30.08.2018, 08.52 Uhr

Bundeskriminalamt: Nehmen Messerattacken in Deutschland zu?

Gibt es immer mehr Messerattacken in Deutschland?

Gibt es immer mehr Messerattacken in Deutschland? Bild: dpa

Ein 35-Jähriger wurde am Wochenende in Chemnitz tödlich von einem Messer verletzt. Ende Juli schockt eine Messerattacke in einem Linienbus in Lübeck. Zehn Menschen werden dabei verletzt. Dabei kommt unweigerlich die Frage auf: Gibt es immer mehr Messerangriffe in Deutschland? Sind hauptsächlich Migranten die Täter? Die AfD spricht von "Messerepidemie" und "Messermigration". Doch stimmt das wirklich?

Immer mehr Stichwaffendelikte in Deutschland? BKA hat keine Antwort

Wissenschaftlich Daten, die die Aussage belegen oder widerlegen, gibt es nicht. Dem Bundeskriminalamt liegt keine Statistik über Stichwaffendelikte vor. "Die Verwendung des Tatmittels 'Messer' ist nicht in der Polizeilichen Kriminalitätsstatistik erfasst", teilt das Bundeskriminalamt auf Anfrage von news.de mit. Ob die Stichwaffenkriminalität in Deutschland zugenommen hat, lässt sich nicht sagen.

In Nordrhein-Westfalen ließ der innenpolitische Sprecher der SPD, Hartmut Ganzke, Polizeiberichte aus dem Onlinenachrichtenportal "Blaulicht" auswerten. Zwischen September 2017 und März 2018 gab es demnach 572 Angriffe mit Stichwaffen. Ob die Aufzählung vollständig ist, weiß niemand. Auch gehe daraus nicht hervor, wer wen attackiert hat, ob jemand verletzt wurde oder ob die Täter gefasst wurden, schreibt die "Zeit".

Angst vor Messergewalt sei unbegründet

Doch die Angst vor zunehmender Messergewalt sei unbegründet, fanden zwei ARD-Journalisten heraus. Sie werteten die Statistiken mehrere Bundesländer aus. So sei die Zahl der Stichwaffendelikte in Hessen und Rheinland-Pfalz zwar gestiegen, aber in anderen Bundesländern sieht die Lage anders aus. In Berlin blieb die Zahl konstant, während sie in Schleswig-Holstein sogar sank. Ob die Zahl in NRW stieg oder sank, lässt sich nicht sagen. Es fehlen Vergleichszahlen. Einige Bundesländer haben bereits angekündigt, ab sofort gesonderte Statistiken zu führen. Erst dann kann man sehen, wie sich die Deliktzahlen entwickeln.

Wie kann ich mich vor einer Messerattacke schützen?

Viele Bürger haben dennoch Angst. Sie fühlen sich sicherer, wenn sie Pfefferspray, Reizgas, Schreckschusswaffen oder sogar selbst ein Messer dabei haben. Harald Schmidt, Geschäftsführer der Polizeilichen Kriminalprävention der Länder und des Bundes, sieht das jedoch kritisch und rät von deren Verwendung ab. "Die Gefahr, dass ein Angreifer es Ihnen aus der Hand reißt und gegen Sie selbst einsetzt, ist sehr groß. Selbst wenn Sie es selbst gegen einen Angreifer einsetzen, kann bei Gegenwind der Sprühnebel zurückschlagen und Sie selbst treffen", sagt Schmidt gegenüber news.de.

Spielen Sie nicht den Helden - Alarmieren Sie die Polizei

Bei öffentlichen Veranstaltungen, Versammlungen und Demonstrationen sind Reizstoffsprühgeräte und andere Waffen sowieso generell verboten. Auch an Schulen sind Pfeffersprays und Co. nicht erlaubt. "Was nutzt im Falle eines überraschenden Angriffs z. B. Pfefferspray in einer typischen Damenhandtasche? Wie schnell würden Sie es einsetzen können?", gibt Harald Schmidt zu bedenken.

Zudem würde die Situation leichter eskalieren, wenn Messer oder sogar Schusswaffen verwendet werden. Schmidt empfiehlt Gegenstände, die Lärm verursachen. So können Opfer im Ernstfall auf sich aufmerksam machen. Opfer einer Attacke sollten nicht den Helden spielen. Schmidt rät folgendes: "Oft reichen schon Kleinigkeiten, um eine große Wirkung zu erzielen. Manchmal reicht es bereits, das Handy zu benutzen und Hilfe zu holen oder weitere Passanten um Unterstützung zu bitten. Wichtig ist auf jeden Fall eine umsichtige Reaktion: Niemand erwartet, dass Sie Ihre eigene Gesundheit aufs Spiel setzen", sagt Schmidt. Zwar gebe es Situationen, in denen Täter offensichtlich stärker und auch zu jeder Art von Gewalt bereit seien, dennoch ist Wegsehen oder Weglaufen keine Lösung. "Vermeiden Sie es auch, den Täter zu provozieren oder sich provozieren zu lassen", rät Schmidt.

"Reagieren Sie als Erste(r) - und machen Sie andere gezielt auf das Verbrechen aufmerksam. Appellieren Sie laut und deutlich an die umstehenden Personen. Wenden Sie sich an das Personal in öffentlichen Verkehrsmitteln", empfiehlt Schmidt weiter. "Eine starke Gemeinschaft sorgt für ein zivilisiertes Zusammenleben und ein friedliches Miteinander."

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bua/fka/news.de
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