährigen erfahren.

+++ 09.09.2018: Innenminister Holger Stahlknecht ruft zu Besonnenheit auf +++

Sachsen-Anhalts Innenminister Holger Stahlknecht rief am Sonntag zur Besonnenheit auf. Er habe vollstes Verständnis für die Betroffenheit der Bürger, sagte der CDU-Politiker der dpa. Trotzdem bitte er um Besonnenheit. Der Rechtsstaat werde alle Mittel konsequent einsetzen, Justiz und Polizei ermittelten in enger Abstimmung. "Der tragische Tod des jungen Mannes geht mir sehr nahe, und ich bedaure das Geschehene zutiefst", sagte der Innenminister weiter.

+++ 09.09.2018: Kirche startet Spendensammlung für Todesopfer aus Köthen +++

Die Evangelische Landeskirche Anhalts will nach dem tödlichen Streit in Köthen Spenden für die Bestattung des Opfers sammeln. Die Spendensammlung sollte mit einer Trauerandacht am Sonntagnachmittag beginnen und noch einige Tage dauern, sagte Kirchenpräsident Joachim Liebig. "Der Tod eines Menschen ist der schlechteste Anlass für eine Instrumentalisierung", sagte Liebig. "Es betrifft die ganze Gemeinschaft, wenn jemand so aus ihrer Mitte zu Tode kommt." Zu der Andacht kamen etwa 300 Menschen, darunter auch mehrere Politiker.

Tödlicher Streit in Köthen: 22-Jähriger stirbt, zwei afghanische Staatsbürger festgenommen

Zu den Hintergründen des Geschehens sei derzeit nichts bekannt, hieß es weiter. Es werde in alle Richtungen ermittelt. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur war es am späten Samstagabend an einem Spielplatz zu einem Streit zwischen mehreren Männern gekommen. Kurz darauf kamen der 22-Jährige und ein Begleiter hinzu. Der Tote war den Informationen zufolge deutscher Staatsbürger.

Streit auf Spielplatz zwischen drei Afghanen eskaliert

Drei aus Afghanistan stammende Männer sollen mit einer Frau auf dem Spielplatz gewesen sein und darüber gestritten haben, von wem sie schwanger ist. Dann seien die beiden Deutschen hinzugekommen. Was genau sich ereignete, war zunächst unklar. Am Ende war der 22-Jährige tot, laut "Welt" erlitt er eine Hirnblutung. Eine Obduktion war für Sonntagnachmittag angesetzt. Gegen den dritten aus Afghanistan stammenden Mann gibt es nach dpa-Informationen keinen Verdacht, er wurde nicht festgenommen.

Tödlicher Streit in Köthen in Sachsen-Anhalt - Anteilnahme auf Twitter

Sachsen-Anhalts Integrationsbeauftragte Susi Möbbeck (SPD) schrieb auf Twitter: "So Traurig. Ein Mensch ist gewaltsam zu Tode gekommen. Unsere Gedanken sind bei den Angehörigen." Und: "Gewalt ist immer und überall zu verurteilen. Zeit für Trauer. Zeit für Besonnenheit. Passt aufeinander auf."

Linkspartei-Chefin Katja Kipping schrieb bei Twitter: "Mein Mitgefühl gilt all denen, die ein Familienmitglied, einen Freund, einen Bekannten verloren haben. Möge die Besonnenheit stärker und wirksamer sein als die rassistische Instrumentalisierung.

Köthen-Drama erinnert an Vorfälle in Chemnitz

In Chemnitz war vor zwei Wochen ein 35-jähriger Deutscher getötet worden. Zwei junge Männer sitzen inzwischen in Untersuchungshaft. Sie stammen nach eigenen Angaben aus Syrien und dem Irak. Ein weiterer Verdächtiger wird gesucht. Seitdem gibt es in Chemnitz immer wieder fremdenfeindliche und teils aggressive Proteste. Tausende Menschen demonstrieren seither auch gegen rechte Hetze und für Toleranz.

Lesen Sie auch: Giraffe attackiert Mutter und Kind (3) - Zustand kritisch!

Folgen Sie News.de schon bei Facebook, Google+ und Twitter? Hier finden Sie brandheiße News, tolle Gewinnspiele und den direkten Draht zur Redaktion.

fka/news.de/dpa
Unwetter-Warnung für Deutschland aktuellUnwetter-Warnung aktuell Oktober 2019Bonnie StrangeNeue Nachrichten auf der Startseite