04.09.2018, 18.28 Uhr

Chemnitz-Nachrichten im News-Ticker: Polizei fahndet nach 3. Verdächtigen - Merkel kommt nach Chemnitz

Ausnahmezustand in Chemnitz: Polizisten sichern eine Demonstration der rechten Szene vor dem Karl-Marx-Denkmal.

Ausnahmezustand in Chemnitz: Polizisten sichern eine Demonstration der rechten Szene vor dem Karl-Marx-Denkmal. Bild: dpa/Jan Woitas

Nach den Gewaltausbrüchen in Chemnitz wegen des gewaltsamen Todes eines Mannes am Rande eines Stadtfestes haben Politiker die Eskalation scharf verurteilt. "In Deutschland ist kein Platz für Selbstjustiz, für Gruppen, die auf den Straßen Hass verbreiten wollen, für Intoleranz und für Extremismus", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert in Berlin.

"Solche Zusammenrottungen, Hetzjagden auf Menschen anderen Aussehens, anderer Herkunft, oder der Versuch, Hass auf den Straßen zu verbreiten, das nehmen wir nicht hin, das hat bei uns in unseren Städten keinen Platz, und das kann ich für die Bundesregierung sagen, dass wir das auf das Schärfste verurteilen", betonte Seibert.

Messerstecherei in Chemnitz: Mann stirbt nach Streit auf Stadtfest

In Chemnitz war am 18. August bei einer gewalttätigen Auseinandersetzung zwischen Besuchern des Stadtfestes ein 35 Jahre alter Deutscher niedergestochen worden und später gestorben. Danach marschierten am Sonntag Anhänger rechter Gruppierungen auf. Rund 1000 Menschen folgten dem Aufruf einer rechten Ultra-Gruppierung aus dem Umfeld des Fußball-Regionaligisten Chemnitzer FC.

Messer-Attacke in Chemnitz im Newsticker

  • 35-jähriger Deutscher bei Stadtfest erstochen
  • Witwe des Toten von Entwicklungen entsetzt
  • rechte Randalierer attackieren Migranten

+++ 04.09.2018: Merkel will nach Chemnitz kommen +++

Nach ausländerfeindlichen Übergriffen und Protesten gegen die Flüchtlingspolitik plant Kanzlerin Angela Merkel (CDU) einen Besuch in Chemnitz. Die Kanzlerin habe eine Einladung von Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig (SPD) angenommen, teilte ein Regierungssprecher am Dienstag mit. Ein konkreter Termin sei aber noch nicht vereinbart worden.

Eine Sprecherin der Stadt hatte zuvor gesagt, Merkel habe Ludwig bei einem Telefonat in den vergangenen Tagen einen Besuch angekündigt. Im Oktober sei ein Bürgerdialog zum Thema Zuwanderung geplant. Dazu habe Ludwig die Kanzlerin eingeladen. Einen konkreten Termin gebe es aber noch nicht.

+++ 04.09.2018: Generalstaatsanwalt sucht dritten Mann im Chemnitzer Tötungsfall +++

Farhad Ramazan Ahmad gilt als weiterer dringend Tatverdächtiger im Mordfall Daniel H.!

Farhad Ramazan Ahmad gilt als weiterer dringend Tatverdächtiger im Mordfall Daniel H.! Bild: Polizei Sachsen / dpa

Mehr als eine Woche nach der tödlichen Messerattacke von Chemnitz ist ein dritter Mann dringend verdächtig, Mittäter gewesen zu sein. "Das Amtsgericht Chemnitz hat heute Vormittag diesen Haftbefehl erlassen", sagte der sächsische Generalstaatsanwalt Hans Strobl am Dienstag im sächsischen Landtag. Das Amtsgericht habe eine Öffentlichkeitsfahndung nach dem Mann angeordnet. Der Gesuchte sei ein Asylbewerber aus dem Irak.

Wie "Bild" berichtet, heiße der MannFarhad Ramazan Ahmad, sei 22 und wurde von Zeugen und einem Mittäter belastet. Zwar sei eine Öffentlichkeitsfahndung anberaumt wurden, da der Mann allerdings bewaffnet sein könne, bittet die Polizei ausdrücklich um Vorsicht, wenn Sie ihm begegnen sollten.

+++ 04.09.2018: Neue Erkenntnissezu den bereits in Untersuchungshaft sitzenden Tatverdächtigen +++

Schon seit rund einer Woche sitzen ein 22- und ein 23-Jähriger wegen der Tat in Untersuchungshaft. Bisher hatten die Behörden die Männer als Iraker und Syrer bezeichnet. Das ist nun aber noch nicht mit Sicherheit geklärt.

Das Bundesinnenministerium teilte jedoch am Dienstag mit, dem mutmaßlichen Syrer sei im September 2015 "im schriftlichen Verfahren die Anerkennung als Flüchtling gewährt" worden. Seine Angaben zur Identität beruhten auf einer Selbstauskunft. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) sei aktuell dabei, diese Angaben von Alaa S. "im Rahmen des laufenden Widerrufsverfahrens" zu verifizieren.

Der Tatverdächtige Yousif A. habe bei der Anhörung im Asylverfahren im November 2017 einen irakischen Personalausweis sowie weitere Dokumente vorgelegt, die sich später als "Totalfälschungen" entpuppt hätten. Das Ergebnis der dokumententechnischen Überprüfung durch das Bamf lag den Angaben zufolge allerdings erst im Juni 2018 vor. Sein Asylantrag wurde inzwischen abgelehnt. Die Ablehnung ist jedoch noch nicht rechtskräftig.

+++04.09.2018: Bluttat in Chemnitz: Herkunft der Tatverdächtigen ist ungeklärt +++

Die Herkunft der beiden Männer, die in Chemnitz nach einem Messerangriff auf einen 35-jährigen Deutschen inhaftiert wurden, ist bis heute ungeklärt. Bisher hatten die Behörden die beiden als Iraker und Syrer bezeichnet.

Das Bundesinnenministerium teilte jedoch am Dienstag mit, dem mutmaßlichen Syrer sei im September 2015 "im schriftlichen Verfahren die Anerkennung als Flüchtling gewährt" worden. Seine Angaben zur Identität beruhten auf einer Selbstauskunft. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) sei aktuell dabei, diese Angaben von Alaa S. "im Rahmen des laufenden Widerrufsverfahrens" zu verifizieren.

Der Tatverdächtige Yousif A. habe bei der Anhörung im Asylverfahren im November 2017 einen irakischen Personalausweis sowie weitere Dokumente vorgelegt, die sich später als "Totalfälschungen" entpuppt hätten. Das Ergebnis der dokumententechnischen Überprüfung durch das Bamf lag den Angaben zufolge allerdings erst im Juni 2018 vor. Sein Asylantrag wurde inzwischen abgelehnt. Die Ablehnung ist jedoch noch nicht rechtskräftig.

Wie bereits zuvor bekannt geworden war, war Yousif A. bereits im November 2015 als Asylbewerber nach Deutschland gekommen. Eine Rücküberstellung nach Bulgarien, wo er zuvor registriert worden war, wäre zwar grundsätzlich möglich gewesen. Das dies nicht geschah, ist nach bisherigen Informationen auf Versäumnisse der Ausländerbehörde zurückzuführen.

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) sagte, er habe seit Beginn seiner Amtszeit im März "die Weichen für einen glaubwürdigen Neuanfang im Bereich der Asylverfahren und des Bamf gestellt".

+++ 04.09.2018: Beatrix von Storch pöbelt auf Twitter gegen die Konzertbesucher +++

Nach dem Konzert wandte sich AfD-Fraktionsvize Beatrix von Storch auf Twitter an die Besucher und schrieb: "Ihr seid nicht mehr. Ihr seid Merkels Untertanen, ihr seid abscheulich - und ihr tanzt auf Gräbern." Dieser Tweet löste im Netz zahlreiche empörte Reaktionen aus.

Sie können den Pöbel-Tweet von Frau Storch nicht sehen? Klicken Sie hier!

+++ 04.09.2018:65.000 bei Konzert gegen rechts - Und wie geht's nun weiter? +++

Nach einem umjubelten Konzert gegen Rassismus vor 65.000 Zuschauern steht für Chemnitz und Sachsen wieder der Alltag im Kampf gegen Ausländerfeindlichkeit und rechtsextreme Gewalt an. Landes-Integrationsministerin Petra Köpping (SPD) will am Dienstag eine Streitschrift vorlegen, in der sie eine gesamtdeutsche Aufarbeitung der Nachwendezeit fordert. Köpping sieht in unbewältigten Ungerechtigkeiten und Lebensbrüchen nach der Wende eine der Ursachen für die Wut und Unzufriedenheit vieler Ostdeutscher.

Chemnitz
Chemnitz-Konzert gegen Fremdenhass

65.000 Besucher! So war #wirsindmehr

Der aus Thüringen stammende Fraktionsgeschäftsführer der SPD im Bundestag, Carsten Schneider, warnte davor, in Kürze wieder zur Tagesordnung überzugehen. "Die Situation in Ostdeutschland ist fragil. Die Demokratie dort ist nicht so gefestigt, die politische Mitte nicht so stark. Ich bin sehr besorgt", sagte er am Montagabend in der Phoenix-Fernsehsendung "Unter den Linden". Der sächsische Landtag will Hintergründe und Folgen der Vorfälle aufarbeiten, die seit dem gewaltsamen Tod eines 35-Jährigen bundesweit für Erschrecken sorgen. Dazu hat Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) für Mittwoch eine Regierungserklärung angekündigt.

Im Zusammenhang mit den Protesten und Demonstrationen in Chemnitz gibt es bisher 51 Ermittlungsverfahren. Meist sind die Täter unbekannt, wie ein Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft Dresden mitteilte.

+++ 03.09.2018: Polizei: Abreise von Konzertbesuchern in Chemnitz ohne Störungen +++

Nach dem Konzert gegen Rassismus in Chemnitz ist die Abreise der rund 65.000 Zuschauer nach Polizeiangaben friedlich und störungsfrei verlaufen. In der Nacht zu Dienstag sei es ruhig geblieben - es sei zu keinen Straftaten im Zusammenhang mit dem Konzert gekommen, teilte ein Sprecher der Polizei am frühen Morgen mit.

+++ 03.09.2018: Stadt – 50.000 bei Konzert in Chemnitz +++

Das Konzert gegen Rassismus und Ausländerfeindlichkeit in Chemnitz hat am Montag rund 50.000 Menschen in die sächsische Stadt gelockt. Diese Zahl gab die Stadt am Montag als eine erste Schätzung bekannt. Bands wie die Toten Hosen, Kraftklub oder Feine Sahne Fischfilet waren unter dem Motto "#wirsindmehr" nach Chemnitz gekommen.

