07.06.2018, 10.41 Uhr

Alexander Gerst : DARUM ist "Astro-Alex" der beste Chef für die ISS

Alexander Gerst 2014 vor dem Flug zur ISS: Am 6. Juni 2018 startet der deutsche Astronaut zum zweiten Mal ins All.

Alexander Gerst 2014 vor dem Flug zur ISS: Am 6. Juni 2018 startet der deutsche Astronaut zum zweiten Mal ins All. Bild: picture alliance / Dmitry Lovetsky / Pool/AP POOL/dpa

Während "Astro-Alex" Gerst noch auf dem Weg zur Raumstation ISS ist, fiebern auf der Erde Raumfahrtvertreter schon seinen zahlreichen Experimenten und seiner Zeit als Kommandant entgegen. Esa-Chef Wörner erklärt, was Gerst zum idealen Commander des Weltraumlabors macht.

Alexander Gerst wird als erster Deutscher die ISS leiten

Europas Raumfahrtchef Jan Wörner hält den Astronauten Alexander Gerst für einen ausgezeichneten Kommandanten der Internationalen Raumstation (ISS). "Sie müssen als Astronaut in der Lage sein, zu führen und zu folgen", sagte Wörner auf dem russischen Weltraumbahnhof Baikonur am Rande von Gersts Start zur ISS. Dieses Wechselspiel beherrsche Gerst, sagte der Chef der europäischen Raumfahrtagentur Esa.

"Es qualifiziert ihn, dass er in der Lage ist, das Team zu leiten, und gleichzeitig muss er als Astronaut folgen, wenn er nicht gerade der Commander ist", sagte Wörner. "Astro-Alex" soll im Herbst als erster Deutscher überhaupt das Kommando im Weltraumlabor übernehmen.

Nach zwei Tagen Flug mit der "Sojus MS-09" Ankunft in der ISS

Gerst war am Mittwoch von Baikonur in Kasachstan zum Außenposten der Menschheit gestartet. Der Flug mit dem Raumschiff "Sojus MS-09" dauert zwei Tage. Am Freitag kommen er und seine Kollegen, der Russe Sergej Prokopjew und die US-Amerikanerin Serena Auñón-Chancellor, am Ziel ihrer Reise rund 400 Kilometer über der Erde an.

DLR-ChefWalther Pelzer: "Großer Schritt für Deutschland"

Europas und Deutschlands Raumfahrtbranchen knüpfen hohe Erwartungen an die Mission "Horizons" des promovierten Geophysikers und Vulkanologen Gerst. "Deutschland ist ein Land, das von Wissen lebt. Wir haben keine Ressourcen", sagte Walther Pelzer, Leiter des Raumfahrtmanagements beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). Daher gehe es darum, technologisch und innovativ weit vorne zu bleiben. "Dafür ist diese Mission ein großer Schritt."

Wichtige Experimente in der ISS für Technologie, Medizin und Biologie

"Wir haben wirklich ein sehr interessantes Set von Experimenten, die Lösungen zu globalen Herausforderungen bringen", sagte die DLR-Vorstandsvorsitzende Pascale Ehrenfreund. Wörner betonte, die vielen wissenschaftlichen Experimente in der Technologieentwicklung, Medizin und Biologie seien wichtig. "Das sind die Dinge, mit denen wir gut nachweisen können, dass jeder investierte Euro auch einen Rückfluss hat."

Alexander Gerst experimentiert auf der ISS u.a. mit künstlicher Intelligenz

Gut sechs Monate soll der promovierte Geophysiker Gerst in dem fliegenden Labor rund 400 Kilometer über der Erde bleiben. Teil seiner Mission "Horizons" (Horizonte) sind etwa 300 Experimente, darunter 41 des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR). Unter anderem arbeitet Gerst mit einem Roboter, der auf Sprachbefehle hört. Mit dem Projekt "CIMON" testet das DLR künstliche Intelligenz.

USA, Russland, Kanada, Japan und die Agentur Esa arbeiten gemeinsam in ISS

Wörner sieht in der ISS auch ein strahlendes Beispiel der internationalen Zusammenarbeit in Zeiten geopolitischer Krisen. An dem Projekt beteiligen sich die USA, Russland, Kanada, Japan und die Agentur Esa. "Mit der Raumfahrt fliegen wir über die Schwierigkeiten hinweg - im wahrsten Sinne des Wortes", sagte er. So baue die ISS, die im November 20 Jahre alt wird, in Krisenzeiten Brücken.

Auch deswegen ist Wörner nicht abgeneigt, das Milliardenprojekt ISS fortzusetzen. Bislang ist der Betrieb des Raumlabors bis 2024 gesichert. Doch es gebe Überlegungen bei den Hauptgeldgebern USA und Russland für eine Verlängerung bis 2028. Auch für Europa wäre dies eine gute Chance, denn die ISS sei die beste Möglichkeit für Forschung in der Schwerelosigkeit und für internationale Kooperation.

Nächstes Ziel der Esa: Den Mond erkunden

"Aber wir sollten auch überlegen, was wir danach machen könnten." Wörner träumt von einer stärkeren Erkundung des Mondes - mit Robotern und mit Menschen. "Das ist eine ganz klare Vision, die sich langsam in die Realität umwandelt." Doch auch Experimente in einem niedrigen Erdorbit würden nach dem möglichen Ende des ISS-Programms weiter gebraucht, sagte Wörner. Somit dürfte es auch in Zukunft viel Arbeit geben für Gerst und seine internationalen Raumfahrerkollegen.

Der Flug zur Internationalen Raumstation ISS

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kad/kns/news.de/dpa
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