28.07.2018, 08.00 Uhr

"Muss man wissen!": Die krude Pseudowissenschaft des Dr. Axel Stoll

Laut Dr. Axel Stoll verfügte Deutschland während des Zweiten Weltkriegs bereits über Ufo-Technologie (Symbolbild).

Laut Dr. Axel Stoll verfügte Deutschland während des Zweiten Weltkriegs bereits über Ufo-Technologie (Symbolbild). Bild: unlimit3d/fotolia

Von news.de-Redakteur Thomas Jacob

Nur wenige kennen Axel Stoll, aber viele haben vermutlich bereits von ihm gehört: Der rechte Pseudowissenschaftler wurde vor allem durch zahlreiche Vorträge, die auf YouTube veröffentlicht wurden, bekannt. Doch Stoll bleibt weniger für seine überzeugenden Theorien, sondern vor allem durch seinen unfreiwillig komischen Vortragsstil im Gedächtnis. Getreu Stolls Credo "Muss man wissen!", verraten wir Ihnen mehr über den Verschwörungstheoretiker.

Axel Stoll: Das Leben des "promovierten Naturwissenschaftlers"

Axel Stoll wurde am 30. Oktober 1948 in Berlin geboren und studierte an der Universität Greifswald Geologie auf Diplom. Später promovierte er an der Akademie der Wissenschaften der DDR mit seiner Dissertation "Zur Rhythmizität/Zyklizität und Korrelation des höheren Saxon der westlichen Altmark". Später veröffentlichte er zahlreiche Bücher – zum Teil im Selbstverlag – und schaffte es 2010 sogar als Ufo-Experte ins US-TV. Stoll wurde am 28. Juli 2014 tot in seiner Berliner Wohnung aufgefunden.

Warum Arier eigentlich aus dem Weltall stammen

Doch auch im deutschen Fernsehen konnte Stoll seine Ansichten verbreiten. Im Dokumentarfilm "Die Arier" von Mo Asumang aus dem Jahr 2014 erzählt er davon, dass die Arier eigentlich eine Rasse aus dem Sternensystem des Aldebaran seien, die auf der Erde einen "Strafplaneten" errichtet hätten. Zudem sei es den Nazis inzwischen gelungen, sowohl den Mond – zumindest die Rückseite – als auch den Mars zu besiedeln. Das notwendige Wissen und die Technologie sollen sie von den außerirdischen Ariern erhalten haben.

Reichsflugscheibe soll technologische Überlegenheit des Dritten Reichs beweisen

Stoll glaubt zudem an die technologische Überlegenheit der Nazis, wie er unter anderem in seinem Buch "Hoch-Technologie im Dritten Reich" ausführt. Als eine der wichtigsten Errungenschaften führt er die sogenannte Reichsflugscheibe ins Feld, ein angeblich rasend schnelles Flugobjekt, das an die späteren Ufo-Sichtungen erinnert.

Anhänger dieser Theorie berufen sich oft auf den Förster und Naturforscher Viktor Schauberger, der mit seiner Arbeit an der sogenannten "Repulsine" eine neue Antriebsart erschaffen haben soll. Handfeste Beweise gibt es dafür allerdings nicht, aber da "Magie nur Physik durch Wollen" ist, scheint das Prinzip zumindest in der Welt von Axel Stoll zu funktionieren.

Neuschwabenland-Forum und Nazis am Südpol

Die Reichsflugscheibe ist auch ein wichtiges Bindeglied zum sogenannten "Neuschwabenland-Forum", das von Stoll und einigen Mitstreitern im Jahr 2002 in Berlin gegründet wurde. Beim Stammtisch für Verschwörungstheorien aller Art ging es neben Chemtrails und der Verwandlung von Blei in Gold vor allem um die Region Neuschwabenland am Südpol. Im Rahmen einer deutschen Antarktis-Expedition im Zweiten Weltkrieg (die tatsächlich stattgefunden hat) sollen am Südpol zahlreiche Stützpunkte errichtet worden sein, die zudem den Zugang zur sogenannten Hohlerde ermöglichen sollen.

Stolls Theorie: Am Ende des Zweiten Weltkriegs wurden führende Nazi-Größen mit Reichsflugscheiben aus Deutschland in die Antarktis gebracht, wo sie seitdem im Inneren unser – laut Auffassung Stolls – hohlen Erde leben würden. Heiße Quellen würde die nötige Energie liefern.

Erfahren Sie mehr: Irrer Fund bei Google Earth – Verschanzen sich Aliens und Nazis am Südpol?

Was ist dran an den Theorien von Axel Stoll?

Zumindest aus Sicht der klassischen Natur- und Geschichtswissenschaften scheint an Axel Stolls Theorien wenig dran zu sein. Stoll stützt sich auf veraltete Theorien und mischt diese mit angeblichen Fakten, von denen nur wenige einer Überprüfung standhalten. Das Magazin "Vice" fasste den Besuch eines Neuschwabenland-Treffens folgendermaßen zusammen: "Was machst du, wenn du verzweifelt, verloren, unzufrieden oder paranoid (oder alles zusammen) bist? Du suchst dir einen charismatischen Führer und glaubst einfach alles, was er sagt." Und Charisma kann man Stoll ganz bestimmt nicht absprechen.

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jat/bua/news.de
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