Auch die Veranstalter hatten zuvor von 50.000 Teilnehmern gesprochen und anhaltenden Zulauf erwähnt. Die Polizei hatte eine frühere Schätzung von 30.000 Menschen bestätigt und danach keine Zahlen mehr genannt.

+++ 03.09.2018: Schweigeminute zu Beginn des Konzerts gegen Rechts in Chemnitz +++

Mit einer Schweigeminute zu Ehren des bei einer Messerattacke in Chemnitz getöteten 35-Jährigen hat in der sächsischen Stadt am Montagabend ein Konzert gegen Rassismus, Ausländerfeindlichkeit und Gewalt begonnen. Bands wie die Toten Hosen, Kraftklub oder Feine Sahne Fischfilet waren dafür unter dem Motto "#wirsindmehr" angereist. Erwartet wurden mehr als 30.000 Zuschauer.

"Wir sind nicht naiv. Wir geben uns nicht der Illusion hin, dass man ein Konzert macht und dann ist die Welt gerettet", sagte Kraftklub-Sänger Felix Brummer vor Beginn des Open Airs. "Aber manchmal ist es wichtig, zu zeigen, dass man nicht allein ist."

+++ 03.09.2018: Mehr als 20.000 Besucher zum Konzert gegen Rechts erwartet +++

Beim für den Abend geplanten Konzert gegen Rechts in Chemnitz rechnen die Organisatoren nach eigenen Angaben mit mehr als 20.000 Besuchern. Das sagte Sören Uhle, Geschäftsführer der Chemnitzer Wirtschaftsförderungsgesellschaft, vor Beginn des Open-Airs am Montag. Dabei wollen Bands wie Die Toten Hosen, Feine Sahne Fischfilet oder Kraftklub ein Zeichen gegen Rassismus und rechte Hetze setzen. Zur Absicherung des Konzerts sei ausreichend Security im Einsatz, sagte Uhle. "Wir gehen von einem friedlichen Verlauf des Konzerts aus."

+++ 03.09.2018: Bundespräsident Steinmeier unterstützt Protestkonzert - und wird gerügt +++

Vor dem geplanten Open-Air-Konzert gegen Rechts am Montagabend in Chemnitz haben CDU-Politiker die Unterstützung von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier für die Veranstaltung kritisiert. "Ich halte das für sehr kritisch", sagte CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer der "Welt" (Montag). Wie zuvor ihr Parteikollege Philipp Amthor monierte sie, dass Steinmeier die Ankündigung der Veranstaltung am vergangenen Freitag auf seinem Facebook-Account geteilt hatte.

+++ 03.09.2018: Stadt Chemnitz untersagt Kundgebungen von Thügida und Pro Chemnitz +++

Die Stadt Chemnitz hat Demonstrationen des ausländer- und islamfeindlichen Bündnisses Thügida und der rechtspopulistischen Bewegung Pro Chemnitz als Gegenveranstaltungen zum für den Abend geplanten Open-Air-Konzert "#wirsindmehr" untersagt. Nach Angaben der Stadt vom Montag wurden die Entscheidungen damit begründet, dass die angedachten Veranstaltungsflächen bereits belegt seien.

Thügida (Thüringen gegen die Islamisierung des Abendlandes) wollte sich unmittelbar neben dem Konzertgelände unter dem Motto "Gegen antideutsche Kommerzhetze" versammeln. Die Bewegung Pro Chemnitz wollte wie zuletzt am vergangenen Montag und am Samstag erneut vor dem Karl-Marx-Monument in Chemnitz demonstrieren. Zu dem Konzert "#wirsindmehr", das sich gegen Rassismus, Gewalt und Fremdenfeindlichkeit richtet, wurden für den Abend in Chemnitz mehrere Tausend Besucher erwartet.

+++ 03.09.2018:Nahles zu Chemnitz: Wir überlassen dem Nazi-Mob nicht die Straßen +++

SPD-Chefin Andrea Nahles hat die jüngsten Ausschreitungen in Chemnitz scharf verurteilt. Der Mord an dem jungen Mann rechtfertige nicht die anschließenden Ausschreitungen. Rechte nutzten dieses Verbrechen als Vorwand, um Menschen durch die Straßen zu hetzen. "Wir überlassen dem Nazi-Mob nicht unsere Straßen. Und wir überlassen denen vor allem nicht unsere Demokratie", sagte Nahles am Montag beim Gillamoos-Volksfest im niederbayerischen Abensberg. Die AfD habe ihre bürgerliche Maske endgültig fallengelassen.

In der vergangenen Woche sei die demokratische Ordnung im Land zeitweise außer Kraft gesetzt worden, sagte die SPD-Spitzenkandidatin für die bayerische Landtagswahl, Natascha Kohnen. Die SPD stelle sich gegen Hass und Gewalt. "Wir müssen und werden aufstehen. Wir werden es nicht zulassen, dass in Deutschland ein rechter Mob die Herrschaft an sich reißt."

+++ 03.09.2018: Erstochener Deutscher in Chemnitz: Tatverdächtige sagen aus +++

Im Fall des vor gut einer Woche in Chemnitz erstochenen 35-jährigen Deutschen haben die beiden Tatverdächtigen in den Vernehmungen Aussagen zu den Vorwürfen gemacht. "Sie haben sich eingelassen", sagte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft, Ingrid Burghart, am Montag der Deutschen Presse-Agentur. Zu Einzelheiten machte sie keine Angaben.

Verdächtig sind ein Syrer und ein Iraker. Beide sitzen in Untersuchungshaft, ihnen wird gemeinschaftlicher Totschlag vorgeworfen. Es gibt nach Burgharts Worten noch keine Erkenntnisse zum Anlass des Streits, der den Messerstichen vorangegangen ist. "Nach gegenwärtigem Ermittlungsstand kann man lediglich ausschließen, dass eine Belästigung oder ausländerfeindliche Motive Auslöser der Tat waren", sagte die Oberstaatsanwältin.

Notwehr war bereits bei der Beantragung der Haftbefehle ausgeschlossen worden. Die Tatverdächtigen hätten "ohne rechtfertigenden Grund mehrfach mit einem Messer auf einen 35-jährigen Deutschen eingestochen", hieß es.

+++ 03.09.2018: Witwe des Opfers Daniel H. entsetzt von Entwicklungen +++

Die Witwe des 35 Jahre alten Opfers aus Chemnitz zeigt sich schockiert ob der aktuellen Entwicklungen, die der Tod ihres Mannes ausgelöst hat. "Das hätte Daniel nie gewollt", erklärte sie im Gespräch mit der "Bild". Und dennoch instrumentalisieren die Rechtsradikalen derzeit den Tod ihres Mannes für ihre Zwecke. "Daniel war weder rechts noch links. Das, was da gerade läuft, wäre nie in seinem Sinn gewesen. Wir wollen nur noch in Ruhe trauern."

18 Verletzte und 37 Strafanzeigen, das ist die traurige Bilanz vom vergangenen Wochenende in Chemnitz.

+++ 03.09.2018: Nacht in Chemnitz ruhig - Zehntausende zu Konzert erwartet +++

Nach den Demonstrationen vom Wochenende ist die Nacht zu Montag in Chemnitz nach Angaben der Polizei ruhig geblieben. Es sei zu keinen Straftaten gekommen, die mit den Demonstrationen und Ereignissen der vergangenen Woche in Verbindung stehen, sagte eine Sprecherin der Polizei am frühen Morgen. Wie sich die Lage am Montagnachmittag entwickeln wird, sei noch völlig unüberschaubar.

Am Nachmittag erwartet Chemnitz gleich die nächste Großveranstaltung: Unter dem Motto "#wir sind mehr" steigt ein Gratis-Konzert gegen Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Gewalt. Man könne nicht genau vorhersagen, wie viele Menschen zu dem Konzert nach Chemnitz kommen werden, sagte die Sprecherin. Angesichts der vielen Anmeldungen in sozialen Netzwerken könne man aber von einigen Zehntausend Besuchern ausgehen.

Bei dem Konzert um 17 Uhr spielen Bands wie Kraftklub, Die Toten Hosen oder Rapper wie Marteria oder Trettmann. Wegen der großen Resonanz haben die Organisatoren den Veranstaltungsort verlegt. Das Konzert soll auf einem großen Parkplatz zwischen Hauptbahnhof, Marx-Denkmal und Rathaus statt finden.

+++ 02.09.2018: Nach Protesten schaut Chemnitz auf die nächste Massenveranstaltung +++

Nach den Kundgebungen mit mehr als 8.500 Teilnehmern blickt Chemnitz nach einer kurzen Verschnaufpause schon auf die nächste Großveranstaltung. Unter dem Motto "#wir sind mehr" steigt am Montag ein Gratis-Konzert gegen Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Gewalt in Sachsens drittgrößter Stadt. Am Sonntag sind in Chemnitz zwei kleinere Demonstrationen von Chemnitzer Bürgern und der evangelischen Kirche gegen Gewalt und Fremdenhass angemeldet. Am Samstag waren rund 8500 Menschen verschiedener Lager bei mehreren Kundgebungen in Chemnitz auf die Straße gegangen. Bei den Protesten wurden nach einer ersten Bilanz der Polizei neun Menschen verletzt.

Zudem wurden mindestens 25 Straftaten verzeichnet, wie die Polizei am späten Samstagabend mitteilte. Details zu den Verletzten nannte die Polizei nicht. Bei den Straftaten handelte es sich den Angaben zufolge um Sachbeschädigungen, Körperverletzungen, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte und das Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen. Abseits der Demonstrationen wurde ein 20-jähriger Afghane von vier vermummten Menschen angegriffen und geschlagen. Der Mann erlitt leichte Verletzungen. Die Polizei prüft, ob es sich bei den Tätern möglicherweise um ehemalige Versammlungsteilnehmer handeln könnte.

+++ 01.09.2018: Heimreise nach Demonstrationen von Chemnitz weitgehend friedlich +++

Nach dem Ende der Demonstrationen in Chemnitz haben nach Angaben der Polizei viele Teilnehmer die Heimreise angetreten. Der überwiegende Teil verhalte sich friedlich, es habe aber auch vereinzelte Scharmützel zwischen den beiden Lagern gegeben. "Wir haben die Lage aber voll im Griff", sagte ein Polizeisprecher. Auch die abgebrochene Demonstration der Rechten hat sich mittlerweile aufgelöst. Mehr als 100 Teilnehmer aus diesem Kreis hatten sich unter den Rufen "Wir sind das Volk" nach Angaben von Augenzeugen aber zu einer Spontandemonstration zum Tatort aufgemacht, wo vor knapp einer Woche ein 35-Jähriger Opfer einer tödlichen Messerattacke geworden war.

