16.06.2018, 09.05 Uhr

Eichenprozessionsspinner in Deutschland: Atemnot, Augenreizungen, Schock! SO giftig ist die Horror-Raupe

Gefräßig und mit schmerzenden Härchen versehen dringen die Eichenprozessionsspinner in immer mehr Gebiete vor.

Gefräßig und mit schmerzenden Härchen versehen dringen die Eichenprozessionsspinner in immer mehr Gebiete vor. Bild: dpa

Die kleinen gefräßigen Raupen mit giftigen Härchen breiten sich in Deutschland immer weiter aus - nicht nur Richtung Norden. In diesem Jahr hat das Wetter dem Eichenprozessionsspinner dabei besonders geholfen. "Im Frühjahr hatten die geschlüpften Raupen einen guten Start", sagt der Insektenkundler und Förster in Sachsen, Thomas Sobczyk. Die Wärme sei dieses Jahr spät gekommen aber genau zum richtigen Zeitpunkt für die Raupen. "So gibt es mehr Einzeltiere als im Vorjahr."

Eichenprozessionsspinner auch für den Menschen gefährlich

Durch die lange warme Zeit im Frühjahr hätten viele überlebt und sich schnell entwickelt. "Etwa vom 10. bis 15. Juli rechnen wir schon mit dem Schlüpfen der Falter, zwei Wochen früher als sonst", sagt Sobczyk. "Wenn man Nester absaugen lassen will, dann muss man das jetzt angehen." Die weißgrauen Gespinste mit einem Durchmesser von bis zu 30 Zentimetern sitzen meist an Eichen- und manchmal auch an Hainbuchenstämmen, oft auch in der Baumkrone.

Die Raupen können Eichen kahlfressen, aber auch für Menschen gefährlich werden. Ihre Härchen führen zu Pusteln und Hautausschlag. Habe es einen erwischt, helfe viel kaltes Wasser zum Abwaschen, rät Sobczyk. Der Ausschlag heile in der Regel von selbst aus. Die Haare können in seltenen Fällen jedoch auch Atembeschwerden, Atemnot, Augenreizungen oder gar einen allergischen Schock auslösen.

Was nach Kontakt mit dem Eichenprozessionsspinner zu tun ist

Bei nur kleineren Reaktionen können Betroffene zum Beispiel Lotionen oder Gels auftragen, die auch bei Juckreiz nach Mückenstichen genutzt werden, erklärt Prof. Florian Eyer, Abteilung für Klinische Toxikologie und dem Giftnotruf München an der Klinikum rechts der Isar in München. Bei stärkeren Beschwerden verschreiben Ärzte zum Beispiel Cortison.

Wichtig ist, die getragene Kleidung rasch zu wechseln und anschließend zu waschen. Da die Brennhaare gut haften, rät Prof. Eyer dazu, die Kleidung getrennt von anderer Wäsche in die Maschine zu geben. Hilfreich kann es sein, vorher mit einer Kleiderbürste oder Fusselrolle über den Stoff zu gehen.

Eichenprozessionsspinner-Gefahr in Deutschland: Spazier- und Radwege gesperrt und Unterrichtsausfall

Im nordrhein-westfälischen Velbert führten die Tiere in diesem Jahr zu Unterrichtsausfall. Rund 400 Kinder durften nach Stadtangaben zuhause bleiben, weil Fachleute die Raupen mit einem Spezialgerät von 17 Bäumen auf dem Schulgelände absaugen mussten. Dabei bestand die Gefahr, dass die giftigen Raupen-Härchen vom Wind verbreitet werden. Andernorts wurden Spazier- und Radwege wegen der Raupen gesperrt.

Der in Deutschland heimische Nachtfalter bevorzugt warme Gebiete und breitet sich derzeit aus. Im vergangenen Jahr sei er erstmals im küstennahen Bereich bei Rostock und auf der Ostsee-Insel Usedom festgestellt worden, sagt Mathis Jansen von der Landesforstanstalt Mecklenburg-Vorpommerns. Andernorts etwa in Sachsen oder Thüringen werden die Verbreitungsgebiete laut Sobczyk immer größer und fließen zusammen. In Niedersachsen ist es ähnlich.

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rut/kad/news.de/dpa
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