05.09.2018, 12.27 Uhr

Mordfall Mia (15) aus Kandel: Abdul D. verurteilt! Staatsanwaltschaft legt Revision ein

Im Prozess um den Mord an der 15-jährigen Mia aus Kandel wird am Montag das Urteil erwartet.

Im Prozess um den Mord an der 15-jährigen Mia aus Kandel wird am Montag das Urteil erwartet. Bild: dpa

Rund acht Monate nach dem tödlichen Messerangriff auf die 15-jährige Mia in Kandelhat das Landgericht in Landau am Montag das Urteil sprechen. Angeklagt war der vermutlich aus Afghanistan stammende Abdul D., der Ex-Freund des Opfers. Er soll Mia kurz nach Weihnachten 2017 in einem Drogeriemarkt der kleinen Stadt aus Eifersucht erstochen haben. Die Staatsanwaltschaft geht von Mord aus und wirft dem Angeklagten vor, heimtückisch und aus niedrigen Beweggründen gehandelt zu haben. Das Verbrechen hatte bundesweit für großes Entsetzen gesorgt. Der Fall fachte zudem die Diskussion um die Altersfeststellung von jungen Flüchtlingen neu an.

+++ Update 05.09.2018: Staatsanwaltschaft legt Revision gegen das Abdul-D.-Urteil ein +++

Wie "Focus" berichtet, habe die Staatsanwaltschaft Revision gegen das Urteil im Mordfall Mia eingelegt. Das bedeutet, dass das bisherige Urteil gegen Abdul D. auf mögliche Rechtsfehler hin untersucht wird.

Urteil im Kandel-Prozess: Acht Jahre und sechs Monate Haft für Abdul D.

Die Richter verurteilten den mutmaßlich aus Afghanistan stammenden Abdul D. wegen Mordes und Körperverletzung nach Jugendstrafrecht, wie das Gericht am Montag mitteilte. Die Staatsanwaltschaft und die Nebenkläger hatten zuvor eine Freiheitsstrafe von zehn Jahren gefordert, die Verteidigung sieben Jahre und sechs Monate wegen Totschlags.

Prozess um Mord in Kandel: Abdul D. akzeptiert Urteil

"Mein Mandant verzichtet auf Rechtsmittel und ist mit dem Strafmaß einverstanden", sagte Anwalt Maximilian Endler am Montag in Landau. Das Urteil sei "angemessen". Ob auch andere Prozessbeteiligte den Richterspruch akzeptieren, wisse er nicht.

Er rechne damit, dass der Verurteilte nach der Verbüßung eines Teils der Strafe abgeschoben werde, sagte Endler. In seinem letzten Wort habe sein Mandant noch einmal Reue bekundet. Das Urteil habe der Angeklagte gefasst aufgenommen.

Wie alt ist Messerstecher Abdul D. wirklich?

Abdul D. war nach seiner Ankunft in Deutschland als unbegleiteter minderjähriger Flüchtling aufgenommen und betreut worden. Er gab sein Alter zunächst mit 15 Jahren an. Nach der Tat kamen Zweifel auf, ob er tatsächlich so jung ist. Ein Gutachten im Auftrag der Staatsanwaltschaft kam zu dem Ergebnis, dass er zum Zeitpunkt der Tat mindestens 17 Jahre und sechs Monate alt war, wahrscheinlich aber schon 20 Jahre alt war. Verurteilt wurde er nun nach Jugendstrafrecht, wie ein Gerichtssprecher sagte.

Mutter des Opfers sagt vor Gericht aus, Angeklagter würgt angeblich Justizbeamten

Zuletzt hatte die Mutter des Opfers ausgesagt. Außerdem seien am Freitag ein Psychologe sowie zwei Mitarbeiterinnen des Frankfurter Jugendamtes in den Zeugenstand berufen worden, sagte der Anwalt des Angeklagten, Maximilian Endler, am Rande der Verhandlung.

Die "Bild"-Zeitung berichtete unter Berufung auf einen namentlich nicht genannten Ermittler, dass der mutmaßliche Täter Abdul D. während der Aussage der Mutter des Opfers bereits auf der Anklagebank hin und her gerutscht sei, um dann angeblich die Beherrschung zu verlieren. Der Mann sei aufgesprungen, hätte um sich geschlagen, einen Beamten bespuckt und ihn als "Drecksbullen" bezeichnet. Zudem soll er einen Beamten gewürgt haben. Daraufhin soll Abdul D. von SEK-Beamten ruhig gestellt und in Hand- und Fußfesseln abgeführt worden sein.

Mordfall Mia aus Kandel: Schärferes Jugendstrafrecht gefordert

Am Rande der Verhandlung waren wiederholt Forderungen nach einer Verschärfung des Jugendstrafrechts laut geworden. Rechtsexperten wie die Anwältin Jenny Lederer weisen dies aber zurück. "Solche Forderungen mögen sich alltagspsychologisch bei aufwühlenden Prozessen erklären lassen", sagte sie der Deutschen Presse-Agentur. Der oft geäußerte Vorwurf einer angeblichen "Kuscheljustiz" der Gerichte bei Minderjährigen und Heranwachsenden sei aber falsch.

Herrscht in Deutschland "Kuscheljustiz" bei Minderjährigen?

"Mit Blick auf das Kernstück des Jugendstrafrechtes - den Erziehungsgedanken - helfen Forderungen nach höheren Strafen nicht weiter. Man darf nicht aus dem Blick verlieren, dass sich junge Menschen - auch über das 21. Lebensjahr hinaus - in einer Entwicklungsphase befinden", sagte Lederer, Mitglied des Strafrechtsausschusses des Deutschen Anwaltvereins. Schon die Höchstgrenzen von 10 Jahren beziehungsweise 15 Jahren seien gravierende Sanktionsmöglichkeiten, die mit diesem Gedanken nicht vereinbar seien und von denen nur restriktiv Gebrauch zu machen sei.

Mord oder Totschlag? Welche Strafe erwartet Mias Mörders Abdul D.?

Unklar war, ob der Angeklagte im Falle eines Schuldspruchs wegen Mordes oder wegen Totschlags verurteilt werden wird. Als offen galt auch, ob das Gericht ein Urteil nach Jugendstrafrecht fällen wird. Was Anklage und Verteidigung in ihren Plädoyers gefordert hatten, war vom Gericht nicht mitgeteilt worden - der Prozess sei nicht öffentlich, hieß es.

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rut/fka/news.de/dpa
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