+++ 01.09.2018: Rechter Demonstrationszug in Chemnitz beendet +++

Die Veranstalter des rechten Demonstrationszugs in Chemnitz haben das vorzeitige Ende der Kundgebung angekündigt. Nachdem der Zug zunächst nur stockend vorankam und dann auf Höhe des Denkmals mit dem Karl-Marx-Kopf stoppen musste, erklärten die Organisatoren unter lautstarkem Protest den Zug für beendet. Allerdings verharrten die meisten Demonstranten auf der Stelle und zogen nicht ab.Wasserwerfer fuhren auf. Polizei und zahlreiche Demonstrationsteilnehmer standen sich auch nach Abbruch der Veranstaltung angespannt gegenüber.

+++ 01.09.2018: Kuriose Randnotiz: Anzeige von MDR-Team wegen Vorfall in Privatwohnung +++

Die Chemnitzer Polizei ermittelt nach einer Anzeige eines MDR-Teams zu einem Vorfall in einer Privatwohnung am Rande der Demonstrationen. "Vorfall mit einem MDR-Team in einer Privatwohnung. Wir haben eine Anzeige aufgenommen und ermitteln", twitterte die Polizei am Samstagabend. Zu Details konnte eine Sprecherin noch nichts sagen. In einem Video, das der Sender per Twitter teilte, erzählt einer der Journalisten, dass die Reporter bei Anwohnern geklingelt und gefragt hätten, ob sie vom Balkon aus filmen dürften. "Nein, kein Problem, kommt hoch", erzählt André Berthold von "MDR aktuell". Ein Jugendlicher habe die Tür geöffnet und den Weg zum Balkon gewiesen, sie hätten Aufnahmen gemacht.

Sie sehen das Video nicht? Dann hier entlang.

"Plötzlich stand ein Mann hinter uns, sehr kräftig, hat uns von hinten am Schlafittchen gepackt und rausgezogen, die Kamera aus der Hand geschlagen und einen Kollegen die Treppe runtergestoßen", schilderte er den Hergang. Der Kollege sei stark an der Hand verletzt und habe auch eine Beule, die Kamera sei kaputt. "Der Vorfall mit dem Kamera-Team des MDR wird durch die Polizei untersucht. Eine Einordnung ist bis zur endgültigen Prüfung nicht möglich", twitterte der MDR.

+++ 01.09.2018: Rechter Demonstrationszug kommt nur stockend voran +++

Bei den Protesten in Chemnitz kommt der Zug mit rechten Demonstranten nur stockend voran. Nach einem verspäteten Start wurde der Marsch kurz vor dem Denkmal mit dem Karl-Marx-Kopf wieder gestoppt. Wie die Polizei mitteilte, versuchten Gegendemonstranten auf die Strecke zu gelangen. "Unsere Einsatzkräfte werden teilweise gezwungen, unmittelbaren Zwang einzusetzen! Noch mal unser Aufruf, bitte bleibt gewaltfrei!", schrieb die Polizei via Twitter.

An dem gemeinsamen Marsch der AfD und des ausländerfeindlichen Bündnisses Pegida, dem sich Demonstranten der rechtspopulistischen Bürgerbewegung Pro Chemnitz angeschlossen hatten, nahmen laut Versammlungsbehörde rund 4500 Menschen teil. Auch an anderen Stellen der Stadt musste die Einsatzkräfte nach eigenen Angaben teilweise eingreifen.

+++ 01.09.2018: Behörde: Über 8000 Demonstranten in Chemnitz +++

Bei den Protesten in Chemnitz sind am Samstag mehr als 8000 Menschen auf die Straße gegangen. Nach Angaben der Versammlungsbehörde nahmen rund 4500 Menschen an einem gemeinsamen Marsch der AfD und des ausländerfeindlichen Bündnisses Pegida teil. Die Kundgebung wurde größer, weil sich ihr auch Teilnehmer einer zuvor aufgelösten Veranstaltung der rechtspopulistischen Bürgerbewegung Pro Chemnitz angeschlossen hatten. Zu einer zeitgleichen Veranstaltung für Frieden und gegen Ausländerfeindlichkeit kamen den Angaben zufolge rund 3500 Menschen auf einen Parkplatz bei der Johanniskirche. In den Nebenstraßen wurden zudem weitere hundert Teilnehmer gezählt.

+++ 01.09.2018: Rechter Demonstrationszug stockt - AfD und Pro Chemnitz vereint +++

Bei den Protesten in Chemnitz haben sich die Teilnehmer einer gemeinsamen Kundgebung von AfD und des ausländerfeindlichen Bündnisses Pegida mit Demonstranten der rechtspopulistischen Bürgerbewegung Pro Chemnitz vermischt. Aufgrund der dadurch gestiegenen Teilnehmerzahl - Augenzeugen gehen von mehreren tausend Menschen aus - verzögerte sich der Zug der Rechten durch die Stadt. Die Organisatoren suchten nach zusätzlichen Ordnern, um den Ablauf des Zugs zu organisieren. Außerdem riefen sie die Teilnehmer auf, bei der als Trauermarsch geplanten Veranstaltungen auf Provokationen zu verzichten. An der Strecke hatten sich zahlreiche Gegendemonstranten versammelt.

+++ 01.09.2018: Tausende Menschen bei Protesten gegen Rechts und gegen Flüchtlinge +++

Während nach Veranstalterangaben am Samstag mehr als 2000 Menschen für Frieden und gegen Ausländerfeindlichkeit auf einem Parkplatz bei der Johanniskirche protestierten, folgten - begleitet von starken Polizeikräften - mindestens 1500 Menschen einem Aufruf der rechtspopulistischen Bewegung Pro Chemnitz. Sie wollten an das 35-jährige Opfer erinnern und gegen die Flüchtlingspolitik der Bundesregierung demonstrieren.

Rund eine halbe Stunde nach Beginn der rechten Proteste beschlossen die Teilnehmer überraschend, sich einer anschließend geplanten Kundgebung der AfD und des ausländerfeindlichen Bündnisses Pegida anzuschließen. Unter Rufen wie "Wir sind das Volk" und "Merkel muss weg" machten sich die Demonstranten auf den Weg zum anderen Versammlungsort.

Unterdessen wiesen die Bundespolizei und das Innenministerium in Sachsen einen Bericht über eine "schwere Panne" als Grund für die Unterbesetzung der Polizei bei den Ausschreitungen am vergangenen Montag in Chemnitz zurück. Das Lagezentrum habe darauf verzichtet, beim Bundespolizeipräsidium in Potsdam nach Verstärkung zu fragen, sagte ein Ministeriumssprecher in Dresden auf Anfrage. Die zusätzlichen Kräfte und Hubschrauber wären erst kurz vor Mitternacht vor Ort gewesen, erklärte er. Die "Welt am Sonntag" (Sonntag) schrieb von einer "schweren Panne" und "fehlerhaftem Verhalten".

+++ 01.09.2018: Großer Zuspruch für "#wir sind mehr"-Konzert - Ortswechsel +++

Wegen großer Nachfrage wird das am Montag in Chemnitz geplante Konzert unter dem Motto "#wir sind mehr" innerhalb der Stadt verlegt. "Wir sind überwältigt von dem ganzen Zuspruch und Feedback", teilten die Organisatoren am Samstag mit. Der Bühne werde nun auf einem großen Parkplatz zwischen Hauptbahnhof, Marx-Denkmal und Rathaus aufgebaut, damit alle dabei sein könnten. Zu dem Gratis-Konzert gegen Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Gewalt haben sich Bands wie die Toten Hosen, Kraftclub, Feine Sahne Fischfilet oder Marteria&Casper angekündigt. Vor dem "Nischel", wie der Karl-Marx-Kopf im Volksmund heißt, sollen DJs spielen. Zur erwarteten Besucherzahl konnte ein Sprecher nichts sagen.

8.500 Menschen sollen am Samstag in Chemnitz demonstriert haben.

8.500 Menschen sollen am Samstag in Chemnitz demonstriert haben. Bild: dpa

+++ 01.09.2018: Tausende Teilnehmer zu Demonstrationen in Chemnitz erwartet +++

In Chemnitz wappnet sich die Polizei für mögliche neue Auseinandersetzungen. An diesem Samstag werden Tausende Menschen zu Demonstrationen erwartet. Die Polizei geht von einer Teilnehmerzahl im unteren fünfstelligen Bereich aus.

Ein Bündnis aus rund 70 Vereinen, Organisationen und Parteien hat ab Samstagvormittag zu Demonstrationen unter dem Motto "Herz statt Hetze" aufgerufen. Mehrere Politiker wie die Parteichefin der Grünen, Annalena Baerbock, haben sich angesagt. Am Nachmittag sind Kundgebungen der rechtspopulistischen Bürgerbewegung Pro Chemnitz sowie ein Trauermarsch der AfD und des fremden- und islamfeindlichen Bündnisses Pegida geplant. Dazu wird auch der Thüringer AfD-Chef Björn Höcke erwartet.

Rund zwei Dutzend Menschen haben am Samstagvormittag am Roten Turm in Chemnitz für Vielfalt und friedliches Miteinander demonstriert. Unter dem Motto "Chemnitz bunt statt braun" sprachen und diskutierten Vertreter verschiedener Friedensgruppen mit Passanten. Die Polizei war zurückhaltend im Stadtgebiet auf Streife, sie bezeichnete die Lage am Vormittag als weiterhin ruhig. Der Sockel des "Nischel", wie der Karl-Marx-Kopf im Zentrum genannt wird, war über Nacht mit bunten Papierherzen beklebt worden. Dort wollen die rechtspopulistische Bürgerbewegung Pro Chemnitz, die Alternative für Deutschland (AfD) und das ausländerfeindliche Bündnis Pegida am Nachmittag eine Kundgebung abhalten, zu der auch Thüringens AfD-Chef Björn Höcke erwartet wird.

