03.09.2018, 15.09 Uhr

Dreifachmord in Hille - Prozess-Beginn: Fremdenlegionär Jörg W. und Zeitsoldat Kevin R. vor Gericht

Das undatierte, von der Polizei Bielefeld herausgegebene Fahndungsfoto zeigt den tatverdächtigen 51-jährigen Jörg W. Er war am Samstag in Bayern von Spezialkräften festgenommen worden.

Das undatierte, von der Polizei Bielefeld herausgegebene Fahndungsfoto zeigt den tatverdächtigen 51-jährigen Jörg W. Er war am Samstag in Bayern von Spezialkräften festgenommen worden. Bild: Polizeipräsidium Bielefeld

Nach den aufsehenerregenden Leichenfunden im ostwestfälischen Hille vor knapp sechs Monaten hat am Montag in Bielefeld der Prozess gegen zwei Männer wegen dreifachen Mordes begonnen. Der ehemalige Fremdenlegionär Jörg W. und der mitangeklagte Zeitsoldat Kevin R. sollen aus Habgier im August 2017 einen 72 Jahre alten Nachbarn sowie einen Hilfsarbeiter getötet haben.

Leichenfund in Hille: Ex-Fremdenlegionär Jörg W. vor Gericht

Es soll ihnen laut Staatsanwaltschaft darum gegangen sein, die monatlichen Einkünfte der Opfer einzustreichen. Im Frühjahr 2018 sollen sie dann einen 30-Jährigen erschlagen haben, nachdem Jörg W. mit ihm in einen Streit um Geschäftliches geraten war.

Die drei Leichen waren im März 2018 auf zwei Höfen in Hille gefunden worden. In allen Fällen gingen der 51-jährige Jörg W. und der 24 Jahre alte Kevin R. laut Anklageschrift sehr brutal vor. So sollen die beiden Deutschen den Nachbarn die Treppe hinabgestoßen und ihn mit einem Pflasterstein traktiert haben. Am ersten Verhandlungstag am Bielefelder Landgericht soll zunächst die Anklageschrift verlesen werden.

Im März hatte der 51-Jährige bereits gestanden, einen 30-jährigen Mann aus dem niedersächsischen Stadthagen mit einem Hammer erschlagen zu haben.

Auf einem Foto, dass die Polizei im Rahmen der Fahndung veröffentlicht hatte, posiert er mit einer Pistole und einer Flasche Bier - mit einem überdimensionalen Dollarzeichen und verspiegelter Sonnenbrille. Der mutmaßliche Dreifachmörder von Hille in Ostwestfalen war nach einem Zeitungsbericht per Helikopter nach Bielefeld gebracht und dort erneut vernommen worden. Der Landeplatz des Hubschraubers vor dem Polizeipräsidium sei von schwer bewaffneten Spezialkräften abgesichert worden, schrieb die Zeitung "Neue Westfälische" im März.

Jörg W. gesteht erste Tat

Der 30-jährige syrisch-türkisch-stämmige Mann aus dem niedersächsischen Stadthagen, dessen Leiche als erstes gefunden worden war, war laut Polizei offensichtlich geschäftlich bei Jörg W. Mehr sagen die Ermittler dazu nicht. Möglicherweise sollte der Mann als Handwerker bei Jörg W. tätig werden.

Fund dreier Leichen - Eine Chronologie
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Die beiden anderen Männer sind laut Polizei dem Obduktionsergebnis zufolge wahrscheinlich ein 71 Jahre alter Nachbar, dessen Hof nur etwa 50 Meter von dem Hof von Jörg W. entfernt lag, und ein 65 Jahre alter Hilfsarbeiter, der bei Jörg W. gearbeitet hatte.

Leichenfund in Hille auf dem Grundstück von Jörg W.

Die Leichen der beiden Männer hatte die Polizei nach einer intensiven Suche mit vielen Beamten und Suchhunden am Mittwoch auf dem Grundstück von Jörg W. ausgegraben. Der getötete 30-jährige wurde schon vergangene Woche auf dem Grundstück des 71-Jährigen entdeckt. Ein DNA-Abgleich soll kommende Woche allerletzte Gewissheit zur Identifizierung der beiden Opfer bringen. Aber es gibt nur wenig Zweifel. Beide - der Nachbar und der Hilfsarbeiter - waren schon seit Monaten aus dem Dorfleben verschwunden und wurden vermisst.

Ermittler der Spurensicherung arbeiten auf einem Gehöft, wo die Leiche eines 30-Jährigen gefunden wurde.

Ermittler der Spurensicherung arbeiten auf einem Gehöft, wo die Leiche eines 30-Jährigen gefunden wurde. Bild: dpa

Mutmaßlicher Dreifachmörder soll Konten der Opfer geplündert haben

Inzwischen spricht immer mehr dafür, dass der mutmaßliche Mörder seine Taten aus Habgier begangen hat. Wie der Bielefelder Staatsanwalt Christopher York gegenüber dem "Westfalen-Blatt" bestätigte, habe der Tatverdächtige bei seiner Festnahme am 9. März zwei EC-Karten bei sich gehabt, die den Toten gehörten. Zudem gebe es Videoaufnahmen, die den Beschuldigten in zwei Fällen beim Geldabheben zeigen würden. York wies jedoch gleichzeitig darauf hin, dass die Ermittlungen noch nicht abgeschlossen seien. Noch sei nicht zweifelsfrei bewiesen, dass die Renten der Opfer das Motiv für die Taten waren.

Lesen Sie auch: Tatverdächtiger (18) ist abgelehnter Asylbewerber.

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sba/jat/news.de/dpa
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