09.11.2017, 10.09 Uhr

Brasilien: Jugendliche streamen Tod live bei Facebook

In Brasilien sind drei Jugendliche versehentlich Opfer der Polizei geworden.

In Brasilien sind drei Jugendliche versehentlich Opfer der Polizei geworden. Bild: dpa

Mit 61.619 gewaltsamen Todesfällen ist in Brasilien im vergangenen Jahr ein neuer trauriger Rekord aufgestellt worden. Das sind sieben Todesopfer pro Stunde. Nun ist ein schockierendes Video bei Facebook aufgetaucht. Polizisten erschießen mehrere Jugendliche - versehentlich.

Wie brasilianische Medien berichten, soll die Polizei in einem Helikopter den Drogenboss Nando gejagt haben. Die schwer bewaffneten Polizisten wollten den Kriminellen nach einer Party stellen, doch der Einsatz nahm ein tragisches Ende. Die Polizisten feuerten auf ein Auto voller Jugendlicher, drei sterben und einer wird schwer verletzt.

Die Jugendlichen sollen Mitglieder der Drogenbande gewesen sein. Laut Medienberichten soll die Polizei ohne Vorwarnung gefeuert haben. Die Jugendlichen sollen vor den Schüssen ein Live-Video auf Facebook gestreamt haben, ebenso wie ihren Tod. Als die Jugendlichen von den Kugeln getroffen werden, fällt das Handy zu Boden, die Musik läuft weiter.

Kriegsähnliche Zustände in den Favelas von Brasilien

Im Vergleich zu 2015 ist die Zahl der Toten um 3,8 Prozent gestiegen. "Das entspricht in etwa den Opferzahlen des Atombombenabwurfs auf Nagasaki 1945", teilte das auf Sicherheitsfragen spezialisierte Fórum Brasileiro de Segurança Pública mit. Zum Vergleich: Vor 30 Jahren lag die Opferzahl in Brasilien noch bei 23.000, 1997 waren es dann bereits 40.000 und 2007 etwa 47.700. Es gab seither kaum Jahre mit rückläufigen Zahlen, allerdings wächst auch die Bevölkerung - in Brasilien leben 207 Millionen Menschen.

Unter den Opfern waren im vergangenen Jahr auch 437 Polizisten und Soldaten; ein Anstieg um 17,5 Prozent. Zugleich starben den Angaben zufolge 4224 Menschen bei Polizei- und Militäreinsätzen. Amnesty International klagt immer wieder eine überbordende Polizeigewalt an.

Lesen Sie auch: Polizei erschießt bewaffneten Mann bei versuchter Festnahme.

Trotz der Olympischen Spiele in Rio de Janeiro im vergangenen Jahr mit einer starken Militärpräsenz konnte dieser neue Negativrekord nicht verhindert werden. Im Bundesstaat Rio de Janeiro wurden 5010 Tötungsdelikte für 2016 registriert. Am dramatischsten war die Lage in den Bundesstaaten Sergipe (statistisch gab es 64 Tötungsdelikte pro 100.000 Einwohner), gefolgt von Rio Grande do Norte (56,9/100.000 Einwohner) und Alagoas (55,9/ 100.000 Einwohner). Zum Vergleich:In Deutschland lag die Quote zuletzt bei rund 0,8 Tötungsdelikten je 100.000 Einwohner.

Auch im laufenden Jahr sieht die Lage nicht besser aus, in Rio wird ein weiterer Anstieg der Mordzahlen erwartet. Seit Wochen kommt es in Rio de Janeiro in einigen Favelas zu kriegsähnlichen Szenen.

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bua/fka/news.de/dpa
Themen: Brasilien
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