+++ 01.09.2018: Schwere Panne bei Einsatz am vergangenen Montag in Chemnitz +++

Bei den Ausschreitungen am vergangenen Montag in Chemnitz hat laut der "Welt am Sonntag" eine schwere Panne bei der Polizei zur Unterbesetzung geführt. Es seien sehr wohl zusätzliche Kräfte der Bundespolizei als Verstärkung angefordert worden, berichtet die Zeitung. Das Innenministerium in Dresden habe auf Anfrage bestätigt, dass es während des Einsatzes am Abend einen Hilferuf der Polizeidirektion Chemnitz ans Lagezentrum des Innenministeriums gab und die Bundespolizeiinspektion Pirna um Unterstützung gebeten wurde. Das sei allerdings kurzfristig nicht möglich gewesen.

Zuständig für derartige Anforderungen wäre laut der Zeitung aber das Bundespolizeipräsidium in Potsdam und nicht die untergeordnete Dienststelle in Pirna gewesen. Dieser übliche Meldeweg sei "unverständlicherweise" nicht beschritten worden. Dabei hätten mehrere Hundertschaften nach Chemnitz beordert werden können, bei Bedarf auch mit Hubschraubern.

Am Montagabend standen 6000 Demonstranten aus dem eher rechten Spektrum, darunter gewaltbereite Neonazis und Hooligans, etwa 1500 Gegendemonstranten gegenüber - dazwischen knapp 600 Polizisten. Es gab mindestens 20 Verletzte, unter ihnen zwei Polizisten.

Ein Teilnehmer der Kundgebung des Bündnisses Chemnitz Nazifrei unter dem Motto

Ein Teilnehmer der Kundgebung des Bündnisses Chemnitz Nazifrei unter dem Motto "Herz statt Hetze" hält ein Schild in Form eines Herzen hoch. Bild: dpa

+++ 31.08.2018: Zweitliga-Spiel zwischen Dresden gegen HSV abgesagt! +++

Das Zweitliga-Fußballspiel zwischen Dynamo Dresden und dem Hamburger SV findet am Samstag (geplanter Anpfiff: 13 Uhr) nicht statt. Das teilte der DFL am Freitagabend mit. Der Grund: Die Fans von Dynamo Dresden und dem Hamburger SV müssen aufgrund der nach wie vor angespannten Lage in Chemnitz auf die Begegnung ihrer Vereine verzichten. Die sächsische Polizei benötigt alle verfügbaren Kräfte bei den für Samstag angekündigten Demonstrationen in Chemnitz.

Auf der Internetseite der DFL heißt es: "Aufgrund der bevorstehenden Versammlungslage in Chemnitz am kommenden Samstag werden alle verfügbaren Polizeikräfte des Bundes und der Länder zur dortigen Einsatzbewältigung benötigt. Diese stehen deshalb nicht zur Absicherung des Fußballspiels der 2. Bundesliga SG Dynamo Dresden – Hamburger SV zur Verfügung. Um die Sicherheit der Fans in Dresden nicht zu gefährden, musste die DFL das Spiel auf Initiative des Freistaat Sachsen und der Landeshauptstadt leider absagen. Hierfür werden die Fans um Verständnis gebeten."

+++ 31.08.2018: Sachsens Polizei rechnet mit Tausenden Teilnehmern in Chemnitz +++

Die sächsische Polizei geht bei den für Samstag in Chemnitz angemeldeten Demonstrationen und Versammlungen von einer Teilnehmerzahl "im unteren fünfstelligen Bereich" aus. Das sagte Landespolizeipräsident Jürgen Georgi am Freitag in Dresden. Der Freistaat habe Unterstützung aus anderen Bundesländern angefordert und alle verfügbaren Kräfte bekommen. Auch Wasserwerfer und Reiter stünden bereit. "All denen, die Gewalt suchen oder ausüben, werden wir mit aller Konsequenz entgegentreten", erklärte Georgi.

Wegen des Großeinsatzes der Polizei in Chemnitz wird zudem geprüft, ob das Fußballspiel in der 2. Bundesliga zwischen Dynamo Dresden und dem HSV in Dresden verlegt werden soll. Darüber sei aber noch nicht endgültig entschieden.

Die AfD und das ausländerfeindliche Bündnis Pegida haben zu einem Schweigemarsch aufgerufen, das rechtspopulistische Bündnis Pro Chemnitz hat ebenfalls eine Kundgebung angemeldet. Zudem soll es eine Gegendemonstration eines breiten Bündnisses unter dem Motto "Herz statt Hetze" geben.

Demonstranten der rechten Szene zünden Pyrotechnik und schwenken Deutschlandfahnen.

Demonstranten der rechten Szene zünden Pyrotechnik und schwenken Deutschlandfahnen. Bild: dpa/Jan Woitas

+++ 31.08.2018: Verdächtiger Iraker legte gefälschte Papiere vor +++

Der nach dem tödlichen Messerangriff in Chemnitz festgenommene Iraker hat laut einem Medienbericht in seinem Asylverfahren gefälschte Papiere vorgelegt. Eine Untersuchung des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (Bamf) in Nürnberg habe ergeben, dass zwei der von dem Mann vorgelegten Personaldokumente "Totalfälschungen" seien, berichtete der "Spiegel" am Freitag. Das Bamf äußerte sich zunächst nicht zu dem Bericht.

Der Iraker kam laut dem Bericht im Oktober 2015 über die Balkanroute nach Deutschland. Weil der 22-Jährige zuvor bereits in Bulgarien als Asylbewerber registriert worden war, hätte er nach Ansicht des Verwaltungsgerichts Chemnitz bereits im Mai 2016 in das Land abgeschoben werden können. Doch nach Verstreichen einer Frist wurde Deutschland für sein Verfahren zuständig.

Der "Spiegel" berichtete unter Verweis auf die Asylakte des Mannes weiter, dass der Iraker den Bamf-Mitarbeitern erzählt habe, warum er aus der nordirakischen Provinz Ninive habe fliehen müssen: Er sei dort in ein Mädchen verliebt gewesen und habe Ärger mit dessen Vater und Onkel bekommen. Diese hätten ihn verprügelt und ihn mit einem Messer verletzt. Das Bamf habe seine Angaben jedoch für unglaubwürdig gehalten und den Asylantrag mit Datum vom 29. August 2018 abgelehnt.

+++ 31.08.2018:"Herz statt Hetze" - Demos gegen rechte Kundgebungen in Chemnitz +++

In Chemnitz formiert sich breiter Protest gegen zwei rechtsgerichtete Kundgebungen an diesem Samstag. Mehr als 70 Vereine, Organisationen, Parteien, Verbände, Vereine, Initiative und Privatpersonen haben zu einer Gegendemonstration unter dem Motto "Herz statt Hetze" aufgerufen. Man wolle den Aufmarsch von AfD und Pro Chemnitz und die damit verbundene Instrumentalisierung des gewaltsamen Todes an einem jungen Mann nicht unwidersprochen hinnehmen, heißt es in dem Aufruf.

Die AfD will gemeinsam mit dem ausländerfeindlichen Bündnis Pegida einen Schweigemarsch durch die Stadt organisieren. Parallel dazu hat auch die rechtspopulistische Bewegung Pro Chemnitz erneut zu einer Demonstration aufgerufen. Die Organisatoren der Gegenveranstaltung wollten zeigen, dass Chemnitz weltoffen und tolerant sei, sagte die Linke-Landtagsabgeordnete Susanne Schaper am Freitag. "Wir wollen zeigen, dass es auch ein anderes Chemnitz gibt."

+++ 31.08.2018:Suspendierter Vollzugsbeamter erhält Job-Angebot von AfD in Stuttgart +++

Der baden-württembergische AfD-Landtagsabgeordnete Stefan Räpple hat den Justizbeamten, der den Haftbefehl eines mutmaßlichen Täters der Messerattacke von Chemnitz veröffentlicht hat, als Helden bezeichnet und ihm eine Stelle angeboten. Der Betreffende könne sein Team im baden-württembergischen Landtag verstärken, sagte Räpple der Deutschen Presse-Agentur am Freitag in Stuttgart. Auf Facebook schrieb er: "Sie sind ein Held und genau so, wie alle meiner genialen Mitarbeiter Helden auf ihrem Gebiet sind, kann ich Sie und Ihre Expertise sehr gut in meinem Team brauchen."

+++ 31.08.2018: Familienministerin Giffey legt Blumen für toten Chemnitzer nieder +++

Familienministerin Franziska Giffey hat als erstes Mitglied der Bundesregierung nach dem Tod eines 35-Jährigen und rechten Ausschreitungen Chemnitz besucht. Die SPD-Politikerin legte am Freitagmorgen an einem provisorischen Gedenkort einen Blumenstrauß mit sechs weißen Rosen nieder. Anschließend verharrte sie sichtlich bewegt an der Stelle, an der der Mann am vergangenen Sonntag niedergestochen worden war.

+++ 31.08.2018: Demonstrationen in Berlin und Münster gegenGewalt und Fremdenhass +++

Während in Chemnitz gegen die Einwanderungspolitik protestiert wurde, schlossen sich in Berlin-Neukölln bei einer Demonstration gegen Gewalt und Fremdenhass gut 5000 Menschen an - weit mehr als erwartet. Rund 2000 Menschen demonstrierten am Donnerstagabend in Münster gegen Rechts.

+++ 31.08.2018:Ruhige Nacht nach Chemnitzer Protesten +++

Nach der Protestkundgebung der rechtspopulistischen Bewegung Pro Chemnitz am Donnerstagabend ist es nach Angaben der Polizei in der Nacht ruhig geblieben. Es sei zu keinen Zwischenfällen in Chemnitz gekommen, teilte ein Sprecher der Polizei mit. Für Freitag seien keine weiteren Demonstrationen angemeldet.

Die Polizei verzeichnete mindestens acht Straftaten. Dabei handelte es sich um Verstöße gegen das Versammlungsgesetz und das Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen. Zudem erkannten die Beamten Teilnehmer wieder, die sich bei den Protesten am Montag strafbar gemacht hatten. Insgesamt war die Polizei am Donnerstagabend mit mehr als 1200 Kräften aus mehreren Ländern und der Bundespolizei im Einsatz.

+++ 30.08.2018: Protest von rechtspopulistischer Bewegung beendet +++

Die Protestkundgebung der rechtspopulistischen Bewegung Pro Chemnitz ist am Donnerstagabend ohne Zwischenfälle zu Ende gegangen. Rund 900 Menschen waren nach offiziellen Angaben zu der Demonstration am Rande eines Bürgerdialogs mit Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) gekommen. Die Stimmung unter den Demonstranten war aufgeheizt, aber nicht bedrohlich wie bei den Protesten am vergangenen Montag. Die Protestierenden bemängelten ein aus ihrer Sicht zu lasches Vorgehen gegen kriminelle Migranten und kritisierten die Politik der sächsischen Landesregierung. Zudem sangen die Teilnehmer die Nationalhymne.

