04.11.2017, 08.00 Uhr

Sedletz-Ossarium: So schaurig-schön huldigte eine deutsche Adelsfamilie dem Tod

Das Sedletz-Ossarium lockt mit ungewöhnlich morbider Schönheit jedes Jahr tausende Touristen an.

Das Sedletz-Ossarium lockt mit ungewöhnlich morbider Schönheit jedes Jahr tausende Touristen an. Bild: news.de/screenshot(youtube.de/Tomáš Polenský)

Von news.de-Redakteurin Anne Geyer

Eine Stunde Autofahrt von Prag entfernt liegt der kleine Ort Sedlec (früher Sedletz), ein Vorort der beschaulichen Städtchens Kutná Hora (dt.: Kuttenberg). Doch der friedlich-dörfische Schein trügt! Denn hier steht eine Kirche, die es in sich hat. Denn die Knochenkirche (auch Ossarium genannt) besteht aus über 40.000 menschlichen Skeletten. In Auftrag gegeben von der Adelsfamilie die hier einst lebte, dem Geschlecht Schwarzenberg.

10.000 menschliche Gebeine wurden im Sedletz-Ossarium künstlerisch verbaut

10.000 der menschlichen Gebeine wurden zudem künstlerisch verarbeitet, sprich, aus ihnen wurden Kronleuchter, Wappen und Wandschmuck fabriziert. In Auftrag gegeben wurde dies zum Ende des 19. Jahrhunderts von der Adelsfamilie Schwarzenberg. Sie beauftragten den Schreiner und Holzschnitzer František Rint aus den menschlichen Überresten Ausschmücke für die Kapelle auf dem Friedhof herzustellen. Um diese dann vor dem weiteren Verfall zu schützen, mussten die Knochen desinfiziert und mit chlorhaltigem Kalk präpariert werden.

Nur eine Sage? Ein halbblinder Mönch soll mit dem Aufschlichten der Skelette begonnen haben

Einer Sage nach sollen aber nicht erst die Schwarzenbergs Gefallen an der morbiden Kunst gefunden haben. Ein halbblinder Mönch soll während der Entstehung der Kirche im 15. Jahrhundert bereits angefangen haben, die Gebeine der Toten zu Pyramiden aufzuschlichten. Ob da etwas dran ist, ist kaum nachvollziehbar. Doch um das Gebäude zu errichten, mussten zu jener Zeit tatsächlich Leichen exhumiert und in der Kirche eingelagert werden.

Morbide Kunst des Sedletz-Ossariums soll an Vergänglichkeit des Menschen erinnern

Doch warum sollte sich jemand einen 3-Meter-Knochenleuchter aus Totenköpfen und Armknochen und sein eigenes Wappen aus Gebeinen herstellen lassen, wie es die Schwarzenbergs taten? Angeblich wollten sie somit an die Vergänglichkeit des Menschen erinnern und dem Kirchenbesucher mit den Skelett-Ausschmückungen einen Spiegel vorhalten. Zugegeben, eine ziemlich drastische Art und Weise die sie dafür wählten.

Für das böhmische Dorf Sedletz ist das Ossarium heute ein Glücksfall. Denn die Skelett-Sammlung zieht jährlich 100-Tausende Besucher an. Und nicht nur die! Hollywood drehte hier bereits den Fantasy-Film "Dungeons and Dragons". Und auch Schock-Rocker Marilyn Manson schoss ein paar skurrile Selfies in der Kirche.

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