10.07.2018, 18.44 Uhr

Giftanschlag in Salisbury, England: Frau stirbt an Nervengift Nowitschok, Mann wieder bei Bewusstsein

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Nach einem Kontakt mit einer "unbekannten Substanz" im englischen Salisbury befinden sich ein Mann und eine Frau in "kritischem Zustand" in einem Krankenhaus. Bild: PA Wire / picture alliance / dpa

Nach dem Tod einer Britin durch eine Vergiftung mit dem Kampfstoff Nowitschok hat Scotland Yard Mordermittlungen aufgenommen. Am Montagnachmittag sollte zudem der Krisenstab der Regierung, das Cobra-Komitee, in London zusammentreten.Sie müssen nun herausfinden, ob es zwischen diesem Giftanschlag und dem an Sergej Skripal Verbindungen gibt. Denn der russische Ex-Doppelagent Sergej Skripal (67) und seine Tochter Julia (33) waren als Opfer eines Anschlags ebenfalls mit dem Nervengift in Kontakt gekommen. London hatte Moskau dafür verantwortlich gemacht. Russland stritt das vehement ab. Der Tod der Frau könnte das Verhältnis der beiden Staaten weiter zerrütten.

Mann nach Nowitschok-Vergiftung in England bei Bewusstsein

Der mit Nowitschok vergiftete britische Mann ist wieder bei Bewusstsein. Sein Zustand sei weiter kritisch, aber stabil, teilte das Krankenhaus am Dienstag mit. "Das sind gute Nachrichten, er ist aber noch nicht über den Berg." Der 45-Jährige müsse weiter rund um die Uhr von Spezialisten versorgt werden.

Der Mann und seine 44 Jahre alte Frau waren Ende Juni mit Vergiftungserscheinungen in Amesbury gefunden worden. Die Frau starb am Sonntagabend im Salisbury District Hospital. Die Polizei geht davon aus, dass die beiden einen Behälter mit dem Nervengift berührt haben müssen. Die Dosis des Kampfstoffes sei sehr hoch gewesen, teilte Scotland Yard mit. Untersucht wird, ob es Verbindungen zum Fall Skripal gibt.

Unweit von Amesbury, in Salisbury, waren der russische Ex-Spion Sergej Skripal (67) und seine Tochter Julia (33) im März infolge eines Anschlags ebenfalls mit dem Nervengift in Kontakt gekommen. London hatte Moskau dafür verantwortlich gemacht. Russland bestreitet jegliche Verstrickung.

Erneuter Giftanschlag in England: Britin stirbt nach Nowitschok-Vergiftung

Die am Sonntagabend gestorbene 44-jährige Britin und ihr 45-jähriger Lebensgefährte waren Ende Juni mit Vergiftungserscheinungen ins Salisbury District Hospital eingeliefert worden. Der Polizei zufolge haben die beiden einen kontaminierten Gegenstand angefasst. Um was es sich dabei gehandelt hat, war aber zunächst unklar. Die beiden lebten nur rund 13 Kilometer von Salisbury entfernt. Dort wurden im März Sergej Skripal und seine Tochter Julia Opfer eines Anschlags mit Nowitschok.

Die Frau hinterlässt drei Kinder. Der Mann ist weiter in einem kritischen Zustand, wie ein Polizeisprecher sagte. Die britische Premierministerin Theresa May zeigte sich betroffen. "Ich bin entsetzt und geschockt", sagte sie einer Mitteilung zufolge.

Wie kam das Paar mit dem Nervengift in Berührung?

Die Ermittler gehen davon aus, dass das Paar aus Amesbury versehentlich mit dem tödlichen Nervengift in Berührung gekommen war. Die beiden könnte demnach etwa ein Fläschchen oder eine Injektionsspritze mit Resten des Gifts gefunden haben, das beim Attentat auf die Skripals verwendet wurde. Britische Medien berichteten, dass beide Drogenkonsumenten gewesen seien.

Die Polizei sperrte sechs Areale in Amesbury und im 13 Kilometer entfernten Salisbury ab, in denen sich das Paar kurz vor den ersten Symptomen aufhielt. Dazu zählen eine Apotheke, eine Kirche und das Wohnhaus des 45-Jährigen. Das Hostel, in dem seine Freundin lebte, wurde evakuiert.

Sergej Skripal und seine Tochter Julia leben an geheimen Ort

Sergej Skripal und seine Tochter Julia waren vor vier Monaten bewusstlos auf einer Parkbank im benachbarten Salisbury entdeckt worden. Sie entkamen nur knapp dem Tod und leben inzwischen an einem geheimen Ort. Sie wurden ebenfalls im Salisbury District Hospital behandelt.

London bezichtigte Moskau, Drahtzieher des Anschlags gewesen zu sein. Nowitschok wurde in der früheren Sowjetunion entwickelt, später wurde damit aber auch in anderen Ländern experimentiert. Der Kreml streitet die Vorwürfe vehement ab. Der Fall löste eine schwere diplomatische Krise aus. Mehr als zwei Dutzend Länder wiesen russische Diplomaten aus. Russland reagierte ebenfalls mit Ausweisungen.

Infolge des Falls Skripals hatten das Königshaus und britische Politiker beschlossen, die Fußball-Weltmeisterschaft in Russland nicht zu besuchen. Nun strebt England ausgerechnet in Moskau den größten Erfolg seit der Heim-WM 1966 an, als man Weltmeister wurde. Am Mittwoch steht in der russischen Hauptstadt das Halbfinale gegen Kroatien an.

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loc/news.de/dpa
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