+++ 30.08.2018: Chemnitzer OB für Nebeneinander unterschiedlicher Lebensentwürfe +++

Die Chemnitzer Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig (SPD) wünscht sich für ihre Stadt, dass Menschen aus dem In- und Ausland gut miteinander auskommen. In einer Großstadt wie Chemnitz sei es wichtig, dass unterschiedliche Lebensentwürfe miteinander auskommen, sagte sie am Donnerstagabend bei einem gemeinsamen Bürgergespräch mit Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU).

Ludwig wies darauf hin, dass einheimische Betriebe auf ausländische Fachkräfte angewiesen seien. Es dürfe nicht soweit kommen, dass Chemnitz zu einer Stadt werde, in die niemand mehr kommen wolle, wenn man Angst habe, auf die Straße zu gehen, weil man anders aussehe. Ludwigs Worte wurden öfter durch Unmutsäußerungen des Publikums unterbrochen, aber auch mit Applaus quittiert.

+++ 30.08.2018: Hunderte Bürger versammeln sich bei Protestkundgebung in Chemnitz +++

Am Rande des Bürgerdialogs mit dem sächsischen Ministerpräsidenten Michael Kretschmer in Chemnitz haben sich am Donnerstagabend nach Schätzungen mehr als 1000 Menschen bei einer Protestkundgebung der rechtspopulistischen Bewegung Pro Chemnitz versammelt. "Wir haben weiter eine angespannte Lage. Die Kollegen arbeiten aber sehr konzentriert und werden von Polizisten aus anderen Bundesländern, von der Bundespolizei und Bereitschaftspolizei unterstützt", sagte Innenminister Roland Wöller (CDU) der Deutschen Presse-Agentur.

"Es kommt nun darauf an, mit Ruhe und Besonnenheit Recht und Ordnung konsequent durchzusetzen. Wir werden nicht dulden, dass Chaoten und gewaltbereite und rechte Gewalttäter die Straßen erobern", erklärte der Minister weiter.

Rund eine Stunde vor dem geplanten Start eines Bürgergesprächs mit Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) hat der Einlass in den Diskussionssaal begonnen. An der Tür mussten sich alle Besucher einer Taschenkontrolle unterziehen. Zu dem Bürgergespräch, das in den Räumlichkeiten des Stadions stattfindet, war neben dem Ministerpräsidenten der Großteil seines Kabinetts angereist. Der Zugang zum Stadion war mit Gittern abgesperrt.

+++ 30.08.2018: Haftbefehl weitergegeben - Ministerium suspendiert Dresdner Beamten +++

Den im Internet veröffentlichten Haftbefehl eines mutmaßlichen Täters der Messerattacke von Chemnitz hat mutmaßlich ein Dresdner Justizvollzugsbediensteter weitergegeben. Der Mann sei mit sofortiger Wirkung vom Dienst suspendiert worden, teilte das sächsische Justizministerium am Donnerstag mit.

+++ 30.08.2018: Bericht: Justizbeamter gesteht Veröffentlichung von Haftbefehl +++

Nach der rechtswidrigen Veröffentlichung eines Haftbefehls im Fall des Chemnitzer Totschlags soll laut einem Bericht der "Bild"-Zeitung ein Dresdner Justizbeamter die Tat gestanden haben. "Ich habe den Haftbefehl fotografiert und weitergegeben, weil ich wollte, dass die Wahrheit und nur die Wahrheit ans Licht der Öffentlichkeit kommt", zitiert das Blatt den 39-Jährigen.

+++ 30.08.2018: Baden-Württemberg schickt Polizisten und Wasserwerfer nach Sachsen +++

Nach den jüngsten Ausschreitungen in Chemnitz bekommt die dortige Polizei Verstärkung aus Baden-Württemberg. Der sächsische Innenminister habe ihn angerufen und um Unterstützung gebeten, sagte Landesinnenminister Thomas Strobl (CDU) am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur in Stuttgart.

"Wenn es darum geht, den Rechtsstaat durchzusetzen, dann unterstützen wir natürlich die Kolleginnen und Kollegen in Sachsen und auch die sächsische Landesregierung." Baden-Württemberg werde mindestens eine Einsatzhundertschaft am 1. September nach Sachsen schicken, da dort erneut Demonstrationen geplant seien. Auch spezielle Fahrzeuge wie Wasserwerfer würden geschickt.

+++ 30.08.2018: Antifa und Polizei geraten in Stuttgart aneinander +++

Bei einer unangemeldeten Demonstration gegen Rechtsextremismus nach den Vorfällen in Chemnitz ist es in Stuttgart zu Auseinandersetzungen mit der Polizei gekommen. Aus den Reihen der dem linken Spektrum zuzurechnenden etwa 80 Teilnehmer sei am Mittwochabend Pyrotechnik geflogen, es seien Pfefferspray und Schlagstöcke eingesetzt worden, teilte die Polizei am Donnerstag mit.

Mindestens drei Beamte wurden leicht verletzt, über Verletzungen bei Demonstranten war zunächst nichts bekannt. Das Antifaschistische Aktionsbündnis Stuttgart sprach von über 200 Teilnehmern.

+++ 30.08.2018: Bremer Abgeordneter soll Chemnitzer Haftbefehl weiterverbreitet haben +++

Nach der rechtswidrigen Veröffentlichung eines Haftbefehls im Fall des Chemnitzer Totschlags geht die Bremer Staatsanwaltschaft gegen einen Bremer Bürgerschaftsabgeordneten vor. Der Landespolitiker Jan Timke stehe im Verdacht, den Haftbefehl auf Facebook weiterverbreitet zu haben. "Wir haben einen Hinweis bekommen", sagte Oberstaatsanwalt Frank Passade am Donnerstag.

Timke ist Bundespolizist und Mitglied der rechten Wählervereinigung Bürger in Wut. Timkes Dienstverhältnis bei der Bundespolizei ruht, solange er in der Bürgerschaft sitzt. Die Ermittler durchsuchten nach Angaben der Staatsanwaltschaft bereits am Mittwoch die Wohnung des Mannes in Bremerhaven. Darüber hatte zunächst Radio Bremen berichtet. Timke habe den Haftbefehl inzwischen von seiner Facebook-Seite entfernt, sagte Passade. Er kündigte aber auf seiner Facebook-Seite an, sich noch am Donnerstag zu den Vorwürfen äußern zu wollen. Wie der Haftbefehl ursprünglich überhaupt ins Internet gelangt war und weiterverbreitet werden konnte, ist weiter unklar.

+++ 29.08.2018: Konzert gegen Rechts: Tote Hosen, Kraftklub und Co. in Chemnitz +++

Chemnitz bekommt am Montag ein Konzert gegen Rechts unter dem Motto "Wir sind mehr". Dann wollen ab 17 Uhr auf dem Platz am Karl-Marx-Monument Die Toten Hosen, die Rapper Marteria & Casper, K.I.Z, Feine Sahne Fischfilet sowie die Lokalmatadoren Kraftklub und Trettmann auf. Als eine Reaktion auf die "besorgniserregenden Entwicklungen" in Chemnitz in den vergangenen Tagen schlossen sich die Künstler auf Initiative von Kraftklub für das Konzert gegen Fremdenfeindlichkeit und für Menschlichkeit zusammen, teilte die PR-Agentur Check Your Head am Mittwoch in Berlin mit.

"All den Menschen, die von den Neonazis angegriffen wurden, wollen wir zeigen, dass sie nicht alleine sind", heißt es in einem gemeinsamen Statement der Musiker.

Das Open-Air-Konzert aus der Reihe "Rock am Kopp" ist für Besucher kostenlos. Binnen weniger Stunden nach Bekanntwerden des Auftritts signalisierten bei Facebook bereits Tausende ihre Teilnahme.

+++ 29.08.2018: Chemnitzer FC verachtet menschenfeindliche Krawalle in der Stadt +++

Fußball-Regionalligist Chemnitzer FC hat auf die menschenfeindlichen Krawalle in der Stadt mit Verachtung reagiert. In einer von Insolvenzverwalter Klaus Siemon unterzeichneten Erklärung vom Mittwoch heißt es: "Es ist für uns nicht fassbar, dass es in dieser Anzahl Menschen gibt, die einer menschenverachtenden Ideologie nachhängen, die außer Tod und Zerstörung den Menschen im Deutschland der Jahre 1933 bis 1945 nichts gebracht habe."

Meldungen, nach denen dem Verein zuzuordnende Hooligan-Gruppen an den Aktionen beteiligt sein sollen, wolle man nachgehen. "Überörtliche Medien berichten, dass rechte Gruppierungen eine Organisationsbasis beim Chemnitzer FC haben könnten. Wurde der Chemnitzer FC zur Finanzierung dieser Aktivitäten benutzt? Diese Umstände aufzuklären ist die Aufgabe der staatlichen Behörden. Die Behörden unterstützen wir in jeder Hinsicht", heißt es in der Erklärung. Jeder Fan, jedes Mitglied und jeder Beteiligte würden aufgefordert, sachdienliche Hinweise zu liefern.

Im Stadion seien alle politischen Gruppierungen vertreten. Im Sieg nach einem fairen Wettkampf spiele Ideologie keine Rolle. "Zugleich ziehen wir eine klare Grenze zu denen, die wir nicht tolerieren, weil sie andere nicht tolerieren. Fußball zwingt zur Weltoffenheit", betont der Insolvenzverwalter im Namen des Vereins. Seit dem April befindet sich der Viertligist im Insolvenzverfahren.

+++ 29.08.2018:Steinmeier nach Chemnitz-Übergriffen: Müssen Demokratie "pflegen" +++

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat nach den rechtsextremen und ausländerfeindlichen Übergriffen in Chemnitz gemahnt, die Demokratie "nicht der Straße zu überlassen". Bei einem Besuch im Adenauer-Haus am Mittwoch in Bad Honnef bei Bonn sagte Steinmeier, der erste Bundeskanzler Konrad Adenauer sei "auch eine lebendige Erinnerung daran, dass wir, die heutige Generation, die Demokratie zu pflegen haben, nicht aus der Hand geben dürfen".

Demokraten sollten sich "stärker öffentlich zeigen". Die Erschütterung über den gewaltsamen Tod eines Menschen sei in Chemnitz missbraucht worden, "um im öffentlichen Straßenkampf die Demokratie anzuschuldigen".

