02.10.2018, 11.26 Uhr

Fall Maria H. aus Freiburg: 57-Jähriger nach Deutschland ausgeliefert und in Haft

Nachdem Maria im Jahr 2013 verschwand, formten Menschen ihren Namen aus Kerzen vor der Polizeidirektion Freiburg.

Nachdem Maria im Jahr 2013 verschwand, formten Menschen ihren Namen aus Kerzen vor der Polizeidirektion Freiburg. Bild: Patrick Seeger/dpa

Im Fall der jahrelang verschwundenen Maria H. aus Freiburg ist ihr in Italien festgenommener Begleiter nach Deutschland ausgeliefert worden. Er sitze inzwischen in Untersuchungshaft, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Freiburg am Dienstag. Zuvor hatte die "Badische Zeitung" berichtet. Der 57-Jährige werde in den nächsten Tagen vernommen, sagte der Sprecher. Danach könne Anklage gegen ihn erhoben werden. Einen genaueren Zeitplan gebe es noch nicht.

Maria H. soll nach ihrer Flucht mit ihrem Begleiter im italienischen Licanta untergetaucht sein und sich dort als dessen Tochter ausgegeben haben. Zuvor hatte die nach mehr als fünf Jahren wieder aufgetauchte Freiburgerin erklärt, sie sei mit ihrem 40 Jahre älteren Begleiter mit dem Fahrrad von Polen nach Italien gefahren. Die 18-Jährige korrigierte damit ihre ursprünglichen Angaben, wie die Polizei am Dienstag mitteilte.

Maria H. und ihr Begleiter gaben sich als Vater und Tochter aus

Recherchen der "Bild"-Zeitung haben jetzt ergeben, dass Maria H. mit ihrem Begleiter offensichtlich im italienischen Licata untergetaucht war. Dort sollen sie erzählt haben, dass Marias Mutter gestorben sei. Die heute 18-Jährige soll sich zudem als Tochter des über 40 Jahre älteren Mannes ausgegeben haben, sagten Bewohner des Ortes gegenüber "Bild". Demnach haben sie vier Jahre lang ein Haus außerhalb von Licata besetzt, das die Bewohner als Ruine beschreiben.

Maria H. aus Freiburg kehrt nach 5 Jahren nach Hause zurück

Die heute 18-jährige Maria hatte sich vorletzte Woche überraschend bei ihrem Vater gemeldet und war dann von Freunden des Vaters aus Mailand nach Hause zurückgeholt worden. Sie war im Frühjahr 2013 als 13-Jährige mit ihrer Internetbekanntschaft verschwunden.

Mit dem Fahrrad fuhr Maria H. von Polen nach Italien

Maria H. hatte der Polizei zunächst gesagt, sie habe eine Zeit lang mit ihrem aus Nordrhein-Westfalen stammenden Begleiter in Polen gelebt und dabei im Auto übernachtet. Sie sei dann alleine mit Fahrrad und Zelt weiter gezogen. Nach drei Monaten sei sie in Italien angekommen und habe sich den Lebensunterhalt eigenständig mit Gelegenheitsjobs verdient.

Maria H. ändert ihre Aussage bei der Polizei

Laut Polizei sagt sie aktuell, sie habe Polen im Sommer 2013 mit ihrem Begleiter verlassen. Vor zwei Jahren hätten sie in Sizilien gemeinsam eine Wohnung bezogen. Sowohl der in der vergangenen Woche in Sizilien Festgenommene als auch Maria jobbten ihrer Aussage nach als Tagelöhner, um den gemeinsamen Lebensunterhalt zu finanzieren.

Sie hat demnach erstmals zugegeben, von Mai 2013 bis vor kurzem mit ihrem Begleiter zusammen gewesen zu sein. "Wir haben nun ein etwas klareres Bild", sagt die Freiburger Polizeisprecherin Laura Riske. Die 18-Jährige habe ihre bisherige Aussage nicht komplett revidiert - sondern lediglich um die Tatsache erweitert, dass sie nicht, wie anfangs behauptet, alleine war. Weitere Einzelheiten nannten die Ermittler nicht.

Maria H. lernte 40 Jahre älteren Mann im Internet kennen

Verantworten müsse sich ihr Begleiter, weil er ohne Einwilligung der Eltern mit einer Minderjährigen untergetaucht sei, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Auch wenn Maria freiwillig mitgegangen sei, stelle dies eine Straftat dar. Bei Kindesentzug drohen laut Strafgesetzbuch Angeklagten den Angaben zufolge bis zu fünf Jahre - in schweren Fällen bis zu zehn Jahre - Haft.

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jat/news.de/dpa
Themen: Freiburg
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