+++ 29.08.2018: Sachsen erhält Hilfe der Bundespolizei +++

Der Freistaat Sachsen hat nach den Vorfällen in Chemnitz die Hilfe der Bundespolizei angefordert. Das bestätigte die Sprecherin des Bundesinnenministeriums, Eleonore Petermann, am Mittwoch. Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) hatte der sächsischen Polizei am Dienstag Hilfe in Form von "polizeilichen Unterstützungsmaßnahmen" angeboten.

Wie die Polizei in Chemnitz mitteilte, bekommen die eigenen Beamten bereits am Donnerstag beim Bürgerdialog "Sachsengespräch" mit Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) und einer gleichzeitigen Demonstration der rechtspopulistischen Bewegung Pro Chemnitz auswärtige Unterstützung. Neben Beamten der Bundespolizei reisen demnach auch Kräfte der Bereitschaftspolizeien Sachsen, Sachsen-Anhalt, Bayern, Berlin, Hessen und Thüringen an. Zahlen wollte die Polizei aus einsatztaktischen Gründen nicht bekanntgeben.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte erklärt, es sei gut, dass Seehofer dem Freistaat Unterstützung angeboten habe, "um Recht und Ordnung aufrecht zu erhalten und die Gesetze einzuhalten". Die Kanzlerin telefonierte am Dienstag außerdem mit Kretschmer und der Chemnitzer Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig (SPD).

+++ 29.08.2018: Gauland hält Reaktionen in Chemnitz für normal +++

Der AfD-Vorsitzende Alexander Gauland hält die von ausländerfeindlichen Übergriffen begleiteten Proteste in Chemnitz nicht für skandalös. "Wenn eine solche Tötungstat passiert, ist es normal, dass Menschen ausrasten", sagte der AfD-Chef am Mittwoch der "Welt". Dies sei in Chemnitz nicht anders als in Konstanz oder Freiburg.

Gauland sagte, er sehe auch keinen Grund, sich von einem Tweet des AfD-Bundestagsabgeordneten Markus Frohnmaier zu distanzieren. Dieser hatte im Kurznachrichtendienst Twitter geschrieben: "Wenn der Staat die Bürger nicht mehr schützen kann, gehen die Menschen auf die Straße und schützen sich selber. Ganz einfach! Heute ist es Bürgerpflicht, die todbringende "Messermigration" zu stoppen!". Gauland erklärte: "Selbstverteidigung ist mit Sicherheit nicht Selbstjustiz. Nichts anderes ist gemeint."

+++ 29.08.2018: Einer der mutmaßlichen Messerstecher mehrfach vorbestraft +++

Im Fall der tödlichen Messerattacke von Chemnitz ist einer der beiden Tatverdächtigen mehrfach vorbestraft. Das teilte die Staatsanwaltschaft Chemnitz am Mittwoch mit. Sie wollte aber nicht bekanntgeben, ob es sich um den 22 Jahre alten Iraker oder den 23-jährigen Syrer handelt. Der Mann stehe unter Bewährung, hieß es.

Zum aktuellen Stand der Ermittlungen, insbesondere zum Tatmotiv, könne man derzeit keine Auskünfte geben, hieß es weiter. Auch übereinstimmende Medienberichte, wonach das Opfer deutsche und kubanische Wurzeln besitzt, vermochte die Staatsanwaltschaft Chemnitz "nicht zweifelsfrei" zu bestätigen. Tatsache sei aber, dass er im früheren Karl-Marx-Stadt geboren wurde und deutscher Staatsbürger sei, hieß es.

+++ 29.08.2018: Staatsanwaltschaft Dresden ermittelt wegen Haftbefehls im Internet +++

Die Staatsanwaltschaft Dresden ermittelt wegen eines im Internet veröffentlichten Haftbefehls zum Fall Chemnitz. Es geht um den Vorwurf, Dienstgeheimnisse verletzt zu haben, wie das sächsische Justizministerium am Mittwoch mitteilte. Ob das Dokument echt ist, wurde offengelassen. "Der Sachverhalt muss nun schnellstens aufgeklärt und die notwendigen strafrechtlichen Konsequenzen gezogen werden", hieß es.

+++ 29.08.2018: AfD weist Verantwortung für Chemnitzer Ausschreitungen zurück +++

Nach den Demonstrationen mit Verletzten in Chemnitz hat der AfD-Vorsitzende Jörg Meuthen eine Mitschuld seiner Partei an den Ausschreitungen zurückgewiesen. Die Verantwortung der AfD liege bei "exakt null", sagte er am Mittwoch im Radioprogramm SWR Aktuell. Die AfD schüre keine fremdenfeindliche Stimmung in Chemnitz. "Wir gießen da nicht Öl ins Feuer, sondern da ist eine finstere Stimmung im Land, die nur zu begründet ist."

Nach Ansicht von Meuthen sind viele Bürger nach dem Tod des 35-Jährigen zu Recht besorgt. "Die Menschen sind empört über die Straftat, die hier begangen wurde, und sie gehen zu Tausenden auf die Straße, weil es keine Einzeltat ist und weil es darum geht, dass sich die Bürger im öffentlichen Raum nicht mehr sicher fühlen - und das aus guten Gründen."

+++ 29.08.2018: Haftbefehl im Netz aufgetaucht - Rechte posten Dokumente +++

Weil in sozialen Netzwerken der angebliche Haftbefehl gegen einen der mutmaßlichen Messerstecher von Chemnitz kursiert, will Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) ein Ermittlungsverfahren einleiten. Die Veröffentlichung sei eine Straftat, sagte Kretschmer dem MDR am Mittwochmorgen. Sein Stellvertreter Martin Dulig (SPD) sprach von einem ungeheuerlichen Vorgang. "Wenn ich höre, dass der Haftbefehl wahrscheinlich aus der Polizei heraus in rechtsextreme Kreise geleakt wurde, haben wir ein dickeres Problem aufzuarbeiten."

Der Haftbefehl kursiert seit Dienstagabend auf verschiedenen Plattformen. Das Schreiben wirkt authentisch und enthält unter anderem den vollen Namen des Verdächtigen. Die sächsischen Behörden prüfen derzeit die Echtheit."Woher die Bilder kommen, ist für uns gegenwärtig nicht nachvollziehbar", twitterte das sächsische Innenministerium, nachdem der Haftbefehl im Netz die Runde machte. Unter anderem hatte die rechtspopulistische Gruppe "Pro Chemnitz" den Haftbefehl geteilt. Inzwischen heißt es auf deren Facebook-Seite, die "Internet-Polizei" habe den Post gelöscht.

+++ 29.08.2018: Großes Polizeiaufgebot hält Kundgebungen in Köln auseinander +++

Mit einem großen Aufgebot hat die Polizei in Köln rechte und linke Demonstranten auseinandergehalten, die nach den Ausschreitungen in Chemnitz auf die Straße gegangen waren. Die von der Polizei dem rechten Spektrum zugeordnete Organisation "Begleitschutz Köln" hatte zu einer Kundgebung wegen der tödlichen Messerstiche in Chemnitz aufgerufen. Den rund 100 Teilnehmern stand am Dienstag ein Vielfaches an Gegendemonstranten gegenüber, die dem Aufruf von "Köln gegen Rechts", "Antifa" und "Kein Veedel für Rassismus" gefolgt waren.

Die Polizei der Millionenstadt hatte im Vorfeld vor möglichen "unfriedlichen Aktionen" von Kundgebungsteilnehmern gewarnt und Verstärkung aus anderen Städten angefordert. Bis auf kleinere Reibereien sei aber alles friedlich geblieben, sagte ein Polizeisprecher.

+++ 29.08.2018:Ruhige Nacht in Chemnitz +++

Nach den Ausschreitungen der vergangenen Tage ist es in der Nacht zu Mittwoch in Chemnitz ruhig geblieben. Es habe keine größeren Vorkommnisse gegeben, sagte ein Polizeisprecher am Morgen. Am Montagabend waren bei Protesten rechter und linker Demonstranten nach Angaben der Polizei in Chemnitz 20 Menschen verletzt worden, darunter zwei Polizisten.

+++ 28.08.2018: Pistorius warnt nach Chemnitz-Krawallen vor Beschwichtigungen +++

Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD) hat davor gewarnt, die Attacken von Rechtsextremen in Chemnitz kleinzureden. "Keine Beschwichtigungen, keine Relativierungen", mahnte Pistorius am Dienstag auf seinem Facebook-Account. "Dieses Signal erwarte ich von allen Anständigen in diesem Land und insbesondere auch vom Bundesinnenminister und allen, die Verantwortung tragen." Weiter schrieb er: "Unser Land gehört nicht dieser verblendeten nationalistischen, fremdenfeindlichen, tumben Minderheit, die in Chemnitz ihre denkbar hässlichste Fratze gezeigt hat."

+++ 28.08.2018: Giffey will am Freitag Chemnitz besuchen +++

Nach den rechten Demonstrationen und Übergriffen in Chemnitz will Bundesfamilienministerin Franziska Giffey am Freitag in die sächsische Stadt fahren. Sie wolle denen den Rücken stärken, die vor Ort für ein demokratisches Chemnitz eintreten, kündigte die SPD-Politikerin am Dienstag an. Sie wolle auch mit der Chemnitzer Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig (SPD) sprechen. "Gerade in Ostdeutschland ist es wichtig, dass wir die Menschen stärken, die Haltung und Rückgrat beweisen", betonte Giffey.

Die Ministerin verwies auf das Bundesprogramm "Demokratie leben!", dessen Befristung im Mai aufgehoben worden war. Mit dem Programm werden in Deutschland insgesamt 265 Städte, Gemeinden und Landkreise unterstützt, Handlungskonzepte zur Förderung von Demokratie und Vielfalt zu entwickeln. Auch in Sachsen und in Chemnitz würden Projekte und jene gefördert, die sich für Demokratie und gegen Extremismus engagieren, sagte Giffey.

"Die Ereignisse in Chemnitz haben mich erschüttert. Ein schlimmes Verbrechen wird von Rechtsradikalen und rechten Hooligans instrumentalisiert, um Selbstjustiz zu üben und Jagd auf Menschen zu machen", erklärte Giffey weiter. Wenn Rechte versuchten, "den öffentlichen Raum zu kapern und staatliche Institutionen in Frage stellen, dürfen wir das nicht hinnehmen. Im Gegenteil, wir müssen Gesicht zeigen".

+++ 28.08.2018: Wenig Zulauf bei Mahnwache von Pegida-Anhängern vor Dresdner Landtag +++

Eine Mahnwache von Bürgern aus dem Dunstkreis der islamfeindlichen Pegida-Bewegung hat am Dienstag in Dresden zunächst nur wenig Zulauf erhalten. Eine Stunde nach Beginn der Aktion, die anlässlich der Vorkommnisse in Chemnitz angemeldet wurde, waren nur etwa 50 Teilnehmer gekommen. Gut 100 Meter entfernt versammelten sich etwa dreimal so viele Gegendemonstranten. Da es auf beiden Seiten anfangs weder Sprechchöre noch Redebeiträge gab, wirkte das Geschehen sehr statisch.

Später ergriffen bei der Mahnwache mehrere Redner das Wort und geißelten die Asylpolitik der Bundesregierung. Auf einem Banner wurde Chemnitz in einer Reihe mit Berlin, Paris und London genannt - Städte, in denen Attentate stattgefunden hatten. Die Mahnwache war unter dem Titel "Innere Sicherheit - schützt unsere Familien!" von einer Person angemeldet worden. Unter den Teilnehmern befanden sich mehrere Menschen, die zum Stammpublikum von Pegida gehören.

+++ 28.08.2018: Nach Demos in Chemnitz Versammlungen in Dresden angekündigt +++

Nach den Protesten in Chemnitz sind für Dienstag zwei Versammlungen in Dresden angekündigt. Das teilte die Stadt Dresden am Dienstag mit. Zu einer Versammlung vor dem Landtag unter dem Motto "Innere Sicherheit - schützt unsere Familien!" ist eine Versammlung mit bis zu 100 Personen angezeigt. Anmelder ist eine "natürliche Person". Aus datenschutzrechtlichen Gründen wollte die Stadt keine näheren Angaben zum Veranstalter machen.

Parallel hat die Grüne Jugend Sachsen ebenfalls in der Innenstadt eine Versammlung mit bis zu 150 Teilnehmern unter dem Motto "Kein Platz für rechte Hetze" bei der Stadt angezeigt.

+++ 28.08.2018:Merkel zu Chemnitz: Für Hass ist auf unseren Straßen kein Platz +++

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat nach den erneuten Protesten in Chemnitz bekräftigt, in einem Rechtsstaat sei kein Platz für Hetzjagden auf Ausländer. Die Kanzlerin sagte am Dienstag in Berlin: "Wir haben Videoaufnahmen darüber, dass es Hetzjagden gab, dass es Zusammenrottungen gab, dass es Hass auf der Straße gab, und das hat mit unserem Rechtsstaat nichts zu tun." Sie fügte hinzu: "Es darf auf keinem Platz und keiner Straße zu solchen Ausschreitungen kommen."

+++ 28.08.2018: 20 Verletzte bei Demos in Chemnitz - 591 Polizisten im Einsatz +++

Nach dem Stadtfest gerieten mehrere Männer in Chemnitz in einen Streit. Ein Mann erliegt im Krankenhaus seinen Verletzungen.

Nach dem Stadtfest gerieten mehrere Männer in Chemnitz in einen Streit. Ein Mann erliegt im Krankenhaus seinen Verletzungen. Bild: dpa

Bei den Protesten am Montagabend in Chemnitz sind 18 Demonstranten und zwei Polizisten verletzt worden. Das gab die Polizei am Dienstag in einer Einsatzbilanz bekannt. Darüber hinaus gab es 43 Anzeigen unter anderem wegen Körperverletzung (11), Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen (10), Landfriedensbruchs (2) und Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz (3).

Den Angaben zufolge waren 591 Einsatzkräfte aufgeboten. Laut Polizei hatten sich bei der vom rechtspopulistischen Bündnis Pro Chemnitz angemeldeten Demonstration rund 6000 Teilnehmer versammelt. An der von der Links-Partei für das Bündnis Chemnitz nazifrei organisierten Kundgebung hatten danach rund 1500 Menschen teilgenommen.

+++ 28.08.2018: Seehofer bietet Sachsen Polizeiunterstützung des Bundes an +++

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) hat kein Verständnis für Gewalt auf den Straßen von Chemnitz als Antwort auf die tödliche Gewalt bei einem Stadtfest. Seehofer erklärte am Dienstag: "Mein tiefes Mitgefühl gilt den Angehörigen des Opfers der Messerattacke. Ich bedauere diesen Todesfall zutiefst." Die Betroffenheit der Bevölkerung darüber sei verständlich. "Aber ich will auch ganz deutlich sagen, dass dies unter keinen Umständen den Aufruf zu Gewalt oder gewalttätige Ausschreitungen rechtfertigt", fügte er hinzu. Dafür sei in einem Rechtsstaat kein Platz.

Die sächsische Polizei sei in einer schwierigen Situation, sagte Seehofer. Sie könne, falls gewünscht, vom Bund Hilfe in Form von "polizeilichen Unterstützungsmaßnahmen" erhalten.

+++ 28.08.2018:Hooligans haben bundesweit für Chemnitz mobilisiert +++

Zur Demonstration "Pro Chemnitz" mit Tausenden Teilnehmern sind nach Erkenntnissen des Verfassungsschutzes Hooligans und Rechtsextremisten aus dem gesamten Bundesgebiet angereist. Es sei überregional für Chemnitz mobilisiert worden und es habe am Montag überregionale Anreisebewegungen gegeben, sagte der Sprecher des sächsischen Verfassungsschutzes, Martin Döring, am Dienstag.

Den Kern hätten sächsische Rechtsextremisten gebildet. Die Szene in Chemnitz um die Hooligan-Gruppen "Kaotic" und "NS-Boys" sei virulent und mobilisierungsstark. Es seien vor allem die sozialen Netzwerke genutzt worden, um zur Fahrt nach Sachsen aufzurufen.

+++ 28.08.2018: Österreichs Kanzler Kurz verurteilt Ausschreitungen in Chemnitz +++

Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz hat die gewalttätigen Vorfälle in Chemnitz verurteilt. "Ich bin erschrocken über die neo-nazistischen Ausschreitungen in #Chemnitz", schrieb der Chef der konservativen ÖVP am Dienstag auf Twitter. "Vorfälle wie diese sind auf das Schärfste zu verurteilen!".

+++ 28.08.2018: Polizei beklagt Personalmangel +++

Bei neuen Protesten rechter und linker Demonstranten in der Chemnitzer Innenstadt sind am Montagabend mindestens sechs Menschen verletzt worden. Es seien Feuerwerkskörper und Gegenstände geworfen worden, hieß es bei der Polizei. Nach Ende der beiden Demonstrationen räumte ein Polizeisprecher Personalmangel in den eigenen Reihen ein.Nach Ansicht der GdP hat der Staat mit Schuld an dieser Entwicklung. Der jahrelange Abbau von insgesamt 16.000 Stellen bei der Polizei habe dazu geführt, dass alle Einsatzkräfte stets verplant seien. Die GdP fordere 20.000 neue Stellen.

+++ 28.08.2018: Polizei leitet 10 Ermittlungsverfahren wegen Zeigen des Hitlergrußes ein +++

Wie die Polizei unter anderem beim Kurznachrichtendienst Twitter schreibt, wurden im Zusammenhang mit dem rechtsextremen Aufmarsch in Chemnitz am Montagabend bisher zehn Ermittlungsverfahren wegen Zeigen des Hitlergrußes eingeleitet. Dazu kommt auch die Verwqendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organe.

+++ 28.08.2018: Polizeigewerkschaft warnt vor Selbstjustiz +++

Nach den Ausschreitungen in Chemnitz hat die Gewerkschaft der Polizei (GdP) vor dem Risiko zunehmender Selbstjustiz gewarnt. "Der Staat ist dafür da, mit Polizei und Justiz seine Bürger zu schützen", sagte der GdP-Bundesvorsitzende Oliver Malchow der "Neuen Osnabrücker Zeitung". "Wenn er das in den Augen vieler Bürger aber nicht mehr leisten kann, besteht die Gefahr, dass die Bürger das Recht selbst in die Hand nehmen und auf Bürgerwehren und Selbstjustiz bauen." Dies sei ein erschreckender Trend. Über die sozialen Medien könnten viele Menschen schnell mobilisiert werden. "Aus jeder Dorfschlägerei kann eine Hetzjagd werden." Dabei handle es sich um Straftaten, die hart zu ahnden seien.

Nach Ansicht der GdP hat der Staat mit Schuld an dieser Entwicklung. Der jahrelange Abbau von insgesamt 16.000 Stellen bei der Polizei habe dazu geführt, dass alle Einsatzkräfte stets verplant seien. "Für Einsatzlagen wie in Chemnitz müssten sich stets mehrere hundert Kollegen in Reserve bereit halten. Das ist vollkommen unrealistisch", sagte Malchow der Zeitung. Dafür fehlten den Bereitschaftspolizeien die notwendigen Einsatzkräfte. Die GdP fordere 20.000 neue Stellen. "Der Staat hat beim Thema Innere Sicherheit versagt, weil er massiv Personal abgebaut hat. Dieses Problem ist nicht schnell lösbar", sagte der GdP-Chef.

+++ 27.08.2018: Mehrere Verletzte ins Krankenhaus gebracht +++

Wie die Polizei Sachsen via Twitter mitteilt hat es nach den jüngsten Krawallen in Chemnitz mehrere Verletzte gegeben. Demnach hätten zahlreiche Demonstranten Feuerwerkskörper gezündet. "Wir fordern eindringlich auf friedlich zu bleiben", schreibt die Polizei via Twitter.

+++ 27.08.2018: Tausende Menschen bei Demos in Chemnitz - Wasserwerfer fahren vor +++

Nach den gewalttätigen Ausschreitungen in Chemnitz haben sich am Montagabend mehrere tausend Menschen in der sächsischen Stadt an Protestdemonstrationen beteiligt. Allein an der von Rechten getragenen Kundgebung beteiligten sich nach Schätzungen weit mehr als 2000 Menschen. Nachdem mehrere Böller explodierten und eine Rakete aus den Reihen dieser Demonstration gezündet wurde, setzte sich ein Marschzug in Bewegung.

Auf der anderen Seite der viel befahrenen Hauptstraße hatten sich mehr als 1000 Gegendemonstranten zusammengefunden. Die Polizei versuchte mit einem Großaufgebot von Beamten und Fahrzeugen, beide Lager zu trennen. Wasserwerfer wurden aufgefahren, um bei einer weiteren Eskalation die Lage unter Kontrolle zu halten.

+++ 27.08.2018: Generalstaatsanwalt übernimmt Ermittlungen zum Fall Chemnitz +++

Die Generalstaatsanwaltschaft in Dresden hat die Ermittlungen zu den gewalttätigen Auseinandersetzungen am Rande des Chemnitzer Stadtfestes übernommen. Das teilte die Behörde am Montagabend mit. Bei dem Vorfall war am Wochenende ein 35 Jahre alter Deutscher getötet worden, zwei weitere Männer erlitten schwere Verletzungen. Am Montag erging Haftbefehl gegen einen 23-jährigen Syrer und einen 22 Jahre alten Mann aus dem Irak. Ihnen wird Totschlag vorgeworfen. Das Opfer hatte mehrere Messerstiche erlitten. Danach kam es zu ausländerfeindlichen Übergriffen von Rechtsextremen in Chemnitz.

"Wir wollen die Ermittlungen konzentriert und beschleunigt führen, damit die mutmaßlichen Täter schnellstmöglich vor Gericht gestellt werden können", sagte Generalstaatsanwalt Hans Strobl. Sachsens Justizminister Sebastian Gemkow (CDU) verlangte eine zügige Aufklärung. "Aber mit der gleichen Entschlossenheit werden wir die Ermittlungen wegen der anschließenden Ausschreitungen vorantreiben." Es sei richtig, dass Strobl die Ermittlungen übernommen habe. Für solche Verfahren sei die Sondereinheit "Zentralstelle Extremismus Sachsen" eingerichtet worden.

+++ 27.08.2018: Polizei hält Hunderte Demonstranten in Chemnitz auseinander +++

Am Tag nach den Übergriffen auf Ausländer in Chemnitz hat die Polizei versucht, ein Aufeinanderprallen von rechten und linken Gruppen zu verhindern. Kurz nach einer Kundgebung gegen rechte Gewalt im Stadtpark von Chemnitz drängten am Montag Hunderte Demonstranten in Richtung einer Kundgebung der rechten Szene auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Dort skandierten sie Parolen wie "Nationalismus raus aus den Köpfen" und "Es gibt kein Recht auf Nazipropaganda".

In Sicht- und Hörweite hatte die rechte Szene am Karl-Marx-Monument eine Kundgebung mit einem Aufzug durch die Innenstadt beantragt. Geschätzt 1000 Menschen hatten sich dort versammelt. Am Monument wurde ein Transparent mit dem Spruch "Deitsch un' frei woll'n mer sei" des Dichters Anton Günther (1876-1937) angebracht. Hunderte Beamte der Bereitschaftspolizei hatten die Straße zwischen beiden Kundgebungen gesperrt.

+++ 27.08.2018: Polizei: 50 Gewaltbereite am Sonntag bei Protesten in Chemnitz +++

Rund 50 gewaltbereite Menschen waren laut Polizei unter den Demonstranten, die sich am Sonntag in Chemnitz nach dem Tod eines 35-Jährigen versammelt haben. Diese hätten in dem Aufzug mit rund 800 Teilnehmern den Ton angegeben, sagte die Chemnitzer Polizeipräsidentin Sonja Penzel am Montag. Polizisten seien mit Flaschen und Steinen beworfen worden. Drei Geschädigte, ein Afghane, ein Syrer und ein Bulgare, hätten bislang Anzeige erstattet. Penzel rief Zeugen dazu auf, eventuell vorhandene Videos von den Ausschreitungen an die Behörden zu übergeben.

+++ 27.08.2018: Regierungschef verurteilt Gewalt und Stimmungsmache in Chemnitz +++

Der sächsische Regierungschef Michael Kretschmer (CDU) hat nach den Ereignissen in Chemnitz Hetze und Selbstjustiz angeprangert. "Es ist widerlich, wie Rechtsextreme im Netz Stimmung machen und zur Gewalt aufrufen. Wir lassen nicht zu, dass das Bild unseres Landes durch Chaoten beschädigt wird", sagte er am Montag in Dresden der Deutschen Presse-Agentur.

Polizei und Justiz arbeiteten mit Hochdruck an der Aufklärung der tragischen Geschehnisse. "Ein Mensch hat dabei sein Leben verloren. Zwei weitere sind schwer verletzt. Der Sachverhalt muss umfassend aufgeklärt und die Täter zur Verantwortung gezogen werden." Dazu brauche man ein umfassendes Bild von den Geschehnissen und keine Mutmaßungen, Spekulationen und Gerüchte.

+++ 27.08.2018: Nach Tod eines Mannes in Chemnitz Haftbefehle beantragt +++

Einen Tag nach dem gewaltsamen Tod eines Mannes in Chemnitz hat das Amtsgericht Chemnitz zwei Haftbefehle erlassen. Betroffen sind ein 23 Jahre alter Mann aus Syrien und ein 22-Jähriger Iraker, teilte die Staatsanwaltschaft Chemnitz mit. Die beiden Männer sollen am frühen Sonntagmorgen in der Chemnitzer Innenstadt nach einer verbalen Auseinandersetzung mehrfach auf einen 35-jährigen Deutschen eingestochen haben. Das Opfer starb kurz darauf im Krankenhaus. Zwei weitere Männer wurden schwer verletzt. Die Ermittlungen zum Tatmotiv, zum genauen Ablauf und zur Tatwaffe dauern an. Für den Abend sind Demonstrationen zu dem Fall angekündigt.

+++ 27.08.2018: Grüne: Mitschuld der sächsischen Regierungen an Chemnitzer Vorgängen +++

Die Grünen haben den sächsischen Regierungen eine Mitschuld an der Eskalation in Chemnitz gegeben. Es fehle seit Jahren eine klare Haltung, und man habe jene gewähren lassen, die hetzten und zündelten, erklärte Parteichefin Christin Melcher am Montag in Dresden. Vorfälle wie in Heidenau oder Clausnitz und das teils zögernde Eingreifen von Polizeibeamten dort hätten ein Signal gegeben, dass solche Gewaltexzesse nicht durchgreifend geahndet werden. "Nicht ohne Grund wurde immer wieder von dem Mob gebrüllt, Chemnitz sei seine Stadt." Die erschreckenden Bilder aus Chemnitz zeigten ein neues Ausmaß von Gewalt und Kontrollverlust.

+++ 27.08.2018: Bundesregierung verurteilt "Hetzjagden" auf Ausländer in Chemnitz +++

Die Bundesregierung hat Übergriffe auf Migranten in Chemnitz scharf verurteilt. Regierungssprecher Steffen Seibert sagte am Montag in Berlin: "Was gestern in Chemnitz stellenweise zu sehen war und was ja auch in Videos festgehalten wurde, das hat in unserem Rechtsstaat keinen Platz." Er fügte hinzu: "Solche Zusammenrottungen, Hetzjagden auf Menschen anderen Aussehens, anderer Herkunft, oder der Versuch, Hass auf den Straßen zu verbreiten, das nehmen wir nicht hin, das hat bei uns in unseren Städten keinen Platz, und das kann ich für die Bundesregierung sagen, dass wir das auf das Schärfste verurteilen."

+++ 27.08.2018: Menschen demonstrieren nach Messerstecherei in Chemnitz +++

Laut der Polizei hatte es am Sonntag mehrere Aufrufe im Internet gegeben, sich in der Innenstadt einzufinden. Den Angaben nach hatten sich daraufhin zunächst gegen 15.00 Uhr rund 100 Menschen versammelt. Dies sei störungsfrei verlaufen. Diese Versammlung ging auf einen Aufruf der Alternative für Deutschland (AfD) zurück. Dem folgte eine weitere Versammlung um 16.30 Uhr. Zu dieser Versammlung hatte laut Medienberichten die rechte Ultra-Fußballvereinigung Kaotic Chemnitz aufgerufen. Bei der zweiten Versammlung nahmen laut Polizei rund 800 Personen teil.

Polizisten und Demonstranten in Chemnitz.

Polizisten und Demonstranten in Chemnitz. Bild: dpa

Spontaner Aufmarsch Hunderter Menschen durch Chemnitz

"Die Personengruppe reagierte nicht auf die Ansprache durch die Polizei und zeigte keine Kooperationsbereitschaft", teilten die Beamten mit. Die Gruppierung habe sich plötzlich in Bewegung gesetzt. Die Polizei sei zunächst nur mit geringen Kräften vor Ort gewesen, hieß es weiter. Weitere Einsatzkräfte kamen zu diesem Zeitpunkt aus Dresden und Leipzig. Die Ansammlungen hatten sich am Abend nach und nach aufgelöst. Es werden laut Polizei vier Anzeigen bearbeitet, darunter zwei wegen Körperverletzung, eine wegen Bedrohung sowie eine wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte.

Streit einer Männergruppe eskaliert nach dem Stadtfest in Chemnitz

Hintergrund ist ein verhängnisvoller Streit in der Nacht zum Sonntag in Chemnitz mit einem Toten. Zwei weitere Männer im Alter von 33 und 38 Jahren wurden verletzt, zum Teil schwer, wie die Polizei Chemnitz mitteilte. Alle drei sind laut den Ermittlern Deutsche. Bei dem Streit sollen Messer zum Einsatz gekommen sein.

Zwei Verdächtige in Chemnitz festgenommen

Die Polizei hat zwei 22 und 23 Jahre alte Männer vorläufig festgenommen, die sich vom Tatort entfernt hätten. Zu deren Nationalität wollten die Beamten zunächst keine Aussage machen, da noch geprüft werde, ob und wie diese in die Auseinandersetzung involviert gewesen seien. Staatsanwaltschaft und Polizei ermitteln wegen Totschlags. An dem Streit mit nach ersten Ermittlungen maximal zehn Personen sind laut Polizei Männer mehrerer Nationalitäten beteiligt gewesen.

Grund für den Streit in Chemnitz bisher unklar

Der Grund für die Auseinandersetzung ist nach ersten Informationen unklar. Ihr soll ein verbaler Streit vorausgegangen sein. Mehrere Personen waren danach vom Tatort geflohen.

Informationen, die kursierten, nach denen dem Streit eine Belästigung von Frauen vorausgegangen sein soll, bestätigten sich nach ersten Ermittlungen der Polizei nicht. Die Polizei rief auf Twitter dazu auf, sich nicht an Spekulationen zu beteiligen.

35-Jähriger erliegt im Krankenhaus seinen Verletzungen

Das 35-jährige Opfer starb im Krankenhaus an seinen Verletzungen. Die beiden anderen verletzten Männer wurden ebenfalls ins Krankenhaus gebracht. Am Sonntag wurden Zeugen vernommen, wie eine Sprecherin weiter sagte. Aus ermittlungstaktischen Gründen wollte die Polizei zunächst keine weiteren Angaben machen.

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fka/news.de/dpa
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